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Donald Trump in Peking: Ein Staatsbesuch ganz nach seinem Gusto. Bild: AP/Pool Reuters

Dealmaker trifft Strategen: Wie Trump Xi auf den Leim geht

09.11.17, 18:10

Milliardengeschäfte, Salutschüsse, Ehrengarde: Peking war für Trump eine grosse Show. Ob er gemerkt hat, dass Xi Jinping viel langfristiger denkt? Der eine twittert, der andere lenkt.

Auf dem frisch gefegten roten Teppich vor der gewaltigen Grossen Halle des Volkes sind die harten Themen dieses Besuches ganz weit weg. Salutschüsse donnern in den kühlen Morgen über dem Platz des Himmlischen Friedens, Säbel blitzen beim Salutieren, Lederstiefel knallen in beklemmender Präzision, rote Fahnen wölben sich mit der US-Flagge in einer Brise. Xi Jinping fährt das breite Arsenal militärischer Ehren auf.

Donald Trump mag so etwas sehr, ist beeindruckt von Pomp und Show. Ganz Mensch des Zeitalters der Bilder, wird der US-Präsident in Peking Teil einer gigantischen Inszenierung seines chinesischen Kollegen.

Militärische Ehren für Xi Jinping und Donald Trump. Bild: AP/AP

Nur die Frage ist, wer hier eigentlich Regie führt. Trump, der selbst ernannte riesengrosse Dealmaker, oder Xi Jinping, der kühle Stratege? Trump denkt an sich. Xi Jinping an die Zukunft, den «chinesischen Traum» vom Aufstieg zur Weltmacht.

Die beiden Staatsmänner sind noch nicht ganz in dem riesigen Bau verschwunden, da wird draussen der rote Teppich schon weggerupft. Nach inszeniertem Kinderjubel, schneidiger Parade und pompös unterzeichneten Verträgen unter glitzernden Kronleuchtern stehen auch die Wirtschaftsbeziehungen bald wieder in der kühlen Realität.

Der Schein trügt

In Peking stehen astronomische Summen unterzeichneter Abkommen im Raum, man spricht von mehr als 250 Milliarden US-Dollar. Xi Jinping ist zufrieden über die Aufführung. Er hat dem «Geschäftsmann» Trump geliefert, was der haben und seinen Wählern zuhause präsentieren wollte: «Arbeitskräfte schaffende Abkommen!», wie Trump glücklich verkündete. Aber der Schein trügt leicht.

Einiges ist echt, anderes nur Show. Vage Absichtserklärungen, Rahmenabkommen, Kooperationspläne, die mit «kreativer Buchhaltung» zu potenziellen dreistelligen Milliardensummen hochgerechnet werden. «Ein Besuch im alten Stil» oder «klassische chinesische Taktik», lauten erste Reaktionen von China-Kennern.

Auch deutsche Regierungschefs - von Helmut Kohl über Gerhard Schröder bis Angela Merkel - haben ihre China-Besuche einst damit geschmückt. Da wurden Airbusse gleich drei-, viermal verkauft. Erst den Franzosen, dann den Deutschen. Erst als Kaufabsicht, dann bei der Bestellung. Die deutsche Kanzlerin hat das Spiel längst durchblickt, verzichtet immer häufiger auf Unterzeichnungszeremonien.

Nur kurzfristige Wirkung

Auch bringen Handelsabkommen - wie der Kauf von Sojabohnen, Flugzeugen oder Rindfleisch in den USA - vielleicht erst einmal das Defizit im Warenaustausch herunter, wirken aber nur kurzfristig. Langfristig bringen nur Marktöffnung, Abbau von Investitionshürden und Subventionen, freie Ausschreibungen und Rechtssicherheit die Geschäfte voran. Stichwort: Gerechte Wettbewerbsbedingungen.

«Hier wird alles nur schwerer», klagen ausländische Manager. «Da öffnet sich nix.» Der Parteikongress gab jetzt auch noch «Zurück in die Zukunft» als Wirtschaftskurs vor: «Mehr Staat, weniger Markt.»

Statt aber mit den Europäern gemeinsam Front zu machen, blickt Trump nicht über den Tellerrand. Stattdessen: «America First.» Vorstösse der Europäer, gemeinsam auf Marktöffnung in China zu dringen, stiessen bei Trumps Beratern «auf taube Ohren», heisst es.

Mit seinem pompösen Empfang beeindruckte Xi Jinping Donald Trump. Bild: AP/AP

Die Chinesen verhandeln ohnehin am liebsten bilateral, spielen die Handelspartner geschickt gegeneinander aus und verweigern sich einem regelbasierten, transparenten Welthandel, wie Diplomaten kritisieren. Geschickt nutzten sie das offene Welthandelssystem aus, hielten ihre zweitgrösste Volkswirtschaft aber weiter verschlossen, wird beklagt.

Geschickt eingeseift

Jetzt ist ihnen auch noch Trump auf den Leim gegangen, der Präsident der grössten Volkswirtschaft. In den USA war schon vor der Reise befürchtet worden, dass Trump gar nicht merkt, wie geschickt er eingeseift wird. Prompt kann er in Peking seine Bewunderung für den «starken Mann» Xi Jinping nicht verhehlen: «Ein ganz besonderer Mensch», und wie gut er verstehe, dass sein Volk stolz auf ihn sei.

Donald Trump nimmt China in den Schutz und beschuldigt stattdessen die Obama-Administration.

Für Xi Jinping ist diese Verbeugung vor Chinas Autokratie «konstruktiv, produktiv». China und die USA hätten «viel mehr gemeinsam» als sie trenne. In der Tat: Dass Xi nach seinem Statement keine Fragen zulässt, war zu erwarten. Dass aber Trump es auch nicht tut, war neu.

«Mr. President», ruft eine US-Journalistin, «keine Fragen? Würden Sie heute immer noch wiederholen, dass China die USA vergewaltigt?» Schweigend gehen die Staatenlenker ab, einander in ihrer Sicht kritischer Medien gar nicht so unähnlich.

China ist eine Autokratie und ein Einparteienstaat, wo Oppositionelle weggesperrt, Menschenrechte verletzt und Medien unterdrückt werden. Es gibt keine Demokratie. Damit mag Trump sich aber nicht aufhalten. Früher wurde der US-Präsident als solcher immer selbstverständlich mit «Führer der freien Welt» betitelt. Heute klingt das tönern.

Trump dürfte die Station China vor sich hertragen und als weitere Krönung seines wirtschaftlichen Verhandlungsgeschicks ausschlachten. Aber: Wenn Trump das Weisse Haus verlassen wird, sei es nach vier oder nach acht Jahren, dann wird Xi Jinping die Geschicke seines Landes noch immer mitbestimmen. Er denkt in grösseren Zeiträumen.

Blumige Worte

Blumig beschreiben die beiden Männer, warum man gemeinsam die Weltprobleme lösen könne, dass es keinen Grund für Rivalität gebe: «Der Pazifische Ozean ist gross genug für die USA und China», formuliert Xi Jinping den chinesischen Anspruch als aufstrebende Weltmacht. Indem Trump diese «grossartige Nation» lobt und Xi Jinping «Gesicht gibt», erfüllt er ihm auch den Wunsch, dass China von den USA endlich als ebenbürtig behandelt wird.

Xi Jinping brachte Donald Trump auch in Sachen Nordkorea auf seinen Kurs. Bild: AP/Pool Reuters

Auch im Umgang mit Nordkorea scheint Xi Jinping den US-Präsidenten auf seinen Kurs gebracht zu haben. Trump äusserte sich in Peking deutlich diplomatischer, rasselte nicht mehr mit dem Säbel.

Alle erfüllten «umfassend und streng» die UNO-Sanktionen, beteuert Xi Jinping und stellt fest, dass die USA und China «auf Dialog und Verhandlungen hinarbeiten». Nur wie, liess er offen. Wenn die Scheinwerfer aus sind, sind die echten Probleme kein Stück kleiner. (sda/dpa)

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20Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Little Flip 10.11.2017 06:37
    Highlight Manchmal ist es ein wenig traurig, wie naiv DT ist. Xi plant langfristig, was eigentlich alle guten Politiker tun sollten, und nicht von Tweet zu Tweet.
    5 1 Melden
  • M@ Di11on (亚光狄龙) 10.11.2017 06:31
    Highlight Wieso "...auf den Leim geht..."? Xi ist der Dealmaker.
    3 0 Melden
  • LYX 10.11.2017 05:50
    Highlight Ich mag die chinesen. Ein ganz sympathisches volk.
    4 0 Melden
  • dracului 09.11.2017 21:44
    Highlight Die USA sind überschuldet (Dept-GDP-ratio) und stehen vor allem bei den Chinesen in der Kreide, währenddessen die USA für die Chinesen das wichtigste Exportland ist. Trotz dieser Symbiose belächelt Trump gerne den Sozialismus und huldigt seine kapitalistische Schuldenobergrenzeartistik. Sobald die grenzenlose Selbstüberschätzung und Naivität von Trump dazu führt, dass er mit heruntergelassenen Hosen vor der Weltöffentlichkeit steht, werden wir das auf dieser Asienreise erhaltene Tattoo lesen können: "America first - Made in China!".
    34 4 Melden
    • Redly 10.11.2017 06:31
      Highlight Bei allem Respekt: wird hier gerade eine Diktatur (Sozialismus) bewundert?
      PS: der Lebensstandard in den USA ist (noch?) deutlich höher, was nicht sooo schnell aufgeholt wird.
      1 4 Melden
  • SonShine 09.11.2017 21:17
    Highlight Ich denke Trump leidet an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung nach DSM-5, denn er erfüllt genügend dieser Kriterien.

    Hat ein grandioses Verständnis der eigenen Wichtigkeit

    Ist stark eingenommen von grenzenlosem Erfolg, Macht, Brillanz

    denkt, besonders einzigartig zu sein, nur andere hochgestellten Menschen verstehen ihn

    benötigt exzessive Bewunderung

    Ist in zwischenmenschlichen Beziehungen ausbeuterisch

    Zeigt einen Mangel an Empathie

    Zeigt arrogante, hochmütige Verhaltensweisen oder Ansichten

    Das alles macht ihn berechenbar. Ihn kann man leicht verarschen.
    23 5 Melden
    • SonShine 09.11.2017 22:40
      Highlight Für die Recherche-Wütigen:

      Ich hab mich vertan. Das Diagnose-Modell ist ICD-10. Sorry.
      3 1 Melden
  • α Virginis 09.11.2017 20:47
    Highlight Der grösste "Deal Maker" aller Zeiten wird von den Chinesen übervorteilt und merkts nicht! Wie köstlich könnte DAS denn sein, wäre es nicht so tragisch, einen solchen Pflock als vermeintlich mächtigsten Mann der westlichen Hemisphäre zu haben.
    23 1 Melden
  • Toerpe Zwerg 09.11.2017 19:46
    Highlight Das ist eine oberflächliche Scheinanalyse".

    "I don't blame China" ist natürlich kein Einseifen des Verhanlungspartners und sicher nicht gleichzeitig eine innenpolitische message.

    Trump wird immer noch grotesk unterschätzt. Gleichzeitig propagiert man plätzlich einen Schulterschluss gegen China?

    Ist es nicht eher so, dass sich gerade 2 Weltmächte auf Augenhöhe begegnen und Europa schlicht keine Rolle zu spielen hat.

    Man kann sich Weltpolitik schon schönfabulieren ... muss sich dann aber nicht wundern, wenn zuschauen weh tut.
    37 52 Melden
    • Saraina 09.11.2017 20:18
      Highlight Genau so ist es.
      8 16 Melden
    • supremewash 09.11.2017 21:21
      Highlight Trump wird höchstens immer noch überschätzt. Dies weil sich viele Leute wünschen dass sich hinter dieser wandelnden Pinwand noch so etwas wie ein Plan, ein Wertekatalog oder gar gesunder Menschenverstand verberge. Vergesst es!
      39 7 Melden
  • SonShine 09.11.2017 19:20
    Highlight China wird die USA als Weltmacht ablösen. Doch China hat bis dahin massive Probleme zu lösen.

    - Streit um das Südchinesische Meer (Fisch-, Ölvorkommen)

    - Einführung einer eigenen Leitwährung für den internationalen Handel (Ablösung des US-Öldollars)

    - Konflikt mit Indien um Staudamm-Projekte in Tibet

    - Anerkennung durch den Westen als tatsächliche Weltmacht

    - Innenpolitische Spannungen(Naturschutz, Arbeitnehmerrechte)

    Ich kann mir gut vorstellen, dass die Welt ungern eine autokratisch regierende Partei als Führung dieser Welt sieht. Hoffentlich bleibt alles friedlich.
    61 10 Melden
    • G. Schlecht 09.11.2017 22:21
      Highlight Blödsinn. China hat die USA im Bezug auf Schulden längst überholt. Was denken Sie, warum und wie chinesisches Kapital flieht? China sitzt auf Stahl, Öl, und vielen weiteren "Bodenschätzen" welche im Zuge der Energiewende schlicht nicht mehr in dem Masse gebraucht werden. Fliehendes chinesisches Kapital ist für die Bitcoinblase und den weltweiten Unternehmensaufkauf verantwortlich. Wie sonst sollten die reichen Chinesen denn angesichts der strikten Kapitalverkehrskontrollen aus diesen Strudel in den Untergang fliehen können? Die USA ist grösster Gläubiger, also fein raus.
      10 16 Melden
    • SonShine 09.11.2017 22:37
      Highlight Staatsanleihen im Wert von zwölf Billionen Dollar haben die USA ausstehen – das 24-Fache der damaligen Verbindlichkeiten von Lehman.

      Solange sie sich ihre Flugzeugträger und Militärbasen finanzieren können, um ihre Machtposition durchzusetzen, OK.

      China gibt da mächtig Gas, um zu kompensieren. Wer mal ein bisschen aus Europa rausschaut, merkt dass die Energiewende ein lokales Phänomen jener ist, die es ich leisten können.

      Da ist noch ein ganzer Kontinent voller Potential. Ich spreche von Afrika. China und Indien sind da wesentlich stärker präsent als die westliche Welt.
      3 1 Melden
    • Little Flip 10.11.2017 06:40
      Highlight China wird die nächste Weltmacht werden. Klar sie haben noch viele Hürden zum überwienden, aber sie arbeiten auch daran. Die USA tut zu wenig für ihre Position als Weltmacht und ruhen sich auf den Lorbeeren aus.
      2 2 Melden
  • zombie woof 09.11.2017 19:16
    Highlight Trump ist selbstverliebt und merkt nicht mal ansatzweise, wie er den Chinesen auf den Leim geht
    84 10 Melden
  • Ohniznachtisbett 09.11.2017 18:44
    Highlight Geil. DT wird von den Chinesen so schnell über den Tisch gezogen, dass er die Reibungsenergie als Nestwärme empfindet.
    217 17 Melden
    • Panna cotta 09.11.2017 19:09
      Highlight Und selbst dann wird er eines Tages behaupten, der beste Nestwärme-Erzeuger aller Zeiten zu sein.
      54 5 Melden
    • Sharkdiver 09.11.2017 21:18
      Highlight 😂👍🏻
      9 1 Melden
    • Raphael Stein 10.11.2017 01:42
      Highlight Also diese Zeilen sind aber ziemlich treffend geraten.... made my day.
      2 0 Melden

Trump kippt Einfuhr-Verbot für Grosswildjäger – (Und ja, auf dem Foto sind seine Söhne)

Donald Trump selber jagt keine Tiere. Aber seine Söhne, die würden das lieben, erzählte der US-Präsident im Jahr 2012. «Sie sind Jäger und sie sind darin sehr gut geworden.» 

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