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Umweltpolitik

Brauchen wir einen Krieg gegen die Klimaerwärmung?

Die Erde erwärmt sich noch schneller als befürchtet. Um drohende Katastrophen zu verhindern, fordern Klimaexperten drastische Massnahmen.



Die negativen Effekte des Klimawandels sind weiter fortgeschritten als bisher angenommen. Zu diesem Schluss kommt der Weltklimarat (IPCC) in seinem jüngsten Report. Die Folgen sind bereits da: Stürme werden immer heftiger. Das zeigte beispielsweise der Hurrikan «Sandy», der im Oktober 2012 die Ostküste der Vereinigten Staaten verwüstet hat. Dürreperioden, Rekordhitze aber auch sintflutartige Regenfälle nehmen zu. 

«Wir steuern auf einen sozialen und ökonomischen Hurrikan zu ...»

«Wir steuern auf einen sozialen und ökonomischen Hurrikan zu, der riesigen Schaden verursachen wird, den grössten Teil der bestehenden Wirtschaft hinweg fegen und unsere Annahmen über die Zukunft zerstören wird», warnt Paul Gilding, Ex-Chef von Greenpeace und ruft zu einem eigentlichen Krieg gegen den Klimawandel auf. 

Anstrengungen wie im Zweiten Weltkrieg

Zum gleichen Schluss kommt Mark Bittman, Kolumnist der «New York Times». Er erinnert an den Zweiten Weltkrieg: «Wir brauchen öffentliche Anstrengungen, wie wir sie seit den 1940er Jahren nicht mehr gesehen haben», stellt Bittman fest. «Das kann gemacht werden, oder wir sollten es zumindest versuchen.» 

Gilding und Bittman kann man dem Lager der Öko-Aktivisten zuordnen. Ihre Rhetorik mag daher leicht überdreht wirken. Für William Nordhaus trifft dies nicht zu. Der Wirtschaftsprofessor an der Yale University gilt als führender Ökonom in Sachen Klimawandel, und er gilt auch als eher konservativ. In seinem kürzlich veröffentlichten Buch «The Climate Casino» fordert jedoch auch Nordhaus rasches Handeln. Dazu führt er folgende Gründe an:

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Bild: Giphy

Dank Fracking weniger CO2

Nordhaus weist darauf hin, dass unterschiedliche Modelle zu unterschiedlichen Resultaten kommen. Er macht jedoch auch klar, dass diese Unterschiede nicht mehr länger als Ausrede benutzt werden können, die Hände in den Schoss zu legen. «Es handelt sich um Erkenntnisse der führenden Wissenschaftler der Klimaforschung», schreibt Nordhaus. «Ihre zentrale Botschaft sollte nicht in den Details der Unterschiede verloren gehen.» 

«Ihre zentrale Botschaft sollte nicht in den Details der Unterschiede verloren gehen.» 

Die Reduktion von CO2 ist das zentrale Anliegen im Kampf gegen die Klimaerwärmung. Während die Umweltaktivisten eine radikale Umstellung auf nachhaltige Energie fordern, schlägt Nordhaus eine pragmatische Lösung vor. Er sieht im Fracking, der umstrittenen Methode zur Förderung von Erdgas und Öl keine neue Bedrohung, sondern eine Chance. Wird nämlich zur Erzeugung von Strom in den USA nicht mehr Kohle, sondern Erdgas verwendet, dann halbiert sich der CO2-Ausstoss schlagartig. Bereits heute lässt sich dieser Effekt teilweise beobachten. Dank Fracking sinkt bereits heute der CO2-Ausstoss in den USA. (In der Schweiz wird Strom entweder mit Wasser- oder Atomkraft erzeugt.) 

Landwirtschaft kann den Klimaschock verkraften

Bis Mitte des 21. Jahrhunderts werden auf der Erde voraussichtlich rund neun Milliarden Menschen leben. Um sie zu ernähren, muss die Produktion von Nahrungsmittel um rund 70 Prozent erhöht werden. Der Klimawandel führt aber gemäss vielen Experten dazu, dass die Erträge der Landwirtschaft rückläufig sein werden. 

«Die Wirtschaft wird in der Lage sein, selbst grössere Schocks im Landwirtschaftssektor zu verkraften, ohne dass es zu nennenswerten Wohlstandsverlusten kommen wird.»

Bekommt also Thomas Malthaus doch noch Recht? Der englische Ökonom und Pfarrer hatte Ende des 18. Jahrhunderts prophezeit, dass die Erde bald zu klein sein werde, um alle Menschen zu ernähren. 

Nordhaus glaubt nicht an die Verelendungsthese von Malthaus. Die Landwirtschaft werde sich relativ gut den veränderten Klimabedingungen anpassen, glaubt er. «Die Wirtschaft wird in der Lage sein, selbst grössere Schocks im Landwirtschaftssektor zu verkraften, ohne dass es zu nennenswerten Wohlstandsverlusten kommen wird», stellt Nordhaus fest. 

Fleischkonsum auf das Niveau der 1960er Jahre zurückfahren

Allerdings: Wahrscheinlich werden wir unsere Diät umstellen müssen. In den reichen Ländern hat sich der Fleischkonsum in den letzten 50 Jahren etwa verdreifacht. Rund 70 Prozent des Getreides wird heute an Rinder, Hühner und Schweine verfüttert. Industrielle Fleischzucht ist ein bedeutender Faktor im Klimawandel geworden, und zwar gleich doppelt: Das Wasser wird bald zu knapp werden, um einen solchen Fleischkonsum aufrecht zu erhalten. Die Fürze der Kühe enthalten zudem Methan, ein Treibhausgas, dass noch weit schädlicher ist als CO2. 

Der nüchterne Ökonom Nordhaus warnt eindrücklich davor, die Kosten eines Nichtstuns zu unterschätzen. «Meine Forschung hat – wie auch fast alle anderen Modelle – ergeben, dass es beträchtliche Vorteile hat, wenn wir jetzt handeln» stellt er fest. «Warten ist nicht nur wirtschaftlich gesehen teuer, es wird auch den notwendigen Übergang noch kostspieliger gestalten, wenn er schliesslich doch stattfinden wird.»

Eine Billionenlösung für ein Billionenproblem

«... die Schlacht um die Herzen und den Verstand der Menschen wird heftig werden.»

Nordhaus spricht zwar nicht von einem Krieg gegen den Klimawandel, aber auch er verwendet eine militärische Terminologie: «Die Klimaerwärmung ist ein Billionenproblem, das eine Billionenlösung erfordern wird, und die Schlacht um die Herzen und den Verstand der Menschen wird heftig werden.» 

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Piti 03.04.2014 19:24
    Highlight Highlight Vieles ist töricht an unserer Zivilisation. Wie verrückte laufen wir weissen Menschen dem Geld nach, bis wir soviel haben dass wir gar nicht lang genug leben können, um es auszugeben. Wir plündern die Wälder, den Boden, wir verschwenden die natürlichen Brennstoffe, als käme nach uns keine Generation mehr, die all dies ebenfalls braucht.
    Die ganze Zeit reden wir von einer besseren Welt, während wir immer grössere Bomben bauen, um jene Welt, die wir jetzt haben, zu zerstören.
    ( Tatangani Mani )
  • gabriel12 03.04.2014 17:08
    Highlight Highlight Die landwirtschaftliche Produktion muss um 70% gesteigert werden? Wie wäre es, wenn wir mit den ca. 40%, welche wir wegwerfen, anfangen würden?
  • romannn 03.04.2014 16:07
    Highlight Highlight Hier geht es doch offensichtlich darum diese umstrittene Fraking-Methode mehrheitsfähig zu machen.
  • Marco Honegger 03.04.2014 13:51
    Highlight Highlight empfehlenswert hierzu der Dok-Film "Home"
    Play Icon
    • Raphie 03.04.2014 14:10
      Highlight Highlight Sehr guter film. Aber auch er gibt keine antworten wie wir aus dem ganzen heraus kommen. Verzichten möchte niemend aber mehr natur schon. Da kommt mir immer den spruch in den sinn den ich als kind auf einem auto gelesen habe: alle wollen zurück zur natur, aber keiner zu fuss...
    • mrgoku 03.04.2014 15:54
      Highlight Highlight wir kommen aus dem ganzen nicht heraus. das ganze geht so weiter bis mutter Natur sagt "so jetzt ist Feierabend" und tschüss alle zusammen :)
    • Marco Honegger 04.04.2014 11:55
      Highlight Highlight nein der film gibt tatsächlich keine antworten Raphie. Er zeigt mehr wie verzwickt die ganze Lage ist. Und das ist irgendwie sehr frustrierend

In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

Der Volkszorn kocht, und der Redner weiss genau, was die Leute hören wollen: «Die Flücht­lin­ge müs­sen hin­aus­ge­wor­fen wer­den, und die Bau­ern müs­sen da­bei tat­kräf­tig mit­hel­fen», ruft Josef Fischbacher. Der Kreisdirektor des bayerischen Bauernverbandes giesst kräftig Öl ins Feuer und nimmt sogar das Nazi-Wort «Blutschande» in den Mund.

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