Fussball
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epa06927134 Stefano 'Pinna' Pinna of Belgium competes against Marcus 'Marcuzo' Jorgensen of Denmark in the Semi Final of the FIFA eWorld Cup 2018  at the O2 Arena in London, Britain, 04 August 2018. Thirty two players from around the world are competing for the FIFA eWorld Cup trophy that is taking place at the O2 Arena in London from 02-04 August.  EPA/FACUNDO ARRIZABALAGA

Auch die FIFA wittert das grosse Geld: Szene vom «eWorld Cup» im August in London. Bild: EPA/EPA

Niemand weiss, wie gross eSport werden wird – aber keiner will den Zug verpassen

Früher war's ganz einfach: Der Mensch ging zum Fussball, weil er sonst nicht viel anderes machen konnte. Heute müssen die meisten Klubs um ihre Zuschauer kämpfen. Eine ihrer Hoffnungen: Via eSport an neue Fans zu kommen.



«Das ist eine gute Sache, um den Namen FC Basel hinaus nach Europa zu tragen.» Das sagte Präsidentin Gigi Oeri im Herbst 2008 über eine Marketingmassnahme. Vor zehn Jahren war eSport noch kein Thema. Der FCB nahm stattdessen mit einem eigenen Boliden an der «Superleague Formula» teil, einer Autorennserie. Was im Rückblick dann doch keine ganz so gute Sache war. In der ersten Saison wurde Basel 15. von 18 Teams, Konkurrenten waren Milan, Liverpool oder Borussia Dortmund.

The team of Switzerland's soccer club FC Basel with the president Gigi Oeri, in the car, presents the Superleague Formula racing car in the colors of the club on Friday, December 7, 2008 in Basel, Switzerland. Superleague Formula One's inaugural race season will visit the following six major circuits across Europe, from August to November 2008: Donington (United Kingdom), Nuerburgring (Germany), Zolder (Belgium), Italy (location tba), Estoril (Portugal) and Jerez (Spain). (KEYSTONE/ Georgios Kefalas)

Gigi Oeri, flankiert vom FCB-Team, im rot-blauen Rennwagen. Bild: KEYSTONE

Nun ist eSport das Vehikel, das den Klubs Bekanntheit, Popularität und neue Zuschauer bringen soll. Der FC Basel ist einer der Schweizer Vereine, welche bereits ein eigenes Team gegründet haben. Auch in der Gamer-Community wolle der Klub für seine Fans erlebbar sein, schreibt der FCB. Erster Schweizer Klub mit einem eigenen Profi-Gamer war mit dem FC St.Gallen der älteste Schweizer Fussballklub. «Die Entwicklung im eSport ist beeindruckend und verläuft rasant», sagte CEO Pascal Kesseli damals im «Tagblatt». «Wir sind vom Potenzial der Branche überzeugt.»

Widerstand von Fans

Wohin die Reise geht, weiss niemand. Aber jeder Klub will bereit sein, um sich ein schönes Stück zu sichern, wenn der Kuchen verteilt wird. Und weil auch die Liga nicht hinten anstehen will, gibt es angeblich Pläne für eine nationale Liga mit Gamern aller zehn Super-League-Teams, welche schon im nächsten Frühling starten soll.

Dagegen regt sich Widerstand. Beim 7:1-Kantersieg von YB gegen den FC Basel sorgten Anhänger beider Lager für Unterbrüche. Sie warfen Tennisbälle aufs Feld, um so gegen die eSport-Bemühungen von Klubs und Liga zu protestieren. Die Logik vieler Fans: Anstatt Geld für Gamer auszugeben, soll ihr Klub lieber einen besseren Fussballer holen. Dabei ist eSport eine Marketingmassnahme, so wie Plakate für eine Image-Kampagne oder Werbebanner für die Ankündigung von Heimspielen.

Tennisbaelle, von YB Fans geworfen, liegen auf dem Kunstrasen, das Spiel muss kurz unterbrochen werden, beim Fussball Meisterschaftsspiel der Super League, des BSC Young Boys gegen den FC Basel, am Sonntag, 23. September 2018, im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Mit Tennisbällen gegen eSport-Pläne: Protestaktion bei YB-Basel. Bild: KEYSTONE

Die Schweizer Klubs fokussieren sich (noch?) auf das Fussball-Game «FIFA». Schalke 04 beispielsweise hat seine eSport-Abteilung bereits ausgeweitet und stellt auch ein Team beim Strategiespiel «League of Legends», wo in Gruppen Gegner gejagt und getötet werden.

Ein Spiel dauert nicht mehr 90 Minuten

Weshalb es faszinierend sein soll, anderen Leuten beim Gamen zuzuschauen, erschliesst sich vielen nicht. Allerdings: Ob man echten Fussballern bei der Arbeit zuschaut oder von Menschenhand gesteuerten Computerspielfiguren – die Rolle des Zuschauers ändert sich nicht. Bloss, dass ein Spiel nicht mehr lange 90 Minuten dauert. In einer Zeit, in der die Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer wird, ein wichtiger Fakt. eSport soll auch ein Vehikel sein, einem Klub junge Fans zuzuführen. Die Idee dahinter: Wer auf der Konsole mit dem FCSG spielt, kommt auf den Geschmack und will früher oder später St.Galler Spieler aus Fleisch und Blut im Stadion sehen.

Das Problem der Schweizer Klubs könnte an der Konsole das gleiche sein wie auf dem Rasen: Die Konkurrenz durch die Weltklubs ist erdrückend. Kicken Schweizer Kinder heute schon zu gefühlt 90 Prozent in Trikots von Cristiano Ronaldo und Lionel Messi, so entscheiden sie sich auch an der Konsole eher für Real Madrid, Barcelona oder Bayern München anstatt für YB, Basel oder Thun. Weshalb sollen sie sich für eine eSport-Ausgabe der Super League interessieren, wenn sie virtuell im Bernabeu, im San Siro oder im Old Trafford zusehen können? Denn die Schweizer Liga ist natürlich nicht die einzige, die bei den Gamern Fuss fassen will.

eSport, das Radball von morgen?

Die «Superleague Formula» existierte bloss vier Saisons, sie ging als kurzlebiger Flop in die Geschichte ein. eSport hat ein grösseres Potenzial, um erfolgreich zu sein. Doch wie gross es tatsächlich ist und welche Rolle dabei die Schweizer Klubs spielen werden, kann niemand mit Bestimmtheit sagen.

Vor dreissig Jahren hätten sich Schweizer TV-Zuschauer nicht vorstellen können, dass einmal kein Waffenlauf, kein Radball und keine Seitenwagen-Rennen mehr gezeigt werden. Heute staunen wir darüber, dass diese Randsportarten jemals Berichte wert waren. Und wie werden wir morgen darüber denken, wie wir 2018 über eSport diskutierten?

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Video: srf/SDA SRF

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    Alle Leser-Kommentare
  • Nik G. 24.09.2018 23:09
    Highlight Highlight Gewisse E Sports Turniere ziehen mehr Menschen vor die Bildschirme als jedes Super League Spiel. Was genau ist dort anders als 22 Überbezahlten Menschen zuzuschauen wie sie einem Ball nachrennen. Es gibt in beiden Bereichen Profis bei denen Menschen gerne zuschauen und E Sport wird immer grösser. Vermutlich wird es grösser als Fussball weil die Geldmaschine Fussball immer mehr ausgepresst wird.
  • HerrCoolS. 24.09.2018 20:59
    Highlight Highlight Die "Marketingexperten" haben witzigerweise nicht bedacht, dass die Zielgruppen welche sich mit eSports auseinandersetzen möglicherweise gar nicht für den realen Sport/Verwein interessieren.
    Klar stehen die Chancen bei den FIFA-Spielern dafür besser neue Leute für den Verein zu begeistern, der Schweizer Markt, bzw. das Publikum in der Schweiz sind aber international verglichen eher klein, ob sich der Marketingaufwand dafür lohnt ist für mich eher fraglich.
    • Majoras Maske 25.09.2018 07:51
      Highlight Highlight Wobei Fifa-Spieler in der Regel eh schon Fussballfans sind. Bei nicht-Fussballfans hat das Spiel ja keinen guten Ruf. Dazu kommt auch: Wer eh schon Fussballfan ist, wird sich kaum aufgrund des Spiels für einen neuen Club begeistern...
  • Influenzer 24.09.2018 20:43
    Highlight Highlight Ich fahre selber des öfteren virtuelle Radrennen, mit dem Ergometer (smarttrainer) als "Eingabegerät". Das ist zweifellos echter Sport mit literweise Schweiss und Puls 180. Da ich in der nicht virtuellen Sportwelt auch Sportarten als solche anerkenne, die ganz andere Fertigkeiten verlangen (z.B. Curling oder Bogenschiessen) sehe ich nicht ein, warum ich in der virtuellen Welt da Grenzen ziehen sollte.
  • Harry Schlender 24.09.2018 19:49
    Highlight Highlight eSports my ass! soll jeder gamen und schauen was er will, aber dies bei einem nla-club als auflage zur lizenzierung einzuführen ist „bireweich“! ich will 11 realen helden auf dem rasen zusehen, 90 minuten emotionen durchleben und an der frischen luft sein und ab und zu ein bier dazu trinken.
    • der"Echte"Elch 24.09.2018 20:02
      Highlight Highlight Wenn du es nicht schauen willst, dann guck es nicht. Ganz einfach.
    • Corpus Delicti 24.09.2018 21:30
      Highlight Highlight Und was im Bereich des eSports hindert Sie denn daran?
    • mihi92 25.09.2018 08:27
      Highlight Highlight Harry willkommen im Jahr 2018. Emotionen durchleben und Bier trinken kannst du auch an einem eSports Turnier. Der wirst es nicht glauben aber an solchen Turnieren geht die Post ab ;)
    Weitere Antworten anzeigen
  • derEchteElch 24.09.2018 18:59
    Highlight Highlight eSport ist KEIN Sport.
    Das ist Videospiele spielen!

    Knöpfe drucken braucht keine Fertigkeiten und auch keine Talente, sondern nur ein nerdhaftiges Verhalten und das auswendig lernen des Funktionsprinzips.

    Der konservative Elch hat seine Meinung gesprochen. Und jetzt blitzt los, ihr kleinen Nerds!
    • Mr. Kr 24.09.2018 19:56
      Highlight Highlight Dann hast du aber absolut keine Ahnung wovon du redest.
    • HabbyHab 24.09.2018 20:04
      Highlight Highlight Fertigkeiten..doch. Und wie.. und in Multiplayerspielen braucht es auch Teamfähigkeit, Zusammenarbeit usw. Es ist längst nicht nur "Knöpfe drücken"
    • w'ever 24.09.2018 20:08
      Highlight Highlight ist curling sport? ist schiessen sport? schach? Billard? dart? es gibt einige sportarten, die so hinterfragt werden können.
      aber was du hier übersiehst ist, dass du so echtes fussball nicht mit virtuellen fussball vergleichen kannst.
      darum heisst es auch ELECTRONIC-Sport, und dass ist schon ok so.
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  • PHM 24.09.2018 18:54
    Highlight Highlight Zitat Artikel:

    "Vor dreissig Jahren hätten sich Schweizer TV-Zuschauer nicht vorstellen können, dass einmal kein Waffenlauf, kein Radball und keine Seitenwagen-Rennen mehr gezeigt werden. Heute staunen wir darüber, dass diese Randsportarten jemals Berichte wert waren. Und wie werden wir morgen darüber denken, wie wir 2018 über eSport diskutierten?"

    *Facepalm*

    Also irgendwelche (vielleicht ganz witzigen) Einzelsportarten mit paar Tausend Praktizierenden vs. eine Sammelkategorie mit hunderten Millionen Fans und Spielern, die auch noch dem Megatrend Globalisierung folgt?

    Mol... Macht Sinn.
  • HabbyHab 24.09.2018 18:41
    Highlight Highlight "beim Strategiespiel «League of Legends», wo in Gruppen Gegner gejagt und getötet werden."

    erm.. das ist eine etwas sehr sehr ungenaue und selektive Beschreibung.
    • Cyp zurück in die Zukunft 24.09.2018 21:02
      Highlight Highlight ja... Killerspiel halt... :)
    • Silly_Carpet 24.09.2018 21:06
      Highlight Highlight Du meinst eine sehr sehr schlechte Beschreibung.
    • HabbyHab 24.09.2018 21:20
      Highlight Highlight @silly carpet ja. Wollte es aber nicht gleich so ausdrücken

      @cypcyp LoL ist eher mit einem Tower Defense-Spiel zu vergleichen.
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