Schweiz
Gesundheit

Corona: Schnelltests ausverkauft, Labore können PCR-Flut nicht stemmen.

Eine Frau macht einen Coronavirus Antigen-Selbsttest mit Nasenabstrich bei sich zu Hause, am Mittwoch 7. April 2021 in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Unangenehm und stark gefragt: Corona-Tests.Bild: keystone

Nicht nur Labore kommen mit Testauswertungen kaum nach – auch Selbsttests werden knapp

Das Corona-Testcenter Kreuzlingen kann keine PCR-Tests mehr durchführen, weil die Labore in der Schweiz überlastet seien. Verschiedene Apotheken melden zudem, dass alle Selbsttests für zu Hause ausverkauft sind.
14.12.2021, 18:2414.12.2021, 18:24
«Wichtige Information: Aufgrund der schweizweiten Überlastung der Labore können wir zurzeit keine PCR-Tests durchführen.»
Homepage Corona-Testcenter Kreuzlingen

Diese Nachricht ploppt beim Besuch der Website des Corona-Testcenters Kreuzlingen auf. Das Testcenter am Bodensee kann seit über einer Woche keine PCR-Tests durchführen. Auf der Homepage sind die Termine gesperrt.

«Wir wurden in den letzten Wochen überrannt von Leuten», sagt Marco Beez vom Testcenter. Es sei ihnen nichts anderes übrig geblieben, als die PCR-Tests vorübergehend auszusetzen.

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Grund für die Aussetzung ist nicht das Testcenter selbst, sondern das Labor, das die Tests analysiert. Dieses komme nicht mehr nach mit der Arbeit. «Wir haben keine Ahnung, wann wir wieder loslegen können», sagt Beez. Bereits vor Abbruch der Tests musste man 48 Stunden auf das Ergebnis warten, «die Frist von 24 Stunden konnte seit langem nicht mehr erreicht werden».

Testkapazitäten verdoppelt

Nachfrage bei der Dr.-Risch-Gruppe: Das Unternehmen betreibt 18 Labore und gehört somit zu den grösseren Playern in der Schweiz. Bis vor kurzem war es auch der Labor-Partner des Corona-Testcenters Kreuzlingen. «Aufgrund des ausserordentlich hohen Probenaufkommens waren unsere Laborkapazitäten besonders in den letzten drei Wochen stark ausgelastet», sagt CEO Martin Risch. Das Volumen hätte sich in dieser Zeit verdoppelt. «Zahlreiche Poolproben mussten deswegen einzeln aufgelöst und nachgetestet werden, was sehr zeitaufwändig ist», sagt Risch.

Dass die Labore mit den Tests nicht mehr nachgekommen sind, will man nicht bestätigen. Nur so viel: «Die sprunghaften pandemischen Veränderungen in den letzten drei Wochen haben uns nahe an die Kapazitätsgrenzen gebracht.»

Um dem steigenden Volumen Herr werden zu können, hat die Dr.-Risch-Gruppe einige neue Geräte angeschafft. «Die PCR-Testkapazitäten konnten so annähernd verdoppelt werden, was eine erhebliche Entlastung mit sich bringt», sagt CEO Risch.

24 Stunden, 7 Tage die Woche

Auch andere Labore laufen auf dem Zahnfleisch. «Die Auslastung ist bei uns sehr hoch, wir kommen an unsere Grenzen», sagt Stefan Mathys, Mediensprecher von Synlab. An 20 Standorten in der Schweiz betreibt Synlab Labore. «Im Drei-Schicht-Betrieb, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche», sagt Mathys.

Noch könne man die Flut an Tests stemmen, «es geht aber auch bei uns zwischen 24 und 48 Stunden, bis die Resultate vorliegen». Synlab arbeite wegen der hohen Belastung gerade daran, die Kapazitäten auszubauen. Doch das sei nicht von heute auf morgen möglich. «Es braucht neben den Geräten auch mehr Personal», so Mathys.

Auch Selbsttests sind Mangelware

Nicht nur die PCR-Tests können momentan nicht verarbeitet werden, auch Selbsttests sind Mangelware. Wer also vor der Weihnachtsfeier mit der versammelten Familie einen Selbsttest machen will, der muss sich auf eine längere Suche einstellen.

«Bei uns sind alle Covid-Selbsttests ausverkauft», heisst es bei der Apothekenkette Amavita. Besserung sei nicht in Sicht: Die Lieferanten würden – wenn überhaupt – nur noch kleine Mengen liefern. Auch im Onlineshop ist etwa der Antigen-Selbsttest von Roche nicht mehr erhältlich. Ebenso bei der Versandapotheke «Zur Rose». Bei den Dr.-Noyer-Apotheken in Bern hat man hingegen noch Tests vorrätig.

Bei Selbsttest-Hersteller Roche heisst es auf Anfrage, dass momentan noch alle Bestellungen bedient werden könnten. Jedoch: «Auch wir spüren die erhöhte Nachfrage. Wir können nicht ausschliessen, dass es zukünftig zu vereinzelten Lieferengpässen kommen kann.»

Was weitere Lieferengpässe bedeuten könnten, zeigt sich bereits in Deutschland: Dort rationieren Drogerien bereits die Stückzahl, die Kunden kaufen dürfen, wie deutsche Medien berichten.

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