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Wenn du in Sachen Liebe nicht weiter weisst, frag Ovid.<br data-editable="remove">
Wenn du in Sachen Liebe nicht weiter weisst, frag Ovid.
bild: watson

9 saftige Liebes-Tipps frisch aus der Antike, Teil II: Diesmal für Frauen! 

Im ersten Teil haben wir uns Ovids Aufreisser-Tipps für Männer angeschaut. Nun kommen wir zum schönen Geschlecht: Denn auch für uns hat der römische Dichter ein paar Liebes-Ratschläge.
02.06.2016, 09:0003.06.2016, 17:00

Der römische Dichter Publius Ovidius Naso verfasste seine «Liebeskunst» («Ars Amatoria») unter der Regentschaft von Augustus. Das war gefährlich, weil dieser erste Kaiser unheimlich sittenstreng war und ihm deshalb Ovids Seitensprung-Huldigung gewaltig gegen den Strich gehen musste. Wahrscheinlich war dies auch einer der Gründe, weshalb der Dichter mitsamt seiner riesigen Nase aus Rom verbannt wurde. 

Was ihr hier jetzt zu lesen bekommt, war also mal unheimlich verboten. Und Frauen – das wissen wir spätestens seit Eva – stehen voll auf verbotene Sachen. 

Böse, böse Eva!<br data-editable="remove">
Böse, böse Eva!
bild: imgur

Weil Ovid den Männern sagte, sie könnten jede Frau erobern, muss er natürlich den Frauen raten, sich auch möglichst erobern zu lassen: 

«Folgt, ihr Sterblichen, dem Beispiel der Göttinnen und verweigert eure Gunst nicht den Männern, die euch begehren. Mögen sie euch auch betrügen, was verliert ihr schon? Alles bleibt euch; wenn sie auch tausendfach nehmen, bedeutet das doch keinen Verlust. [...] Mein Wort macht euch nicht zu Dirnen; es verbietet euch nur, Verluste zu fürchten, die keine sind.»
Ovid, «Ars Amatoria»

Gut zu wissen.

Mach vorwärts, bald bist du alt! 

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gif: imgur
«Weh mir, wie schnell wird der Körper schlaff und faltig, und die Farbe vergeht, die auf dem blühenden Gesicht war! Pflückt die Blume, pflückt ihr sie nicht, so fällt sie schmählich von selbst ab.»
Ovid, «Ars Amatoria»

Ja, unsere Vorzüge fliehen rettungslos dahin, deshalb sollte man nicht zögern, sich der Liebe hurtigst hinzugeben. Und merk dir: Geburten verkürzen die Jugend leider auch – oder in Ovids Worten gesagt: «Erntet man dauernd auf einem Acker, so wird er kraftlos.» 

Viele Pflegetipps für die erfolgreiche Frau:

«Schönheit ist eine Gottesgabe, doch wie wenige können sich rühmen, schön zu sein! Ein grosser Teil von euch hat diese Gabe nicht.»
Ovid, «Ars Amatoria»
bild: watson

Dafür gibt es Pflege! Aber bei Jupiter, übertreiben dürfen wir es damit nicht. Die Öhrchen sollen nicht mit teuren Steinen behängt werden und das Kleid muss auch überhaupt nicht golddurchwirkt sein, denn:

«Mit dem Prunk, der uns anlocken soll, verjagt ihr uns oft.»
Ovid, «Ars Amatoria»

Für Männer wie Frauen gilt nach Ovid also die Faustregel: Sei sauber, aber nicht aufgedonnert.

Zur Haartracht:

  • Ein längliches Gesicht verträgt gut einen klaren Scheitel. 
  • Ein rundes Gesicht hingegen verlangt, «dass oben an der Stirn ein kleiner Knoten übrig bleibt, so dass die Ohren frei sind.»
What? Ja. So genau haben wir das auch nicht verstanden.
What? Ja. So genau haben wir das auch nicht verstanden.
  • Finde heraus, ob du dein Haar auf die Schulter herabwallen willst oder es lieber locker oder straff zusammenbindest. Ob dir Locken oder gerade Haare besser stehen. 
  • Die Frisur nachlässig aussehen zu lassen (freilich ohne dass sie es ist), kommt auch gut, denn «die Kunst ähnelt dem Zufall.»
  • Befragt den Spiegel, Frauen! Denn Ovid kann nicht alle Frisuren aufzählen. Weil es so viele gibt «wie Wild in den Alpen», und jeder Tag neue Moden erschafft.
  • Und während der Mann traurig entblösst wird oben herum, hat die Frau eben die Möglichkeit, ihr graues Haar mit germanischen Kräutern zu färben oder sich gar eine Perücke zu kaufen.

Zur Kleidung:

«Was ist es für ein Wahnsinn, sein Vermögen am Körper zu tragen?»
Ovid, «Ars Amatoria»
Nicht übertreiben, Ladys.<br data-editable="remove">
Nicht übertreiben, Ladys.

Darum kaufe bei H&M. Ovid versteht nicht, warum Frauen so blödsinnig viel Geld ausgeben für Kleidung. Viel wichtiger sei nämlich, dass die Farbe zur Trägerin passt. Eine Schneeweisse sollte sich eher an die dunklen halten, während sich die Dunkelhäutige in Weiss hüllen sollte. 

Zur Körperpflege:

  • Ebenso wie bei den Männern gilt: Kein trotzig stinkender Bock soll unter deinen Achselhöhlen wohnen!
  • Lass die Beine nicht von borstigen Härchen rau sein.
  • Röte deine Wangen, wenn es die Natur nicht macht.
  • Lass deine Zähne nicht braun werden!
  • Die Augen untermale mit feiner Asche oder Krokus Eyeliner, Kajal und Lidschatten.
  • Fülle die kahlen Stellen neben deinen Augenbrauen kunstvoll aus.
Was? Ovid propagiert die Monobraue?!<br data-editable="remove">
Was? Ovid propagiert die Monobraue?!
bild: fanshop

WICHTIGER HINWEIS: Pflege dich niemals in Anwesenheit deines Liebhabers!

Du darfst keinerlei Schminktöpflein auf dem Tisch rumstehen lassen, wenn dein Liebster bei dir weilt. Auch Zähneputzen liegt nicht drin. Und wehe du verwendet vor seinen Augen Hirschmark. Moment. Hirschmark? Siehe Infobox.

Hirschmark – wofür?
Auch Hildegard von Bingen, die berühmte Benediktinerin, die im 12. Jahrhundert hinter dicken Klostermauern lebte, empfahl die Verwendung von Hirschmark. Und zwar zur Behandlung von Rheuma und Gicht. Zusammen mit zerstossenen Wermut-Blättern machte sie daraus eine Creme. 
«Diese Dinge werden euch zwar Schönheit schenken, aber hässlich mitanzusehen sein.»
Ovid, «Ars Amatoria»
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Soll also heissen: Lass dich erst sehen, wenn du zurecht gemacht bist, denn es schicke sich, dass Männer vieles nicht wissen. 

Übrigens müssen wir Ovid unbedingt vertrauen, denn er weiss wirklich, wovon er spricht:

«Man hatte einem Mädchen einmal plötzlich meine Ankunft gemeldet, in ihrer Aufregung setzte sie sich die Perücke falsch herum auf. Eine so grosse Blamage möchte man nur seinen Feinden wünschen, und diese Schande möge die jungen Partherfrauen treffen.» 
Ovid, Ars Amatoria
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Samara trägt ihr Haar eigentlich immer so ...
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Wie du deine körperlichen Mängel verbirgst:

Die Fehler müssen natürlich tunlichst versteckt werden in Ovids Welt. 

Für die kleinen Frauen: Du musst sooft du kannst sitzen, damit du grösser wirkst, wenn du stehst. Und wenn du auf dem Bett liegst, musst du deine Füsse unter dem Laken verbergen, damit dein Liebhaber deine Grösse nicht messen kann. 

Für die mageren Frauen: Du musst dicke Stoffe tragen und der Mantel soll dir weit von den Schultern herabfallen.

Für die mit hässlichen Füssen: Verberge sie stets in schneeweissem Leder. 

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Hinfort damit!
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Für die mit dicken Fingern und spröden Nägeln: Mit sparsamen Gesten sollst du deine Reden untermalen. 

Für die mit lästigem Mundgeruch: Rede nicht, bevor du gegessen hast und halte immer Abstand zum Munde deines Mannes.

Für die mit schwarzen oder schiefen Zähnen: Lach nicht. 

In welcher Stellung du Liebe machen musst:

«Es empfinde die Frau die Liebe, gelöst bis ins innerste Mark, und gleich gross sei die Lust für beide. Schmeichelnde Laute und liebliches Flüstern sollen nicht aufhören, und mitten im Spiel sollen dreiste Reden nicht verstummen.»
Ovid, «Ars Amatoria»
Dirty Talk muss sein.<br data-editable="remove">
Dirty Talk muss sein.
bild: imgur

Es kommt natürlich auch hier abermals darauf an, deine Vorzüge richtig ins Szene zu setzen: So soll die Frau mit dem schönen Gesicht zurückgelehnt daliegen, die Unhübsche hingegen sollte dem Liebhaber eher den Rücken zeigen. Und die Kleine muss reiten. 

«Andromache sass nie rittlings auf Hektor, weil sie himmellang war.»
Ovid, «Ars Amatoria»

Bist du allerdings schon sehr runzlig, dann rät dir Ovid, umgekehrt zu reiten («Reverse Cowgirl») – wie der schnelle Parther, der verkehrt herum auf dem Pferd sitzt. 

Die Damen mit jugendlichen Schenkeln und untadeligen Brüsten sollen schräg auf das Lager hingegossen liegen, während der Mann steht. 

Und falls du gezwungen bist, deine Lust vorzutäuschen (weil deine Genussstelle «dumpf» ist oder der Mann eine schlechte Performance liefert), dann verrate dich nicht! Deine Laute und deine Blicke müssen glaubwürdig sein. 

Also so wie rechts.
Also so wie rechts.
bild: ifunny

Und für alle Langhaarigen gilt: Zögert nicht, eure Mähnen wild über den Rücken schweifen zu lassen und dabei den Hals zurückzubiegen!

Sei anmutig! (Es ist offenbar lernbar)

«Die Öffnung des Mundes sei mässig, beiderseits seien Grübchen, und den oberen Rand der Zähne bedecke der unterste Teil der Lippen.»
Ovid, «Ars Amatoria»
So eher nicht.
So eher nicht.

Dabei sollst du fröhlich und weiblich klingen und eben nicht «wie die hässliche Eselin vom rauen Mühlstein her brüllt.» 

Du solltest dich zusätzlich dümmlicher stellen als du bist, sag manche Wörter falsch, denn Ovid meint, im Fehler liege unheimlich viel Anmut. 

Wenn ihr zusammen esst, dann darfst du keinesfalls gierig in in dich hineinschaufeln, denn:

«Sähe Paris seine Helena gierig essen, würde er voll Abscheu sagen: Es war eine Dummheit, sie zu rauben.»
Ovid, «Ars Amatoria»
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Halte dich also mehr ans Trinken, du darfst auch gerne tanzen und singen, aber wehe dir, du siehst plötzlich doppelt und kannst dich nicht mehr auf den Beinen halten. Ovid findet eine Frau nämlich geradezu abstossend, wenn sie «von reichlichem Weingenuss triefend daliegt».

Obacht vor den Schönlingen und ihren leeren Versprechungen!

«Meidet Männer, die offen erkennen lassen, dass sie sich pflegen, auf Schönheit bedacht sind und sich das Haar kunstvoll zurechtlegen. Was sie auch sagen, das haben sie schon tausend Mädchen gesagt; ihre Liebe schweift umher und lässt sich nirgends häuslich nieder.»
Ovid, «Ars Amatoria»
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Trau. Ihm. Nicht.

Denn erstens geht es überhaupt nicht, wenn ein Kerl die glattere Haut hat als seine Geliebte. Und zweitens machen solche Männer tüchtig Versprechungen, halten diese aber nicht ein (auch weil Ovid ihnen dazu rät). Darum müssen wir Damen einfach ebenso viel versprechen, und erst wenn die Herren uns das Versprochene wirklich gegeben haben, sollen wir ihnen «die vereinbarten Freuden» schenken.

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Erst wenn er mit der Pizza rausgerückt ist, gib ihm, was du ihm versprochen hast.
gif: giphy

Mach dich rar! 

«Was man mühelos bekommt, ist eine schlechte Nahrung für lange Liebe.»
Ovid, «Ars Amatoria»

Kriegst du eine Nachricht von ihm, schreib keinesfalls sofort zurück, denn Verzug stachelt die Liebe an.

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Du musst ihn einfach ein bisschen zappeln lassen.
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Du darfst aber auch nicht allzu lange trödeln, denn dann verliert er das Interesse. Lass ihn fürchten und zugleich hoffen!

Spiel die Verliebte!

«Bewirkt – und das ist leicht –, dass wir glauben, wir würden geliebt.»
Ovid, «Ars Amatoria»

Masslose Sprödigkeit verachten die Männer. Wir müssen also unsere rasenden Temperamente stets zu zügeln wissen.

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Wir sind nie wütend. Stinkig auch nicht. Und schon gar nicht schlecht gelaunt. Nie.

Immer freundlich dreinschauen und ein Lächeln zärtlich erwidern. Und niemals Trübsal blasen, das ist total unsexy.

Nutze all deine Waffen, um ihn von deiner Liebe zu überzeugen: Zerfliesse vor Schmerz über seine Abwesenheit und scheue dich nicht, falsche Tränen fliessen zu lassen.

Stachle seine Eifersucht an!

In den Anfängen musst du ihn unbedingt hoffen lassen, dass er alleiniger Inhaber deines Gemachs ist. Später aber lass ihn spüren, dass er einen Nebenbuhler hat. Das muss nicht mal stimmen. Selbst wenn du keinen zweiten Liebhaber hast, solltest du deinen Einen bei seinem Besuch nicht bequem durch die Tür eintreten lassen. Durchs Fenster soll er steigen! Und du, mach ein verängstigendes Gesicht dabei, als würdest du fürchten, ihr könntet jeden Moment ertappt werden. 

So wird ihm klar werden, dass er um deine Gunst kämpfen muss. Und damit verhinderst du wirkungsvoll, dass die Liebe dahinwelkt.  

«Kränkung erregt die Glut aufs Neue, wenn sie auch schon lang erloschen war: Nehmt mich als Beispiel, ich liebe nur, wenn ich gekränkt bin.»
Ovid, «Ars Amatoria»
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