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Die Gebrüder Opel hinter dem «Quintuplet», einem Fahrrad für fünf Personen. 
Die Gebrüder Opel hinter dem «Quintuplet», einem Fahrrad für fünf Personen. 

Die Geschichte des Velos: Vom pedalenlosen Göppel zum modernen Blechesel

12.09.2016, 13:4426.10.2016, 10:44
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1817: Die Draisine

Das Fahrrad kam mit dem französischen Namen «Vélocipède» auf die Welt. Wir schreiben das Jahr 1817. Der deutsche Forstlehrer Karl Drais lässt seine Laufmaschine in Frankreich patentieren. Alles an ihr ist aus Holz, das vordere Rad ist lenkbar, sogar eine einfache Bremse gehört dazu. Ihrem Erfinder zu Ehren nannte man das Gefährt später auch Draisine. 

Die Hauptidee der Erfindung sei vom Schlittschuhfahren gekommen, sagte der Erfinder über sein Veloziped. Ohne Pedale musste die Urform des heutigen Fahrrads mit den Füssen auf dem Boden angetrieben werden.
Die Hauptidee der Erfindung sei vom Schlittschuhfahren gekommen, sagte der Erfinder über sein Veloziped. Ohne Pedale musste die Urform des heutigen Fahrrads mit den Füssen auf dem Boden angetrieben werden.bild: wikimedia

Erst lachte man über seine Erfindung, mechanische Hirngespinste seien das, schrieb der deutsche Schriftsteller Karl Gutzkow. Doch da wusste noch niemand, was sich aus der Draisine entwickeln wird. Und welchen Siegeszug sie antreten würde. 

«Das lächerliche Licht, das einige Müssiggänger und Caricaturen-Krämer auf sie geworfen haben, wird vor den Strahlen der Vortheile verschwinden, die die Draisinen der Welt noch einst gewähren werden.»
Lewis Copertz, Erfinder eines Handkurbel-Antriebes für Draisinen, 1821

22 Stundenkilometer wurden mit der Laufmaschine bei einem heimlichen Rennen 1829 in München erreicht. Heimlich war es, weil die Bürgersteige fünfzig Jahre lang Tabu waren für die Draisinen. Die Stadtstrassen waren im frühen 19. Jahrhundert holprig, und als diese Ur-Radfahrer sich deshalb auf den Bürgersteigen breit zu machen begannen, gingen die Fussgänger auf die Barrikaden.

1820-1865: Die unsportliche Bevölkerung braucht Vierräder

Sawyer lieferte seine Manpower-Lokomotiven an Fürstenhöfe in ganz Europa. Dieses Exemplar wurde Edward, dem Prinzen von Wales, 1858 vorgeführt.
Sawyer lieferte seine Manpower-Lokomotiven an Fürstenhöfe in ganz Europa. Dieses Exemplar wurde Edward, dem Prinzen von Wales, 1858 vorgeführt.bild: doverhistorian

Die Eisenbahn verdrängte die sowieso spärlich gewordenen Laufmaschinen gänzlich. Und weil es sich die Menschen des 19. Jahrhunderts nicht gewohnt waren, etwas Einspuriges mit zwei Rädern anständig zu balancieren, entwickelte Willard Sawyer sein Quadricycle mit Fusshebelantrieb und fuhr damit 1854 zur ersten Londoner Weltausstellung.

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1866: Das Tretkurbel-Veloziped

Paris, 1862: Pierre Michaux erfindet zusammen mit seinem Sohn das erste Zweirad mit Tretkurbelantrieb. Die Pedalen drehen sich mit dem Vorderrad, das ein bisschen grösser ist als das hintere, um die Geschwindigkeit zu erhöhen. Der Rahmen besteht aus Stahl, die Räder sind mit Vollgummi bereift. 

Der stolze Michaux mit seiner Erfindung.
Der stolze Michaux mit seiner Erfindung.bild: wikimedia

Nancy, 1862: Der 19-jährige Kinderwagenbauer Pierre Lallement sieht einen Draisinen-Fahrer, geht sofort nach Hause und baut ein eigenes Veloziped – ebenfalls mit einer Tretkurbel. 

Der stolze Lallement auf seiner Erfindung.
Der stolze Lallement auf seiner Erfindung.bild: wikimedia

Die beiden Pierres kommen zusammen und gehen mit ihrer bahnbrechenden Weiterentwicklung der Draisine in Serienproduktion. 1866 lässt Lallement das Pedal betriebene Gefährt in den USA patentieren. 

Schöne Velo-Zitate von berühmten Menschen für Zwischendurch

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1868: Das Hochrad

Zwei Männer auf ihren Hochrädern in Santa Ana, Kalifornien, 1886. Rahmen, Felgen und Speichen waren aus Stahl, die Bereifung aus Vollgummi.
Zwei Männer auf ihren Hochrädern in Santa Ana, Kalifornien, 1886. Rahmen, Felgen und Speichen waren aus Stahl, die Bereifung aus Vollgummi.bild: wikimedia

Der elsässische Mechaniker Eugène Meyer ersetzte die lottrigen Holzspeichen mit Drahtspeichen. Sein Vorderrad wurde drei Mal so gross wie das Hintere. Die Menschen sassen hoch oben auf ihren eleganten Kurbelvelozipeden – und wenn sie stürzten, stürzten sie schwer. 

Und wie zum Henker stieg man auf dieses Ding auf? So: Linken Fuss auf die Fussraste stellen, rechts abstossen, sich mit dem Rad zwischen den Beinen auf den Sattel ziehen und dann die Füsse auf die rotierenden Pedale setzen. 

Eine wahrlich sportliche Sache: Der Aufstieg auf ein Hochrad (ist offenbar nur mit sehr langen Beinen möglich).
Eine wahrlich sportliche Sache: Der Aufstieg auf ein Hochrad (ist offenbar nur mit sehr langen Beinen möglich).bild: wikimedia

Um 1878: Das erste Sicherheitsrad

Shergolds Sicherheitsfahrrad, 1878. Die beiden Räder sind fast gleich gross. Die Sitzposition war dadurch erheblich niedriger als beim Hochrad.
Shergolds Sicherheitsfahrrad, 1878. Die beiden Räder sind fast gleich gross. Die Sitzposition war dadurch erheblich niedriger als beim Hochrad.bild: sciencemuseum

Der Engländer Thomas Shergold entwickelte mit seinen Kollegen ein Velo, das sicherer zu fahren war. Das Besondere daran war der Kettenantrieb des Hinterrades. Es ermöglichte die Verkleinerung des überdimensionierten und deshalb gefährlichen Vorderrades seines Vorgängers. Die Hochräder verschwanden aber deshalb noch nicht. Vor allem reiche Bürger und Adlige zeigten sich gern auf ihren prestigeträchtigen Velozipeden – und guckten dabei von oben herab auf die anderen. 

1885: Das moderne Fahrrad

Jetzt ist alles da, wo es noch heute ist: Das moderne Fahrrad erobert die Welt.
Jetzt ist alles da, wo es noch heute ist: Das moderne Fahrrad erobert die Welt.bild: web.pdx.edu

Das «Rover Safety Bicycle» des Engländers John Kemp Starley wurde zum Prototyp des modernen, zeitlos eleganten Fahrrads mit seinem Diamantrahmen, der Anordnung der Bedienungselemente und den gleich grossen Rädern. Weil die Menschen noch immer derart verliebt waren in ihre Hochräder, organisierte Starley ein Rennen mit seinem «Rover II», um die Schnelligkeit des Hinterradantriebs zu beweisen – es wirkte.

1888: Dunlops Luftreifen macht das Fahrradfahren gemütlich

Dunlop (im Bild) klebte dünne Gummistreifen zu einem Schlauch zusammen und umwickelte ihn mit einem festen Leinenstoff. Das Ventil bastelte er sich aus einem Babyschnuller und der Spitze einer Stricknadel. Luft reinpumpen – und fertig war der pneumatische Reifen.
Dunlop (im Bild) klebte dünne Gummistreifen zu einem Schlauch zusammen und umwickelte ihn mit einem festen Leinenstoff. Das Ventil bastelte er sich aus einem Babyschnuller und der Spitze einer Stricknadel. Luft reinpumpen – und fertig war der pneumatische Reifen.bild: autoportal

Der Luftreifen wurde erfunden, weil der Schotte John Loyd Dunlop den Lärm nicht mehr ertrug, den sein Söhnchen mit seinem quietschenden Metall-Dreirad verursachte. So erzählt man sich das wenigstens. Dunlop war eigentlich Tierarzt, aber Wut kann jeden erfinderisch machen: Und so bastelte er einen Gummischlauch, füllte ihn mit Luft und legte ihn auf die Felgen.

Dunlop war allerdings nicht der Erste. Zwei Jahre zuvor brachte William Thompson den Luftschlauch bereits auf den Markt, aber niemand wollte ihn kaufen. Der Durchbruch gelang erst Dunlop. Ade harter Vollgummi, hallo Komfort:

«Der Vollgummi-Reifen reagiert ja beim Überfahren eines Steines oder einer Schwelle nahezu überhaupt nicht. Während natürlich der luftgefüllte Reifen nachgibt und diesen ganzen Stoss abfängt!»
Begeisterung bei Helmut Schilling, dem ehemaligen Technischen Direktor der Firma Dunlop in Hanau
Beispiel Dänemark: 1890 gab es ca. 3'000 Fahrräder in Kopenhagen. 1900 stieg die Zahl bereits auf über 30'000. Sieben Jahre später zählte man 80'000 und 1934 bereits 400'000.bild: cycling-embassy.denmark

Ab 1895: Die ersten E-Bikes

Elektromotor-Tandem aus dem Jahr 1900, gebaut von der Firma Clerc & Pingault. In dieser Zeit verkehrten in den USA 40 Prozent der Automobile mit Dampf, 38 Prozent elektrisch und erst 22 Prozent mit Benzin.
Elektromotor-Tandem aus dem Jahr 1900, gebaut von der Firma Clerc & Pingault. In dieser Zeit verkehrten in den USA 40 Prozent der Automobile mit Dampf, 38 Prozent elektrisch und erst 22 Prozent mit Benzin.bild: aqpl43.dsl.pipex

Ab 1895 sieht man auf den Strassen zwischen den Pferdekutschen, Dampfwagen und Ketten betriebenen Fahrrädern auch ein paar einzelne Velo-Exemplare, die mit einem zusätzlichen Antrieb ausgestattet waren: Mit Elektro-Nabenmotoren, die direkt im Vorder- oder Hinterrad eingebaut waren oder solche, die im Tretlager sassen. Damit wurde der Fahrer beim Pedalieren unterstützt.

Die ersten Patente für Pedelecs belegen, dass die Geschichte der Elektro-Fahrräder bereits 120 Jahre alt ist.

Eines der ersten Patente für ein Elektrofahrrad aus dem Jahr 1895 von Odgen Bolton Jr. mit einem Nabenmotor im Hinterrad.
Eines der ersten Patente für ein Elektrofahrrad aus dem Jahr 1895 von Odgen Bolton Jr. mit einem Nabenmotor im Hinterrad.bild: google/patents

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1900: Die Rücktrittbremse mit Freilaufnabe

Torpedonaben-Zeichnung aus den 20er Jahren.
Torpedonaben-Zeichnung aus den 20er Jahren.bild: veloklassiker

Der Gummiklotz, der beim Bremsen direkt auf die Lauffläche des Reifens gedrückt wurde, hatte um 1900 ausgedient. Die deutsche Firma Fichtel & Sachs liess sich eine Freilaufnabe mit Rücktrittbremse patentieren. Die Konstruktion ging unter dem Namen «Torpedo» auch in die Schweizer Geschichte ein; sie wurde ins legendäre Militärvelo eingebaut. 

Das Ordonanzrad 05 mit einem Gewicht von 22,5 Kilo wurde ab 1904 zum Schweizer Militärvelo – und blieb es für fast ein Jahrhundert.
Das Ordonanzrad 05 mit einem Gewicht von 22,5 Kilo wurde ab 1904 zum Schweizer Militärvelo – und blieb es für fast ein Jahrhundert.

1905: Die Kettenschaltung mit Umwerfer

Paul de Vivies Kettenschaltung wird bis heute immer weiter perfektioniert.
Paul de Vivies Kettenschaltung wird bis heute immer weiter perfektioniert.bild: noms.rues.st.etienne

Der Franzose Paul de Vivie war ein begeisterter Radfahrer. Er gab sogar eine Radfahrer-Zeitung heraus. Doch eines Tages wurde er beim Hinauffahren eines Berges von einem Pfeife rauchenden Leser seiner Zeitschrift überholt. De Vivie fluchte über seine starre Übersetzung, radelte nach Hause und dokterte an den Kernblättern und Zahnrädern herum bis er den Umwerfer erfunden hatte, der es dem Radler ermöglichte, selbst bei der Fahrt die Übersetzung zu wechseln. 

Tullio Campagnolo gilt als der Erfinder des Schnellspanners.
Tullio Campagnolo gilt als der Erfinder des Schnellspanners.bild: janheine

In der Folgezeit wurden die Gangschaltungen verbessert, sie wurden praktikabler und schneller, massgeblich vorangetrieben durch die Firma «Campagnolo», deren Gründer der gleichnamige Radsportler war. 

1973: Das Mountainbike

Der Radrennfahrer Gary Fisher gilt als der Erfinder des Mountainbikes. Heute ist er Namensgeber für Fahrräder der Marke Gary Fisher.
Der Radrennfahrer Gary Fisher gilt als der Erfinder des Mountainbikes. Heute ist er Namensgeber für Fahrräder der Marke Gary Fisher.bild: wikimedia

1973 rumpelten die ersten Mountainbikes den kalifornischen Mount Tamalpais herunter. Die wilden Jungs um den Radsportler Gary Fisher konnten es dank der dicken Ballonreifen ihrer «Schwinn Cruiser» mit den Schotterpisten aufnehmen. Allerdings wogen die Bikes so viel, dass sie allein für Abfahrten zu gebrauchen waren. 

In den 80ern entwickelte sich das Mountainbiking zum populären Sport, die Räder wurden in Grossserie produziert und in die ganze Welt verteilt. 

Was unverändert bleibt

bild: wikipedia, bearbeitung watson
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27 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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baere.mani
12.09.2016 18:20registriert September 2016
Schöner Artikel!

Was mich aber stört, ist das er vom TCS gesponsert ist. Bis heute hat sich der TCS noch nicht als aktiver Lobbyst für das Velo gezeigt...
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