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Die «Akademik Lomonossow» wird aus dem St.Petersburger Hafen gezogen.
Die «Akademik Lomonossow» wird aus dem St.Petersburger Hafen gezogen.
Bild: EPA/GREENPEACE

Russland stellt ein AKW ins Meer – ist das so gefährlich, wie es klingt?

30.04.2018, 13:5530.04.2018, 14:39

Im russischen St.Petersburg lief jetzt das erste schwimmende AKW vom Stapel. Die «Akademik Lomonossow» (benannt nach dem russischen Universalgelehrten Michail Lomonossow) soll 2019 den Reaktorbetrieb aufnehmen. Ist das so gefährlich, wie es klingt? Der Reihe nach: 

Die Idee: Strom für entlegene Gebiete

2007 beginnt der russische Energiekonzern Rosatom mit dem Bau für ein schwimmendes Atomkraftwerk. Die Idee fasst Ingenieur Georgi Tichomirow vom Moskauer Institut für angewandte Physik damals wie folgt zusammen: «Der Vorteil des schwimmenden Kernkraftwerks: Es kann überall Strom liefern.» Die Hoffnung: Der schwimmende Atommeiler könnte vor allem von kleinen Pazifikstaaten zur Energieversorgung genutzt und damit ein Exporterfolg werden.

Tichomirow: «Es ist wie ein Kreuzfahrtschiff. Die Crew lebt wie in einem 4-Sterne-Hotel.»

So schön steril sehen die Pläne aus

Der Prototyp: Energie ab 2019 für 200'000 Menschen

Der Prototyp «Akademik Lomonossow» lief gestern in St.Petersburg vom Stapel – vorerst noch ohne atomare Brennstäbe. Das Schiff mit den beiden Kernreaktoren soll über die Ostsee Kurs auf die russische Arktisregion Tschuktschen nehmen und dort ab 2019 Strom liefern, etwa für Ölbohrinseln. Insgesamt sollen die beiden Reaktorblöcke Energie für bis zu 200'000 Menschen produzieren, etwa für Meerwasserentsalzungsanlagen. Russland hofft in der entlegenen Region am Meeresgrund auch Bodenschätze ausbeuten zu können.

Die «Akademik Lomonossow» in St.Petersburg.
Die «Akademik Lomonossow» in St.Petersburg.
Bild: EPA/GREENPEACE

Die Argumente der Befürworter: Sicher (und versenkbar)

Die Entwickler von Rosatom behaupten, der schwimmende Meiler sei sicher. «Im schlimmsten Fall müssen wir nur eine Zone von einem Kilometer rund um den Reaktor sichern», beteuern die Betreiber. Käme es zu einer Kernschmelze wie 2011 im japanischen AKW Fukushima, könne der schwimmende Meiler im Meer versenkt werden, sagen die Befürworter. Die Technik sei durch atombetriebene Eisbrecher bekannt und beherrschbar.

Die Argumente der Kritiker: «Schwimmendes Tschernobyl»

Kritiker der Atomkraft warnen vor dem schwimmenden Meiler. Von einem «gefährlichen Experiment» und einem «schwimmendem Tschernobyl» spricht Greenpeace-Experte Jan Haverkamp. Der flache Schiffsrumpf und der fehlende Eigenantrieb mache die «Akademik Lomonossow» bei Orkanstürmen und Tsunamis «besonders anfällig».

Haverkamp: «Atomkraftwerke, die durch die Arktis tuckeln, stellen eine Bedrohung für ein sensibles Ökosystem dar, das durch den Klimawandel ohnehin unter Druck steht.» (per/watson.de)

Das dürfte Ralph nicht gefallen

Video: watson/Ralph Steiner, Emily Engkent
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