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Holding a poster of missing Saudi writer Jamal Khashoggi, a man stands near the Saudi Arabia consulate in Istanbul, Friday, Oct. 5, 2018. Khashoggi, a 59-year-old veteran journalist who has lived in self-imposed exile in the U.S. since Prince Mohammed's rise to power, disappeared Oct. 2 while on a visit to the consulate to get paperwork done to be married to his Turkish fiancée. The Saudi Consulate insists Khashoggi left its building, contradicting Turkish officials who say they believe he is still there. (AP Photo/Emrah Gurel)

Sollten sich die aufgetauchten Tonaufnahmen als wahr erweisen, so ist Jamal Khashoggi im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul brutal getötet worden. Bild: AP/AP

«Auf barbarische Weise getötet» – 4 neue Fakten zu Khashoggis Verschwinden



Tonaufnahmen aufgetaucht – wieso gerade jetzt?

In der Türkei sind Aufnahmen von Khashoggis Tötung aufgetaucht, wie die «New York Times» berichtet. Informationen und Gerüchte von offizieller Seite drangen bereits unmittelbar nach dem Verschwinden des Journalisten an die Öffentlichkeit. Als sich der saudi-arabische König Salman um eine diplomatische Lösung bemühte und ein längeres Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Erdogan führte, wurden für wenige Tage keine Informationen mehr verbreitet. Aber seit gestern wurden die Medien von Beamten wieder mit Neuigkeiten versorgt – an jenem Tag, an dem sich US-Aussenminister Mike Pompeo mit Kronprinz bin Salman traf.

epa07097314 A handout photo made available by Saudi Royal Palace shows US Secretary of State Michael R. Pompeo (L) meeting with Saudi Crown Prince Mohammed bin Salman in Riyadh, Saudi Arabia, 16 October 2018. Pompeo travelled to Saudi Arabia for talks over missing Saudi journalist Jamal Khashoggi, who disappeared after entering the Saudi consulate in Istanbul, Turkey on 02 October.  EPA/BANDAR ALGALOUD HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

US-Aussenminister Mike Pompeo mit Kronprinz Mohammed bin Salman. Bild: EPA/SAUDI ROYAL PALACE

Dabei ist das kein Zufall und vermutlich eine Reaktion der türkischen Regierung auf bin Salmans Aussage gegenüber Pompeo, er habe mit dem Verschwinden Khashoggis nichts zu tun. In der Türkei werden Medien und Zeitungen vom Staat streng kontrolliert – geheime Informationen gelangen nur durch Zustimmung der Regierung an die Öffentlichkeit. Mit den gestern veröffentlichen Aufnahmen üben die türkischen Behörden weiter Druck auf Saudi-Arabien aus. 

So soll sich die Tat zugetragen haben

Am 2. Oktober betrat Khashoggi um 13.15 Uhr das Konsulat. Zunächst soll der Regimekritiker ins Büro des Generalkonsuls, Mohammad al-Otaibi, geführt worden sein, wo ihn 15 Agenten ergriffen und auf ihn einschlugen. Die Rede ist auch von Folter. Wie ein türkischer Beamter berichtet, sollen ihm die Finger abgeschnitten worden sein, bevor er ermordet wurde. «Sie haben ihn nicht nur im Konsulat getötet, sondern auch noch auf barbarische Weise», zitiert abc News einen engen Vertrauten des Opfers. 

epa07100046 Turkish forensic police officers arrive the residence of the Saudi consul for investigation in Istanbul, Turkey, 17 October 2018. According to local media reports, Saudi consul Mohammad al-Otaibi has left Turkey on 16 October. A Turkish prosecutor on 15 October has entered the Saudi consulate in Istanbul to investigate the disappearance of dissident Saudi journalist Jamal Khashoggi, an inspection that was being carried out jointly with a Saudi team. Khashoggi went missing on 02 October when he entered the Saudi consulate to pick up paperwork.  EPA/ERDEM SAHIN

Die türkische Polizei durchsucht jeden Winkel im Konsulat.  Bild: EPA/EPA

«Macht das draussen. Ihr bringt mich in Schwierigkeiten», soll der Konsul gesagt haben. Auf den Aufnahmen sagt einer der Agenten zu den anderen: «Wenn ihr leben wollt, wenn ihr nach Saudi-Arabien zurückkommt, dann seid still!» Zudem soll einer der Anwesenden Arzt gewesen sein und Anweisungen für die  Enthauptung und Zerlegung von Khashoggis Körper gegeben haben. Wie die New York Times weiter schreibt, soll sich der Mediziner danach Kopfhörer aufgesetzt und Musik gehört haben, während er vom leblosen Körper Gliedmassen abtrennte.

Khashoggis Körperteile sollen anschliessend in die Residenz des Generalkonsuls geschafft worden sein, die sich rund 1,5 Kilometer vom Konsulat entfernt befindet. Al-Otaibi ist in der Zwischenzeit aus der Türkei geflüchtet. 

Möchte sich Trump diese Aufnahmen auch anhören?

US-Präsident Donald Trump sagte am Mittwoch, dass die Vereinigten Staaten von der Türkei Kopien von Audio- und Bilddateien angefordert haben, «sofern welche existieren». Trump wolle nur herausfinden, was wirklich geschehen war. «Ich bin noch nicht sicher, ob (Audio- und Bilddateien) existieren, vielleicht ja, möglicherweise ja», fügte er an. Mike Pompeo werde ihm nach seiner Rückkehr darüber berichten. 

Trump machte nicht den Eindruck, dass ihn der Fall Khashoggi besonders interessiert. Bereits vorgestern äusserte er sich ungewohnt friedfertig gegenüber Saudi-Arabien und kritisierte, dass das Land voreilig verurteilt wird. Gestern fügte er hinzu, dass der Wüstenstaat «ein sehr wichtiger Verbündeter ist» und Milliarden für amerikanische Waffen ausgebe. Saudi-Arabien hatte sich bereit erklärt, amerikanische Waren im Wert von 450 Milliarden einzukaufen – 110 Milliarden davon allein für militärische Zwecke. 

Mehr Selbstbestimmungsrechte im muslimischen Königreich:

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Video: srf

Apropos Geld... da war doch noch was?

Saudi-Arabien steht mächtig unter Druck und täglich werden neue Fakten zum Verschwinden von Khashoggi bekannt, die das Wüstenland weiter schwer belasten. Inmitten dieser Krise versucht sich die saudi-arabische Regierung in ein besseres Licht zu rücken und überwies am Dienstag – Mike Pompeo war zu Gast – 100 Millionen Dollar an die amerikanische Regierung. Damit wolle man die USA in ihrem Bestreben unterstützen, Nordostsyrien weiter zu stabilisieren. 

Brett McGurk, the U.S. envoy for the global coalition against IS, speaks during a press conference at the U.S. Embassy Baghdad, Iraq, Wednesday, June 7, 2017. McGurk says the fight for Raqqa, the Islamic State group's de facto capital, will

Brett McGurk. Bild: AP/AP

Kritiker sehen darin einen Versuch, von der Affäre Khashoggi ablenken und sich die Gunst und das Vertrauen der USA erkaufen zu wollen. Das US-Aussenministerium winkt aber ab und betont, dass kein Zusammenhang mit Pompeos Besuch bei bin Salman besteht. «Der spezifische Geldtransfer ist schon länger in Arbeit und hat nichts mit anderen Vorkommnissen oder dem Besuch des Aussenministers zu tun», zitiert die Washington Post Brett McGurk, Vertreter der Anti-IS Koalition. (vom)

Erste Fahrausweise für Frauen in Saudi-Arabien:

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Video: srf

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35
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35Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Tilman Fliegel 18.10.2018 14:48
    Highlight Highlight Schon klar, dass Trump Verständnis dafür hat, das kritische Journalisten umgebracht werden.
    11 3 Melden
  • smoking gun 18.10.2018 12:57
    Highlight Highlight Die USA sind seit 1945 wegen den Ölvorkommen Schutzmacht Saudi-Arabiens. Deshalb kuscht Trump.

    Hier ein interessanter Artikel mit vielen Infos:

    https://www.heise.de/tp/features/Der-Prinz-und-der-Journalist-4194357.html
    7 0 Melden
  • roger.schmid 18.10.2018 10:16
    Highlight Highlight Trump hat Unmengen von Kohle von den Saudis erhalten - er wird sie also decken.

    Die Türken haben anscheinend die Beweise, aber veröffentlichen sie nicht - die Frage ist also nurnoch, was sie nun als Gegenleistung erhalten.
    51 4 Melden
  • Moudi 18.10.2018 09:30
    Highlight Highlight Gute Mörder/ schlechte Mörder!??
    Gute Terroristen/ schlechte Terroristen!??
    Wer weiß das schon!
    Die verlogene Doppelmoral wird immer öffentlicher!! Hoffe die "Gutmenschen" sehen es auch langsam ein!
    Und was macht der "Westen" EU und die Schweiz?? Wir werden sehen.. vielleicht
    22 47 Melden
    • SchweizAbschaffen 18.10.2018 10:42
      Highlight Highlight Aha ... Die Gutmenschen ...

      Und wer in der Schweiz hat neulich die Ausfuhrbestimmungen für Waffenlieferungen an Saudiarabien erleichtert? Die Gutmenschen?

      Und was ist Deine Meinung zu diesem Geschäft im Parlament, aus der Sicht eines Schlechtmenschen?

      ... Siehst Du es langsam ein ?
      55 7 Melden
    • Moudi 18.10.2018 12:26
      Highlight Highlight "Gut/schlecht Mensch" ist genauso ein doofes Wort!! War ironisch gemeint!
      Und ja das ist auch eine Doppelmoral unserseits!! Hauptsache der rubel-rollt! Finde ich auch schei...e! Verlogen bis äneuse! Dann gehen halt Arbeitsplätze und Steuereinnahmen verloren!! Na und!
      Für mich ist das nicht die schöne Schweizer Neutralität!
      Hoffe ich konnte dir antwort geben.. No es schönes tägli
      13 5 Melden
  • SchweizAbschaffen 18.10.2018 09:26
    Highlight Highlight Die Finger ...
    wurden ihm abgeschnitten, weil er mit eben diesen seine regimekritischen Artikel in die Tasten haute.

    Kronprinz Mohammed bin Salman hat nicht nur den Mord angeordnet, sondern auch, dass man ihm diese bösen Finger als Trophäe nach Hause bringt.

    Kulturell rückständig, trotz Billionen.
    97 5 Melden
  • Posersalami 18.10.2018 09:07
    Highlight Highlight An Bigotterie ist das ganze kaum zu überbieten.
    38 2 Melden
  • Gummibär 18.10.2018 08:55
    Highlight Highlight Es empfiehlt sich ein Saudi-Arabisches Konsulat nur mit einer Apple Uhr am Handgelenk zu betreten, die mit einem I-phone synchronisiert und gleichzeitig Freunde mit einer Filmcrew auf der anderen Straßenseite zu installieren. Wenn man nach dreißig Minuten nicht wieder draußen ist, müssen die Freunde die Polizei alarmieren.
    40 4 Melden
    • The Writer Formerly Known as Peter 18.10.2018 10:50
      Highlight Highlight Zum Glück muss ich da nicht hin und werde mich hüten, es je zu tun. Aber in diese Liste kann man getrost ein paar Konsulate aufnehmen.
      35 1 Melden
  • Gsnosn. 18.10.2018 07:51
    Highlight Highlight Apple Uhr geht doch via Bluetooth und das beschränkt sich doch auf 10 Meter. Wie kann dss iPhone das aufnehmen, 10 Meter ist weniger...
    10 9 Melden
    • Lumok 18.10.2018 12:20
      Highlight Highlight Das neuste Modell hat eine Mobilfunkverbindung, sie muss nicht mit einem iPhone gekoppelt sein.
      15 1 Melden
    • Saraina 18.10.2018 19:45
      Highlight Highlight Es hat sich, glaube ich, mittlerweile herumgesprochen, dass die Türken das Konsulat abhörten. Die Geschichte mit der Apple-Watch tönt einfach besser.
      3 0 Melden
  • Eskimo 18.10.2018 07:12
    Highlight Highlight Glaubt nicht alles was in den Medien steht.
    Denkt ihr wirklich dass Khashoggi während er gefoltert wurde noch Tonaufnahmen gemacht hat und diese (anschliessend!) seiner Frau geschickt hat? Gibt es überhaupt solche Tonaufnahmen und wenn ja sind sie echt? Und warum tauchen sie erst so spät auf? Auch westliche Medien sind längst nur noch ein Spielball für politische Propaganda.
    19 170 Melden
    • N. Y. P. 18.10.2018 08:01
      Highlight Highlight Ja, Kashoggi hielt, während er gefoltert wurde, in der linken Hand ein Smartphone. Danach schickte er die Ton- und Bildaufnahmen per WhatsApp an die türkischen Behörden.

      @Eskimo
      Nein, im ernst, Kashoggi hatte vermutlich, während er zu Tode gefoltert wurde, nicht Zeit und Muse sich um Aufnahmen zu bemühen.
      33 0 Melden
    • Gummibär 18.10.2018 08:37
      Highlight Highlight Das glauben wir nicht. Wir dürfen aber mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen, dass der türkische Geheimdienst das Saudische Konsulat schon lange verwanzt hat und die Aufnahmen jetzt gezielt und Stückweise veröffentlicht.
      Wir glauben auch nicht, dass das Konsulat frisch gestrichen wurde, um den Geruch des Parfüms der saudischen Geheimdienstler zu überdecken, die Kashoggi zerlegt haben.
      60 2 Melden
    • LeChef 18.10.2018 08:40
      Highlight Highlight Und wer hat deiner Meinung nach ein Interesse daran, diese Propaganda zu verbreiten?
      22 5 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Bibilieli 18.10.2018 07:01
    Highlight Highlight John Oliver bringts einmal mehr auf den Punkt.
    Play Icon
    81 9 Melden
  • walsi 18.10.2018 06:06
    Highlight Highlight Beim versuchten Mord an Skripal wird vermutet, dass es die Russen waren. Deswegen gibt es Sanktionen gegen Russland und Botschaftspersonal wurde ausgewiesen. Bei den Saudis weiss man nun, dass sie den Mann umgebracht haben und dennoch kommt keine Reaktion von der politischen Elite Weltweit so wie bei den Russen. Bei den Sanktionen gegen die Russen ging es also nicht um Skripal, er war einfach eine Entschuldigung.
    181 36 Melden
    • SchweizAbschaffen 18.10.2018 09:22
      Highlight Highlight ... Mal abwarten. Die Sanktionen gegen Russland hatten ja auch eine Weile gedauert.

      Und ansonsten, wenn Du schon von Skripal sprichst:
      Was ist Deine Meinung zu diesem Mord, angeordnet durch den russischen Staat?
      22 7 Melden
    • Siebenstein 18.10.2018 09:27
      Highlight Highlight Nein, Skripal war keine Entschuldigung, der Unterschied liegt ganz einfach darin, dass Trump sich von den Saudis schmieren lässt.
      31 6 Melden
    • Neruda 18.10.2018 09:31
      Highlight Highlight Europa hätte die Chance sich als neue Macht zwischen den Blöcken zu positionieren. Aber lieber bleibt man der Vasall der USA und zahlungskräftige Länder wie Saudi-Arabien und China können sich alles erlauben. Die Russland-Sanktionen gehen in Ordnung, aber wie du sagst, konsequenterweise müssten jetzt auch welche gegen Saudi-Arabien ergriffen werden.
      33 5 Melden
    Weitere Antworten anzeigen

Überwachungsvideo zeigt: So haben die Saudis Khashoggis Kleider verschwinden lassen

Im Fall Kashoggi vergeht zurzeit kein Tag ohne neue Entwicklungen. Heute haben die türkischen Behörden ein Video veröffentlicht, welches darauf schliessen lässt, wie die Kleidung des getöteten Journalisten entsorgt wurde. Im Zentrum der Aufnahmen steht ein gewisser Mustafa al-Madani.

Und das ist auf dem Video zu sehen:

Um etwa 11 Uhr betritt ein Mann das saudische Konsulat in Istanbul. Laut türkischen Sicherheitskreisen heisst er Mustafa al-Madani und ist Teil eines 15-köpfigen Teams, …

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