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Hunter Biden wird von der US Hassfigur zum Liebling der Trump-Fans

FILE - Hunter Biden steps into a vehicle as he leaves federal court, Sept. 5, 2024, in Los Angeles, after pleading guilty to federal tax charges. (AP Photo/Eric Thayer, File)
Er blickt auf mehr Zuspruch als je zuvor: Hunter Biden, der in diesen Tagen zum Trumpwähler-Flüsterer wird. Bild: keystone

Vom korrupten Junkie zum Liebling der Trump-Fans: Die wundersame Wandlung von Hunter Biden

Der Sohn von Ex-Präsident Joe Biden galt als Sinnbild für den moralischen Verfall der amerikanischen Elite. Eine geschickte Kampagne macht ihn nun aber plötzlich zum Sympathieträger.
07.06.2026, 13:5407.06.2026, 15:51
Simon Maurer / ch media

Er war über Jahre eine der meistgehassten Figuren der amerikanischen Öffentlichkeit: Hunter Biden, jüngerer Sohn des ehemaligen Präsidenten Joe Biden, lieferte seinen Gegnern am Laufmeter Gründe, um ihn leidenschaftlich zu verabscheuen.

So machte er zuerst Schlagzeilen, weil er wegen einer schweren Kokainsucht mehrmals in Entzugskliniken eingeliefert werden musste. Dann tauchten immer wieder Bilder auf, auf denen Hunter Biden mit Prostituierten wilde Partys feierte. Und als ob das nicht schon genug wäre, nahm er auch noch ein lukratives Verwaltungsratsmandat eines ukrainischen Energieunternehmens an, was ihm den Vorwurf von Korruption einbrachte.

Kurzum: Hunter Biden war für linke und rechte Amerikaner eine Hassfigur wie aus einem überzeichneten Hollywood-Film. Ein Destillat aus allen negativen Klischees, die man sich im Land über die politische Elite in Washington erzählte.

Plötzlich lieben ihn die Fans von Präsident Trump

Ausgerechnet dieser Hunter Biden hat sich nun aber neu erfunden – und erhält dafür viel Zuspruch. «MAGA-Unterstützer haben ihre Meinung über Hunter Biden geändert und feiern nun seine Drogenabstinenz», resümierte etwa das neurechte Magazin «Daily Wire». Ein ehemaliger republikanischer Kongressabgeordneter schrieb an Hunter Biden gerichtet: «Gott segne dich». Einige Kommentatoren sehen in ihm deshalb bereits den «MAGA-Flüsterer», der die an Trump verlorenen Wähler versteht und zu den Demokraten zurückholen könne. Am Samstag musste gar Donald Trump zur Frage Stellung nehmen, was er denn von einer Präsidentschaftskandidatur Bidens für die Demokraten halten würde.

Geschafft hat Hunter Biden dieses Kunststück mit einem Auftritt bei der rechtsreligiösen Influencerin Candace Owens, die ihn jahrelang als «degeneriert» und «Mitglied einer Abschaumfamilie» beschimpft hatte. Bei dem mehr als zweistündigen Gespräch gelang es Biden nämlich, sich als reumütigen Sünder zu inszenieren.

Präsidentensohn sieht sich als Anti-Establishment-Rebell

So beschrieb der Biden-Spross im Gespräch ausführlich, wie schrecklich die Sucht-Phase seines Lebens gewesen sei. Er habe ständig der Angst vor Rückfällen getrotzt und unter der Angst gelitten, dass weitere private Fotos und Chatnachrichten von ihm veröffentlicht werden könnten. «Sie haben mir die Kleider vom Leib gerissen, mich geteert und gefedert und mitten auf den Dorfplatz gestellt», sagte er. «Und ich habe überlebt.»

Der weit wichtigere Teil seiner Medienoffensive war jedoch: Hunter Biden outete sich als Anhänger diverser Verschwörungstheorien, die besonders im rechten und sehr linken Lager beliebt sind. Gemeinsam mit Owens spekulierte er darüber, ob die Attentate auf Donald Trump tatsächlich so stattgefunden hätten, wie von den Behörden dargestellt. Er behauptete, dass der israelische Geheimdienst die Korruptionsvorwürfe gegen ihn in die Welt gesetzt hätte, und sprach davon, dass die «Epstein-Eliten» Washington kontrollieren würden.

Das alles kam bei Gastgeberin Candace Owens hervorragend an. Sie entschuldigte sich gar dafür, wie sie Hunter Biden während seiner schwersten Lebensphase behandelt habe. Auch das konservative Publikum war begeistert. Auf der Plattform X prasselte ein Reigen von warmen Worten auf Hunter Biden ein. Und wenn doch einmal Kritik kam, antwortete Biden geschickt mit Selbstironie – oder weiteren Annäherungsversuchen an die frustrierte Wählerschaft beider Seiten, indem er zu einer pauschalen Kritik gegen die «Eliten» ansetzte. In Wahrheit seien sich die Amerikaner nämlich bei allen wichtigen Themen einig.

In den USA ist eben tatsächlich alles möglich

Die Ironie dieser Geschichte könnte kaum grösser sein. Denn damit stellt sich ausgerechnet Hunter Biden, der ein Leben lang von familiären Privilegien profitiert hat, an die Spitze der Anti-Establishment-Stimmen. Obwohl erst vor zwei Jahren sein Vater Joe – damals mächtigster Mann der Welt – mit einer präventiven Begnadigung dafür sorgte, dass Hunter Biden für allfällige justiziable Taten nicht belangt werden kann.

Die Umdeutung Hunter Bidens zum Gegner des Establishments folgt einer Logik, die auf den ersten Blick kaum plausibel erscheint. Doch die Politikverdrossenheit in den USA ist inzwischen so gross, dass selbst irrationale Widersprüche dieser Art die Wähler kaum noch zu stören scheinen. Hauptsache, man gibt sich als Feind der Mächtigen aus. (aargauerzeitung.ch)

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Die beliebtesten Kommentare
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Gurgelhals
07.06.2026 14:17registriert Mai 2015
Naja, Hunter Biden galt ja genau genommen stets nur für die GOP-Demagogen als Sinnbild für den moralischen Verfall der amerikanischen Elite. Und dazu kann man nur sagen: Zurück an den Absender.

Weil: Zumindest gem. des Feedbacks, welches zwei Sexarbeiterinnen über ihn abgegeben haben (sinngemäss: "Tiptop. Hat uns äusserst respektvoll behandelt, Trinkgeld war sehr grosszügig, würden wir jederzeit wieder als Kunden nehmen"), scheint er eigentlich ganz okay zu sein. Weil: Wer auch Sexarbeiterinnen respektvoll behandelt, hat im Kern das Herz auf dem rechten Fleck, verpfuschtes Leben hin oder her.
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s'Paddiesli
07.06.2026 14:18registriert Mai 2017
"..., dass die «Epstein-Eliten» Washington kontrollieren würden."

Stimmt ja wohl auch.

Trumps Nachkommen sind die Korrupten, in einem Ausmass, dass einem der Kinnladen runterfällt.

Dennoch enttäuschend von Hunter, sich bei MAGA anzubiedern. Was wohl sein Vater dazu meint, würde mich interessieren.
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Joshzi
07.06.2026 14:16registriert September 2014
Im Vergleich zu Trump wirkt doch jeder andere klug und sympathisch? Jedenfalls fällt mir grad keiner ein, der bei diesem Limbo noch tiefer gehen könnte.
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