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Alles, was du zum tödlichen ICE-Vorfall in Minneapolis wissen willst

Flowers and candles are placed as protesters gather near the scene of the fatal shooting involving federal law enforcement agents, Wednesday, Jan. 7, 2026, in Minneapolis. (AP Photo/Tom Baker)
Federal ...
Menschen legen am Tatort Blumen nieder, um dem Opfer zu gedenken.Bild: keystone

Hat der ICE-Beamte wirklich aus Notwehr gehandelt? Das zeigen die Videos

Ein ICE-Agent hat in Minneapolis eine US-Bürgerin erschossen – angeblich aus Notwehr. Die Bundesregierung rund um Donald Trump stützt die Darstellung, lokale Behörden und Augenzeugen widersprechen ihr vehement.
08.01.2026, 17:0408.01.2026, 18:03

Am 7. Januar hat ein maskierter Agent der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE in einem Wohnquartier der Grossstadt Minneapolis eine Frau in ihrem Auto erschossen. In diesem Artikel fassen wir dir das Wichtigste rund um den tödlichen Vorfall zusammen.

Der Vorfall

Was ist ICE?
ICE steht für Immigration and Customs Enforcement, es handelt sich dabei um die US-Einwanderungs- und Zollbehörde. Seit Trumps zweiter Amtszeit wurde sie stark ausgebaut – in einem Versuch, sein Wahlversprechen, «Millionen» von Immigranten zu deportieren, zu erfüllen. Laut offiziellen Angaben wurden 2025 rund 12'000 neue Agenten angeheuert, das entspricht einem Ausbau von 120 Prozent. Es gibt Kritik, dass die neu angeheuerten Agenten unzureichend und auf die Schnelle ausgebildet werden, bevor sie in den Einsatz geschickt werden.
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In der Ära Trump treten ICE-Agenten vermehrt auch maskiert und mit paramilitärischem Aussehen auf.Bild: keystone

ICE führt in Minneapolis und St. Paul seit mehreren Tagen eine grossangelegte Operation durch, an der nach Angaben des Heimatschutzministeriums mehr als 2000 Bundesbeamte beteiligt sind. Es sollen dabei Ermittlungen im Zusammenhang mit dem mutmasslichen Sozialbetrug der somalischen Community angestellt werden, der die US-Medien schon seit Monaten beschäftigt.

Am Mittwochmorgen (Ortszeit) führte ICE im Rahmen dieser Operation einen Einsatz in Minneapolis durch. Dabei konfrontierten ICE-Beamte in der Portland Avenue einen bordeauxfarbenen Sedan und wiesen die darin sitzende Frau an, auszusteigen.

Als diese dem Befehl nicht Folge leistete und stattdessen losfuhr, eröffnete einer der maskierten Agenten das Feuer und schoss mindestens zweimal mit seiner Dienstwaffe. Er traf die Frau dabei im Gesicht. Das Auto fuhr einige Meter weit, bevor es in ein anderes, am Strassenrand geparktes Fahrzeug und eine Strassenlaterne krachte und zum Stehen kam.

ACHTUNG: Auf diesem Bild sind der Tatort und Blut zu sehen.

Surprise
Bild: keystone

Schon bevor die tödlichen Schüsse fielen, befanden sich etliche Menschen aus der Nachbarschaft auf der Strasse. Dementsprechend gibt es viele Augenzeuginnen und Augenzeugen – und auch mehrere Videos aus verschiedenen Perspektiven.

Dieses Video zeigt den Moment, in dem der ICE-Agent das Feuer eröffnet.Video: watson

Beim Opfer handelt es sich Medienberichten zufolge um eine US-Bürgerin mit dem Namen Renee Nicole Good. Die 37-Jährige soll Dichterin gewesen sein – und die Mutter dreier Kinder. In ihrem Auto wurden Kinderspielsachen und Plüschtiere gefunden.

A deployed airbag and blood stains are seen in a crashed vehicle on at the scene of a shooting in Minneapolis on Wednesday, Jan. 7, 2026. (Ellen Schmidt/MinnPost via AP)
Immigration Enforcement Minnes ...
Plüschtiere schauen aus dem Handschuhfach des Fahrzeugs.Bild: keystone

Good wurde später im Spital für tot erklärt. Die Lokalzeitung Star Tribune machte ihre Mutter ausfindig. Sie sagte zum Tod ihrer Tochter:

«Das ist so dumm. Sie war vermutlich verängstigt.»

Renee sei einer der freundlichsten Menschen, die sie je gekannt habe, sagte sie weiter. Sie sei äusserst mitfühlend gewesen und habe sich ihr ganzes Leben lang um andere Menschen gekümmert. «Sie war liebevoll, vergebungsbereit und warmherzig. Sie war ein wunderbarer Mensch.»

Offenbar soll am Tatort auch die Ehefrau des Opfers anwesend gewesen sein. In einem Video ist zu hören, wie ein Augenzeuge sich mit einer verzweifelt klingenden, weinenden Frau unterhält:

Video: watson/lucas zollinger

Einem unmittelbar nach der Schussabgabe am Tatort anwesenden zivilen Arzt wurde der Zutritt von den bewaffneten ICE-Agenten verweigert:

Video: watson/lucas zollinger

Das sagt die Bundesregierung

Kristi Noem nahm am Mittwochnachmittag Stellung zum Vorfall. Sie ist ein Mitglied der Trump-Regierung und als Ministerin für Innere Sicherheit verantwortlich für die ICE-Behörde. Sie schilderte das Geschehen wie folgt:

Video: watson/Lucas Zollinger

Auch der US-Präsident Donald Trump hat seinen Standpunkt zu der Angelegenheit bereits kundgetan. Auf seiner eigenen Social-Media-Plattform Truth Social setzte er folgenden Post ab:

Donald Trump kommentiert auf seiner Social-Media-Plattform «Truth Social» den tödlichen Vorfall von Minneapolis am 7. Januar 2026, bei welchem ein ICE-Agent die US-Bürgerin Renee Nicole Good erschosse ...
Bild: truth social / @realDonaldTrump

Auch er vertritt die offizielle Haltung von ICE und seiner Ministerin Kristi Noem, wonach es sich beim Opfer und den anwesenden Augenzeuginnen und -zeugen um Agitatoren gehandelt haben müsse, welche die Agenten behinderten und sich diesen widersetzten.

«Wir müssen hinter unseren Gesetzesvollziehern stehen und sie vor dieser radikalen linken Bewegung der Gewalt und des Hasses beschützen!»
Donald Trump

Schuld am Ganzen ist Trump zufolge die «radikale Linke», die ICE und andere Strafvollzieher täglich bedrohe und angreife.

Der Agent hätte in Notwehr gehandelt und es sei anhand der Videos, die er vom Vorfall gesehen habe, schwierig zu glauben, dass er noch am Leben sei, so der US-Präsident.

Ein anderes Video lässt jedoch Zweifel an dieser Aussage und auch an der vermeintlichen Hospitalisierung des betroffenen ICE-Agenten aufkommen. Es zeigt, wie er kurz nach der Schussabgabe den Tatort offenbar völlig unversehrt verlässt:

Video: extern/reddit

Das sagen die lokalen Regierungen

Ebenfalls am Mittwochnachmittag haben der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, und der Gouverneur des Bundesstaates Minnesota, Tim Walz, Stellung genommen. Beide gehören der demokratischen Partei an.

Frey hat deutliche Worte an ICE gerichtet:

Video: watson/lucas zollinger

Auch Tim Walz hat Kritik an Trump und seinen Methoden geäussert. Wie auch Bürgermeister Frey lehnt er ausserdem die offizielle Darstellung von ICE und Kristi Noem ab:

Video: watson/lucas zollinger

Auf der Plattform X teilte Walz ausserdem mit, die Darstellung von Homeland Security, Kristi Noems Ministerium, sei «Propaganda».

Minnesotas Gouverneur Tim Walz bezieht Stellung zur Erschiessung einer Frau in Minneapolis am 7. Januar 2026.
Bild: X / @govtimwalz

Die Proteste

Als Reaktion auf die Schiesserei versammelten sich Demonstrierende in der Nähe des Tatorts. Einige warfen Schneebälle auf ICE-Beamte, andere schwenkten Flaggen mit der Aufschrift «FTP», einer Abkürzung für «Fuck the Police». Auch eine auf dem Kopf stehende amerikanische Flagge wurde verbrannt.

Demonstranten zünden eine verkehrte US-Flagge an. 7. Januar. Ein ICE-Agent hat in Minnesota eine Frau erschossen.
Demonstrierende zünden eine (auf dem Kopf stehende) US-Flagge in der Nähe des Tatorts an.Bild: newsmax

Online geteilte Videos zeigten, wie ICE- und andere Bundesbeamte darauf reagierten, indem sie Demonstrierende mit Tränengas und Pfefferspray besprühten. In einem Fall wurde einem Demonstranten aus nächster Nähe ins Gesicht geschossen.

Auch in New York City und anderen Städten kam es zu Demonstrationen und Gedenkversammlungen.

People participate in a protest in response to the fatal shooting of Renee Nicole Good by a Federal immigration officer this morning in Minneapolis, Wednesday, Jan. 7, 2026, in New York. (AP Photo/Rya ...
Bei Protesten in New York wird ICE als «Trumps Gestapo» bezeichnet.Bild: keystone

Wie es nun weitergeht

Was die US-amerikanische Justiz nun beschäftigen dürfte, ist die Frage, ob es sich bei der Tat des ICE-Agenten – wie von der Regierung dargestellt – wirklich um Notwehr handelte.

Viele Polizeibehörden in den USA führten schon vor Jahrzehnten Regeln ein, die das Risiko mindern sollen, dass Unbeteiligte getroffen werden oder Fahrer die Kontrolle über ihren Wagen verlieren, nachdem auf sie geschossen wurde, berichtet der Tages-Anzeiger.

SENSITIVE MATERIAL. THIS IMAGE MAY OFFEND OR DISTURB People gesture as they confront members of law enforcement leaving the scene where a driver was shot by a U.S. immigration agent, according to loca ...
Anwohner zeigen der ICE-Behörde den Mittelfinger.Bild: REUTERS

Auf Bundesebene gilt in den USA, dass Schusswaffen nicht allein dazu eingesetzt werden dürfen, ein fahrendes Fahrzeug zu stoppen. Tödliche Gewalt sei nur in bestimmten Ausnahmefällen zulässig, zum Beispiel wenn jemand im Fahrzeug eine andere Person mit tödlicher Gewalt bedrohe oder das Fahrzeug selbst so eingesetzt werde, dass eine unmittelbare Gefahr bestehe und es keine andere angemessene Option gebe, etwa durch Ausweichen. Das schreibt das US-Justizministerium in einem Handbuch. Diese Ausgangslage versuchen Kristi Noem und Homeland Security im vorliegenden Fall geltend zu machen.

Einsatzkräfte sollten deeskalieren

Geoffrey Alpert, Kriminologie-Professor an der University of South Carolina, forderte die Behörden jedoch auf, auch ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen:

«Zuerst sollten ICE-Beamte administrativ prüfen, ob der Agent gegen Richtlinien oder seine Ausbildung verstossen hat.»

Eigentlich würden Polizeibeamte geschult, in solchen Situationen zu deeskalieren.

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quelle: keystone / olga fedorova
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260 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Dragonlord
08.01.2026 17:24registriert Juli 2016
Trump zu den militanten und schwer bewaffneten Milizen, welche das Kapitol stürmten: "Patrioten! Ich begnadige sie alle!"

Trump über die dreifache unbewaffnete Mutter: "Wir müssen hinter unseren Gesetzesvollziehern stehen und sie vor dieser radikalen linken Bewegung der Gewalt und des Hasses beschützen!"

Es sind dunkle Zeiten, wenn Trump mit diesen Aussagen unbescholten davon kommt.
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Lushchicken
08.01.2026 17:30registriert Oktober 2014
Das Video ist deutlich: Der Typ macht einen Schritt vom Auto weg und schiesst der Frau in den Kopf. Wiederholt. Es ist wichtig, zu verstehen, dass ICE grösstenteils nicht gut ausgebildete Polizisten sind, sondern rassistische Waffennarren, die Militär spielen wollen. Und es ist eigentlich schon jetzt klar, dass der Verantwortliche keine Konsequenzen zu tragen haben wird. Nicht unter dieser Administration.
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Ruudi65
08.01.2026 17:18registriert Februar 2022
In den USA wird ein Mensch auf offener Strasse (innerhalb einem belebten Wohnquartier) einfach erschossen. Das ist horrend schlimm. Wenn nun aber die Behörden, welche den Vorfall untersuchen sollten, ganz offen lügen und die Menschen für Dumm verkaufen wollen, widert mich dermassen an.

Unter Trump kann man nicht einmal mehr den Behörden trauen, die die Menschen schützen sollten. Mir wird speiübel. Nicht unbedingt, dass da Menschen auf offener Strasse erschossen werden, sondern, dass die Trump Regierung es nicht einmal untersuchen will und stumpf lügt, obwohl alle das Gegenteil sehen können.
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