Interview
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Ava Women is bringing fertility to the 21st century.  Portrait of Lea von Bidder photographed by Kelly Vorves in San Francisco, California, July 2017.

«Ehrgeiz und Durchsetzungsvermögen sind wichtig», sagt Lea von Bidder über ihren Erfolg.  bild: zvg

Wie eine 27-jährige Zürcherin dank einer Fruchtbarkeitsuhr im Silicon Valley durchstartet

Die Zürcherin Lea von Bidder hat geschafft, wovon viele träumen: Sie zählt laut dem renommierten US-Wirtschaftsmagazin «Forbes» zu den wichtigsten Jungunternehmern unserer Zeit. Mit watson sprach von Bidder über Sexismus im Silicon Valley und was es braucht, um als junge Frau erfolgreich zu sein.  

22.11.17, 09:06 22.11.17, 21:33


Sie ist jung, erfolgreich und hat es auf die «Forbes»-Liste der 30 wichtigsten Unternehmer unter 30 geschafft: Lea von Bidder. Vor drei Jahren gründete die heute 27-Jährige das Start-up AVA. AVA vermarktet das gleichnamige Armband, das Frauen mittels gesammelter Daten mitteilt, wann sie am fruchtbarsten und somit empfänglichsten für eine Schwangerschaft sind. 

Von Bidder zog vor zwei Jahren von Zürich nach San Francisco und arbeitet seither als Mitgründerin und Marketing-Chefin von AVA im Silicon Valley. 

Armband und App helfen Frauen, schneller schwanger zu werden, und zeigen die fruchtbarsten Tage während des Zyklus an.  bild: www.avawomen.com

Frau von Bidder, wie viele AVA-Babys gibt es schon?
Wir haben kürzlich das 1000. AVA Baby gefeiert. Die Dunkelziffer kennen wir jedoch nicht (schmunzelt). Wir wissen es nur von den Frauen, die sich direkt bei uns melden.

Wie gross, glauben Sie, ist die Chance, dass die weiblichen AVA-Babys es auch einmal auf die «Forbes»-Liste der 30 unter 30 schaffen?
Hoffentlich alle! (lacht) Nein, im Ernst, ich hoffe natürlich so viele wie möglich. Wir sind auf einem einigermassen guten Weg.

«Als junge Frau hat man es schon schwieriger.»

Lea von Bidder

Was hat Ihnen die Auszeichnung bedeutet?
Ich habe mich sehr gefreut. Im Start-up-Bereich gibt es zwar viele Auszeichnungen, aber die «Forbes»-Liste ist schon immer noch eine der bedeutungsvollsten. Zudem ist die Erwähnung in der Kategorie Health Care auch für unsere Firma sehr wichtig.

V. l. n. r.: Peter Stein, Lea von Bidder, Philipp Tholen und Pascal König.  bild: zvg

Wie kommt man überhaupt auf die Idee, ein Fruchtbarkeitsarmband zu kreieren?
Wir waren bei der Gründung von AVA zu viert. Und wir alle hatten schon länger einen persönlichen Bezug zum Thema. Viele Paare in unserem Umfeld versuchten, schwanger zu werden. Zwei der Gründer haben zudem einen medizinischen Background. Grundsätzlich standen wir alle vor der gleichen Frage: Warum ist es so schwierig, die weibliche Fruchtbarkeit zu verstehen oder gar zu messen? Als Antwort auf diese Frage entstand AVA. 

Nach der Gründung hat AVA rund zwölf Millionen Franken Risikokapital gesammelt. Der wichtigste Absatzmarkt ist aber Amerika. Warum nicht die Schweiz?
Wir brachten eine komplett neue Technologie auf den Markt und wollten so schnell wie möglich wachsen. Der amerikanische Markt ist viel grösser und bedeutender als der schweizerische. Daher fokussierten wir uns auf die USA.  

Darum zogen Sie vor zwei Jahren von Zürich nach San Francisco und arbeiten seither im Silicon Valley ...
Genau. Eigentlich habe ich mich auf eine längere Zeit in Zürich eingestellt, da ich erst gerade von Indien zurückkehrte. Ich habe mir sogar schon ein zweijähriges Handyabo gekauft. Aber dann kam es halt anders … 

Gefällt es Ihnen?
Absolut! Ich habe das Silicon Valley seit Jahren beobachtet. Und mir schon sehr früh überlegt, wie es wäre, hier zu arbeiten. Das hat jetzt geklappt. Ich bin sehr gerne hier.

Die besten Erfindungen des Jahres 2017

Inwiefern ist es dort anders als in der Schweiz?
Im Silicon Valley machen sehr viele sehr junge Leute unglaublich schnell Karriere. Sogar ich, mit 27, gehöre schon zu den älteren Semestern (schmunzelt). Hier orientiert man sich an sehr jungen Role Models. Seniorität und Erfahrung haben hier nicht so einen hohen Stellenwert wie beispielsweise in einem traditionsreichen Unternehmen in der Schweiz.

In der Vergangenheit wurden auch immer wieder Fälle von Sexismus im Silicon Valley bekannt, zum Beispiel bei Uber ... 
Das Silicon Valley ist sehr männerdominiert. Ich arbeite im Bereich Woman’s Health – hier hat es mehr Frauen als in anderen Bereichen. Mein näheres Umfeld ist also eher weiblich. Dennoch – als junge Frau hat man es schon schwieriger.

«Im Silicon Valley machen sehr viele sehr junge Leute unglaublich schnell Karriere. Sogar ich, mit 27, gehöre schon zu den älteren Semestern.»

Lea von Bidder

Was raten Sie jungen Frauen, die sich im Umfeld von Start-ups bewähren wollen?
Ehrgeiz ist sicherlich wichtig. Und eine grosse Portion Optimismus und Selbstbewusstsein. Das Start-up-Umfeld ist nicht die einfachste Welt und sehr schnelllebig. Aber ich glaube, wer Lust hat, sein eigenes Ding durchzuziehen, und genug motiviert ist, schafft es auch – und lernt auch mit Fehlern umzugehen. So vieles geht schief. Man muss einfach fest an seine Idee glauben. Dann fällt das Aufstehen nach dem Umfallen auch einfacher.

Gibt es jemanden, der Sie beeindruckt?
Sheryl Sandberg, die Geschäftsführerin von Facebook, beeindruckt mich sehr. Sie setzt sich sehr stark für Frauen ein und schreibt immer wieder sehr ehrlich, was es braucht, um als Frau weiterzukommen.

Sehen Sie sich auch selbst als Vorbild für junge Frauen?
Ich hoffe natürlich, dass ich das zu einem gewissen Grad sein kann. Ich habe auch in der Vergangenheit immer wieder versucht, auf die Probleme von weiblichen Gründerinnen hinzuweisen. Solange ich so einen Beitrag zur besseren Entwicklung leisten kann, ist das natürlich super. Es ist wichtig, dass auch in der Schweiz die Zahl von Frauen in Führungspositionen ansteigt. Je mehr, desto besser. So kann nämlich auch jüngeren Generationen vermittelt werden: Es geht, du musst nur wirklich wollen!

Das funktioniert auch im männerdominierten Silicon Valley?
Es braucht einen guten Mix aus Durchsetzungsvermögen und Ambition. Und es geht natürlich auch nicht immer darum, sich gegen die Männer durchzusetzen, sondern darum, mit ihnen zusammenzuarbeiten, um so etwas Gutes kreieren zu können.

Wie geht es für Sie und AVA weiter?
Es liegt eine spannende Zeit vor uns. Wir wollen natürlich weiter expandieren und das AVA-Armband zu mehr machen als «nur» einem Fruchtbarkeitstracker. Mein grösster Wunsch wäre es natürlich, das Armband auch als Verhütungsmethode einsetzen zu können.

Wie soll das genau funktionieren?
Eine Frau kann nur während ungefähr sechs Tagen schwanger werden. Und trotzdem muss man mit einer hormonellen Verhütung den ganzen Monat lang die Pille nehmen. Wenn wir diese sechs Tage mit AVA so genau wie möglich identifizieren können, bräuchte es keine hormonelle Verhütung mehr. Das Armband würde der Frau dann einfach signalisieren: Schau, jetzt hast du deine sechs fruchtbaren Tage, jetzt solltest du mit Kondom verhüten.

«Wir wollen mit AVA den Frauen eine weitere Verhütungsoption geben.»

Lea von Bidder

Damit reagiert ihr auch auf einen grossen Wunsch vieler Frauen: Sie wollen weg von der hormonellen Verhütung …
Das ist natürlich eine Präferenzsache, ob man hormonell verhüten will oder nicht. Aber ja, auch ich habe das Gefühl, dass viele Frauen unserer Generation weg von der Pille wollen. Momentan hat man als Frau einfach keine Auswahlmöglichkeiten. Alles, was nicht hormonell ist, ist risikoreicher und komplizierter. Wir wollen mit AVA den Frauen eine weitere Option geben.

Wann wird es diese Option Ihrer Meinung nach geben?
Einige Zeit wird es sicherlich noch dauern, da wir viele klinische Tests machen müssen. Ich glaube aber fest daran, dass wir das schaffen werden.

Video: srf

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • SusiBlue 23.11.2017 00:40
    Highlight Ich verhüte seit 17 Jahren mit einem japan. Verhütungscomputer (Mini Sophia). Habe neulich das 2. Gerät (à ca. 200.-) kaufen müssen. Wird wohl auch das letzte, wenn’s gleich lang hält... Und es zeigt mir auch genau die 6-10 fruchtbaren Tage an!

    Was ich aber eigentlich sagen will damit: Verhütungscomputer gibt’s schon seit mindestens 2 Jahrzehnten. ZB in Japan. Nur sind diese in CH/EU nur über Umwege erhältlich, vermutlich wegen irgendwelcher Handelsabkommen/Protektionismus... 😒
    Denn ähnliche Geräte kosten hier locker das Doppelte!
    AVA = Rad neu erfunden, but no news
    3 8 Melden
  • demokrit 22.11.2017 16:12
    Highlight Und das Ganze gleich als Schwangerschaftsverhütungsmethode? Ich hoffe die haben sehr gute Anwälte. Insbesondere in den USA.
    15 11 Melden
  • Gsnosn. 22.11.2017 12:42
    Highlight Gestern in "Die Höhle der Löwen" gab es auch Produkt über das Thema.
    6 16 Melden
  • piedone lo sbirro 22.11.2017 09:58
    Highlight ich gratuliere dieser jungen frau und der firma ava zu ihrem erfolg!

    sie beweist, dass eine gute ausbildung, fleiss und ideenreichtum genderunabhängig zu grossem erfolg führen kann.
    ein businessplan zu erstellen und investoren zu finden, ist schwierig und genauso wertvoll wie die produkt-entwicklung.

    die zukunft unserer wirtschaft braucht mehr solcher leute und ideen.
    103 9 Melden
    • Spama Lotto 22.11.2017 15:08
      Highlight vor 5 Tagen gabs darüber einen Artikel im Online-Tagi. Der erste Kommentar war :
      "Ich gratuliere dieser jungen Frau. Sie beweist mir dass eine gute Ausbildung, Fleiss und Ideenreichtum Genderunabhängig zu grossem Erfolg führen können."
      Hmm, ist das jetzt blöder Zufall? Oder werden da Satzbausteine zur Produkt- und Personen-Promotion verwendet? Ist ein bisschen dilettantisch, die Russen haben doch vorgemacht, dass man Online-Propaganda durchaus professionell machen kann....
      28 19 Melden

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