Schweiz
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Die deutsche Bundespolizei kontrolliert im 8er-Tram, das von Basel nach Weil am Rhein (D) fährt, einen Flüchtling. bild: Kenneth Nars

Wo die Flüchtlinge mit dem Tram aus der Schweiz kommen

Die deutsche Bundespolizei verschärft ihre Kontrollen in Weil am Rhein und schickt Flüchtlinge zurück in die Schweiz.

Peter Schenk / Nordwestschweiz



Pech gehabt. Die beiden Beamten der deutschen Bundespolizei steigen in das 8er-Tram, das seit Ende 2014 von Basel bis ins deutsche Weil am Rhein fährt. Für die Kontrolle hat es direkt am Zoll Hiltalingerstrasse/Weil Friedlingen gehalten. In einem ersten Durchgang gehen die Beamten von der ersten Tür beim Chauffeur, die dieser für sie geöffnet hat, von vorne nach hinten, um sich einen Überblick zu verschaffen. Beim Rückweg verständigen sie sich kurz und einigen sich darauf, einen mittelgrossen Mann um seine Papiere zu bitten.

Der Mann sieht fremdländisch aus und hat weder Ausweis noch eine Bankkarte dabei. Auch keine anderen Dokumente, gibt er auf Nachfrage zu verstehen. «Sie fahren hier von der Schweiz nach Deutschland», versucht einer der Polizisten ihm mit Händen und Füssen zu vermitteln.

«Er wollte sich in der Schweiz Sportschuhe besorgen und bekommt jetzt eine Anzeige, weil er eine Ordnungswidrigkeit begannen hat. Das Asylverfahren ist damit normalerweise erloschen.»

Helmut Mutter, Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion Weil am Rhein

Er gibt an, in Deutschland zu wohnen. Wie bei derartigen Fällen üblich muss er aussteigen und wird zur Abklärung in das Zollhäuschen gebracht. Nach drei Minuten kann das mit Einkaufstouristen gut gefüllte Tram weiterfahren.

Das Bauchgefühl entscheidet

«Manchmal schauen wir nur von aussen», erklärt einer der Beamten nach der Kontrolle. Im Tram sassen viele Fahrgäste mit Migrationshintergrund. Sie wurden aber nicht kontrolliert. «Wir verlassen uns auf das Bauchgefühl», sagt einer der Polizisten. Beim kontrollierten Mann hat es nicht getrügt.

Es stellt sich heraus, dass er sehr wohl ein Dokument über seine vorläufige Duldung in Deutschland bei sich hatte. Über die Grenze darf er damit aber nicht fahren. «Er wollte sich in der Schweiz Sportschuhe besorgen und bekommt jetzt eine Anzeige, weil er eine Ordnungswidrigkeit begannen hat. Das Asylverfahren ist damit normalerweise erloschen. Es ist offen, wie es jetzt weitergeht», erläutert Helmut Mutter, Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion Weil am Rhein, der den Besuch am Grenzübergang begleitet.

Der beobachtete Aufgriff ist nur ein unbedeutender Fall, aber seit Juni ist Weil am Rhein einer der Hotspots, in dem Flüchtlinge landen, die über Italien und die Schweiz nach Deutschland wollen. Die Schweiz weist im Süden immer mehr Flüchtlinge zurück nach Italien. Doch an ihrer Nordgrenze schlüpft sie in die Rolle der Italiener. Immer mehr Flüchtlinge durchqueren bloss die Schweiz und wollen nach Deutschland: 2015 seien noch 4200 Flüchtlinge über die deutsch-schweizerische Grenze gekommen, nun im Zeitraum Januar bis Juli 2016 seien es schon 3600, berichtet Mutter. «Im Juni und Juli hatten wir nur an der Dreiländergrenze pro Monat knapp 400 Migranten», fährt Mutter fort.

Die Bundespolizeidirektion Weil am Rhein ist für das Grenzgebiet von Weil bis Waldshut zuständig. Um alle Aufgaben der letzten Wochen zu erfüllen, wurde sie temporär um 40 Beamte aufgestockt.

Die Grenze bei Weil zu überwachen, ist schwierig. Die Flüchtlinge sind meist gut informiert. «Sie haben zum Beispiel Skizzen, wie sie von der Tramendhaltestelle zur Polizeiwache kommen», erläutert Mutter. Weitere Möglichkeiten, hier nach Deutschland zu kommen, sind ein grenzübergreifender Bus, natürlich die grüne Grenze und die Nahverkehrszüge. «Wir können nicht jeden Zug kontrollieren», sagt der Polizeisprecher.

98 Prozent aus Schwarzafrika

Die aufgegriffenen Migranten sind zu 98 Prozent Schwarzafrikaner. Sie stammen vor allem aus Eritrea, Gambia, Äthiopien und Somalia. Manchmal, wie Ende Juni, als 99 Personen an einem Tag festgehalten wurden, waren es Gruppen und ganze Familien, die ankamen – allein 30 mit dem Tram. «Ein Drittel von ihnen hat behauptet, jünger als 18 zu sein. Dann fallen sie in Deutschland unter das Jugendschutzgesetz und man kümmert sich um sie. Oft aber sind sie in Wirklichkeit älter», so Mutter.

Stellt sich bei der Kontrolle anhand der Fingerabdrücke heraus, dass Flüchtlinge schon in der Schweiz registriert sind, werden sie der Schweizer Grenzwache übergeben. Die Zusammenarbeit sei gut, betont Mutter. «In der Schweiz kontrollieren wir im Grenzraum auch gemeinsam.»

Sind es über 15 Flüchtlinge, die einen Asylantrag in Deutschland stellen wollen, werden sie in einem Zentrum in Efringen, einige Kilometer nördlich von Basel, befragt, durchsucht, erfasst und dann nach Karlsruhe geschickt, wo sich ein Aufnahmezentrum des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge befindet. Ebenfalls dort landen die Flüchtlinge, die sich, ohne bei der Bundespolizei hängen zu bleiben, bis auf eine normale Polizeiwache durchgeschlagen haben. Die Bundespolizei ist national organisiert und unter anderem für die Grenzkontrollen, die Flughäfen, Bahnhöfe und Küsten zuständig, während die Polizeiwachen dem Land Baden-Württemberg unterstehen.

Im Juni und Juli waren die Polizeiwachen in Weil am Rhein und im übrigen Landkreis Lörrach zunehmend mit Flüchtlingen konfrontiert, die sich dort meldeten – eine Überforderung für die Beamten. Im Juni waren es 150, im Juli 149, und erst im August gingen die Zahlen auf 81 zurück. Warum, kann sich Mutter auch nicht recht erklären. Er mutmasst: «Vielleicht sind jetzt mehr Migranten in Konstanz und es gab einen kleinen Verdrängungswettbewerb.» (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • InfinityLoop 02.09.2016 20:03
    Highlight Highlight Abseits vom Thema......Verdammt,ist das Zdravko Kuzmanovic als Bulle verkleidet????
    • Almos Talented 03.09.2016 10:41
      Highlight Highlight 😂😂 geeenau das gleiche gedacht
  • Sapere Aude 02.09.2016 13:38
    Highlight Highlight Schon spannend wie sich manche Wohlstandsverfresse hier das Recht herausnehmen darüber zu urteilen, was richtige und was falsche Fluchtgründe sind.
    • Shabina 02.09.2016 15:55
      Highlight Highlight Fluchtgründe können vielfältig sein. Doch nicht jeder Fluchtgrund ist auch ein Asylgrund. Asylgründe sind relativ eng definiert!
      Somit kann man definieren was richtige und falsche Asylgründe sind!
      Gemäss GWK (Grenzwachkorps) sind 90% keine Asyl-Flüchtlinge sonder Wirtschaftsflüchtlinge!
      Wir sollten uns auf die "echten" Asylanträge konzentrieren un witschaftsflüchtlinge konsequent zurückweisen!
      Zudem müssten Asylanträger zur SEM begleitet werden, dass diese nicht einfach untertauchen können!
    • Sapere Aude 02.09.2016 16:10
      Highlight Highlight Ich kenne die Definition, nur reduzieren wir mit einer konsequenten Umsetzung dieser Definition in keiner Weise. Wir schieben das Problem an die nächste Grenze. Ich behaupte auch nicht, dass das Öffnen der Grenze für alle Flüchtende der richtige Weg ist, im Gegenteil. Wenn wir ehrlich sind, hat momentan niemand auch nur ansatzweise einen lösungsorientierten Plan oder Idee zur Hand.
    • atomschlaf 02.09.2016 20:54
      Highlight Highlight @Sapere Aude: Was "richtige" Flüchtlinge sind, steht klipp und klar im Asylgesetz und der Flüchtlingskonvention.
      Wer nicht verfolgt und somit asylberechtigt ist und trotzdem ohne gültige Ausweispapiere oder gültiges Visum in ein Land einreist, ist kein Flüchtling sondern ein illegaler Migrant.

      Nicht so schwierig, oder?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Str ant (Darkling) 02.09.2016 10:55
    Highlight Highlight Die Schweizer Grenzwacht wird ja bereits im Tessin genug dafür angefeindet das sie ihren Job macht.
    • atomschlaf 02.09.2016 11:31
      Highlight Highlight Ich denke, dass weit über 80% der Bevölkerung der Grenzwache dankbar sind für ihre Arbeit.
      Meckern tun eigentlich nur eine Handvoll linker Ewiggestriger und die meisten Medien.
    • You will not be able to use your remote control. 02.09.2016 20:13
      Highlight Highlight Ich denke es sind sogar weit über 90%.

      Meckern tun nur 98% linke Schwarzafrikafreunde oder noch mehr.

      Was denkst du?
  • MaxHeiri 02.09.2016 10:53
    Highlight Highlight 98% aus Ländern wie Eritrea, Gambia, Äthiopien und Somalia. Wie kann man da überhaupt noch an das Wort Flüchtlinge denken...
    Irgendwie ist es tragisch, dass es Europa nicht hinbekommt eine Green Card einzuführen und den Asylbegriff nur noch für echte Kriegsregionen beschränkt!
    • Nevermind 02.09.2016 12:52
      Highlight Highlight Wenn ich die Reisehinweise des EDA für diese Länder lese und mit Art. 3 des Asylgesetzes vergleiche komme ich nicht daran vorbei "Flüchtling" zu denken.
    • MaxHeiri 02.09.2016 15:55
      Highlight Highlight Ja dann können wir 500 Millionen Flüchtlinge bei uns aufnehmen. Ist das langfristig für das Ursprungsort wie auch Aufnahmeland? Wie unfair ist es gegenüber den wirklich Schwächsten, welche keine 5000 USD zur Seite haben?
    • Nevermind 02.09.2016 16:09
      Highlight Highlight Dann wäre die Lösung, dass die Schweiz, aktiv vor Ort, in Kriegsgebieten Asylanträge annimmt, bearbeitet und den Transport organisiert?
  • atomschlaf 02.09.2016 10:26
    Highlight Highlight Der Artikel zeigt erneut auf, wie kolossal das Schengen-System gescheitert ist. Einerseits aufgrund des fehlenden Schutzes der Aussengrenze, andererseits aufgrund des hinten und vorne nicht funktionierenden Dublin-Systems.
    Angesichts dieses Versagens der EU ist es höchste Zeit, dass die Schweiz einen funktionierenden Grenzschutz aufbaut, in erster Priorität an der Südgrenze.
    Dabei sind insbesondere auch Infrastrukturen und Verfahren zu schaffen, die eine hohe Kontrolldichte gewährleisten und gleichzeitig den legalen Grenzverkehr nicht mit übermässigen Wartezeiten belasten.
  • Pasch 02.09.2016 10:08
    Highlight Highlight Den Artikel hab ich doch gestern schon bei der BZ gelesen...
  • Fly Boy Tschoko 02.09.2016 10:00
    Highlight Highlight Das Bauchgefühl enrscheidet? Es wird einfach restlos jede Person mit dunkler Hautfarbe kontrolliert.
    • NWO Schwanzus Longus 02.09.2016 10:11
      Highlight Highlight Wenn die Asylanten sehr oft aus Afrika kommen dann ist das klar warum. Das ist kein Rassismus. So kann man es der Polizei oder allgemein Beamten auch schwer machen mit diesem Vorwurf.
    • Normi 02.09.2016 10:32
      Highlight Highlight ...Im Tram sassen viele Fahrgäste mit Migrationshintergrund. Sie wurden aber nicht kontrolliert...

      Lesen hilft ;-)
    • lucasm 02.09.2016 10:36
      Highlight Highlight Gibt ja auch so viele blonde und blauäugige flüchtlinge...
    Weitere Antworten anzeigen
  • 90er 02.09.2016 09:37
    Highlight Highlight Wieso jemand mit laufendem Asylverfahren in Deutschland, in die Schweiz kommt um Sportschuhe zukaufen die um einiges teurer sind versteh ich irgendwie nicht.
    • Domino 02.09.2016 10:05
      Highlight Highlight Der Footlocker befindet sich eben auf der schweizer Seite...😉
    • Fumo 02.09.2016 10:16
      Highlight Highlight Vielleicht wollte er von Aktionspreisen profitieren?
      Geschweige davon dass das Einzige was hier um einiges teurer ist als in DE die Nahrungsmittel sind. Kleidung und "Luxusartikeln" kosten mehr oder weniger gleich viel oder sind hier eben durch Aktionen gar günstiger.
    • Maragia 02.09.2016 10:59
      Highlight Highlight Nope, Luxusartikel und Kleider sind auch in Deutschland massiv billiger.
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Wenn Flüchtlinge ihr Zielland wählen dürften, wäre dieser Fall aus Bern nicht passiert

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Die Idee ist radikal: Die aussenpolitische Denkfabrik Foraus fordert in einem am Montag vorgestellten Reformprogramm für das Dublin-Abkommen, dass Flüchtlinge ihr Zielland selbst wählen dürfen sollen, dass also Registrierungsland und Asyl-Land getrennt werden können.

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