Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Warum ein HIV-Medikament bei der Blutspende zum Problem wird 

14.05.18, 12:11 14.05.18, 13:26

Seit Juli 2017 dürfen Homosexuelle in der Schweiz Blut spenden. Allerdings nur, wenn sie vorher ein Jahr lang keinen Sex haben. Eine Lockerung dieser Vorgabe wurde letzten November im Ständerat abgelehnt. 

Trotzdem wurde der Entscheid als Schritt in die richtige Richtung gedeutet.

Nun zeigt sich, dass dabei ausgerechnet ein Medikament, das in der Homosexuellen-Szene in den letzten Jahren grosse Verbreitung erfahren hat, eine Hürde darstellt. Mit dem Prophylaxe-Medikament Prep schützen sich HIV-negative Menschen vor einer Ansteckung. Laut Aids-Hilfe-Schweiz bietet das Medikament ähnlich guten Schutz wie Kondome. 

Bei der Blutspende hat Prep aber seine Tücken, wie Rudolf Schwabe, Blutspendedienst-Direktor des SRK, gegenüber SRF sagte: «Bei der Einnahme von Prep können allfällig vorhandene HI-Viren nicht mehr nachgewiesen werden». Besonders problematisch sei, wenn das Prep im Internet bestellt und ohne ärztliche Aufsicht eingenommen werde. Wenn es nicht nach Vorschrift angewendet werde, nütze es nämlich nichts, so Schwabe.

Pink-Cross-Geschäftsleiter René Schegg hat Verständnis für die Vorsichtsmassnahme des SRK: «Blutspenden müssen in allererster Linie sicher sein.» Gebe es medizinische Bedenken, so müssten Abklärungen getroffen und Erkenntnisse geschaffen werden. Gleichzeitig betont Schegg, dass die sexuelle Ausrichtung nicht das entscheidende Kriterium bei der Blutspende sein sollte: «Letztlich sollte das Risikoverhalten darüber entscheiden, ob jemand Blut spenden darf oder nicht.»

Prep-Medikament Truvada: 900 Franken pro Monat. Bild: wikimedia commons/Jeffrey Beall

Diese Sicht unterstützt Schwabe, wie er im SRF-Beitrag erklärt. Auch Heterosexuelle, die eigentlich geeignet wären, kommen unter gewissen Umständen als Spender nicht in Betracht. Dann etwa, wenn sie in ein Land mit hohen gesundheitlichen Risiken gereist seien.

Ein Lichtblick gebe es allerdings: kürzlich erschienene internationale Studien könnten bald Klarheit schaffen, ist SRK-Blutspendedirektor-Schwabe überzeugt.

Keine Zahlen zu Prep

Zahlen dazu, wie oft Prep in der Schweiz als Vorsorgemedikamen genutzt wird, existieren nicht. Es sei aber weniger verbreitet als in anderen Ländern, sagt Schegg. Das liegt vor allem daran, dass das Medikament aktuell nicht von der Krankenkasse übernommen wird und deshalb teuer für den Eigengebrauch importiert werden muss. Truvada, das bekannteste Prep-Präparat, kostet pro Monat ca. 900 Franken. Ein Auftwärtstrend sei bei Prep zwar feststellbar, sagt Schegg. Damit aber ein wirklicher Aufschwung stattfinden könnte, müsste Swissmedic die Zulassung des Medikaments ändern und die Krankenkassen die Kosten anerkennen.

(wst)

Hat die Schweiz ein Homophobie-Problem?

Video: srf

Alles zum Thema Homosexualität

Papa ist super. Und Papa auch.

Die zehn genialsten Gay-Kampagnen – auf Platz 10 ist auch die Schweiz vertreten

Diese beiden hübschen Zwillinge sind schwul. Und das eröffnen sie jetzt ihrem Vater. Es ist herzzerreissend

Nach 72 gemeinsamen Jahren gibt sich dieses lesbische Paar endlich das Jawort

Pech im Spiel, Glück in der Liebe: Brasilianische Rugby-Spielerin erhält von Freundin Heiratsantrag

15 Gründe, warum du als schwuler Mann besser dran bist (Gründe 8 und 10 interessieren auch die Frauen)

Wie süss ist das denn! Wien bringt sich mit homosexuellen Ampeln in ESC-Stimmung

Adoption? Leihmutterschaft? Der lange Weg von Ron und Micha zu ihrem Väterglück

Achtung! Lesben verdienen 33 Prozent mehr als andere Frauen

Schwul ist schick, äh, Schick ist schwul

Diese acht (schwulen) Schauspieler machen in der Traumfabrik auf Hetero

Islam und Homosexualität: «Ich küsste ihn unaufhörlich auf seinen schneeweissen Mund»

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
13
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • BossAC 15.05.2018 07:14
    Highlight Am Ende kann ich auch als Hetero bei der Blutspende ankreuzen was ich möchte, da es praktisch nicht überprüfbar ist. Daher befürworte ich weiterhin, dass wir in der Schweiz keine finanzielle Entschädigung erhalten. Es bleibt am einzig ein gutes Gefühl als Belohnung und das habe ich definitiv nicht, wenn ich als Risikofaktor Blut spenden gehe.
    5 0 Melden
  • The truth is out there 14.05.2018 14:45
    Highlight Was viele hier zu vergessen scheinen, vor HIV kann man sich mit Prep schützen bei ungeschütztem GV, aber nicht vor immer mehr resistenteren Geschlechtskrankheiten.
    35 1 Melden
  • Pafeld 14.05.2018 13:24
    Highlight Jemanden wegen seines Medikamentenkonsums von der Blutspende auszuschliessen ist selbstverständlich nachvollziehbar. Aber nicht aufgrund seiner sexuellen Neigung...

    Und btw: wenn ein Homosexueller sagt, er sei auf PREP habe aber seit einem Jahr kein GV mehr gehabt, sollte auch dem hinterletzten Sachbearbeiter ein Widerspruch auffallen.
    78 6 Melden
  • Gelöschter Benutzer 14.05.2018 13:15
    Highlight Prep boomt zur Zeit massiv beim Verkauf in Apotheken ennet der Grenze. Die Kundschaft ist nicht nur schwul.

    Motivation ist klar: ungeschützter Verkehr im In- und Ausland. Die Gefahr durch andere Geschlechtskrankheiten und zunehmende Resistenz gegenüber Antibiotika wird dabei nahezu komplett ausgeblendet.
    67 2 Melden
  • DerSimu 14.05.2018 12:23
    Highlight Wer sich bei oft wechselnden Sexualpartnern nicht mit dem Gummi schützt, sollte am besten gleich abgelehnt werden, egal ob homo-, hetero-, bisexuell, oder was auch immer.
    114 4 Melden
    • amyontheline 14.05.2018 13:34
      Highlight das wird auch so gehandhabt!
      17 3 Melden
    • amyontheline 14.05.2018 13:59
      Highlight das wird auch so gehandhabt - bei homosexuellen menschen beispielsweise beträgt die zeit in der sie nicht zum blutspenden zugelassen werden, nach wechselnden sexualpartnern, 3 monate.
      3 15 Melden
    • Chris Olive 14.05.2018 15:11
      Highlight @amyontheline
      Das wäre mir aber neu. Bis vor kurzem wurden Männer, welche mit Männern Geschlechtsverkehr hatten, ganz ausgeschlossen.
      Die neue Regelung besagt, dass Schwule zwölf Monate enthaltsam gelebt haben müssen, bevor sie spenden dürfen.
      Darum auch folgende Frage auf dem Fragebogen:
      - Nur Männer: Jemals sexueller Kontakt unter Männern
      - Sexueller Kontakt unter Männern in den letzten 12 Monaten
      12 2 Melden
    • Gubbe 14.05.2018 15:13
      Highlight Einverstanden, aber wer kontrolliert das?
      8 1 Melden
    • River 14.05.2018 16:17
      Highlight Wenn du Blutspender wärst, wüsstest du, dass es tasächlich so ist, dass du, egal welcher Orientierung, abgelehnt wirst, auch wenn du MIT Gummi wechselnde Sexualpartner hast.
      16 1 Melden
    • selfrabia 14.05.2018 17:09
      Highlight Schon bei wechselnden Sexualpartnern wird man von der Blutspende ausgeschlossen. Die Verhütungsmethode und die sexuelle Orientierung spielen dabei keinerlei Rolle.
      11 1 Melden
    • 〰️ empty 14.05.2018 18:39
      Highlight Sicherheit vor Gefühlen einer Hochrisiko Minderheit.
      4 5 Melden
    • Randy Orton 15.05.2018 00:38
      Highlight Wird er ja auch.
      0 0 Melden

Studie des Bundes: «Nicht alle Veganer essen viele Früchte und viel Gemüse»

Die Eidgenössische Ernährungskommission hat die Vor- und Nachteile einer veganen Ernährung umfassend untersucht. Die Präsidentin Beatrice Baumer spricht im Interview über Irrtümer, Überraschungen und den einzigen Superfood, der diesen Namen verdient.

Frau Baumer, die Schweizer essen so wenig Fleisch wie seit fast 50 Jahren nicht mehr. Was sagen Sie als Ernährungswissenschaftlerin zum Trend?Beatrice Baumer: Ich würde ihn nicht überbewerten: In den letzten Jahren nahm der Konsum abwechslungsweise etwas zu und ging dann wieder etwas zurück. Ausserdem essen wir aus ernährungsphysiologischer Sicht ohnehin noch zu viel Fleisch. 1 bis 2 Portionen pro Woche würden komplett ausreichen

Allerdings erstarkt gleichzeitig auch die vegane Bewegung. Gerade …

Artikel lesen