Thurgauer ging Kirchenglocke gewaltig auf den Wecker â da griff er zu rabiaten Methoden
Das Bezirksgericht Kreuzlingen befasst sich derzeit mit einem Àusserst skurrilen Fall.
Ein 45-jĂ€hriger Familienvater steht vor Gericht, weil er in der Kirche von WĂ€ldi TG die Glocken zum Schweigen gebracht haben soll. Ende 2015 fiel das MorgengelĂ€ut aus unerklĂ€rlichen GrĂŒnden immer wieder aus. Darauf schickte die Kirchgemeinde mehrmals einen Turmtechniker, der keine ErklĂ€rung fĂŒr die Panne fand.
Erst im Juli 2016 entdeckte man den ĂbeltĂ€ter, wie die Thurgauer Zeitung berichtet. Eine im DachgebĂ€lk versteckte Zeitschaltuhr unterbrach jeweils um 6 Uhr morgens die Stromzufuhr zum Schlagwerk der Turmglocke!
Die Polizei stellte auf dem GerĂ€t DNA-Spuren des Familienvaters sicher. Der Anwohner hatte sich zuvor mehrfach ĂŒber den GlockenlĂ€rm beklagt. «Er hat das Motiv, das Know-How und es gibt den Beweis am Tatort», so die Staatsanwaltschaft und klagte ihn wegen SachbeschĂ€digung und Hausfriedensbruch an.
Der Beschuldigte bestreitet die Tat. «Ja, das LĂ€uten hat uns sehr gestört und uns in unserer LebensqualitĂ€t beeintrĂ€chtigt. Aber nein, ich war das nicht.» Und wetterte dennoch gegen die Kirche. 85 Dezibel mĂŒsste seine Familie zu Hause ertragen, wenn sie «lĂ€uten mit allem was sie haben», sagte er laut der Zeitung weiter. Sie seien ĂŒbrigens nicht die Einzigen, die sich in WĂ€ldi an dieser Beschallung störten. «Dann hĂ€tten sie halt nicht neben die Kirche zĂŒgeln mĂŒssen», habe die Kirchgemeinde entsprechende Beschwerden jeweils beantwortet.
Das Urteil steht noch aus. Die Richterin hat die Parteien aufgerufen, einen Vergleich zu schliessen. «Damit die Kirche im Dorf bleibt», wird sie vom «Thurgauer Tagblatt» weiter zitiert.
Es geht um viel Geld. Die Kirchgemeinde verlangt einen Schadenersatz von rund 13'000 Franken fĂŒr die Fehlersuche und den unnötigen Ersatz des Schlagwerks. Die Staatsanwaltschaft beantragt eine bedingte Geldstrafe und eine Busse von 2640 Franken.
(amĂŒ)
