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Kunststoff für Futter gehalten: Ein verendeter Albatross am Strand gibt einen Blick auf seinen Mageninhalt preis.
bild: chris jordan

Unsere Meere sind voller Plastikmüll – doch diese 3 Projekte machen Hoffnung

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Die Meere vom Kunststoff zu befreien, scheint angesichts der unglaublichen Masse an Unrat eine schier unlösbare Aufgabe zu sein. Doch diese drei Projekte geben Anlass zu Optimismus, dass wir es schaffen können.

In unseren Weltmeeren haben sich zig Millionen Tonnen Plastik angesammelt. Bis dieser sich zersetzt, braucht es zwischen 20 und 400 Jahren. Doch täglich kommt neuer Konststoff-Müll dazu. Der Unrat sammelt sich in bestimmten Meeresstrudeln, die so zu gigantischen Müllstrudeln werden. Dort schwimmen Unmengen von Kunststoff-Verpackungen, Stücke von synthetischen Kleidern und andere Plastik-Teile unserer sogenannten Zivilisation.

Die Folgen für den Menschen sind mittlerweile absehbar – absehbar übel. Das Plastik zerfällt in kleineres Mikroplastik, das von Fischen und Seevögeln für Futter gehalten wird. Gelangt der Kunststoff erstmal in deren Mägen, wandert er in der Nahrungskette weiter nach oben – was nach Säugetieren und grösseren Fischen schliesslich auch den Menschen betrifft.

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Diese Nasa-Animation zeigt die Zunahme des Plastikmülls in den Ozeanen in den letzten 25 Jahren.
YouTube/Alan Duke

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Die Lage der fünf grossen Müllstrudel.
bild: one earth, one ocean

Erkannt ist diese Gefahr schon lange – gebannt wird sie aber dennoch nicht. Noch immer kommen zu den geschätzt 5,25 Trillionen Plastik-Teilen in den Ozeanen jährlich 8 Millionen Tonnen hinzu. Trotzdem: Es gibt Hoffnung. Dank Menschen, die diese Umweltkatastrophe nicht so einfach schlucken wollen. Hier drei vielversprechende Projekte gegen die Vermüllung unserer Ozeane.

Info-Abend am 14. April: Kann man mit Müll die Welt retten?

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Kleiner Verein, grosse Wirkung: One Earth, One Ocean

Gestatten: die «Seekuh». Ein Katamaran aus Aluminium, unter dem ein simples Netz angebracht ist, mit dem pro Einsatz zwei Tonnen Plastikmüll aus dem Meer gefischt werden können. Das Boot ist derzeit im Bau, wird wohl Ende Juli fertig sein und – wenn sich das System bewährt – den Auftakt einer ganzen Flotte von maritimen Müllsammlern sein. 

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Das Modell der Seekuh.
bild: one earth one ocean

In Auftrag gegeben hat das Schiff ein deutscher Verein: One Earth, One Ocean. Im Einsatz fährt der Katamaran nur zwei Knoten, damit Fische dem Netz problemlos ausweichen können. Die ersten Einsätze sind ebenfalls schon geplant: Vor Kapstadt, vor Rio und im Niger-Delta soll das Boot die Gewässer säubern.

Selbst Öl kann die Seekuh beseitigen: Dabei wird eine Spezialwolle verwendet, die der Verein in Nigeria bereits einem Praxistest unterzogen hat. Die «Pure»-Wolle saugt Chemikalien auf, Wasser dagegen nicht. Bis zum zehnfachen des Eigengewichts nimmt die Wolle auf, bevor sie an Land wieder ausgepresst werden kann. Der Vorteil: Auch Küstenbewohner können mit diesen Fasern das Meer vor ihrer Haustür säubern.

Eine zukünftige Version der Seekuh, der See-Elefant, soll zukünftig sogar direkt Plastik in Öl umwandeln können. «Anders funktioniert es nicht», sagt Vereinsgründer Günther Bonin im Fachblatt «Ingenieur». Er will aus einer Tonne Plastik 900 Liter leichtes Heizöl gewinnen. Ein weiteres Zukunftsprojekt: Der Aufbau einer internationalen Datenbank über den Verschmutzungsgrad der Meere.

Reedereien liefern dafür Wasserproben aus aller Welt ab, die dann in Deutschland ausgewertet werden. Zu diesem Zweck hat der Verein seit vergangenem Oktober einen zweiten Angestellten: einen Mikrobiologen.

Die Grosstat eines Teenagers: Das Ocean Cleanup Project

Die Idee zu diesem Projekt hatte Boyan Slat bereits, als er 16 Jahre alt war – und bei einem Tauchurlaub in Griechenland 2011 statt Unterwasser-Natur vor allem Plastik vor die Maske bekam. Ein Jahr später präsentiert er sein Vorhaben: Mit grossen Barrieren soll der Müll in den Strudeln konzentriert und durch eine automatische Förderanlage aus dem Wasser geholt werden.

Über eine Crowdfunding-Kampagne sammelte der Niederländer 2,2 Millionen Dollar für die Anschubfinanzierung ein und erstellte eine Machbarkeitsstudie. Während Slat anfangs noch belächelt wurde, überzeugte er seine Kritiker durch Hartnäckigkeit und Intelligenz – spätestens als rund 100 Wissenschaftler seinem Vorhaben ihren Segen gaben, war aus der vermeintlich fixen Idee ein seriöses Grossprojekt geworden.

So funktioniert das «Ocean Cleanup»-Konzept

Für dieses ist jede Menge Pionierarbeit nötig: Erst untersuchte ein Team, in welchen Wasserschichten der Müll verteilt ist. Im August 2015 startete dann eine grosse Expedition, bei der 30 Schiffe in den grossen pazifischen Müllstrudel gefahren sind, um herauszufinden, von welcher Plastikmenge die Umweltschützer eigentlich ausgehen müssen.

Das Resultat? «Die Ergebnisse der Expedition sind noch nicht veröffentlicht worden», sagt uns Vivian ten Have, die für die Pressearbeit verantwortlich ist. «Die Proben, die dabei gesammelt werden, werden von fünf Personen in einem Labor im niederländischen Delft ausgewertet. Mehr ins Detail gehen kann ich im Moment nicht.» Klingt, als wenn dabei mehr herausgekommen ist, als erwartet – doch ten Have lässt sich nicht in die Karten gucken. 

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Boyan Slat ist die gute Idee zu verdanken.
bild: the ocean cleanup project

Wie geht es weiter? Ten Have verweist auf das anstehende Nordsee-Projekt: In den Gewässern vor der niederländischen Küste soll erstmals getestet werden. «Wir haben letztes Jahr hier einige Simulationen gemacht und werden zum ersten Mal einen Prototypen vor der niederländischen Küste einem Praxistest unterziehen. Das wird in der zweiten Jahreshälfte passieren.»

Warum dauert das so lange? «Die verschiedenen Abteilungen wie Ingenieurswesen, Produktion und andere müssen erst aufeinander abgestimmt werden, bevor wir tatsächlich ins Wasser können», erklärt ten Have. «Wir sind Pioniere, sowas ist noch nie gemacht worden. Die Entwicklung braucht viel Zeit.»

Nach diesem Schritt soll das erste funktionstüchtige System vor der japanischen Insel Tsushima installiert werden.

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Das Projekt im Video erklärt.
YouTube/iEquali

Gleicht geht's zu Beispiel Nummer 3, doch vorher kurz ein Hinweis: 

Und schon geht's weiter! 

Den Menschen den Kopf waschen: Das Plastic Garbage Project

Während die ersten beiden Vorhaben eher handwerklicher Natur und auch ein bisschen Zukunftsmusik sind, zielt das Plastic Garbage Project auf den Kopf – und hat bereits 2012 begonnen. Damals taten sich das Zürcher Museum für Gestaltung und die Zürcher Hochschule der Künste zusammen, um eine Ausstellung über die Vermüllung der Meere auf die Beine zu stellen. 

«Wir waren der Ansicht: Man muss etwas machen. Das Problem hat ein enormes Ausmass erreicht», erinnert sich Roman Aebersold vom Museum für Gestaltung. «Es geht aber auch um Design, um das Ende des Lebens eines gestalteten Produktes. Das Design trägt eine Mitverantwortung dafür, wie das Produkt beschaffen und wie gut es recyclierbar oder biologisch abbaubar ist.»

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Plastikmüll im Dienste der Kunst.
bild: the plastic garbage project

Nach der Premiere ging die Ausstellung auf Wanderschaft: in Hafenstädten wie Hamburg und Hongkong, Ghent und Göteburg zu sehen. Aber auch in Orten ohne Meer-Anschluss wie Graz oder Amman in Jordanien präsentierten die Zürcher ihre Arbeit – und sammelten beispielsweise in Marokko und Ägypten zusammen mit Schulklassen auch gleich selber Müll ein.

Als das Museum für Gestaltung 2012 die Ausstellung konzipierte, sei das Bewusstsein für die Konsequenzen des Problems hierzulande noch nicht besonders gross gewesen. «Im Gespräch hat man gemerkt, dass sich die Leute nicht vorstellen konnten, was das für Mengen sind. Ich habe das Gefühl, heute ist dieses Bewusstsein grösser, aber was noch fehlt, ist das Bewusstsein dafür, dass die Leute ein Teil der Lösung des Problems sein können.»

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Fast schon pittoresk: ein kaputter Plastikball.
nild: the plastic garbage project

Gemeint sind auch solche Schweizer, die unbedarft annehmen, als Alpen-Land müsse uns das nicht interessieren. «10 Prozent des Mülls im Meer kommt von Schifffahrtsindustrie und 10 Prozent direkt vom Strand. Aber 80 Prozent kommen aus Flüssen – und dabei beträgt der Plastikanteil 75 Prozent.» Filteranlagen holten zwar das Gröbste heraus, das Problem sei aber das kleinteilige Plastik.

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Aufbau der Ausstellung in Zürich.
YouTube/Museum für Gestaltung Zürich

«Die Kunststofffasern der Kleidung, die wir etwa zum Skifahren tragen, verliert bei jedem Waschgang Mikrofasern aus Plastik, die kein Filter herausholt. Auch ein Zürcher Konsument trägt so zur Meeres-Verschmutzung bei: Wir sind ein Teil des Problems und müssen deshalb auch ein Teil der Lösung sein», erläutert Aebersold.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Illuminati 05.04.2016 15:59
    Highlight Highlight Klar sind das tolle Projekte und ich habe vollen Respekt vor den Leuten, welche dies organisieren. Doch auch diese Projekte sind nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Es muss sich etwas grundlegend in der Mentalität aller Menschen ändern, damit man gar nicht erst den Abfall rausfischen muss!
    • mortiferus 05.04.2016 21:31
      Highlight Highlight Bin auch Deiner Meinung das wir uns fundamental ändern müssten. WIR. Wie soll das gehen? Der den ersten Schritt macht hat verloren, so ist es doch. Ich glaube nicht mehr daran, bin keine 20 mehr! Ich glaube unterdessen das sich erst nach einem Zusammenbruch der heutigen Zivilisation was ändern wird. Jede Zivilisation ist mal zu Ende. Ein ewig bestehendes Reich gibt es nicht. Eine Alternative wäre noch das Erscheinen oder Manifestieren eines Gottes oder das Auftreten von Ausserirdischen. Das Erlebnis oder die Erkenntnis müsste den krassesten Paradigmawechsel der Menschheit auslösen.
  • kunibert 04.04.2016 15:55
    Highlight Highlight Denke nicht das es die EINE Lösung gibt. Vor einiger Zeit gab es ein Crowd Funding Projekt, dass ggf. auch in Schweizer Seen zur Anwendung kommen könnte: https://www.indiegogo.com/projects/cleaning-the-oceans-one-marina-at-a-time#/
  • Baba 04.04.2016 13:36
    Highlight Highlight Wichtig ist es, auch im Urlaub den Plastikmüll zu recyclen. Da dies vor Ort eben häufig nicht möglich ist: kein Plastik in den Abfalleimer im Hotel, alles mit nach Hause nehmen, wo es korrekt dem Recycling (oder der Verbrennung) zugeführt werden kann. Leider gibt's auch in Europa noch viel zu viele offene Mülldeponien. Wenn's dann regnet, kann Müll in den kleinen Bach in der Nähe gespült werden, grössere Bach, Fluss, Strom, Meer...😕. Je näher an der Küste, umso schneller geht's... Deshalb: Leute, nehmt euren Plastikmüll zurück nach Hause. Oder noch besser: nutzt Alternativen zum Kunststoff!
    • Baba 04.04.2016 14:59
      Highlight Highlight @Libertas: Haben Sie sich schon einmal die Mühe gemacht in Ihrem Ferienhotel nachzufragen, was mit dem (Plastik)Müll passiert, wohin er gebracht wird, wenn der Papierkorb im Zimmer geleert wurde? Es gibt (Ferienorte mit) Müllhalden unmittelbar am Meer!

      Bei meinem letzten Besuch in der Masai Mara vor knapp zwei Monaten habe ich zum ersten Mal bei jedem einzelnen Halt am Fluss Plastikmüll gesehen - Shampooflaschen, Cremetuben u.ä. Aber klar, den Plastik wieder nach Hause nehmen ist ja so übertrieben...

      Ihre (und die vieler anderer) "Nach mir die Sintflut-Haltung" finde ich bedenklich.
    • Baba 04.04.2016 16:21
      Highlight Highlight Anscheinend wollen Sie das Problem einfach nicht verstehen?!?
      An vielen Urlaubsorten kommt es in etwa aufs gleiche an, ob Sie Ihren Müll direkt ins Meer entsorgen, oder ob Sie es auf Umwegen tun, indem Sie den Kunststoffabfall dort zurück lassen. Vielleicht hilft Ihnen dieser Bericht von 10 vor 10 ja etwas auf die Sprünge http://goo.gl/KnfA0e (und was für die Malediven gilt, passt auch für unzählige weitere Feriendestinationen in Europa und Übersee).
    • Yes. 04.04.2016 16:40
      Highlight Highlight Ich bin jetzt auch nicht der grösste Umweltschützer der Welt, aber einen Teil des Abfalls nach Hause mitzunehmen und fachgerecht zu entsorgen finde ich absolut zumutbar.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Schmiedrich 04.04.2016 13:22
    Highlight Highlight Dieser Müll im Meer ist schon ein grosses Problem, um so schöner, wenn sich ein Jugendlicher damit befasst und sogar eine Lösung findet! Chapeau!
    • Martiis 04.04.2016 15:43
      Highlight Highlight Dass es Menschen gibt, die so viel Einsatz zeigen, ist wirklich erfreulich. Ich bin nur etwas skeptisch, ob der Nutzen gross ist, wenn in dieser Angelegenheit nicht einmal grundsätzlich etwas passiert. Solange der Müll vielerorts nicht richtig entsorgt wird, ist es doch eine Sisyphusarbeit diesen wieder aus dem Meer zu fischen. Aber obwohl diese Mikroplastikverseuchung verheerende Folgen haben kann, wird nur selten darüber berichtet und die CH hat es z.B. nicht mal geschafft die Gratis-Plastiksäckli zu verbieten. http://mobile2.tagesanzeiger.ch/articles/56f04a4aab5c373577000001
  • meliert 04.04.2016 12:33
    Highlight Highlight Ich persönlich sammle und recycle alles was an Plastik anfällt (nicht nur PET). Bei den Sammelstellen gibt es zusätzliche Sammelsäcke, absolut keine Ausrede um dies nicht zu tun. Falls kein neuer Müll in die Gewässer kommt, kann es klappen mit der Reinigung der Meere., aber eben, der Grossteil der Weltbevölkerung schert sich nicht darum, leider☹️!
    • Baba 04.04.2016 13:46
      Highlight Highlight Vielerorts gibt es leider keine Alternativen zu offenen Mülldeponien, existieren keine wirklichen Recycling-Angebote für jeden Kunststoff (ein Grossteil des gesammelten Plastik wird hierzulande übrigens auch verbrannt! PET natürlich ausgenommen). Müllmanagement/Recycling/Entsorgung wären vielerorts sinnvolle Felder der Entwicklungshilfe, kombiniert mit Umweltschutz...
      Aber auch hierzulande gäbe es noch viiiel zu verbessern: muss wirklich jede/r Zuckerhut, Endivie etc in Kunststoff ummantelt sein? All dieser Convenience-Schrott ist in Plastik verpackt...nur um einige wenige zu nennen.

Ein Paar in Brasilien pflanzte 20 Jahre lang Bäume – und lebt jetzt in einem Wald

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