bedeckt, etwas Schnee
DE | FR
47
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Wissen
Klima

Weltklimarat warnt vor irreversiblen Folgen des Klimawandels

FILE - In this Monday, July 16, 2012 file photo, corn stalks struggling from lack of rain and a heat wave covering most of the U.S. lie flat on the ground in Farmingdale, Ill. To save the planet, the  ...
Aufgrund der Klimaerwärmung soll es in Zukunft zu mehr Hungersnöten kommen.Bild: keystone

Mehr Hitze, mehr Hunger: Weltklimarat warnt vor irreversiblen Folgen des Klimawandels

Überschwemmte Küstenorte, Artensterben: Ein Verfehlen des 1.5-Grad-Ziels des Pariser Klimaabkommens hat nach Einschätzung des Weltklimarates IPCC «irreversible Auswirkungen auf Menschen und ökologische Systeme».
23.06.2021, 05:37

Im Entwurf zu einem umfassenden IPCC-Bericht, der der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, gehen die Experten davon aus, dass eine Erderwärmung um zwei Grad 420 Millionen Menschen zusätzlich dem Risiko von Hitzewellen aussetzt.

Mensch als Leidtragender

Zudem sieht der Berichtsentwurf bis 2050 ein Hungerrisiko für acht bis 80 Millionen Menschen zusätzlich. Das Ausmass dieses Risikos sei abhängig von der Entwicklung bei den Treibhausgasemissionen, heisst es.

Der Zusammenbruch ganzer Ökosysteme, Wasser- und Lebensmittelknappheit und Krankheiten als Folgen der Erderwärmung werden dem Berichtsentwurf zufolge in den kommenden Jahrzehnten immer schneller zunehmen - auch wenn es den Menschen gelingt, ihren Treibhausgasausstoss zu reduzieren. Dabei sei der Mensch letztlich der grösste Leidtragende der von ihm selbst verursachten Krise.

«Das Leben auf der Erde kann sich von einem drastischen Klimaumschwung erholen, indem es neue Arten hervorbringt und neue Ökosysteme schafft», heisst es in der 137-seitigen technischen Zusammenfassung des Berichtsentwurfs. «Menschen können das nicht.»

Die Erde hat sich seit dem vorindustriellen Zeitalter bereits um 1.1 Grad erwärmt. Das Pariser Abkommen soll die Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst aber 1.5 Grad beschränken.

Ernten werden kleiner

Bereits für eine Erwärmung um zwei Grad zeichnet der IPCC-Berichtsentwurf schwerwiegende globale Folgen für Mensch und Natur. Derzeit steuert die Erde aber sogar auf eine Erwärmung um rund drei Grad zu.

Schon in den vergangenen 30 Jahren hat der Klimawandel den Angaben zufolge einen globalen Ernterückgang um vier bis zehn Prozent verursacht. In Afrika und Südamerika ist der Rückgang noch deutlicher. Auf die weiteren bevorstehenden Veränderungen ist die Welt den IPCC-Experten zufolge schlecht vorbereitet.

«Das Schlimmste kommt erst noch und wird das Leben unserer Kinder und Enkel viel mehr betreffen als unseres», heisst es in dem Papier. Bis 2050 werden demnach bei einer Erderwärmung von 1.5 Grad rund 350 Millionen Bewohner von Ballungsräumen wegen schwerer Dürren unter Wassermangel leiden. Bei einer Zwei-Grad-Erwärmung wären sogar 410 Millionen Menschen betroffen.

An der «Frontlinie»

Küstenstädte rückten an die «Frontlinie» der Klimakrise, weil sie immer häufiger von Stürmen getroffen würden, die wegen steigender Meeresspiegel noch gefährlicher seien. «Der derzeitige Stand der Anpassung wird unangemessen sein, um künftigen Klimarisiken zu begegnen», heisst es in dem Berichtsentwurf.

Besonders stark betroffen von den Klimafolgen sind laut Weltklimarat arme Länder. Aber auch Europa werde die Folgen zu spüren bekommen: Die dortigen Schäden durch Überflutungen würden sich bis zum Ende des Jahrhunderts auch bei einem hohen Mass an Anpassungsmassnahmen deutlich erhöhen, prognostizieren die Berichtsautoren auf Grundlage internationaler Studien.

Höheres Sterberisiko

Die Zahl der Menschen in Europa mit einem hohen klimabedingten Sterberisiko wäre demnach bei einer Erderwärmung um drei Grad drei Mal so hoch wie bei 1.5 Grad, insbesondere in Zentral- und Südeuropa. Ausserdem dürfte Europa dem IPCC zufolge mit mehr Hilfesuchenden aus Afrika und zunehmend mit von Mücken übertragenen Krankheiten wie Malaria, Dengue oder Zika konfrontiert sein.

Darüber hinaus weist der Berichtsentwurf auf die Gefahr hin, dass sogenannte Kipp-Punkte erreicht werden könnten, ab denen eine massive Beschleunigung des Klimawandels nicht mehr aufzuhalten ist - etwa durch das Schmelzen des Eisschildes in Grönland und der Westantarktis.

Jeder Bruchteil zählt

Dennoch betonen die Berichtsautoren, dass jeder «Bruchteil eines Grads Erwärmung» zähle. Klimaschutzmassnahmen zahlten sich insbesondere in der zweiten Jahrhunderthälfte aus und könnten die Menschheit vor dem Aussterben bewahren.

Nötig sei, dass Individuen, Gemeinden, Unternehmen und Regierungen nun einem Konzept der «Klimagerechtigkeit» folgten, mahnen die Berichtsautoren in ihrem Entwurf. «Wir müssen unsere Lebensweise und unseren Konsum neu definieren.»

Der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) wertet für Entscheidungsträger in aller Welt wissenschaftliche Studien zum Klimawandel aus und formuliert Schlussfolgerungen als Handlungsorientierung für seine rund 195 Mitgliedstaaten. Bei dem rund 4000 Seiten starken Berichtsentwurf handelt es sich um die vorläufigen Ergebnisse der IPCC-Arbeitsgruppe II, welche die Folgen der Erderwärmung beleuchtet.

Die Endfassung des Berichts, an dem mehr als 700 Fachleute mitarbeiten, soll nicht vor Februar veröffentlicht werden. Zuvor findet bereits im Oktober der Uno-Biodiversitätsgipfel und im November die Uno-Klimakonferenz statt. (sda/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Themen

Aufforstungs-Potential in der Schweiz und weltweit

1 / 18
Aufforstungs-Potential in der Schweiz und weltweit
quelle: crowther lab / eth zürich
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

In Zukunft dürfte uns die Hitze noch härter treffen!

Video: srf

Das könnte dich auch noch interessieren:

47 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
MRDL
23.06.2021 08:02registriert August 2020
.... und in der Schweiz alle so: Was, Treibstoffaufschlag, gehts noch!?
396
Melden
Zum Kommentar
avatar
Hiker
23.06.2021 07:25registriert Januar 2017
Ich frage mich seit den letzten Abstimmungen über Klimaschutzmassnahmen wieso wir überhaupt noch Diskussionen über den Klimaschutz führen? Die Mehrheit interessiert ja doch nur ihr Geldbeutel und nichts anderes. Geiz ist geil ist längst zur Religion geworden. Ich habe die Hoffnung auf ein Umdenken der Menschen weitgehend verloren. Es ist einfach nur noch traurig.
387
Melden
Zum Kommentar
47
Der erste Starkoch der Geschichte war ein Tessiner
Maestro Martino zog aus einem Tessiner Bergdorf aus und wurde zum ersten Starkoch der Geschichte. Im 15. Jahrhundert eroberte er die Küchen der Mächtigen und Reichen und gehört zu den Mitbegründern der italienischen Küche!

Es war einmal ein Junge, der konnte unglaublich gut kochen. In seinem Dorf in einem verlassenen Bergtal interessierte sich niemand dafür. Die Leute waren arm und hatten andere Sorgen. Deshalb beschloss der Junge, wegzugehen. Auf seiner Reise kam er in eine grosse Stadt und suchte sich dort Arbeit. Bald wurde der Herrscher des Orts auf ihn aufmerksam. Und so wurde der arme Junge zum persönlichen Koch des Stadtfürsten.

Zur Story