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Geburtenrate in OECD-Ländern hat sich in 60 Jahren halbiert

Auf Emma und Liam wurden die meisten Kleinkinder im vergangenen Jahr getauft (Symbolbild).
Immer weniger Kinder kommen auf die Welt – das könnte zum Problem werden.Bild: KEYSTONE

Kindermangel: Geburtenrate in OECD-Ländern hat sich in 60 Jahren halbiert

20.06.2024, 17:13
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Die Geburtenrate pro Frau ist in den 38 Mitgliedsländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in den vergangenen 60 Jahren um etwa die Hälfte geschrumpft. Während Frauen 1960 im Schnitt 3,3 Kinder zur Welt brachten, waren es 2022 nur noch etwa 1,5, wie die in Paris sitzende OECD in einem am Donnerstag erschienenen Bericht schrieb.

Die Organisation warnte, die niedrige Geburtenrate könne ernsthafte wirtschaftliche und soziale Folgen haben.

Der OECD zufolge liegt das Level, mit dem die Bevölkerung konstant gehalten würde, bei 2,1 Kindern pro Frau. Durch die gesunkene Rate droht der Organisation zufolge eine zunehmend alternde Bevölkerung und dadurch ein geringerer Bevölkerungsanteil derjenigen Menschen, die arbeiten gehen. Auf Regierungen kämen so höhere Ausgaben für Renten und Gesundheitsleistungen zu.

Heutzutage bekommen Frauen laut OECD auch später Kinder. Im Jahr 2000 waren Mütter bei der Geburt im Schnitt 28,6 Jahre alt. 2022 waren sie durchschnittlich 30,9 Jahre alt. In Deutschland stieg das Durchschnittsalter im gleichen Zeitraum von 28,8 auf 31,4 Jahre.

Geburtenrate auch in der Schweiz auf Tiefststand
Die Zahl der Kinder pro Frau in der Schweiz hat 2023 einen historischen Tiefststand erreicht. Mit 1,33 Kindern lag sie unter dem Stand von 2022 von 1,39 Kindern. Insgesamt kamen 80'000 Kinder zur Welt, 2,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Den Geburtenrückgang gab es bei Schweizer und ausländischen Müttern.

Allerdings fiel dieser bei den Schweizerinnen mit 4,2 Prozent höher aus als bei den Ausländerinnen (-0,8 Prozent), wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am 20. Juni zu den definitiven Zahlen seiner bereits im April veröffentlichten Bevölkerungsstatistik mitteilte.

Viele Mittel zur Unterstützung von Familien

Die OECD-Staaten nutzen Stefano Scarpetta, dem Leiter der Abteilung für Arbeit und Soziales bei der OECD, zufolge viele Mittel, um Familien zu unterstützen. Dennoch: «Die wirtschaftlichen Kosten und die langfristige finanzielle Unsicherheit dadurch, Kinder zu bekommen, beeinflusst die Entscheidung, Eltern zu werden, weiterhin stark.»

Väter sollen nach der Geburt eines Kindes zwei Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub nehmen können. Die Nationalratskommission unterstützt eine entsprechende Gesetzesänderung. (Archivbild)
Die Bedeutung der Familienpolitik wird in Zukunft grösser werden.Bild: KEYSTONE

Um es Menschen leichter zu machen, Kinder zu bekommen, müssten Staaten Familien umfassend und verlässlich unterstützen. «Dazu gehört bezahlbares Wohnen, Familienpolitik, die dabei hilft, Arbeit und Familie zu vereinen, und eine Kohärenz mit anderen politischen Massnahmen, die Zugang zu guten Jobs und Karrieremöglichkeiten für Frauen fördern.»

Die OECD vereint Länder, die sich zu Demokratie und Marktwirtschaft bekennen. Auch die Schweiz ist Mitglied der OECD. Neben grossen Volkswirtschaften wie Deutschland, den USA und Japan sind auch Schwellenländer wie Mexiko und Chile Mitglied. Insgesamt gehören 38 Staaten der OECD an. (pre/sda)

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49 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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KRFT KRFT
20.06.2024 17:52registriert Juni 2020
Tja, wenn zwei 100% arbeiten und das Geld trotzdem kaum reicht, dann werden Kinder zum Luxus.
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Bowl of Cherries
20.06.2024 18:20registriert Juli 2022
Good News, würde ich sagen. Jetzt müsste der Trend einer schrumpfenden Bevölkerung noch weltweit einzug halten. Das führt dann zuerst zu ein paar üblen Jahren in der Bevölkerungspyramide, aber danach ist mit einer Stagnation der Bevölkerung der Welt gedient.
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Kev66
20.06.2024 18:01registriert November 2019
Ist ja für die Umwelt das beste, was passieren kann, ach warte mal, nein wie schrecklich, der Kapitalismus funktioniert dann nicht mehr.
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