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Diese Fotomontage des Schweizerischen Gewerbeverbandes stösst Sozialdemokraten sauer auf.

Fotomontage in Abstimmungszeitung: SP geht gegen Gewerbeverband vor

Linke Nationalräte bezichtigen Gewerbler einer «Diffamierungskampagne» – und schalten nun einen Anwalt ein. Parteivize Beat Jans bringt die Idee einer Wahrheitskommission aufs Tapet.

Sven Altermatt / Nordwestschweiz



Gross war der Ärger wohl schon seit Wochen. Und so brauchte es nur noch den berühmten Tropfen, der bei Beat Jans schliesslich das Fass zum Überlaufen brachte: «Jetzt ist genug verdreht und gefälscht», sagt der Basler Nationalrat. Und seine Baselbieter Ratskollegin Susanne Leutenegger Oberholzer ergänzt: «Die üblichen Instrumente der Politik reichen offenbar nicht mehr, um dagegen etwas auszurichten.» Nun wollen die Sozialdemokraten rechtlich gegen den Schweizerischen Gewerbeverband vorgehen. Diese Woche haben sie einen Anwalt eingeschaltet. Dieser soll rasch die weiteren Schritte prüfen. In Betracht käme etwa eine Anzeige wegen Persönlichkeitsverletzung.

Leutenegger Oberholzer und Jans proben den Aufstand: Die Fortsetzung der Politik mit juristischen Mitteln, wenn man so will. Der Grund für ihre Aufregung ist die französischsprachige Abstimmungszeitung des Gewerbeverbandes, die vor wenigen Tagen in den Westschweizer Briefkästen landete. In dem Blatt wirbt der Verband für ein Ja zur Unternehmenssteuerreform III (USR), Seitenhiebe inklusive.

Wen kümmert's?

So findet sich darin auch ein Foto von der Einreichung des Referendums gegen die Reform. Führende SP-Vertreter um Jans und Leutenegger Oberholzer halten ein Transparent in die Kamera. «USR III Nein», steht darauf in drei Sprachen – zumindest im Original. Denn der Gewerbeverband hat den Schriftzug flugs ausgewechselt und mit «Des emplois? On s’en moque!» ersetzt. Frei übersetzt: «Die Jobs? Wen kümmert das schon!»

«Methoden, die nicht nur dreist sind, sondern schlicht unlauter.»

SP-Nationalrat Beat Jans

Leutenegger Oberholzer sieht damit minimalste Fairness-Regeln verletzt. Die Nationalrätin sagt, sie scheue keine politische Auseinandersetzung. «Aber eine solche Diffamierungskampagne hat mit einer Debatte nichts mehr zu tun.» Jans spricht von «Methoden, die nicht nur dreist sind, sondern schlicht unlauter». Tatsächlich ist die Fotomontage in der Abstimmungszeitung nicht als solche gezeichnet.

Der Kampf um die USR III wird mit harten Bandagen geführt. Die Befürworter und die Gegner zeichnen Horrorszenarien über den Ausgang des Entscheids, gespickt mit Zahlen, Prognosen und Schlaumeiereien. Parallel beschuldigen sie sich gegenseitig der Verbreitung von falschen Tatsachen.

Der Gewerbeverband hat eine tragende Rolle im Ja-Lager, so offensiv wie umstritten. Für Unmut sorgte schon die deutschsprachige Ausgabe seiner Abstimmungszeitung. Darin wurden die SP-Ständeräte Claude Janiak, Pascale Bruderer und Hans Stöckli indirekt als Befürworter der Reform dargestellt, obwohl sie dagegen sind. Die drei forderten öffentlich eine Richtigstellung. Und die Verärgerung der Linken über den Gewerbeverband wächst auch in der Romandie: Die Zeitung «Le Matin» präsentierte jüngst eine ganze Liste mit SP-Vertretern, die sich von den Verbandsblättern diskreditiert fühlen.

Zweifelhafte Fakten aufzeigen

Den Rechtsweg will Beat Jans nach eigenem Bekunden vor allem deshalb prüfen, «um ein Zeichen gegen Falschinformationen in Abstimmungskämpfen zu setzen». Ihm gehe es um das Grundsätzliche, betont der SP-Vizepräsident. Der Gang zum Anwalt ist für ihn nur ein erster Schritt. Es reiche nicht mehr, die von der Gegenseite verbreiteten Unwahrheiten in der Debatte aufzuzeigen, sagt Jans. «Je länger, desto mehr glaube ich, dass politische Werbung bei Abstimmungen von einer unabhängigen Instanz geprüft werden sollte.»

Dabei denkt er an ein Gremium, das angerufen werden kann, wenn es zweifelhafte Fakten zu beurteilen gibt. Die Werbebranche verfügt bereits heute über eine Lauterkeitskommission, allerdings prüft diese nur kommerzielle Werbung. Jans will seine Idee nun zuerst in der Parteiführung einbringen und abklären, was an gesetzgeberischen Aktivitäten möglich ist.

Ganz neu ist sein Ansatz nicht. Ebenso wenig der Umstand, dass Abstimmungskämpfe gerne mal mit dem argumentativen Zweihänder geführt werden. Die ehemalige CVP-Nationalrätin Judith Stamm forderte 1999 erfolglos eine Wahrheitskommission, die nicht nur Lügen in Abstimmungskampagnen entlarven, sondern auch Fakten ins kollektive Bewusstsein rücken sollte.

Fast zwei Jahrzehnte später steht für die Luzernerin fest: Die Kommission hätte sich vor Arbeit wohl kaum retten können. Erst recht in Zeiten, wo gefälschte Nachrichten massenhaft über soziale Medien verbreitet werden und alle Welt über sogenannte Fake News zu sprechen scheint. Der Abstimmungskampf um die Steuerreform stehe beispielhaft für den Wirrwarr an Informationen, findet die mittlerweile 82-jährige Stamm. «Angebliche Fakten häufen sich, und jeden Tag kommen neue hinzu.» Ein durchschnittlicher Stimmbürger könne diese kaum mehr einordnen, geschweige denn überprüfen.

Gewerbeverband ist gelassen

Der Gewerbeverband kann die Aufregung um seine Abstimmungszeitung derweil nicht verstehen. «Das besagte Foto in der französischen Ausgabe ist klar eingeordnet im Zusammenhang mit einem argumentativen Text», sagt Kommunikationschef Bernhard Salzmann. Mit dem Bild habe man den Gegnern der Reform lediglich den Spiegel vorgehalten. «SP und Gewerkschaften stellen sich gerne als Schützer von Arbeitsplätzen dar.» Der Gewerbeverband schätzt gestützt auf eine Studie, dass bei einem Nein zur USR III 200'000 Jobs gefährdet wären.

Weil die Steuerreform für die Attraktivität der Schweiz von grosser Bedeutung sei, so Salzmann, fahre man eine engagierte Kampagne. Dass SP-Politiker jetzt juristische Schritte ankündigen, zeigt für ihn vor allem eines: «Ihnen sind die Argumente ausgegangen.» (aargauerzeitung.ch)

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Majoras Maske 18.01.2017 12:51
    Highlight Highlight Es ist absolut richtig sich dagegen zu wehren. Das politische Niveau der Schweiz sinkt und sollte wieder steigen. Umso dringender wäre auch ein Nein zur USR3 und ein Ja zur erleichterten Einbürgerung um zu zeigen, dass das nicht funktioniert.
  • bcZcity 18.01.2017 07:46
    Highlight Highlight Wahlwerbungen welche sich als Zeitungen "tarnen" und damit einen sachlichen Eindruck vermitteln möchten, sollten so oder so verboten sein. Überhaupt wäre es wünschenswert, wenn Wahlwerbung eben auch als Werbung gehandhabt wird und einen Stop Kleber am Briedkasten genau so zu beachten haben wie der Aldi und co. Prospekt.

    Aber welcher Politiker würde sich dafür einsetzen, ist ja deren Propaganda?!
  • Teslanaut 18.01.2017 05:46
    Highlight Highlight Wenn die Argumente ausgehen muss man eben mit Lügen und Angstmacherei kämpfen! Hier sagt ein Unternehmer, was er von solchen Gewerblern/Unternehmer denkt - ab Minute 1:45 und Minute 3:35!
    Play Icon

    • FrancoL 18.01.2017 08:09
      Highlight Highlight Ja das was der Mann sagt dürfte vielen USRIII Torsos sauer aufstossen. Ich denke dass er aber den Nagel auf den Kopf trifft: DIE UNTERNEHMER müssen lernen wieder Verantwortung zu übernehmen und für ihre Entscheide gerade zu stehen. NUR DANN wird man als vernünftig Denkender auch deren grosse Gewinne oder Bezüge auch stützen können.
      Interessant ist die Aussage, dass er gerne wieder den Steuerspitzensatz von 56% (!!!) akzeptieren würde wenn der Rahmen in Deutschland wieder gegeben wären. Einen Aussage die ich immer wieder mitbekomme: Bei guten Rahmen kann man über höhere Steuersätze sprechen.

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