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Der «Sarco» kann in der Natur oder in Innenräumen verwendet werden.
Der «Sarco» kann in der Natur oder in Innenräumen verwendet werden.bild: exitinternational

Diese Suizidkapsel könnte bald in der Schweiz eingesetzt werden

07.12.2021, 11:2208.12.2021, 16:43

1300 Menschen sterben in der Schweiz jährlich durch Sterbehilfe. Die derzeit am meisten verwendete Methode ist die Einnahme von flüssigem Natrium-Pentobarbital. Die Person schläft zwei bis fünf Minuten nach Einnahme des Medikaments ein, fällt in ein Koma und stirbt darauf.

Nun wurde eine neue Methode in der Schweiz «zugelassen», wie swissinfo.ch schreibt. Eine im 3D-Verfahren gedruckte Kapsel, genannt «Sarco», darf in der Schweiz «legal» betrieben werden. Dies berichtet swissinfo.ch, das mit Philip Nitschke, dem Gründer des in Australien registrierten Unternehmens «Exit International», gesprochen hat. «Exit International» hat nichts mit der Schweizer Sterbehilfeorganisation «Exit» zu tun.

Der «Sarco» wurde an mehreren Kunstveranstaltungen in Europa ausgestellt.
Der «Sarco» wurde an mehreren Kunstveranstaltungen in Europa ausgestellt.bild: exitinternational

Die Kapsel könne von innen aktiviert werden, sagt Nitschke, der «Sarco» entwickelt hat. «Die Maschine kann zum Sterben an jeden beliebigen Ort gebracht werden. Das kann in einer idyllischen Umgebung im Freien sein oder zum Beispiel in den Räumen einer Sterbehilfe-Organisation.»

Die Person steige in die Kapsel und lege sich hin. Es sei «sehr bequem», so Nitschke. Der Person werde im Innern eine Reihe von Fragen gestellt. Wenn sie diese beantwortet habe, könne sie einen Knopf im Innern der Kapsel drücken.

«Die Kapsel ist auf einem Gerät montiert, das den Innenraum mit Stickstoff flutet und den Sauerstoffgehalt von 21 sehr schnell auf ein Prozent reduziert», sagt Nitschke gegenüber swissinfo.ch. Die Person fühle sich leicht desorientiert und vielleicht auch etwas euphorisch. Der Vorgang dauere lediglich 30 Sekunden. «Der Tod tritt durch Hypoxie und Hypokapnie ein, also durch einen Mangel an Sauerstoff bzw. Kohlendioxid. Es gibt keine Panik, kein Erstickungsgefühl.»

Gemäss Exit International wird «Sarco» aus einem biologisch abbaubaren Holzamalgam gedruckt. Sein oberer Teil kann abgenommen und als Sarg verwendet werden.
Gemäss Exit International wird «Sarco» aus einem biologisch abbaubaren Holzamalgam gedruckt. Sein oberer Teil kann abgenommen und als Sarg verwendet werden.bild: exitinternational
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In der Schweiz gibt es zahlreiche Stellen, die rund um die Uhr für Menschen in suizidalen und depressiven Krisen da sind – vertraulich und kostenlos.
Die Dargebotene Hand: Tel 143, www.143.ch
Beratung + Hilfe 147 für Jugendliche: Tel 147, www.147.ch
Reden kann retten: www.reden-kann-retten.ch
Hilfe für Menschen in der Landwirtschaft gibt es hier

Bisher gebe es zwei «Sarco»-Prototypen, erklärt Nitschke. Der dritte werde momentan in den Niederlanden gedruckt und soll 2022 in der Schweiz einsatzbereit sein.

Der «Sarco» in der Natur: So könnte die Aussicht in den letzten Minuten des Lebens aussehen.
Der «Sarco» in der Natur: So könnte die Aussicht in den letzten Minuten des Lebens aussehen.bild: exitinternational

Nitschke will ein Screening-System mit künstlicher Intelligenz entwickeln, um die geistige Leistungsfähigkeit der Person festzustellen. Es gebe eine Menge Skepsis vonseiten der Psychiatrie. «Aber unsere ursprüngliche konzeptionelle Idee ist, dass die Person einen Online-Test macht und danach einen Code erhält, um Zugang zu ‹Sarco› zu erhalten.»

Nach einem Onlinetest soll ein Code für den Zugang generiert werden.
Nach einem Onlinetest soll ein Code für den Zugang generiert werden.bild: exitinternational

Nitschke sagt, dass er mit verschiedenen Gruppen in der Schweiz gesprochen, die Sterbehilfe anbieten. Er hofft, dass «Sarco» in Zusammenarbeit mit den lokalen Organisationen zum Einsatz kommt.

Die beiden grössten Sterbehilfe-Organisationen der Schweiz sind Exit und Dignitas. Auch in den Niederlanden, Deutschland, Belgien, Luxemburg und Kanada ist der assistierte Suizid legal.

Wenn es nach Nitschke geht, wird schon bald die erste Person in der Schweiz von «Sarco» Gebrauch machen können. «Wenn keine unvorhergesehenen Schwierigkeiten auftreten, hoffen wir, dass wir ‹Sarco› im nächsten Jahr in der Schweiz zur Verfügung stellen können.» (cma)

* In einer ersten Version schrieben wir im Titel, die Suizidkapsel sei zugelassen. Dabei gibt es jedoch Unklarheiten, weshalb wir den Titel angepasst haben.

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