In diesem Schmuckstück werden die olympischen Hockey-Medaillen ausgespielt.
Bild: AP/AP
15 Minuten Weltruhm! Das sind die 5 Besonderheiten des olympischen Hockey-Turniers
Die 700 besten Spieler der Welt fehlen. Trotzdem kann es eines der besten olympischen Turniere aller Zeiten werden. Noch nie war der Weg zu Gold für so viele offen und Andy Warhol hatte doch recht.
Beim olympischen Eishockeyturnier ist alles anderes. Fünf Punkten, warum es noch nie so war und was anders ist.
Die Qualität
Die Hockeywelt ist gross und dicht bevölkert wie nie zuvor. Vor 30 Jahren wäre ein Turnier ohne die besten 700 Spieler eine Operetten-Veranstaltung geworden. Aber in den letzten 30 Jahren hat sich die Anzahl der gut ausgebildeten Spieler mehr als verdoppelt. Wenn das Turnier vorüber ist, werden wir erstaunt feststellen, dass wir ohne die NHL-Superstars grossartiges Hockey gesehen haben.
Zum Auftakt des Turniers gab es bereits zwei faustdicke Überraschungen.
Bild: AP/AP
Ein anderes Spiel
NHL-Hockey bzw. nordamerikanisches Hockey ist direkter, intensiver, rauer. Nun wird auf den breiteren europäischen Eisfeldern gesielt und nicht die nordamerikanische, sondern die europäische (und schweizerische) Hockeykultur prägen das Turnier. Spielerische Sinfonien statt raues Rock’n’Roller Hockey.
Der olympische Rink in Gangneung.
Bild: EPA
Ein Schweizer als Superstar
Ein Schweizer als Superstar. Weil die 700 besten Spieler (die NHL-Profi) fehlen ist es ein weitgehend «namenloses» Turnier. Ich wäre gar nicht darauf gekommen. Es sind die nordamerikanischen Chronisten, die darauf hinweisen, dass der ehemalige NHL-Titan Jonas Hiller der bekannteste Torhüter des gesamten Turniers sei. Das ist doch schon mal etwas.
Jonas Hiller ist der bekannteste Torhüter des Olympia-Turniers.
Bild: KEYSTONE
Völlige Unberechenbarkeit
Weil die grossen Namen fehlen, gibt es eine weniger klare internationale Hierarchie. Mit den NHL-Profi sind die Grossen (Kanada, USA, Russland, Tschechien, Finnland, Schweden) für die Kleinen in der entscheidenden Phase praktisch unantastbar. Ohne NHL Profi kommt es zu einer «Demokratisierung», zu einer noch nie gesehenen Ausgeglichenheit.
Der Weg zu Gold oder mindestens zu Medaillen ist für fast alle offen. Oder besser: so offen wie vielleicht noch nie in der olympischen Geschichte. Bis 1952 dominierten die Kanadier, ab 1956 bis in die 1990er Jahre die Sowjets, ab 1998 die NHL-Titanen – und jetzt ist eine Prognose so schwierig wie nie.
Holt die Schweiz am Ende tatsächlich ein Medaille?
Bild: KEYSTONE
Warhols Prophezeiung
Der weltberühmte amerikanische Künstler sagte 1968, als die Welt noch eine ganz andere war:
«In the future, everyone will be world famous for 15 minutes.»
«In Zukunft wird jeder 15 Minuten weltberühmt sein.»
Nun erfüllt sich diese Prophezeiung im olympischen Eishockeyturnier. Die 700 grössten Namen des Welteishockeys (die NHL-Profi) fehlen. Eine einmalige Chance, ein olympischer Held zu werden. Die Ausgeglichenheit führt dazu, dass ein jetzt noch namenloser Spieler mit einer einzigen «tapfere Tat» olympische Geschichte schreiben und eishockeyweltberühmt werden kann.
Das ist Andy Warhol.
Bild: AP/AP
Auch jeder Schweizer Spieler und der Nationaltrainer hat jetzt die Chance, für eine Viertelstunde weltberühmt zu werden. Das olympische Turnier geniesst weltweit beim sonst nicht am Hockey interessierten Publikum im Quadrat mehr Beachtung als eine WM oder die NHL. Sportlichen Weltruhm, der in alle Länder der Erde ausstrahlt, gibt es im Eishockey nur auf der olympischen Bühne.
Im Auftrag des Diktators – Olympia-Tage der Armee der Schönen
Samstag, 10. Februar: Kims «Armee der Schönen» hat beim Eishockey-Vorrundendenspiel der Frauen zwischen der Schweiz und dem vereinigten Korea ihren ersten grossen Auftritt. AP/AP / Felipe Dana
Sie sind der Hingucker der Spiele! Uniformiert jubeln die Frauen synchron und machen den nordkoreanischen Sportlern mit – zumindest für unsere Ohren – schrägen Anfeuerungsrufen Feuer unter dem Hintern. AP/AP / Julie Jacobson
Die Truppe besteht aus 229 jungen Frauen. Selfies mit ihnen sind genauso begehrt wie mit Olympioniken. AP/AP / Jae C. Hong
Ein Tor ihrer Mannschaft können die Edelfans beim 0:8 gegen die Schweiz leider nicht bejubeln. Immerhin kriegen sie das Resultat mit, in der Heimat wird dieses der Bevölkerung nämlich vorenthalten. AP/AP / Felipe Dana
Tja, man kann nicht immer gewinnen. AP/AP / Jae C. Hong
Der Schweizer Bundesrat Alain Berset ist mittendrin statt nur dabei. KEYSTONE / ALEXANDRA WEY
Normalerweise tritt die «Armee der Schönen» nur innerhalb der eigenen Grenzen an. Erst zum vierten Mal ist die Vorzeigetruppe in Südkorea. AP/AP / Felipe Dana
Die Frauen werden von den nordkoreanischen Machthabern nach strengen Kriterien ausgewählt. Nicht nur das Äussere, auch die Ideologie muss stimmen. Sie müssen beispielsweise grösser als 163 Zentimeter sein und aus guten Familien stammen. AP/AP / Jae C. Hong
In Pyeongchang angekommen sind sie übrigens schon am 8. Februar. EPA/YNA / YONHAP
Am Tag danach bei einem Dinner mit Südkoreas Vize-Wiedervereinigungs-Minister Chun Hae Sung. EPA/YNA / YONHAP
Warten bis es weitergeht zur Eröffnungsfeier. EPA/AFP POOL / JUNG YEON-JE / POOL
Montag, 12. Februar: Das nächste Hockey-Spiel steht auf dem Programm und auch gegen Schweden setzt es für das vereinigte Korea eine 0:8-Niederlage ab. Kein Wunder, ist die Stimmung leicht gedämpft. EPA/EPA / SRDJAN SUKI
Da bleibt Zeit für Wichtigeres. Ist das ein Handy oder nur ein Spiegel? Wäre spannend, aber wir wissen es leider auch nicht. EPA/EPA / SRDJAN SUKI
Hauptsache die Mütze sitzt. EPA/EPA / SRDJAN SUKI
Nicht traurig sein! Es kommen sicher wieder bessere Zeiten. EPA/EPA / SRDJAN SUKI
Geht doch! EPA/EPA / SRDJAN SUKI
Die Kolleginnen gegenüber legen sich dann auch bei der nächsten Anfeuerungs-Einlage ins Zeug. EPA/EPA / SRDJAN SUKI
Montag, 13. Februar: Auch die Armee der Schönen muss mal essen. Den Weg zum Restaurant nimmt man aber schön geordnet unter die Füsse. EPA/YNA / YONHAP
Im hinteren Bereich schleichen sich aber Nachlässigkeiten ein. EPA/YNA / YONHAP
Dienstag, 13. Februar: Kims Cheerleader besuchen den Gyeongpo-Strand in Gangneung. Natürlich werden sie auch hier auf Schritt und Tritt begleitet. AP/Yonhap / Lim Byung-shick
Abklatschen, (abgelehnte) Interview-Anfragen und Autogramme – die «Armee der Schönen» hat längst einen eigenen Fanklub. AP/Yonhap / Lim Byung-shick
Immer fleissig in die Kamera winken. EPA/EPA / JEON HEON-KYUN
Auch beachtlich: der Tross, der die «Armee der Schönen» betreut. EPA/EPA / JEON HEON-KYUN
Und immer wieder lächeln ... EPA/EPA / JEON HEON-KYUN
... und winken. EPA/EPA / JEON HEON-KYUN
Mittwoch, 14 Februar: Am Valentinstag taucht die «Armee der Schönen» beim Frauen-Slalom auf. AP/AP / Christophe Ena
Gekommen sind sie wegen Kim Ryon Hyang (links). Die Slalom-Spezialistin ist die einzige Frau im dreiköpfigen Alpin-Team Nordkoreas. EPA/YNA / YONHAP
Der Slalom wird wegen des schlechten Wetters verschoben, doch Kims Cheerleadern macht das nichts aus. Mal wieder wird im Rhythmus geklatscht. AP/AP / Christophe Ena
Die Kälte kann den tapferen Nordkoreanerinnen nichts anhaben. KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Natürlich wird die «Army of the Beauties» auf zahlreichen Fotos verewigt. KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Fahnen schwingen! KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Singen! KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Und Lächeln! AP/AP / Christophe Ena
Was für ein Arbeitstag! AP/AP / Michael Probst
Weiter geht's beim Eiskunstlauf: Während die einen mitleiden, sind andere um ihr Aussehen besorgt. AP/AP / David J. Phillip
Hier wird wieder die Flagge des vereinten Korea geschwenkt. AP/AP / David J. Phillip
Zurück beim Eishockey: Auch Südkoreas Männerteam wird unterstützt. Ob es deshalb gegen Favorit Tschechien nur 1:2 verliert? AP/AP / Frank Franklin II
Das könnte dich auch interessieren: