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Langnau-Trainer Heinz Ehlers geigt Chris DiDomenico die Meinung.
Langnau-Trainer Heinz Ehlers geigt Chris DiDomenico die Meinung.
Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Die seltsame Müdigkeit des Chris DiDomenico und das drohende Ende der Playoff-Romantik

Die SCL Tigers haben zwar gegen Lausanne 0:3 verloren. Sie bleiben trotzdem die letzte Hoffnung der Playoff-Romantiker. Aber ihr Spiel darf nicht mehr bloss qualmen.
13.03.2019, 07:38

Ein wenig mahnt uns das Spiel der Langnauer an das Feuer im Kamin. Es wärmt uns nur, wenn es zieht durch den Kamin und Sauerstoff die Flammen nährt. Was dem Feuer die Zugluft, sind dem Spiel der Tigers die Energie von Chris DiDomenico und die Dynamik von Harri Pesonen. Dann zieht es schön übers Spielfeld wie durch den Kamin.

Beim 5:1 in Lausanne waren beide dabei. Sie trugen sich in die Skorerliste ein und Langnaus Spiel knisterte, prasselte und zischte, dass es eine Freude war. Die SCL Tigers dominierten ihren Gegner mit 30:23 Torschüssen, gewannen zum ersten Mal in ihrer Geschichte ein Playoffspiel in der obersten Liga. Sie erreichten die höchsten sportlichen Höhen seit Einführung der Playoffs (1986). Vielleicht sind sie ein wenig zu hoch gestiegen. Drei Tage später wirken sie müde wie alte Fliegen im November. So kann es halt gehen, wenn die Erwartungen himmelhoch sind.

Die Highlights des zweiten Viertelfinal-Spiels.

Der aufmerksame und neutrale Beobachter sieht früh, dass es nicht gut kommt. Unmittelbar vor dem 0:1 (nach 12:59 Minuten) verhält sich Chris DiDomenico nach dem Bully vor dem eigenen Tor ungeschickt, denkt und handelt offensiv statt defensiv. Das sieht Trainer Heinz Ehlers gar nicht gerne.

Bis zur ersten Pause kommt der Kanadier nicht mehr zum Einsatz. Auf der Tribune wird bange gefragt, ob der Leitwolf wohl blessiert sei. Das wäre fatal. Denn auch Harri Pesonen fehlt. Er ist krank. Wer nährt dann das Feuer des Langnauer Spiels, wenn der Kanadier und der Finne fehlen?

DiDomenico vor die Tür geschickt

Ab dem zweiten Drittel kehrt Chris DiDomenico zurück. Aber er bewegt nichts mehr, er kann das Feuer nicht entfachen und trägt sich bloss noch mit drei Zwei-Minuten-Strafen aufs Matchblatt ein. Auch das sieht Trainer Heinz Ehlers nicht gerne. Beim 5:1-Sieg in Lausanne hatte er seinem Vorkämpfer 19:09 Minuten Eiszeit zugeteilt. Jetzt sind es halt nur noch 13:46 Minuten.

Damiano Ciaccio muss sich gegen Lausanne schon früh geschlagen geben.
Damiano Ciaccio muss sich gegen Lausanne schon früh geschlagen geben.
Bild: KEYSTONE

Die Frage geht also nach dem Spiel an Heinz Ehlers: was war da los? Warum kam «DiDo» nach dem 0:1 vorübergehend nicht mehr zum Zug. Langnaus Trainer macht auf diese Frage ein Gesicht, als ob sich jemand nach seinem nächsten Termin beim Zahnarzt erkundigt hätte und erklärt: «Er war müde. Deshalb habe ich ihn pausieren lassen.» So, so. Müde schon vor Ablauf des ersten Drittels. «Ja, es ist so.»

Nun gehört es sich für einen Chronisten nicht, die Worte eines grossen Bandengenerals anzuzweifeln, der soeben zum besten Trainer der Saison gewählt worden ist und mit Langnaus Playoff-Qualifikation ein Wunder vollbracht hat.

Aber in diesem Falle zweifelt er doch: Chris DiDomenico war nicht müde. Er ist von seinem Trainer ganz einfach so diszipliniert worden wie ein Schüler, der nicht bei der Sache ist und vom Lehrer bis zur nächsten Pause vor die Türe geschickt wird.

Wenn Harri Pesonen fehlt und Chris DiDomenico nicht im Strumpf ist, dann knistert, prasselt und zischt Langnaus Spiel nicht mehr. Dann qualmt es nur noch. Es ist, wie es ist: Sage mir wie Pesonen und DiDomenico spielen und ich sage dir, wie es um Langnau steht.

Die SCL Tigers sind in ihrem eigenen Stadion von Lausanne mit 30:16 Torschüssen von allem Anfang an dominiert worden. Schon im ersten Drittel mit 11:4 Schüssen. Die «chächen» Emmentaler traten auf wie weiche «Welsche» und die weichen «Welschen» wie «chäche» Emmentaler.

Erst am Ende geht alles in Flammen auf

Ist der Ofen also aus? Nein. Heinz Ehlers konnte zwar noch nicht sagen, ob Harri Pesonen am Donnerstag wieder «zwäg» sein wird. Aber wie wir im Ofen ein neues Feuer machen können und es auf einmal wieder zieht im Kamin, die Flammen aufs prächtigste aufflackern und züngeln, so ist es möglich, dass das Spiel der Langnauer schon morgen in Lausanne neu befeuert wird.

«It ain’t over till the Fat Lady sings», pflegen die Amerikaner in dieser Situation zu sagen: es ist nicht vorüber, bevor die dicke Lady gesungen hat. Die Redewendung bezieht sich auf die grandiose Oper «Ring der Nibelungen» von Richard Wagner. Dort geht erst alles in Flammen auf und dem Ende entgegen, wenn Brünhild, klassisch von einer «Fat Lady» gespielt, die Bühne betreten und gesungen hat.

Noch singt sie nicht, die «Fat Lady».
Noch singt sie nicht, die «Fat Lady».
bild: wikipedia

Es obliegt den SCL Tigers, die Romantik der Playoffs 2019 zu retten. Lugano ist drauf und dran, gegen die Zuger den Kürzeren zu ziehen. Ambris Weg in den Halbfinal ist nach der zweiten Niederlage gegen Biel steiniger als die alten Säumerpfade am Gotthard. Chris McSorley ist durch die Niederlage nach Verlängerung gegen den SCB auf Feld 1 zurückgeschickt worden.

Stehen am Ende die Favoriten SCB (1.), Zug (2.), Lausanne (3.) und Biel (4.) im Halbfinal? Wahrscheinlich können das nur noch die Langnauer – oder besser Harri Pesonen und Chris DiDomenico – verhindern.

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quelle: keystone / ennio leanza
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