Basel
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Kahlschlag: Novartis streicht in der Schweiz über 1700 Stellen



Novartis will in der Schweiz rund 2'150 Stellen innerhalb von vier Jahren abbauen. Rund 1'450 Arbeitsplätze gehen in der Produktion in Basel, Schweizerhalle, Stein und Locarno verloren. Weitere 700 Stellen im Dienstleistungsbereich werden ins Ausland verlagert.

Vas Narasimhan, new CEO of Swiss pharmaceutical group Novartis, speaks during the annual results media conference at the Novartis Campus in Basel, Switzerland, on Wednesday, January 24, 2018. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Novartis-Konzernchef Vas Narasimhan. Bild: KEYSTONE

Wie Novartis in einer Medienmitteilung vom Dienstag betont, würden im Gegenzug etwa 450 neue Stellen geschaffen. Diese Massnahme hatte der Konzern bereits kürzlich angekündigt. Geplant ist der Aufbau einer Fertigungsstätte für Zell- und Gentherapien in Stein. Unter dem Strich werden rund 1700 Stellen abgebaut.

Der Abbau soll gestaffelt über vier Jahre erfolgen. Novartis habe seine Arbeitnehmervertretungen und das Management zu Gesprächen und Konsultationen eingeladen.

Sozialplan und Umschulungen

«Wir wissen, was die heutige Ankündigung für die potenziell betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihre Familien bedeutet», liess sich Konzernchef Vas Narasimhan im Communiqué zitieren. Novartis wolle allen Betroffenen die volle Unterstützung zukommen lassen.

Konkret spricht der Konzern von einem Jobcenter für interne und externe Neuanstellungen, einem Sozialplan und Frühpensionierungsplänen. Zudem sollen so viele der Betroffenen wie möglich umgeschult werden, damit sie in der neuen Fertigungsanlage für Zell- und Gentherapien in Stein arbeiten können.

Gerade mit Blick auf den Stellenabbau am Produktionsstandort Schweizerhalle verweist der Konzern gegenüber AWP auf die Veränderungen im Produktportfolio. So sei der Standort unter anderem stark in die Fertigung des Mittels Glivec involviert. Mit dem Ablauf des Patentschutzes hierfür und den folgenden Nachahmerprodukten habe Glivec an Bedeutung innerhalb des Produktportfolios eingebüsst.

Dem Standort Schweiz bleibe Novartis aber weiter verpflichtet, sagte Narasimhan weiter. Nach der Umsetzung des Abbaus und der Abspaltung der Augensparte Alcon sollen in der Schweiz ungefähr 10 Prozent der weltweit tätigen Arbeitskräfte von Novartis angestellt sein. Dabei würden wichtige Geschäftsfelder wie die Forschung und Entwicklung auch weiterhin hier verankert bleiben. Heute arbeiten global rund 125'000 Menschen für den Konzern.

Ziel: Effizienz steigern

Mit den Abbauplänen will der Pharmakonzern die Effektivität und Effizienz erhöhen. Bei der Produktion will Novartis vermehrt in neuartige Fertigungsplattformen investieren und von traditionelleren Fertigungstechnologien wegkommen. In diesem Zusammenhang hat Novartis bereits Anpassungen in Japan, USA und anderen Ländern angekündigt.

Wie es von Novartis heisst, sind die Massnahmen auch nötig, um Überkapazitäten in der Produktion abzubauen. Am Ende des Prozesses werde es keine 66 Fertigungsanlagen mehr geben. Wie vom Unternehmen weiter zu erfahren ist, werden bestimmte Prozesse auch an externe Anbieter ausgelagert werden.

Weiter ist vom Unternehmen zu hören, dass die angekündigten Stellenstreichungen auf Ankündigungen aus dem Jahr 2016 zurückgehen. Seinerzeit hatte das Unternehmen mitgeteilt, im Produktionsnetzwerk bis zu eine Milliarde US-Dollar einsparen zu wollen. Die jetzt kommunizierten Pläne seien Teil davon.

Dienstleistungen sollen zentralisiert werden

Was die Verlagerungen von Dienstleistungsaufgaben betrifft, gehen diese letztlich auf einen Entscheid von Novartis aus dem Jahr 2014 zurück. Damals schuf der Konzern die Business Services-Organisation.

Um interne Dienstleistungen zu tiefen Kosten anbieten zu können, baute Novartis fünf globale Servicezentren in Dublin (Irland), Hyderabad (Indien), Kuala Lumpur (Malaysia), Mexico City (Mexiko) und Prag (Tschechische Republik) auf. Nun sollen sowohl Führungs- wie auch normale Positionen in diese Servicezentren verlagert werden. Diese Verlagerungen werden vor allem den Campus Basel betreffen.

Wie der Konzern gegenüber AWP betont, sei kein grosser Kehraus oder eine erste grosse Welle geplant. Man werde nun erst einmal mit allen betroffenen Parteien in die Konsultation gehen.

Angestellte Schweiz fordert von Novartis Verzicht auf Stellenabbau

Der Verband Angestellte Schweiz fordert Novartis auf, auf den angekündigten Stellenabbau in der Schweiz zu verzichten. Der Konzern füge damit der Schweizer Wirtschaft und sich selber grossen Schaden zu, hiess es in einer Stellungnahme vom Dienstag.

Man dürfe annehmen, dass sich Novartis als einer der grossen Branchenplayer seiner Verantwortung für den Standort Schweiz angesichts der Bedeutung der Pharmaindustrie bewusst sei. Vor dem Hintergrund eines weiteren erwarteten Wachstums für die Branche sei ein Stellenabbau «verantwortungslos».

«Wir lassen uns von Novartis nicht den Industriestandort in Basel zerstören», wird Christof Burkard, Leiter Sozialpartnerschaft bei den Angestellten Schweiz zitiert. Man werde gemeinsam mit dem Novartis Angestelltenverband sowie der Arbeitnehmer-Vertretung «alles daran setzen, die Beschäftigung bei Novartis in der Schweiz zu halten und zu sichern».

Es werde zudem stark bezweifelt, dass die Massnahme die erhofft Wirkung bei Novartis habe. Da viele Anleger gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen fordern, führe unethisches Verhalten längerfristig zu einem Wettbewerbsnachteil am Kapitalmarkt. Zudem garantiere die Verlagerung von Stellen nicht automatisch eine Verbesserung der Kostenbasis. Hinzu komme, dass die Mitarbeitenden demotiviert würden und der Konzern seine Reputation gefährde. (awp/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Cytat 25.09.2018 11:48
    Highlight Highlight Und gleichzeitig sucht Novartis hoch ausgebildete Mitarbeiter. Aber Ausbildung ist eben nicht wichtig.
    Liebe Lüt: eure Kinder sollen studieren. Uni Abschluss ist sehr wichtig. Zusammen mit wissen und Agilität. Etfahrung kann man sammeln. Wissen und Fähigkeit Wissen selbst zu ärgatern muss man über Jahre lernen und trainieren.
    Herzlich willkommen in Zeitalter der 4. Imdustrierevolution.
  • Chili5000 25.09.2018 11:38
    Highlight Highlight Ein Unternehmen zu bitten auf Stellenabbau zu verzichten wenn es dies als Notwendig ansieht, nützt keinem etwas. Das Unternehmen soll ja auch in Zukunft bestehen und erflogreich wirtschaften können. Es spielt dabei keine Rolle ob das Geschäft gewinn macht. Die wirklich guten Player müssen laufend optimieren. So ist es nun mal in der freien Marktwirtschaft, obs gefällt oder nicht...
  • Fanta20 25.09.2018 11:35
    Highlight Highlight Solche News tönen halt immer sehr dramatisch. Es wäre aber noch interessant zu wissen, welche Job-Profile primär davon betroffen sind. Je nach Branche sind ja Fachkräfte dringend gesucht. Möglicherweise relativiert sich das Problem für die Betroffenen dann etwas.
  • Sam1984 25.09.2018 09:59
    Highlight Highlight Als ob die Marge von Novartis nicht schon genug gross wäre. Medikamente zu überrissenen Preisen verkaufen und dann auch noch Mitarbeiter entlassen. Pfui.

    Klar setzt man auf Zell- und Gentherapien. Ein Gentherapie kann locker bis zu 1 Million pro Patient kosten.

    Langsam übertreibt es die Pharmaindustrie in der Schweiz. Novartis wird langsam das Apple der Schweiz.
  • Remo Robbiani 25.09.2018 09:12
    Highlight Highlight Zuerst Lohngleichstellung für Frauen weil man ja "freiwillig ein Vorläufer sein will" und nun Massenhaft Entlassungen. Zufall?
  • Schneider Alex 25.09.2018 09:12
    Highlight Highlight Die Macht der Wirtschaftsgiganten muss gebändigt werden durch internationale Verträge, die Kartell- und Sozialgesetzgebung sowie durch Mitarbeiter- und Staatsbeteiligung. Der globale Strukturwandel soll nicht verhindert, aber sein Tempo reduziert werden.
  • NikolaiZH 25.09.2018 08:26
    Highlight Highlight Herzliche Grüsse an HFG, welcher die Forschung aus der Schweiz vertreibt...
  • Kong 25.09.2018 08:19
    Highlight Highlight Unschöne Breakingnews. Etwas mehr Info wäre wünschenswert. Wie viele MiA beschäftigt N in der Schweiz/weltweit. Wie war der Geschäftsverlauf? Gibt es Infos über Gründe bzw wie das bewerkstelligt wird? Ist ja doch noch so ein Aushängeschild der Schweiz, auch wenn die Besitzverhältnisse sich verschoben haben...
    • ralck 25.09.2018 08:39
      Highlight Highlight Ein Aushängeschild der Schweiz? Nein Danke…
    • häxxebäse 25.09.2018 09:09
      Highlight Highlight Heute arbeiten global rund 125'000 Menschen für den Konzern.... steht im Artikel.

In Bern kostet eine Wohnung deutlich mehr als in Berlin und Wien

In der Schweizer Hauptstadt wohnt es sich deutlich teurer als in den Kapitalen der Nachbarländer Deutschland und Österreich. Mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 6'570 Franken kostet eine Wohnung in Bern 43 Prozent mehr als in Wien (4'590 Fr.) und 45 Prozent mehr als Berlin (4'530 Fr.).

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