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Robert Mugabe ist nicht mehr Präsident von Simbabwe. Bild: EPA/ZIMBABWEAN GOVERNMENT

Robert Mugabe tritt zurück – Parlament bricht in Jubel aus

Es ist vorbei. Robert Mugabe hat sich bis zuletzt an die Macht geklammert. Ein Militärputsch leitete seinen Niedergang ein. Für Simbabwe bricht mit Mugabes Rücktritt eine neue Ära an, die von grossem Jubel begleitet wird.

21.11.17, 20:13 21.11.17, 20:52


In den Strassen von Simbabwes Hauptstadt herrscht am Dienstagabend scheinbar grenzenlose Freude. Tausende Menschen tanzen, singen, umarmen sich - und viele haben Freudentränen in den Augen.

Nach der Verkündigung des Rücktritts bricht das Parlament in Jubel aus.

«Der Diktator ist weg», skandierten viele im Zentrum von Harare. «Wir sind einfach so froh», sagte Sheila Chairs, scheinbar überwältigt. «Ich kann es gar nicht erklären; dieser Mann hat unsere Leben ruiniert», sagte die 26-Jährige. Ein Software-Ingenieur jubelte: «Jetzt werden sich die Dinge in Simbabwe ändern, Arbeitslose werden wieder Jobs finden.»

Die Reaktion des Parlaments, als der Sprecher des Parlaments den Rücktritt Mugabes verkündet. Bild: EPA/EPA

Die meisten Menschen in Simbabwe haben nie einen anderen Präsidenten als Robert Mugabe gekannt: Er hielt sich 37 Jahre lang an der Macht, wirtschaftete das Land herunter und regierte mit zunehmend harter Hand. Auch mit 93 Jahren plante er schon für seine nächste Amtszeit, um die er sich nächstes Jahr bewerben wollte.

Doch der Militärputsch vom vergangenen Mittwoch machte ihm einen Strich durch die Rechnung: Sobald klar war, dass die Armee Mugabes skrupellosen Sicherheitsapparat im Zaum hielt, sagten sich seine Anhänger in Windeseile von ihm los.

Der erste Morgen ohne Mugabe

Nach Anbruch der Dunkelheit sind die Strassen Harares normalerweise ganz schnell leer. Doch an diesem geschichtsträchtigen Tag schienen sie in der Innenstadt von Harare mit jeder Minute voller zu werden. Freudenschreie hallen durch die Nacht, Musik dröhnt aus Lautsprechern und Handys, überall schwenken Menschen die farbenfrohe Flagge Simbabwes.

Heute Nacht ist alles anders in Harare. Bild: AP/AP

Die Menschen setzen auf eine Wiedergeburt ihres einst stolzen Landes. «Wir stecken seit Jahren in Schwierigkeiten. Ich kann gar nicht darauf warten, morgen dass erste Mal Tageslicht zu sehen, ohne Mugabe als Präsident», sagte Benjamin Serena, der vor dem Parlament in Harare feierte. Der Tag von Mugabes Rücktritt solle der neue Nationalfeiertag werden, scherzte er.

«Die Ekstase und Freude in den Strassen von Harare ... vermittelt einen Eindruck davon, was es heisst, unter einem Diktator zu leben», erklärte Analyst Charles Laurie von der Risikoberatung Verisk Maplecroft. «Als ich es gehört habe, habe ich geweint. Ich kann es immer noch nicht glauben», sagte Lyle Peters. «Ich dachte, ich würde es nicht mehr erleben», sagte der 38-Jährige. «Ich dachte, er wäre unsterblich.»

Selfies mit Soldaten

Viele der Jubelnden machten auch Selfies mit den Soldaten, die seit dem Militärputsch im Zentrum von Harare stationiert sind. Die Soldaten holten sogar Kinder auf ihre gepanzerten Fahrzeuge und feierten mit.

Werden wie Erlöser gefeiert: Soldaten in Harare. Bild: AP/AP

«Wir sind so froh, dass das Militär eingeschritten ist», sagte auch Peters. Mugabe habe so viele Leben zerstört und unzählige Simbabwer aus Mangel an Perspektiven in der Heimat in die Flucht getrieben. «Ich bin mir sicher, dass die Leute die ganze Nacht feiern werden.»

In der Euphorie des Abends blieb unklar, wie es nun in Simbabwe weitergehen würde. Die Regierungspartei Zanu-PF und die Putschisten wollen wahrscheinlich den vor Kurzem von Mugabe geschassten Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa zum Nachfolger küren.

Der unter dem Spitznamen «das Krokodil» bekannte 75-jährige Mnangagwa gilt als Hardliner und ist seit Jahrzehnten führendes Mitglied der politischen Elite. Seine Beziehung zu Mugabe bezeichnete er noch diesen Monat als eine wie von «Vater und Sohn».

Ob er die Hoffnung für einen kompletten Neuanfang erfüllen kann, ist daher zweifelhaft. Die meisten Menschen hoffen jedoch, dass er nur übergangsweise die Macht halten wird, bis die für 2018 ohnehin geplanten Wahlen abgehalten werden können. Das fordert auch Simbabwes Opposition. Und die Bevölkerung ist aufgewacht und fordert ihre Rechte. (sda/dpa)

Historische Bilder von Robert Mugabe

Vom Freiheitskämpfer zum Despoten: Robert Mugabe

Video: srf

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Brikne, 20.7.2017
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9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • welefant 21.11.2017 18:59
    Highlight tschüüss du alter rassist!
    7 0 Melden
  • studmed 21.11.2017 18:47
    Highlight Der Diktator ist weg - lang lebe der nächste Diktator!
    10 0 Melden
    • Zeyben 21.11.2017 21:23
      Highlight Der steht schon an. Jubel hält meist nicht lange an.
      4 0 Melden
  • tagomago 21.11.2017 17:34
    Highlight Gemäss dem BBC video oben ist Mugabe schon gestorben haha.
    4 0 Melden
  • meglo 21.11.2017 17:26
    Highlight Armes Simbabwe, mit Mugabe herschte die Pest, mit dem Krokodil nun die Cholera. Eine Chance für das Land sieht anders aus.
    34 2 Melden
  • Majoras Maske 21.11.2017 17:12
    Highlight Schön, dass es scheinbar nicht zu Blutvergiessen kommt. Allerdings bleibt der Machtzirkel ja bestehen, nur das Aushängeschild wird gewechselt..
    29 1 Melden
  • Mitsch 21.11.2017 16:55
    Highlight "Zurückgetreten" hat so etwas von Freiwilligkeit... "zurückgetreten worden", oder "hat ein Angebot bekommen, das er nicht ablehnen konnte" wäre wohl korrekter ;-). Aber: Eine echte Chance für Simbabwe!
    35 1 Melden
    • Linus Luchs 21.11.2017 17:32
      Highlight Wenn Emmerson Mnangagwa die Macht übernimmt, und danach sieht es ja aus, dann gibt es leider bis auf Weiteres keine Chance für Simbabwe.
      Vgl. https://www.watson.ch/!904068034
      19 1 Melden

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