Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Obergericht: Zwei Berner Polizisten verurteilt, weil sie einen Mann durch seinen Urin schleiften

28.06.16, 16:11 28.06.16, 16:22


Zwei Polizisten haben ihr Amt missbraucht, indem sie einen renitenten Mann auf der Berner Bahnhofwache durch eine Urinpfütze schleiften. Zu diesem Schluss kommt das bernische Obergericht, das am Dienstag das Urteil der Vorinstanz bestätigte.

Was genau am 1. Februar 2014 geschah, ist unklar. Ein offenkundig zugedröhnter Mann hatte die Polizisten im Bahnhof angepöbelt, worauf er zum Drogentest auf die Wache gebracht wurde. Dort pinkelte der Mann an die Zellentür und widersetzte sich der Aufforderung, die Pfütze aufzuputzen.

Nach Überzeugung des Obergerichts drückte ihn der eine Polizist darauf zu Boden und schleifte ihn durch die Lache, «um ihm eine Lektion zu erteilen». Das sei ein klassisches Beispiel für Amtsmissbrauch, sagte die vorsitzende Richterin bei der Urteilsbegründung.

Auch der andere Polizist sei zu weit gegangen. Er soll die Jacke des Mannes in die Pfütze gelegt haben.

Ausweichende Aussagen der Angeklagten

Das Gericht stützte sich im Wesentlichen auf die Aussagen einer Polizeipraktikantin, die bei dem Vorfall zugegen war. Ihre Schilderung sei glaubhaft und schlüssig; die Beschuldigten hätten dagegen «holprig und ausweichend» ausgesagt.

Die beiden hatten erklärt, der Mann habe herumgefuchtelt und die Fäuste erhoben. Ihr Einsatz sei stets im Rahmen des Erlaubten geblieben. Anders sah es das Obergericht: Die zwei Männer hatten «das zulässige Mass an Zwang klar überschritten».

Fristlose Kündigung in Aussicht gestellt

Die beiden Männer wurden zu bedingten Geldstrafen verurteilt. Seit dem erstinstanzlichen Urteil sind sie freigestellt. Das Polizeikommando hat die fristlose Kündigung in Aussicht gestellt, sollte das Urteil in Rechtskraft erwachsen. Noch ist offen, ob die zwei Polizisten den Fall weiterziehen.

Der Polizeiverband Bern Kanton (PVBK) spricht von einem «tragischen Einzelfall». Die beiden Polizisten seien keine Rambos, sondern besonnene Familienväter, die sich ein einziges Mal auf der engen Bahnhofwache hätten provozieren lassen, sagte Verbandspräsident Adrian Wüthrich nach der Urteilseröffnung.

Er setzt sich dafür ein, dass den Polizisten nicht gekündigt wird. Dafür sei der Fall zu wenig gravierend. Der Verband ist der Meinung, dass die zwei Männer polizei-intern versetzt werden und so weiterbeschäftigt werden können.

Der renitente Mann blieb dem Prozess in zweiter Instanz fern. Das Regionalgericht in Bern hatte ihn letzten Herbst vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Beamte freigesprochen. (whr/sda)

Das könnte dich auch interessieren:

«Who is America?» – 7 Fakten über die neue Skandal-Show von Sacha Baron Cohen

Warum das chinesische Modell über den Westen siegen wird

Die 10 wichtigsten Fragen und Antworten zur WM 2022 in Katar

Hat die Queen gerade Trump getrollt? Diese Bloggerin ist davon absolut überzeugt

Ein kleiner Vorgeschmack, was uns bei der nächsten WM erwartet

So gross müsste ein Gebäude sein, um die gesamte (!) Menschheit zu beherbergen

Nach diesen 5 Dokus wirst auch du deine Ernährung hinterfragen

Wie mich Sekten mundtot machen wollten – und was ich daraus gelernt habe

«Nur no ä halbs Minipic»: Lara Stoll steckt für 127 Stunden mit dem Finger im Abfluss fest

Erkennst du alle Filme an nur einem Bild? Wer weniger als 7 hat, muss GZSZ* gucken!

8 Dinge, die purer Horror sind, wenn sie morgens vor deinem ersten Kaffee passieren

Bei welchen Fluglinien hast du gratis oder günstig WLAN? Der Preisvergleich zeigt's

Das sind die Tops und Flops der WM

Trump erhebt in Schweigegeld-Affäre Vorwürfe

Alle Artikel anzeigen

Aktuelle Polizeibilder: Ausgebüxtes Rind darf zur Strafe nicht auf die Alp

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

Abonniere unseren Daily Newsletter

4
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Flunderchen 28.06.2016 19:41
    Highlight Klar ist es für die Beamten nicht schön, wenn sie angepöbelt werden, aber ein wenig Anstand gehört sich immer und Kleidung in eine Urinpfütze legen oder Leute hindurchschleifen geht einfach nicht.
    43 7 Melden
    • Habicht 28.06.2016 22:27
      Highlight Habe nur bedingt Mitleid mit jemandem der in seine Zelle pisst. Hübsche Rechnung wäre angesagt aber der gute Mann wird ja komplett freigesprochen...
      19 17 Melden

Er bohrte und schliff ohne Ausbildung: Falscher Bieler Zahnarzt muss hinter Gitter

Ein als «falscher Zahnarzt von Biel» bekannt gewordener Zahntechniker ist vor Bundesgericht mit seiner Beschwerde abgeblitzt. Der Mann war jahrelang ohne Bewilligung zahnärztlich tätig – zum Schaden von Patienten.

2016 wurde er in erster Instanz zu einer Freiheitsstrafe von 4,5 Jahren verurteilt und mit einem Berufsverbot von 5 Jahren belegt. Patienten hatten im Gerichtssaal teilweise unter Tränen von ihren Leiden berichtet. Der Zahntechniker soll unter anderem unnötigerweise Zähne …

Artikel lesen