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In der Nacht sollen Kirchenglocken schweigen

Kirche ober-frick
Tradition oder Zumutung? Glockenturm der Stefanskirche in Zürich-Schwamendingen. Bild: Keystone
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Schluss mit dem akustischen Terror: In der Nacht sollen Kirchenglocken schweigen

Nachts dürfen die Kirchenglocken in Wädenswil nur noch im Stundentakt läuten statt viertelstündlich. Das Verwaltungsgericht hätte das nächtliche Gebimmel besser gleich ganz verboten. 
09.08.2016, 16:3210.08.2016, 13:52
Daniel Huber
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Verbote brauchen einen guten Grund. Besonders dann, wenn bisher Selbstverständliches nicht mehr erlaubt sein soll. Wenn es ums traditionelle Kirchengeläut geht, plädieren denn auch viele dafür, die Kirche im Dorf zu lassen. Haben sie Recht?

Nein. Das nächtliche Gebimmel – sei es der Stundenschlag oder das Frühgeläut morgens um sechs Uhr – ist eine Zumutung für lärmgeplagte Anwohner. Sie wird nicht dadurch kleiner, dass sie sozusagen schon immer da war.  

Was dem einen vertraut-trauliches Traditionsgut sein mag, ist für den anderen der reinste akustische Terror. Etwas Objektivität in den Widerstreit der Befindlichkeiten bringt da die Wissenschaft: Schon Immissionen von 40 dB (A) führen laut einer Studie der ETH zu Schlafstörungen. 

Religion
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Dass ein Gericht das Recht von Anwohnern auf ungestörte Nachtruhe höher wertet als das Recht der Kirche, ihre Glocken auch mitten in der Nacht bimmeln zu lassen, ist daher folgerichtig. Hoffentlich ist das Urteil auch wegweisend. 

Christliches Abendland?

Aber wo bleibt das christliche Abendland, wenn wir das Kirchengeläut in der Nacht abstellen, fragen besorgte Bürger. Wo bleibt das Recht auf Religionsfreiheit – das auch das Recht umfasst, seine Religion allein oder in Gemeinschaft mit anderen zu bekennen? 

Nun, das Abendland mag an vielen Orten verteidigt werden, aber bestimmt nicht im Glockenstuhl. Das herausragendste Merkmal dieses Abendlandes ist doch gerade, dass es säkular ist – und diese Säkularität musste dem Christentum Stück für Stück abgerungen werden. 

Und was die Freiheit der Religion betrifft: Sogar die Evangelisch-reformierte Landeskirche räumt ein, dass Glockenschläge als Zeitangabe keine kirchliche Notwendigkeit darstellten. Wenn aber das Glockengeläut uneingeschränkt Teil der Religionsfreiheit sein soll, dann muss das auch für den Muezzin gelten, der die Gläubigen traditionellerweise bereits um fünf Uhr morgens zum ersten Mal zum Gebet ruft. Was es dazu zu sagen gibt, hat der deutsche Schriftsteller Peter Hacks schon gesagt: 

Die Glocke stört, es stört der Muezzin.
Man bringe sie zum Schweigen, die wie ihn.
Peter Hacks

Das Recht auf Religionsfreiheit ist auch das Recht auf Freiheit von der Religion. Niemand verlangt, dass die Kirchenglocken künftig auch am Tag schweigen sollen. Aber in der Nacht sollen sie uns nicht mehr behelligen. 

Soll man Kirchenglocken nachts verbieten?

Von Religion bis zur Gotteslästerung

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114 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Zappenduster
09.08.2016 21:08registriert Mai 2014
Was mir beim durchlesen der Kommentare einfällt:

Wenn es die einen stört und die anderen es längst nicht mehr hören, für wen ist das ganze Geläute?

Steht man als fromer Christ Nachts alle 15min draussen und lauscht dem Glockengeläute? Anscheinend nicht, wieso also nicht Nachts abschalten?

XD
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dracului
10.08.2016 07:56registriert November 2014
Also mich stört mehr, dass jede Nacht mindestens ein armer Typ mit seiner übermotorisierten Karre die Leere in seiner Hose vor dem schlafendem Quartier mit möglichst viel Lärm bedauern muss.
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northpole
09.08.2016 22:06registriert März 2016
Hab jetzt alle Kommentare gelesen und offenbar kann niemand genau erklären, für was sie in der Nacht läuten und was so schlimm daran wäre, sie von 22-6 stumm zu stellen. Sehen wirs mal so, die letzten 120 Jahre hat sich einiges getan. Lärm wird immer mehr. Klar, die Kirchen stehen schon länger da, sie geben sich ja auch bekanntlich eher schwer mit moderneren Zeiten. Aber dann muss es halt die Regierung regeln. Also schaden tut die Abschaltung sicher niemandem.
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