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Warum der Westen seine militärische Überlegenheit verlieren könnte

11.02.2016, 19:57

Das Internationale Institut für Strategische Studien (IISS) in London hat in seinem Jahresbericht davor gewarnt, dass der Westen in Europa seine militärische Überlegenheit verlieren könnte. Auch in Asien würde die Konkurrenz Boden gutmachen, warnen die Analysten. 

Worauf stützen sich diese Aussagen?

1.) Es geht natürlich ums Geld

2014 hatte die NATO auf ihrem Gipfel in Wales beschlossen, dass die europäischen Mitgliedsstaaten zwei Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes in die Verteidigung stecken. Allein: Nur die wenigsten haben sich daran gehalten.

  • Nur Griechenland und Polen haben mehr als 2 Prozent investiert, wobei Polen durch seine Nähe zu Russland auch einen höheren Druck hat, die Streitkräfte auszurüsten.
  • Das gilt auch für Estland, dass genau 2 Prozent für das Militär ausgibt. Neben dem baltischen Staat hat sich nur noch Grossbritannien an die vereinbarte Investitionssumme gehalten.
  • Alle Staaten, die weniger ausgegeben haben, liegen im Durchschnitt bei 1,1 Prozent.
  • Um die Vereinbarung einzuhalten, müssten die 22 NATO-Mitglieder, die zu wenig Geld in die Hand genommen haben, ihre Militär-Ausgaben um durchschnittlich 45 Prozent erhöhen. Es fehlt eine Gesamtsumme von 97 Milliarden Dollar. 
grafik: iiss

2.) Genau genommen geht es um Europas Geld

«Der Westen verliert seine militärische Überlegenheit», titelte der «Spiegel» – doch dieser Schluss ist bei genauerem Hinsehen etwas voreilig. Womöglich investiert Europa zu wenig, doch für die USA gilt das ganz sicher nicht. Washington gibt mehr für sein Militär aus, als die zehn Länder zusammen, die im Ranking der Armeeausgaben hinter den USA liegen.

Die USA gaben 2015 597,5 Milliarden Dollar aus. Die zehn Staaten dahinter lagen mit 580,8 Milliarden unter dieser Marke.<br data-editable="remove">
Die USA gaben 2015 597,5 Milliarden Dollar aus. Die zehn Staaten dahinter lagen mit 580,8 Milliarden unter dieser Marke.
grafik: iiss

Drei Zahlen sind in dieser Statistik noch erwähnenswert:

  • Russland steckt über 5 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes in die Rüstung.
  • Indien hat Frankreich überholt und sorgt mit dafür, dass ...
  • ... Asien fast 100 Milliarden Dollar mehr ins Militär investiert als die europäischen NATO-Staaten.

3.) Deutlich weniger konventionelle Streitkräfte in Europa

grafik: iiss

Käme einer der osteuropäischen NATO-Mitgliedsstaaten in Bedrängnis, hätte das Bündnis nicht die Mittel, um diese Länder zu verteidigen. Die IISS-Grafik zeigt, dass sich die Zahl der Bataillone in den letzten 25 Jahren stark verkleinert hat.

  • Insgesamt schrumpfte die Zahl der Bataillone des US European Command (EUCOM) und seiner europäischen Alliierten von 649 auf 185.
  • Besonders drastisch war der Schnitt in Deutschland: 1990 hatte die Bundesrepublik noch mehr als doppelt so viele Bataillone wie Grossbritannien. Heute erreicht sie nur noch zwei Drittel der britischen Stärke.
  • EUCOM, Deutschland, Grossbritannien, Frankreich und Italien haben heute weniger kampfbereite Bataillone als West-Deutschland anno 1990.
  • Doch auch London hat Federn gelassen: 1990 verfügten die Streitkräfte noch über 475 Kampfflugzeuge, heute sind es nur noch 194 einsatzbereite Maschinen.
  • Frankreich verfügte vor dem Zweiten Golfkrieg noch über 579 Flugzeuge, heute sind es noch 271.
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4.) Erhöhte Reichweite russischer Flugabwehr

Moderne russische Flugabwehr würde im Ernstfall Flugbewegungen über den baltischen Staaten verunmöglichen. In Kaliningrad aufgestellt würde die Reichweite bis weit in den Westen reichen.

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Moderne russische Flugabwehr
quelle: ap/ap pool / alexander zemlianichenko
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5.) Erhöhte Reichweite russischer Marschflugkörper

Hier gilt dasselbe wie für die Flugabwehrsysteme: Wegen der hohen Reichweiten geraten Ziele in ganz Europa ins Visier moderner Marschflugkörper. «Eine adäquate zeitliche Erkennung und das das Aufstellen eines Schutzschirms bleiben die Haupt-Herausforderungen», bilanziert das IISS.

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Moderne russische Marschflugkörper
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Ein T-90-Panzer bei einer Schiessübung.<br data-editable="remove">
Ein T-90-Panzer bei einer Schiessübung.
Bild: YURI KOCHETKOV/EPA/KEYSTONE

6.) Neue Qualität

«Im Kalten Krieg war die schiere Grösse der konventionellen Streitkräfte des Warschauer Paktes die grösste Sorge der NATO. Jetzt sind die NATO-Strategen wegen der Qualität von Russlands modernisiertem Militär besorgt», glaubt das IISS. Neben den oben genannten Waffensystemen gelte das auch für neue Fahrzeuge und Panzer.

Auch auf dem Gebiet der elektronischen Kriegsführung habe Russland aufgeholt und «leistungsfähige Stör-Kapazitäten entwickelt, die den Kontakt zu Drohnen unterbrechen und Kommunikation behindern können».

Der T-14-Panzer (auch T-99), der den T-90 ablösen soll

grafik: iiss

(phi)

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