Schweiz
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Simonetta Sommaruga sagt, der Sexismus höre erst auf, wenn veraltete Strukturen aufbrechen. severin bigler

Sommaruga zu #Metoo: «Sexismus häuft sich, wo Macht einseitig bei Männern liegt»

Bundesrätin Simonetta Sommaruga fordert im grossen Interview mit der «Nordwestschweiz» «endlich» Lohngleichheit und zeigt die Zusammenhänge zwischen Belästigungen und überholten Machtstrukturen auf.

Anna Wanner und Jonas Schmid / Nordwestschweiz



Seit 2010 führt Simonetta Sommaruga das Justizdepartement. Während sie in Migrationsthemen allzu oft von äusseren Umständen getrieben wird, setzt sie in gesellschaftspolitischen Themen eigene Akzente. In ihrem letzten Interview 2017 erklärt sie, wieso es Lohnkontrollen und Frauenquoten braucht, um Sexismus zu bekämpfen.

Frau Bundesrätin, haben Sie über die Festtage Zeit, sich zu entspannen?
Simonetta Sommaruga:
Ja, ich nehme mir ein spannendes Buch statt Akten vor und treffe Freunde, die unter dem Jahr zu kurz gekommen sind. Auch fürs Klavierspielen bleibt mehr Zeit.

Sie sind also festlicher gestimmt als die Zürcher Migrationsbehörden, die kurz vor Weihnachten eine hoch schwangere Eritreerin nach Italien ausschafften?
Ich will mich in den Medien nicht zu Einzelfällen äussern, auch wenn sie mich betroffen machen. Aber ich weiss: Das Staatssekretariat für Migration (SEM) betrachtet jeden einzelnen Fall sehr genau. Es ist sich bewusst, dass die Entscheide für die Betroffenen von allergrösster Bedeutung sind.

Die Wogen in der Asyl-Debatte haben sich geglättet. Der Fluchtweg über die Türkei ist gesperrt und aus Italien kommen kaum mehr Flüchtlinge zu uns. Stattdessen nehmen wir selektiv verletzliche Personen auf. Ist das umsichtige Asylpolitik?
Eine umsichtige Asylpolitik bedeutet für mich: Die Schweiz gibt jenen Menschen Asyl, die den Schutzauch wirklich brauchen. Und das machen wir. Derzeit kommen tatsächlich nur wenige Asylsuchende übers Mittelmeer nach Italien. In der Schweiz ist die Zahl der Asylgesuche auf dem tiefsten Stand seit 2010. Ein Grossteil der in Libyen gestrandeten Migranten würde in Europa kein Asyl bekommen. Viele sind auf der Suche nach Arbeit. Diese Menschen sind nicht Flüchtlinge im Sinne der Genfer Konvention. Wir müssen sie darin unterstützen, in ihre Heimat zurückzukehren, bevor sie bei einer Fahrt übers Mittelmeer ihr Leben riskieren. In Libyen befinden sich aber auch Menschen, die nicht in ihre Heimat zurück können, weil sie dort verfolgt werden. Das sind Flüchtlinge im Sinne der Genfer Konvention. Hier müssen wir dafür sorgen, dass die besonders verletzlichen unter ihnen – Frauen, Kinder und ältere Menschen – Schutz in einem sicheren Drittstaat erhalten. Auf Anfrage des UNHCR wird die Schweiz darum 80 besonders verletzliche Flüchtlinge als humanitäre Sofortmassnahme aufnehmen.

Die Situation in Libyen ist ausser Kontrolle: Gangs und Milizen bekämpfen sich. Flüchtlinge werden vergewaltigt und gefoltert. Ist es in diesem Kontext gerechtfertigt, dass die Schweiz die libysche Küstenwache mit Geldern unterstützt?
Wir unterstützen nicht die libysche Küstenwache, sondern die Internationale Organisation für Migration. Mit unserem Geld wird Material für die Seenotrettung finanziert, zum Beispiel Schwimmwesten. Das ist wichtig. Seit Anfang 2016 sind über 7000 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Das Schleppergeschäft ist eines der brutalsten Geschäfte überhaupt.

Fast 3000 Migranten sind dieses Jahr im Mittelmeer ertrunken. Von diesen Toten redet kaumjemand. Stumpfen wir ab?
Diese Gefahr besteht. Menschliche Dramen, die sich weit weg abspielen, können wir wohl besser verdrängen. Mitte November habe ich Asylminister aus Afrika und Europa nach Bern eingeladen, weil ich felsenfest davon überzeugt bin, dass wir die Probleme nur gemeinsam anpacken können. Wir können Afrika nicht alleine lassen. Internationale Organisationen wie das IKRK oder UNHCR kämpfen dafür, dass sie Zugang erhalten zu den libyschen Haftzentren und damit an die Menschen herankommen, die dort unter katastrophalen Bedingungen festgehalten werden. Wir müssen uns aber auch bewusst sein: Ohne eine politische Stabilisierung Libyens wird in Nordafrika keine Ruhe einkehren. Hier ist die internationale Staatengemeinschaft gefordert. Mit Migrationspolitik alleine können wir die enormen Herausforderungen nicht lösen. Libyen braucht eine politische Lösung.

«Europa fehlt eine Afrikastrategie. Man macht mit Afrika Geschäfte und ist froh, wenn nicht zu viele Migranten kommen.»

Wie blicken Sie in die Zukunft?
Die Situation in vielen afrikanischen Staaten ist schwierig. Ich war kürzlich in Niger. Das ist eines der ärmsten Länder der Welt. Gleichzeitig nimmt es hunderttausende Flüchtlinge auf. Die Sicherheitslage dort ist besorgniserregend.

Das lässt sich von der Schweiz aus kaum ändern.
Europa fehlt eine Afrikastrategie. Man macht mit Afrika Geschäfte und ist froh, wenn nicht zu viele Migranten kommen. Durch die Destabilisierung des nordafrikanischen Raums – mit all ihren Folgen – ist Europa erwacht.

Erkennen Sie einen Willen Europas, Stabilität herzustellen?
Das Gaddafi-Regime zu stürzen, war eines. Langsam wird sich Europa der humanitären Katastrophe in Libyen bewusst. Die Destabilisierung Nordafrikas hat nicht nur Folgen für west- und zentralafrikanische Staaten, sondern auch für Europa. Seit Jahren pflegt die Schweiz mit Staaten wie Tunesien oder Nigeria Migrationspartnerschaften. Die afrikanischen Staaten müssen wirksame Grenzkontrollen sicherstellen und ein Asylsystem aufbauen. Wir haben dafür im Rückkehrbereich eine gute Zusammenarbeit. Es ist ein Geben und Nehmen auf Augenhöhe. Und unser Ansatz macht Schule: Der Begriff «Migrationspartnerschaft» ist nun auch in Europa angekommen.

Sie haben es angetönt, dass Migration aus Afrika auch mit den Geschäften der internationalen Konzerne zusammenhängt. Bedauern Sie, dass ein Gegenvorschlag zur Konzernverantwortungsinitiative gescheitert ist?
Der Bundesrat hat auf einen Gegenvorschlag verzichtet. Das Parlament muss nun selber entscheiden, wie es die Anliegen der Initiative aufnehmen will. Fakt ist: 70 Prozent der Bevölkerung, die in extremer Armut lebt, lebt in rohstoffreichen Ländern. Und diese Länder kommen seit Jahrzehnten wirtschaftlich kaum vom Fleck. Für die Menschen dort bedeutet dies, dass sie in ihrer Heimat keine Perspektiven haben.

Das ist ein Problem dieser Staaten.
Nicht nur. Die Schweiz ist sehr exponiert beim Thema Rohstoffe. Über 500 Rohstofffirmen sind hier angesiedelt. Die Schweiz hat deshalb ein grosses Interesse, dass sich unsere Unternehmen an internationale Standards halten.

Sie unterstützen also das Anliegen der Initianten?
Für den Bundesrat geht die Initiative zu weit. Aber wir beobachten die Entwicklung genau und behalten uns vor, gesetzliche Massnahmen zu prüfen, wenn wir sehen, dass Firmen im Auslandgeschäft Umweltstandards oder Menschenrechte verletzen. Der Bundesrat hat zudem bereits vor drei Jahren eine Antikorruptionsbestimmung für Rohstoff-Förderer vorgeschlagen. Diese Firmen sollen offenlegen, wieviel Geld sie ausländischen Behörden bezahlen. Das ist ein Mittel, um Korruption in diesen Ländern zu bekämpfen. Die lokale Bevölkerung soll wissen, wieviel Geld ihre Regierung mit den Bodenschätzen einnimmt. Die Vorlage ist nun im Parlament.

Es ist doch gar nicht möglich, Transparenz herzustellen.
Es ist eine Herausforderung. Andere Staaten verlangen von ihren Unternehmen aber bereits heute Transparenz und Sorgfalt, wenn es um Umweltstandards und Menschenrechte geht. Die Schweiz darf sich dieser Entwicklung nicht verschliessen – und zwar aus eigenem Interesse. Wenn eine Firma in der Schweiz ihren Sitz hat und vom Image und der Infrastruktur unseres Landes profitiert, dann trägt sie auch Verantwortung für den Ruf unseres Landes.

Sie konnten in diesem Jahr wichtige Projekte abschliessen. Die Masseneinwanderungsinitiative (MEI) steht kurz vor der Umsetzung. Was erwarten Sie vom Arbeitslosen-Vorrang?
Wir stehen heute an einem ganz anderen Ort als 2014, als die Bevölkerung über die MEI abgestimmt hat. Die Zuwanderung aus EU/EFTA-Staaten ist 2017 so tief wie noch nie seit der Einführung der vollen Personenfreizügigkeit vor 10 Jahren. Zusätzlich tritt im neuen Jahr der Vorrang für Stellensuchende im Inland in Kraft. Er bietet eine gute Möglichkeit, die Zuwanderung indirekt zusteuern. In Branchen mit hoher Arbeitslosigkeit sollen Firmen zuerst in der Schweiz geeignete Arbeitskräfte suchen. Ein Beispiel: Beim Service-Personal hatte die Schweiz letztes Jahr eine Arbeitslosenquote von 10,5 Prozent, was sehr hoch ist. Zugleich haben Unternehmen 9000 Personen im Service-Bereich aus Europa neu rekrutiert. Das verstehen die Leute nicht. Wie gut der Arbeitslosen-Vorrang in der Praxis funktionieren wird, hängt wesentlich von der Bereitschaft der Arbeitgeber ab, Stellensuchenden aus dem Inland eine echte Chance zu geben, bevor sie im Ausland rekrutieren. Gefordert sind auch die regionalen Arbeitsvermittler (RAV). Sie müssen innert kurzer Zeit gute Dossiers zusammenstellen. Ist der Wille bei den Kantonen und den Arbeitgebern vorhanden, können wir auf eine positive Art ein wichtiges Anliegen der MEI aufnehmen.

Wie erklären Sie den Menschen, die Kontingente und Höchstzahlen forderten, dass man jetzt ohne diese Massnahmen einen Rückgang der Zuwanderung erreichen will?
Seit den Siebzigerjahren wird die Zuwanderung durch die Bedürfnisse der Wirtschaft gesteuert. Benötigte die Wirtschaft Arbeitskräfte, hat sie sich diese geholt. Brauchte sie keine, ging die Zuwanderung zurück. Politische Massnahmen wie Kontingente bringen wenig. Die Schweiz hatte früher mit Kontingenten teilweise eine höhere Zuwanderung als heute mit der Personenfreizügigkeit. Da verspreche ich mir vom Arbeitslosenvorrang mehr. Bevor unsere Firmen in Berufen mit hoher Arbeitslosigkeit Personen aus dem Ausland holen, sollen sie sich im Inland umschauen. Das ist ein sinnvoller Ansatz.

«Die Initiative wurde mit klarer Absicht lanciert, die SRG zu zerschlagen.»

Die Debatte um die MEI wurde sehr emotional und gehässig geführt, auch weil die Umsetzung nicht der Verfassung entspricht.
Warum war die Debatte teilweise so gereizt? Weil die Initianten bewusst darauf verzichtet haben, die Kündigung der Personenfreizügigkeit zu verlangen. Denn sonst hätten sie die gesamten bilateralen Verträge mit der EU gefährdet. Stattdessen haben sie der Bevölkerung den Fünfer und das Weggli versprochen: Höchstzahlen und Kontingente für die Zuwanderung, aber auch die Weiterführung der Bilateralen. Meine Erwartung ist, dass die Gegner der bilateralen Verträge bei ihrer nächsten Initiative mit diesem Doppelspiel aufhören. Sie sollen glasklar sagen, was sie wollen. Und dann auch die Konsequenzen akzeptieren.

Kommen wir zu einer anderen Initiative, die zwar nicht in Ihrer Zuständigkeit liegt, aber für hitzige Diskussionen sorgt: Die No-Billag-Initiative. Viele spekulieren darauf, dass das Parlament bei einem Ja eine Lösung für die SRG findet. Wurde mit der MEI ein Präjudiz geschaffen?
Es ist tatsächlich in Mode gekommen, dass Initianten die Bevölkerung auffordern, mit einer Initiative ein Zeichen zu setzen und den Leuten vorgaukeln, dass die Initiative ganz harmlos ist. Sobald die Initiative angenommen ist, fordern die Initianten dann aber eine knallharte Umsetzung mit weitreichenden Konsequenzen. So läuft es derzeit auch bei No-Billag. Ich würde bei der No-Billag-Initiative nicht auf eine «kreative Lösung» spekulieren. Die Initiative wurde mit klarer Absicht lanciert, die SRG zu zerschlagen. Fairerweise müssten die Initianten das auch deutsch und deutlich sagen.

Sie halten die Initiative für gefährlich?
Ja. Wir leben in einer direkten Demokratie, in der die Bevölkerung auf unabhängige Informationen angewiesen ist. Die SRG liefert diese Informationen. Sie lässt alle Seiten zu Wort kommen, kritisiert aber auch alle, auch den Bundesrat und mich. Das ist gut so. Wer Meinungsvielfalt und eine unabhängige Information schätzt, sollte deshalb No-Billag ablehnen.

Sind Sie überrascht, dass eine so radikale Initiative auf so viel Zustimmung stösst?
Ich hoffe einfach, die Bevölkerung ist sich bewusst, was No-Billag bedeuten würde: Es wäre nicht einfach eine kleine Verschiebung innerhalb des Mediensystems, betroffen wäre mit der SRG ein zentraler Pfeiler unseres Landes.

Die SRG ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Gleichzeitig bricht den Privaten das Geschäftsmodell weg. Muss die SRG nicht zurückgestutzt werden?
Bei einem Ja zu No-Billag würde es den privaten Medien nicht besser gehen. Die Werbegelder, die heute zur SRG fliessen, würden nicht einfach auf die Privaten übergehen. Profitieren würden vor allem ausländische Fernsehstationen, nicht Schweizer Zeitungen. Das nützt niemandem in der Schweiz.

Würden Sie bei einem Nein Hand bieten, die SRG zu redimensionieren?
Bundespräsidentin Doris Leuthard hat bereits ein neues Mediengesetz angekündigt und in Aussicht gestellt, dass sich die SRG stärker von den kommerziellen Angeboten unterscheiden soll. Von den Gebühren profitiert aber schon heute nicht nur die SRG. Auch private Radio- und Fernsehstationen erhalten einen Anteil. Sie würden bei einem Ja zu No-Billag arg unter die Räder kommen. Gleichzeitig bin ich mir bewusst, in welch schwierigen Situation Printmedien heute sind. Das ist aber nicht die Schuld der SRG. Unser Medienkonsum hat sich verändert. Immer weniger Leute abonnieren eine Zeitung. Ich bin deshalb gern bereit, über eine zeitgemässe Form der Unterstützung für die Medien nachzudenken, wenn dies Medienvielfalt und Qualität sichert. Voraussetzung dafür ist aber, dass sich die Medienhäuser untereinander einig sind.

Das heisst, der Staat soll einspringen?
Wir sind erst am Anfang der Diskussion. Deren Ergebnis will ich nicht vorwegnehmen. Die Vorstellungen, wie eine sinnvolle Unterstützung aussehen könnte, gehen noch weit auseinander.

Seit Sie das EJPD übernommen haben, sind Sie eine Reform des Zivil- und Familienrechts nach der anderen angegangen: Unterhalt- und Sorgerecht, Adoptionsrecht, bald steht auch noch das Erbrecht an. Sind die Schweizer Gesetze derart veraltet?
Das Zusammenleben, die Gesellschaft hat sich stark verändert. Noch in meiner Kindheit war Homosexualität ein Tabu. Das Leben im Konkubinat war in manchen Kantonen verboten. Unsere Gesetze waren auf die traditionelle Familie ausgerichtet. Heute kennen wir eine grosse Vielfalt von Formen des Zusammenlebens: Viele Menschen leben im Konkubinat, wir haben alleinerziehende Mütter und Väter, Regenbogen- und Patchwork-Familien. Das Recht muss diese Vielfalt zulassen und abbilden. Wenn das nicht gelingt, leiden die Betroffenen darunter: das Kind oder auch einer der beiden Partner. Deshalb haben wir das Familienrecht in den letzten Jahren Schritt für Schritt dem Alltag der Menschen angepasst.

Wo gibt es noch Handlungsbedarf?
Das Parlament diskutiert derzeit die Ehe für alle. Bereits 15 Länder in Europa haben diese eingeführt.Mir ist in dieser Diskussion eines wichtig: Mit einer Ehe für alle würden wir niemandem etwas wegnehmen. Heterosexuelle Paare können wie bisher heiraten. Neu könnten es aber auch homosexuelle Paare tun.

Die alternierende Obhut erweist sich als Schönwetterkonstrukt. Die Gerichte sprechen die Kinder den Müttern zu. Ist die Schweiz in dieser Beziehung ein rückständiges Land?
Wenn wir die Teilzeitarbeit der Väter anschauen, sind wir tatsächlich rückständig. Wenn ein Kind zur Welt kommt, kümmert sich nach wie vor hauptsächlich die Mutter. Sie arbeitet häufiger Teilzeit. Väter bekommen bei der Geburt nur einen Tag frei. Zum Vergleich: Zum Heiraten sind es zwei. Ob die heutige Situation noch zeitgemäss ist, darüber werden das Parlament und die Bevölkerung noch diskutieren.

«Wenn nur noch eine Frau im Bundesrat sitzt, kann doch niemand sagen, das Gremium bilde die Bevölkerung richtig ab.»

Für die Väter, die von den Gerichten weniger Zeit für die Kinder zugesprochen bekommen, ist das ein schwacher Trost.
Es dauert immer, bis das Recht auch in der Praxis ankommt. Der Gesetzgeber war bei der Frage des gemeinsamen Sorgerechts und der alternierenden Obhut klar: Das Gericht muss schauen, was das Beste für das Kind ist. Und am besten ist nun mal oft ein regelmässiger Kontakt zu beiden Elternteilen. Die Gerichte sollen deshalb bei einer Trennung die alternierende Obhut auch dann prüfen, wenn sich ein Vater vor der Trennung im Alltag nur wenig um das Kind gekümmert hat. Sonst wird ein Mann nach der Trennung einfach zum Zahlvater. Aber die Frage, wer die Kinder betreut, sollte sich eigentlich nicht erst bei einer Trennung stellen. Beim Bund haben wir eine Regelung, dass Väter und Mütter nach der Geburt eines Kindes ihr Pensum um zwanzig Prozent reduzieren, ihre Funktion aber behalten können. Bei der Bundesverwaltung gilt die Ausrede nicht mehr, dass der Mann gerne reduzieren möchte, aber nicht kann.

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Wieso ist dies dann nicht die Regel?
Ich höre einfach oft, dass Väter angeben, sie hätten Angst, benachteiligt zu werden.

Dass sie in ihrer Karriere nicht weiterkommen?
Ja. Aber das ist genau das, was Frauen seit Jahren erleben.

Was ist denn die Lösung?
Wenn Väter einfordern, mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen zu können, heisst das ja nicht, dass sie den Beruf nicht mehr ernst nehmen. Je mehr Väter Teilzeit arbeiten, desto weniger ist es ein Problem.

Die Realität sieht anders aus. Anforderungen an vielen Arbeitsplätzen sind heute so hoch, dass Familie und Beruf nur schwer zu vereinbaren sind.
Wenn eine Person Beruf und Familie alleine unter einen Hut bringen muss, ist das schwierig. Aber auch bei Paaren liegt die Hauptlast meist bei der Mutter. Und es stimmt, die Arbeitswelt ist noch nicht darauf eingestellt, die beiden Aufgaben miteinander in Einklang zu bringen. Dabei funktioniert das bei Abwesenheiten für den Militärdienst auch.

Wenn wir von Gleichberechtigung sprechen. Brauchen Unternehmen Lohnkontrollen?
Der Bundesrat will keine staatlichen Kontrollen. Er setzt auf die Eigenverantwortung der grossen Unternehmen. Diese sollen ihre Löhne selber anschauen und allfällige ungerechtfertigte Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern transparent machen. Seit 36 Jahren steht die Lohngleichheit in der Bundesverfassung. Da können wir nicht akzeptieren, dass Frauen immer noch weniger verdienen, nur weil sie eine Frau sind. Eine Frau verdient heute im Durchschnitt 7000 Franken pro Jahr weniger als ihr männlicher Kollege. Und das bei gleicher Qualifikation und Leistung. Der Bundesrat hat deshalb einen pragmatischen Vorschlag gemacht, der ganz ohne Strafen und Bussen auskommt.

Der Vorschlag ist im Parlament umstritten.
Nach dem Nein der Bevölkerung zur AHV-Reform wird nun hoffentlich niemand im Parlament die Bedeutung der Lohngleichheit unterschätzen. Der Bundesrat will das Rentenalter von Frauen auf 65 Jahre angleichen. Frauen sind jedoch nicht bereit, länger zu arbeiten, wenn sie nicht endlich gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Das hat die Analyse zur AHV-Abstimmung gezeigt. Darum ist die Lohngleichheit auch für das AHV-Dossier so wichtig.

Das zweite umstrittene Thema ist die Frauenquote.
Die Realität sieht heute so aus: Neun von zehn Geschäftsleitungsmitgliedern der grössten Schweizer Firmen sind Männer. Und wir wissen, dass Männer oft Männer nachziehen, wenn es um Neubesetzungen in den Chefetagen geht. Der Bundesrat will hier ein Umdenken fördern. Deshalb gibt er den grossen Unternehmen Ziele vor – nicht starre Quoten. Wenn die Unternehmen es nach einer Übergangsfrist von 10 Jahren nicht geschafft haben, dass wenigstens 2 von 10 Geschäftsleitungsmitgliedern Frauen sind, sollen sie die Gründe dafür nennen. Strafen oder Bussen gibt es auch hier keine. Der Bundesrat will nur Transparenz schaffen. Wieso das so umstritten ist, ist mir rätselhaft.

Bald sind Sie vielleicht die einzige Frau im Bundesrat.
Ich hoffe nicht, dass es so weit kommt. Der Bundesrat sollte die Bevölkerung abbilden. Das ist der Kerngedanke der Zauberformel. Wenn nur noch eine Frau im Bundesrat sitzt, kann doch niemand sagen, das Gremium bilde die Bevölkerung richtig ab.

Madeleine Albright, die erste US-Aussenministerin, sagte kürzlich auf CNN, sie sei zwar nie sexuell belästigt worden. Doch die unzähligen Male, als sie die einzige Frau im Raum war, habe sie sich viel gefallen lassen müssen. Teilen Sie diese Erfahrung?
Ja, absolut. Wir hatten für eine kurze Zeit im Bundesrat eine Frauenmehrheit. Während dieser Zeit hat sich die Geschlechterfrage kaum je gestellt. Der Umgang zwischen Frauen und Männern wird dann zum Thema, wenn die Frauen in einem Gremium massiv untervertreten sind. Die #MeToo-Debatte ist sehr, sehr wichtig. Aber sie wird an Kraft verlieren, wenn es nicht gelingt, über die tieferen Ursachen zu reden.

Das heisst?
Wenn Frauen für die gleiche Arbeit weniger verdienen als Männer, nur weil sie eine Frau sind, steckt doch letztlich die Aussage dahinter, dass Frauen weniger wert sind. In solch einem Umfeld kommt es viel eher zu Belästigungen. Auch dass Frauen in den Führungsetagen der Wirtschaft kaum vertreten sind, hat einiges mit #MeToo zu tun.

«Die #MeToo-Debatte ist sehr, sehr wichtig. Aber sie wird an Kraft verlieren, wenn es nicht gelingt, über die tieferen Ursachen zu reden.»

Gilt dasselbe für die Politik?
Ja. Wo Geld und Macht einseitig in Männerhand sind, sind Sexismus und Belästigung von Frauen an der Tagesordnung. Das gilt nicht nur für die Politik, sondern ebenso für die Wirtschaft oder zum Beispiel für die Filmindustrie.

Im Parlament arbeiten starke Frauen, die sich wehren können.
Ja, klar arbeiten dort starke Frauen. Und sie wehren sich ja auch. Doch das braucht Mut. Denn auch ihnen passiert das, was häufig Teil des Sexismus ist: Männer versuchen die Dinge herunterzuspielen, einige machen sich sogar lustig darüber oder man wirft den Frauen vor, sich nicht frühzeitig gewehrt zu haben …

… oder sich aufreizend gekleidet zu haben.
Das ist ein bekanntes Muster. Frauen seien selber schuld an den Übergriffen.

Die SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz hat sich gewehrt, wurde von der eigenen Partei aber zurückgepfiffen und kritisiert. Das entmutigt Frauen, sich öffentlich zu wehren.
Das ist einer der Gründe, warum sich viele Frauen nicht äussern. Sie befürchten, dass sie am Schluss noch angeschuldigt werden. Deshalb müssen wir darüber sprechen, welche Strukturen und Rollenbilder hinter #MeToo stecken.

Frauen der #metoo-Bewegung sind «Person des Jahres»

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • stamm 30.12.2017 00:29
    Highlight Highlight Ja, wenn das mit der Frauenquote nicht klappt, setzt man auf die Sexismus-Debatte. Mich selber interessiert herzlich wenig, was meine Arbeitskollegin verdient. Solange ich für mich zufrieden bin, soll sie mehr verdienen. Ist mir egal. Und das mit Afrika hatten wir schon x mal....Geld können wir dort zu Millionen bringen. Aber was wirklich was nützt, wäre eben Sache der Politiker, und selbstverständlich auch der Politikerinnen!
  • DieRoseInDerHose 28.12.2017 23:50
    Highlight Highlight Ich bin regelrecht schockiert über die Kommentare hier!

    Was die Sexismus-Debatte angeht brauchen wir - wenn diese Kommentarspalte eine repräsentative Reflexion der Schweizer Durchschnittsmeinungen ist - länger als bisher angenommen! Pauschal gegen Frauen zu schiessen liegt anscheinend im Trend. Fühlen sich einige angegriffen, in die Enge getrieben?

    Ich habe den Geschlechter-Krieg echt satt. Liebe Männer, die Ihre Frauen, Töchtern oder Freundinnen unterstützten: Dankeschön! Gemeinsam können und werden wie diese, in vorherigen Kommentaren als "Arschlöcher" bezeichneten Personen bekämpfen.
    • DieRoseInDerHose 30.12.2017 11:42
      Highlight Highlight Naja, also mir ist nicht bekannt, dass Frauen jeweils vergewaltigt werden wollen. D.h, der Täter (kann auch w. sein, ist aber unüblicher) ist klar bestimmt. Sündenböcke gibt es nicht, nur Täter.

      Beim Lohn auch, ich denke nicht, dass Frauen nach weniger fragen.

      Es steht also ausser Frage wer die Schuld trägt. Ausser Sie wollen sie auf das Opfer projizieren u. es zum Täter machen. Also verstehe ich nicht, warum Sie und andere den Täter verteidigen u. das Opfer angreifen.

      Weil Sie sich als Mann allg. angegriffen fühlen? O. ist es Neid auf angeblich "eigene Bevorzugung", wie Sie sagen? *


    • DieRoseInDerHose 30.12.2017 11:52
      Highlight Highlight * Wenn dies so ist, möchte ich nochmals betonen, dass dies kein Geschlechterkampf ist oder sein sollte. Es ist ein Kampf gegen Täter. Für Frauen, die Männer pauschal betrachten, möchte ich mich entschuldigen. Denn das kann ich getrost bestreiten - dank meinen supertollen männlichen Kollegen und Freunden. 🤗

    • DieRoseInDerHose 30.12.2017 11:53
      Highlight Highlight Ps: also wenn Sie mir immer noch nicht zustimmen können, Herr Peter, dann sind sie halt auch ein.. ja Sie können sich es ja zusammenreimen. 😇
  • hello world 28.12.2017 13:34
    Highlight Highlight Gutes Interview, tolle Frau!
  • fräulein sarahs gespür für den Islam 28.12.2017 12:55
    Highlight Highlight Wer sich wirklich für die sexismus Debatte interessiert, liest diesen Artikel.
    Köppel formuliert die klarsten Gedanken zu Thema:

    http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2017-50/artikel/affentheater-die-weltwoche-ausgabe-502017.html

    Viel Spass beim lesen.
    • Fabio74 28.12.2017 17:34
      Highlight Highlight Um Gottes Willen
  • einmalquer 28.12.2017 12:07
    Highlight Highlight Sommaruga hat Recht, das sieht man vor allem bei den Kommentaren ihrer Gegner.

    Frauen haben die Männer schon lange überholt, bildungsmässig sind Frauen den Männern überlegen (siehe Maturität, Universitäten).

    Auch das sieht man in den Kommentarspalten.

    Und trotzdem werden sie von der Wirtschaft benachteiligt. Die Löhne sind tiefer, Führungspositionen bekommen sie (fast) nie.
    • Dä_Dröggo 28.12.2017 12:47
      Highlight Highlight Eine "verweiblichte" Pädagogik scheint da wohl keine Rolle zu spielen was?

      Wie oft erfuhr ich eine generelle Bevorzugung von Mädchen in Schulen, da brav und unauffällig.

      Wie oft erfuhr ich eine generelle Abstemplung von Jungen, da wild und laut.

      Gerade während den prägenden Jahren der Primarschule sind wesentlich mehr Frauen in den Lehrberufen vertreten als Männer.

      Männerquote? Eher nein. Es herrscht Generalverdacht auf Kinderschändung.

      Zieht sich der "Jungs schlecht, Mädchen gut" Mist durch die gesamte Gesellschaft, ist es Zeit eine angepasste Pädagogik zu schaffen.
    • einmalquer 28.12.2017 13:13
      Highlight Highlight Wirklich jetzt ?

      Verweiblichte Pädagogik ?

      Damit das nicht passieren kann, entziehen wir den Müttern die Kinder gleich bei der Geburt und geben sie den Männern.

      Einen "Jungs schlecht, Mädchen gut Mist" gibt es nicht.

      Und was ist eine angepasste Pädagogik ? Ohne Männer, da Generalverdacht, ohne Frauen da verweiblicht ? Kinder einfach unter sich ?
    • Haiderfroh 28.12.2017 14:08
      Highlight Highlight @einmalquer:
      Wenn die Frauen die Männer bildungsmässig überholt haben, und dieser Umstand als verdiente Leistung betrachtet wird, warum dann, ist die Tatsache, dass die Männer in Führungspositionen die Frauen überflügeln keine verdiente Leistung, sondern aber eine Diskriminierung der Frau?
      Oder andersrum gefragt:
      Wenn es Sexismus ist, dass die Männer in Führungspositionen übervertreten sind, warum ist es dann kein Sexismus, wenn Frauen bei der Vergabe von Bildungstiteln überproportional berücksichtigt werden?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Quacksalber 28.12.2017 11:23
    Highlight Highlight Ziemlich naiv ist, wer immer noch glaubt, dass Qualifikation in die GL und VR der Unternehmen führt. Viel eher „qualifizieren“ Fähigkeiten wie Vernetzen und „Strippen ziehen“.
    • lichtler 28.12.2017 12:34
      Highlight Highlight Ja genau. In der Schweiz gibt es zwar wenig Korruption dafür einen grossen Filz.
  • FrancoL 28.12.2017 11:13
    Highlight Highlight Ein Riesen Geschätzt mit dem Prädikat "die Qualität soll obsiegen" wird da im Netz losgetreten.
    Qualität ist nun mal nur ein Teil der Bedingungen um einen Job zu bekommen, andere sind immer noch die Chemie und die Empfehlungen.
    Nur so kann ich mir erklären wieso dass in vielen Firmen die Kaderebene auch mit sehr fragwürdigen Personen besetzt ist und vor allem wieso dass "Ellbögeln" immer noch Trumpf ist.
    Es wäre wünschenswert dass die Qualität obsiegt, aber zur Zeit tut sie es nun mal ganz sicher nicht. Erinnere zB auch an die Bestzungen der Lehrstühle an den UNIs.
  • Caballero 28.12.2017 11:07
    Highlight Highlight Wenn ich die Kommentare so lese dann wird es mir als Frau speiübel.. "die alte Frau.."; "schlimmes Foto von ihr.."; "Solange Frauen ihr Geld durch ihre körperlichen Vorzüge verdienen..." usw. Diese Aussagen treffen mich als Frau persönlich, auch wenn sie nicht direkt an mich gerichtet sind. Sie bestätigen, dass diese Meetoo-Bewegung dringendst notwendig ist und ein Umdenken in der Gesellschaft statt finden muss. Das beginnt bspw. bei solch Kommentaren, die bei einer derartigen Diskussion nichts zu suchen haben.
    • rauchzeichen 28.12.2017 12:12
      Highlight Highlight ja arschlöcher gibt es, mir als mann geht es aber gewaltig auf den zeiger, dass das als gesellschaftliches problem gesehen wird. und die ganze diskussion bringt nix, weil arschlöcher nunmal arschlöcher bleiben. das einzige das man wirklich tun kann, ist das selbstvertrauen zu stärken und das fell zu verdicken. fühlen sie sich nicht angegriffen, tönt einfach, ist es aber nicht. meiner meinung nach aber die einzige praktikable lösung, zumindest bis es hirn regnet. nicht ideal, aber besser als eine extremisierte mann/frau gesellschaft, die diese ganze metoo diskussion herbeiführt.
    • FrancoL 28.12.2017 12:12
      Highlight Highlight Ja Sie weisen zu recht auf diese Umschreibung hin, Umschreibungen die zB bei gleichem Thema Diskriminierung "Mann / Mann" nicht so vorkommen. Auch das Thema Qualität wird eher häufiger beim Vergleich Frau / Mann eingebracht und bei anderen Vergleichen eher runter gespielt.
      Bei der Aussage: "Solange Frauen ihr Geld durch ihre körperlichen Vorzüge verdienen..." können Sie es locker nehmen, das ist eine Disqualifikation für Männer die dies tun und zeigt auch wieder dass diese Männer nichts von Qualifikation halten und andere Männer damit diskriminieren.
    • Mutzli 28.12.2017 12:30
      Highlight Highlight @rauchzeichen So ein Schmarrn, Menschen existieren nicht in einem Vakuum und die Gesellschaft ist nicht einfach ein unveränderlicher Fels. Man kann sich schon nur ansehen, wie weit wir bzgl. Gleichberechtigung und Geschlechterrollen in den letzten 30 Jahren gekommen sind.

      Wenn man alles auf vage definierte Arschlöcher schiebt, stiehlt man sich aus der Verantwortung. Gerade bei MeToo geht es ja darum, solche Exemplare mit ihrem Verhalten zu konfrontieren und wenn der Rest mitzieht wird ein deutliches Signal gesendet, was akzeptiert ist und was nicht. So kommts zu Änderungen.
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  • el lobo 28.12.2017 10:30
    Highlight Highlight die alte frau denkt immer noch frauen seien besser als männer.
    dabei sind wir alles MENSCHEN
    (sieht man ja schon heute, bei frauen in hohen machtpositionen)
    ...verblendeten ideolog*inn...
    • Fabio74 28.12.2017 12:24
      Highlight Highlight Anstand und Respekt hast du auch nie gelernt?
      Warum muss man Sommaruga als alte Frau betiteln?
    • lichtler 28.12.2017 12:35
      Highlight Highlight Wieso die Betonung auf alt?
    • Haiderfroh 28.12.2017 14:01
      Highlight Highlight @Fabio74:
      Sommaruga ist 56 Jahre alt. Gemäss Bundesamt für Statistik zählt sie damit zu den Alten.
      Die Grenze liegt bei rund 42 Jahren. Das ist das Medianalter in der Schweiz. D. h. die Hälfte der Bevölkerung ist jünger oder gleich 42 Jahre alt. Das sind die Jungen. Und die andere Hälfte ist älter als 42 Jahre. Das sind die Alten.
      Es ist also sachlich korrekt, Sommaruga als "alte Frau" zu bezeichnen.
      Darüber hinaus verrät Deine Empörung darüber, Deine altersdiskriminierende Attitüde. Es ist nämlich alles andere als eine Schande, alt zu sein.
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  • Z&Z 28.12.2017 10:04
    Highlight Highlight "Wir hatten für eine kurze Zeit im Bundesrat eine Frauenmehrheit. Während dieser Zeit hat sich die Geschlechterfrage kaum je gestellt. Der Umgang zwischen Frauen und Männern wird dann zum Thema, wenn die Frauen in einem Gremium massiv untervertreten sind." Na das lässt aber auch Interpretationsspielraum offen. Ich bin mit diversen Punkten nicht einverstanden, respektive verklärt die Frau Bundesrätin diverses zu simpel. Vieles hat komplexe Gründe, weshalb es so ist. Z.B. Lohngleichheit, oftmals wird nicht alles berücksichtigt, wenn man sagt, der verdient soviel und sie nur soviel.
  • Haiderfroh 28.12.2017 09:44
    Highlight Highlight "Sexismus häuft sich, wo Macht einseitig bei Männern liegt" ist eine sexistische Aussage, die jeder Grundlage entbehrt.
    • FrancoL 28.12.2017 10:44
      Highlight Highlight Welche Grundlage stützt Ihre Aussage?
    • Hashtag 28.12.2017 10:44
      Highlight Highlight Falsch die entbehrt nicht jeder Grundlage. Sie sollten sich vielleicht mal ein wenig mit Stereotypen, Rollenbildern und der damit verbundenen Wahrnehmung von Leistung und Kompetenz beschäftigen, bevor sie hier eine Aussage machen, die jeder Grundlage entbehrt.
    • raues Endoplasmatisches Retikulum 28.12.2017 11:08
      Highlight Highlight Man müsste Nachweisen, dass sich Sexismus nicht häuft, wenn die Macht einseitig bei Frauen liegt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • poga 28.12.2017 09:20
    Highlight Highlight Ich wünschte mir nur ein einziges Mal in so einem Interview eine Aussage, was die Frauen den anders machen könnten. Nur irgendeine kleine Idee. Ob dritte Welle Feminismus, linke Politiker oder allgemein alle die sich in diesen Milieus bewegen. Dabei soll mir mal jemand folgende Frage beantworten. Wenn alle ausser den Frauen die Welt für die Frauen bauen sollen, wie soll diese den jemals frei sein, wenn es immer an den anderen liegt, dass diese Welt existiert.
    • Herr Ole 28.12.2017 11:47
      Highlight Highlight Die Frauen könnten sich natürlich weigern, Kinder zu bekommen, da erwiesen ist, dass der Wage Gap nur Frauen mit Kindern betrifft. Das widerspricht aber der Biologie.

      Das Problem ist halt, dass man mit mehr Macht auch mehr gestalten kann, und die Macht liegt doch ganz klar bei Männern.
    • poga 28.12.2017 12:03
      Highlight Highlight Herr Ole Ja und Nein. Aber okay nehmen wir mal an, dass die Macht nur bei den Männern liegt. Ich würde da halt immer noch fragen was der Feminismus gedenkt zu machen, um dies zu ändern. Da kommt nichts. Würde es heisen, in 15 Jahren ist jede Frau selber für Ihre finanzielle Situation verantwortlich. Dafür müssen wir noch (......) ändrrn, könnte ich etwas damit anfangen. Stattdessen heist es die Männer müssen den Frauen Ihre Welt bauen. In meinen Augen bildet das eine unglaublich grosse Abhängigkeit. Welche die Frau noch viel schwächer macht.
    • Herr Ole 28.12.2017 12:17
      Highlight Highlight Nicht nur, und auch nicht bei "den" Männern. Bei einigen Männern und fast keinen Frauen. Frau Sommaruga z.B. hat gewisse Macht und wie wir sehen, tut sie auch was, indem sie die Wirtschaft, die die Leute nun mal bezahlt, zum Handeln zwingt (wenn auch sehr sachte).
      Das Problem greift allerdings tiefer. Erstens ist die Struktur "Männer arbeiten, Frauen kümmern sich um Kinder" tief in unsere Gesellschaft eingegraben. Zweitens liegt die Macht, wir bereits erwähnt, bei Männern, die ihnen ähnliche Männer nachziehen. Der Feminismus erhebt dagegen die Stimme, und das ist gut so.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Pirat der dritte 28.12.2017 09:13
    Highlight Highlight Böse Männer versus arme, unterlegene Opfer- Frauen! Diese abstruse Haltung führt zu dieser absurden und überdrehten Metoo - Diskussion. Männer im Familienrecht, Militärdienst, Pensionsalter usw konsequent und per Gesetz zu benachteiligen, ist aber kein Problem. Solange die Frauen die Gleichberechtigung nicht ernst nehmen, werden sie auch nicht mehr gewählt.
  • atomschlaf 28.12.2017 09:08
    Highlight Highlight "Eine Frau verdient heute im Durchschnitt 7000 Franken pro Jahr weniger als ihr männlicher Kollege. Und das bei gleicher Qualifikation und Leistung."

    Genau dieser Mumpitz wurde schon x-fach widerlegt.
    Warum wurde da nicht kritisch nachgefragt?
    • FrancoL 28.12.2017 10:49
      Highlight Highlight Wieso kritisch nachfragen?
      Du taxierst dies als Mumpitz mit welcher Begründung genau?
      Gehörst Du zu denen die eine griffige Statistik beibringen können, die die Gleichheit stützt und nicht nur mit vielen Fragezeichen eine Ungleichheit auszuschliessen versucht?
    • raues Endoplasmatisches Retikulum 28.12.2017 11:05
      Highlight Highlight @FrancoL
      Wenn alle Menschen Gleichberechtigt sind, gibt es keine Gleichheit beim Lohn, weil Leistungsfähigkeit und Leistungswille unterschiedlich verteilt sind.
      Das aktuelle Studien schätzen den nicht-erklärbaren Unterschied auf 2.9%, wobei nicht-erklärbar nicht gleich diskiminierend ist.
      Möchte man signifikant die Gleichberechtigun in diesem Land verbessern, soll man die Individualbesteuerung einführen und den Zugang zu Krippenplätzen verbessern.
    • Gigi,Gigi 28.12.2017 11:25
      Highlight Highlight Die Lohnunterschiede bestehen teils tatsächlich. Doch das "Warum" lässt sich meist aus der Fragestellung der verschiedenen Studien nicht herauslesen. (Meist wohl deutlich weniger Berufserfahrung, sowie Teilzeitarbeit, aber das sind nur Vermutungen)
      Wenn aber die Frauen für 7000 Franken im Jahr tatsächlich die gleiche Leistung bringen würden wie die Männer, würde die Wirtschaft nur noch Frauen einstellen wollen. Was sie aber nicht macht. Quad erat demonstrandum
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  • Matrixx 28.12.2017 07:58
    Highlight Highlight Frauenquoten sind genau so sexistisch.
    Eine Frau nur zu nehmen, weil sie eine Frau ist, betrachte ich als Bevorzugung.
    Sie soll die gleichen Chancen haben wie Männer - und nicht aufgrund des Geschlechts wegen irgend einer Quote.
    Das ist wie der obligatorische Quotenschwarze in Filmen...
    • FrancoL 28.12.2017 10:55
      Highlight Highlight Die Quote ist keine Lösung und diskriminiert, nur sollte man diesen Gedanken auch umkehren können und fragen? Haben Frauen denn wirklich gleiche Chancen? Bestellen viele Verwaltungsgrenien ihre Positionen wirklich OHNE zu diskriminieren? Ich kenne einige VR von mittelständischen Unternehmen und stelle nur eines fest: Hier wird nie mit gleicher Elle gemessen sondern heute immer noch viel "geteigt" und kaum die Chancen Gleichheit hochgehalten und dies nicht nur in Bezug auf Mann und Frau.
      Aber man kann ja gerne dieser Annahme nacheifern, dass wir in einem Zeitalter der Chancengleichheit sind.
  • fräulein sarahs gespür für den Islam 28.12.2017 07:47
    Highlight Highlight Schlimmes Foto von ihr auf dem Sofa.
    • lichtler 28.12.2017 12:40
      Highlight Highlight Und was hat das mit der Story zu tun?
    • fräulein sarahs gespür für den Islam 28.12.2017 13:07
      Highlight Highlight Lichteler

      Na überleg mal selbst.
      Wieso muss den immer alles so ausgedeutscht werden?

      Wie bei der Fütterung im Zoo. Ist doch reizvoller wenn zuerst noch etwas geknobelt werden muss.
    • Burdleferin 28.12.2017 16:44
      Highlight Highlight Würde man bei einem Mann darüber nachdenken, wie er auf dem Bild zum Artikel aussieht?
      Sexismus in seiner reinsten Form!
    Weitere Antworten anzeigen
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 28.12.2017 07:40
    Highlight Highlight Schön langes Interview. Sommaruga macht in meinen Augen im Justizdepartement einen sehr guten Job, da kann die Weltwoche schreiben was sie will.
    Nur die 7000 Franken Lohnunterschied verstehe ich nicht. Aktuelle Studien schätzen den nicht erklärbaren Lohnunterschied auf 2.9%, das Medianeinkommen müsste also über 200000 liegen.
  • Eron Thiersen 28.12.2017 07:37
    Highlight Highlight Solange Frauen ihr Geld durch ihre körperlichen Vorzüge verdienen, die sie selbst in sozialen und öffentlichen Medien nicht gerade wenig und offensichtlich zur Schau stellen, wird Mann sie nicht ernst nehmen.
    Dazu kommt, dass man uns glauben lassen will, dass Frau nicht weiss, was sie zur Schau stellt und wie sie es einsetzt, das ist falsch und man kann diese Diskussion noch so lange führen wie man will, jeden Mann der sich daneben benommen hat, zu Recht bestrafen, dennoch wird das Unrecht erst abnehmen, wenn Frau sich mit Frau offen und ehrlich beschäftigt!
    • FrancoL 28.12.2017 10:59
      Highlight Highlight Für das Jahresende eine Verallgemeinerung die zeigt wieso wir mehr Bildung brauchen.
      Es gibt Frauen die das tun, so wie es Männer gibt die sich durch ihr dickes Portemonnaie vieles ermöglichen was ihnen nicht zustehen würde.
    • Fabio74 28.12.2017 12:30
      Highlight Highlight Dezember 2017 ein Kommentar aus den 1950er Jahren und ich frag mich warum man Geld in die Bildung investiert, wenn so was dabei rauskommt.
    • lichtler 28.12.2017 12:42
      Highlight Highlight Schon krass wie man sich mit einem Kommentar so disqualifizieren kann....genau wegen solchen Männern wie dir führen wir solche Diskussionen.
  • Kong 28.12.2017 07:37
    Highlight Highlight Die Zeiten mögen sich geändert haben, die Realität im Business noch nicht. Bei unserer Company ist Teilzeit für Kader nicht erwünscht. Frauen in mittleren Führungsstufen "fliegen aus dem Rennen" aufgrund Schwangerschaft und Pensumsreduktion (oft komplett weg). Belästigungen im Machtsystem gibt es gerade auch durch Frauen an Männern und bei beiden Geschlechtern an ihresgleichen (Machtgefälle). Geschiedene Männer die sich um eine gute Lösung bemühen sitzen am kürzeren Hebel, wenn die Frau egoistisch agiert (auch auf Kosten der Kids). Wir haben Verbesserungspotential in der Gesellschaft.
    • FrancoL 28.12.2017 11:03
      Highlight Highlight Richtig, wir sind nicht so weit wie wir vorgeben zu sein. BEIDE Seiten nützen leider teilweise immer noch das Machtgefälle um sich besser durchzusetzen.
    • rauchzeichen 28.12.2017 12:19
      Highlight Highlight seiten? jetzt sind wir schon auf verschiedenen seiten? schön zu sehen, wie kurzsichtigkeit zur absoluten sinnlosigkeit der diskussion führt.
    • FrancoL 28.12.2017 12:41
      Highlight Highlight @rauchzeichen; Es bestehen nun mal 2 Lager und dies nicht sehen zu wollen geht eher in Richtung Kurzsichtigkeit. Wir haben in der Gesellschaft einen Lagerkampf am Laufen und dies immer wieder zu mahnen hat nichts mit Sinnlosigkeit zu tun.

      Ich treffe noch heute mit meinem Büro auf Auftraggeber, die zB die leitende Aufgabenübernahme von einer unserer Mitarbeiterinnen eher ablehnen und lieber den Auftrag anderswo platzieren. Viele Begründungen gibt es dazu kaum und ich bin da nicht ein Einzelfall, nur kehren viele dies unter den Tisch. Und da sprichst Du von Sinnlosigkeit, Danke für den Unsinn.
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  • Rumbel the Sumbel 28.12.2017 06:21
    Highlight Highlight Frau Sommaruga. Mir ist eigentlich Wurst, ob mehr Frauen oder Männer Führungsaufgaben oder entsprechende Positionen inne haben. Für mich ist Qualität massgebend.
    • Caballero 28.12.2017 08:29
      Highlight Highlight Ich fasse deine Aussage nun so auf, dass du der Ansicht bist, dass Frauen schlechter qualifiziert sind wie Männer, denn es sind ja schliesslich mehr Männer in Führungspositionen.. Genau solches Denken irritiert mich als Frau und ich fühle mich dadurch nicht ernst genommen. Studien (und meine eigene Erfahrung) zeigen doch klar und deutlich, dass mindestens gleich qualifizierte Frauen eben doch keine Chance gegen einen Mann haben in Führungspositionen!
    • Hashtag 28.12.2017 09:01
      Highlight Highlight Und du denkst wirklich, die zählt heute als Einziges? Schon sehr naiv, trifft ja nicht mal unter dem gleichen Geschlecht zu.
    • Gähn on the rocks 28.12.2017 10:14
      Highlight Highlight soll das ein qualitätskommentar sein?
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