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Der betroffene Zug blieb auf offener Strecke stecken.  Bild: twitter@klangbox_music

Stecken geblieben im Schnee: Das Protokoll einer missratenen Zugfahrt

Mehr als 9 Stunden Verspätung: Das Protokoll der Zugfahrt von Sion nach Genf.

11.12.17, 14:15 11.12.17, 14:43


Wenn Schnee fällt und die Strassen und Schienen unter sich bedeckt, heisst dies für Zugpendler vielfach eins: Warten. Auch mein Zug hatte heute morgen über eine halbe Stunde Verspätung. Doch wer darüber jammern will, dem blieben die Klagelaute im Hals stecken, sobald er Nachrichten konsumierte.

Denn eine halbe Stunde Verspätung ist «Peanuts» im Vergleich zur Odyssee, die gestern Abend die Zugpassagiere von Sion nach Genf erlebten. Das Protokoll.

16:02 Uhr: Noch ahnt es niemand

Der Interregio 96 von Sion nach Genf nimmt Fahrt auf. Geplante Ankunft: 17:48 Uhr. Noch ahnt keiner der rund 400 Fahrgäste was auf ihn zu kommt. Auch die SBB nicht: Mediensprecher Oli Dischoe: «Die Strecke war zum Zeitpunkt der Abfahrt sicher befahrbar.»

16:35 Uhr: Endstation Schnee

Zwischen Aigle und Bex bleibt der Zug stehen. Auf offener Strecke. Ungewöhnlich, wie die SBB mitteilt. In den letzten Jahren hätte es keinen vergleichbaren Fall gegeben. «Im Normalfall wehen die durchfahrenden Züge im Minutenrhythmus den Schnee von den Schienen», schreibt Dischoe.

Bis 22 Uhr: Das grosse Warten

Als der Zug stehen bleibt, denkt ein Grossteil der Passagiere wohl nur an einen kurzen Unterbruch der Reise. Doch letztendlich müssen die Passagiere über fünf Stunden im Zug verharren. Denn der Verkehr kommt auf der Schiene und der Strasse komplett zum Erliegen. So ist beispielsweise die Autobahn A9 zwischen Aigle und Saint-Maurice in Richtung Wallis zwischen 16 Uhr bis 20.30 Uhr gesperrt, wie die Kantonspolizei Waadt mitteilt. So können auch keine Ersatzbusse eingesetzt werden. 

Das Trostpflaster für die blockierten Zugpassagiere: Während den gesamten fünf Stunden ist der Zug beheizt und mit Strom versorgt.

Dennoch bleibt der unfreiwillige Aufenthalt ärgerlich. Zum Beispiel für die Mutter, die sich Sorgen um ihren 13-jährigen Sohn macht, der alleine im Zug unterwegs ist. Sie schreibt auf die Facebook-Seite der SBB:

«Mein 13-jähriger Sohn steckt in der Wildnis fest, im 16.02 Uhr Zug von Sion nach Genf. Es ist jetzt schon 4 Stunden her, dass der Zug stehen blieb – ohne zu trinken, ohne zu wissen, wie er nach Genf kommt ... Kein Rettungszug, keine Notbusse. Was ist das bitte für eine Organisation?»

Besorgte Mutter auf Facebook

22 Uhr: Evakuierung

Die Kantonspolizei Waadt beginnt gemeinsam mit dem Zivilschutz mit der Evakuierung der Zugpassagiere. Vorher sei dies wegen der Witterung und der prekären Streckenverhältnissen vor Ort nicht möglich gewesen, schreibt SBB-Sprecher Dischoe.

Die Evakuierung nimmt rund zwei Stunden in Anspruch. Kurz nach Mitternacht befindet sich kein Passagier mehr im Zug. 

22.30 Uhr: Das grosse Warten Teil 2

«La Grande Salle du Parc» in Bex. Bild: KEYSTONE

Mit der Evakuierung aus dem Zug ist für die Passagiere das grosse Warten aber noch nicht abgeschlossen. Statt im Zugwagon jetzt einfach im «La Grande Salle du Parc» in Bex. Hier übernachten muss aber keiner der 400 gestrandeten Passagiere.

3 Uhr: Endlich, nach Hause

Die meisten Fahrgäste werden mit Taxis und Bussen an ihren Zielort gefahren. Die letzten um ca. 3 Uhr in der Nacht. Zu diesem Zeitpunkt sind einige der Fahrgäste bereits in einem der umliegenden Hotels untergebracht. Auf die Frage, ob die im Zug stecken gebliebenen Passagiere entschädigt werden, schreiben die Bundesbahnen: «Die SBB übernahm gemäss Fahrgastrechten die Kosten für die Taxifahrt oder die Übernachtung.» (fvo)

Pascal über egoistische Pendler

Video: watson/Pascal Scherrer, Emily Engkent

Diese Bilder beweisen, dass es in der Schweiz im Winter durchaus auch mal Schnee hat

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • öpfeli 11.12.2017 15:32
    Highlight Ja, da hätte die SBB also wirklich besser organsieren sollen! Gerade in der Wildnis braucht es alle 500m präventiv Notbusse! Mit extra Strassen nur für diese Busse!

    138 5 Melden
    • Asmodeus 11.12.2017 15:45
      Highlight Ich sage schon lange dass jede Strasse eine Bodenheizung braucht.

      Ausnahmslos!!11
      74 1 Melden
    • öpfeli 11.12.2017 15:52
      Highlight Aber die SBB ist ja immer an allem schuld!! Die Bodenheizung nimmt den Menschen dann den Sündenbock, das kannst du nicht machen!
      47 0 Melden
  • tomtom1 11.12.2017 14:52
    Highlight "...steckt in der Wildnis fest" ???
    181 0 Melden
    • Fendant Rüpel 11.12.2017 14:57
      Highlight Nichts neues aus Frankreich bzw. Genf.
      37 2 Melden
    • Asmodeus 11.12.2017 15:04
      Highlight Walliser sind gefährlich :)
      58 2 Melden
    • meine senf 11.12.2017 15:23
      Highlight Ich schätze mal, der 13-jährige war eher froh ein "Abenteuer" zu erleben statt unter der Fuchtel dieser Mutter zu sein ...
      72 3 Melden
    • Tomtom64 11.12.2017 15:28
      Highlight Weisst schon .... Aigle, Romandie, Westschweiz das ist manchmal wilder Westen. So gesehen ist Wildnis vielleicht doch die richtige Bezeichnung für das Gebiet.

      Armes Helikopter-Mami ....
      69 3 Melden
    • aglio e olio 11.12.2017 16:28
      Highlight und ohne was zu trinken...
      Ich hätte Todesangst gehabt.
      Wann denkt endlich mal jemand an die Kinder???!!!
      53 2 Melden
    • meine senf 11.12.2017 16:29
      Highlight Im Wallis würde er vielleicht mit einem Wolf verwechselt. Aber glücklicherweise sind Bex und Aigle schon im Waadtland.
      32 0 Melden
    • zorrofarblos 11.12.2017 18:12
      Highlight Die SBB hätte wenigstens dafür sorgen können, dass per Helikopter Capri-Sonne-Beutel und Farmerstängu abgeworfen werden. #gladtohavesurvived
      20 0 Melden
    • SemperFi 11.12.2017 18:46
      Highlight Wenn mein Kind mit 13 schon trinken würde, wäre ich aber gaaanz ruhig.
      16 0 Melden
    • öpfeli 11.12.2017 19:51
      Highlight zorrofarblos,
      capri-sun bitte 😒
      2 1 Melden
  • MacB 11.12.2017 14:47
    Highlight Die besorgte Mutter vergass wohl, dass wenn der Zug im SChnee steckenbleibt und die STrassen gesperrt sind, weder ein Notbus noch ein Rettungszug zum Unglücksort fahren kann.

    Unserer Zeit fehlt es schon oft an Entspanntheit. Die gute Mutter war ja sicher per Whatsapp in Kontakt, alles gut...
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