Aktuelle Themen:

Mit dem ins Handy integrierten Augen-Scanner verspricht Samsung höchstmögliche Sicherheit. Bei der automatischen Gesichtserkennung ist das anders. screenshot: samsung

So einfach lässt sich das Galaxy S8 (angeblich) austricksen

Samsungs neues Super-Handy kann dank Gesichtserkennung viel zu einfach entsperrt werden, wie ein Hands-on-Video zeigt. Die Verwirrung ist gross. Ein Klärungsversuch.

Publiziert: 31.03.17, 16:05 Aktualisiert: 31.03.17, 23:08

Die Display-Sperre bei Smartphones ist eine extrem wichtige Sicherheitsfunktion, weil sie unsere höchst privaten Informationen (Fotos, Chats, App-Inhalte etc.) vor fremdem Zugriff schützt. Gleichzeitig will man als rechtmässiger Besitzer aber rasch und unkompliziert aufs Gerät zugreifen können.

Schnell, bequem und trotzdem sicher – das ist eine Herausforderung, die jeder Smartphone-Hersteller für seine Kunden zu lösen hat. Wobei es wegen der unterschiedlichen Bedürfnisse (Benutzerfreundlichkeit und Sicherheit) mehr als eine Lösung braucht. Samsung hat sich bei seinen neuen Flaggschiffen, dem Galaxy S8 und dem S8 Plus, für fünf entschieden.

  • Fingerabdruck-Scanner
  • Gesichtserkennung (über Frontkamera)
  • Iris-Scan (über Frontkamera)
  • Fingerbewegungen (d.h. man zeichnet auf dem Touch-Screen ein festgelegtes «Sperrmuster»)
  • Passwort oder PIN

Als einfachste Lösung für die Generation Selfie, die auch mit Handschuhen (und Sonnenbrille?) funktionieren sollte, wird die automatische Gesichtserkennung vermarktet.

«Halten Sie Ihr Galaxy S8 oder S8+ einfach so, als ob Sie ein Selfie schiessen würden. Das Smartphone erkennt Ihr Gesicht und ist schnell entsperrt.»

quelle: samsung-website

Das Problem: Die automatische Gesichtserkennung lässt sich einfach austricksen, wie ein im Web kursierendes Video zeigt: Man hält einfach ein zweites Handy mit einem Porträtfoto des registrierten Besitzers vor die Kamera, schon wird das Gerät entsperrt.

Gefilmt wurde der beunruhigend einfache «Trick» offensichtlich nach der offiziellen Präsentation im Hands-on-Bereich. Das betroffene Galaxy S8 ist ein Demo-Gerät, denn die neuen Samsung-Handys sind noch nicht erhältlich.

«Bei dem im Video gezeigten Gerät handelt es sich um ein Testgerät mit noch nicht finaler Software.»

Stellungnahme Samsung Schweiz

Am Freitag berichtete The Korea Herald, dass die Technologie zur Gesichtserkennung keine ausreichende Sicherheit biete. Als Quelle wird «ein Beobachter der Industrie» genannt.

«‹The phones can be unlocked by the face of a sleeping person, or even just by a photo›, an industry watcher said. ‹For now, the facial recognition technology is only intended for fun. It should not be considered as a foolproof security measure.›»

Biometrische Verwirrung

Fakt ist, dass beträchtliche Verwirrung herrscht rund um die biometrischen Sicherheitsfunktionen und damit verbundene Features, wie etwa das bargeld- und kontaktlose Bezahlen:

  • Laut einem früheren Bloomberg-Bericht von Mitte März soll die Gesichtserkennung später auch fürs mobile Bezahlen (Samsung Pay) genutzt werden.
  • Doch am Donnerstag berichtete Mashable, dass die Gesichtserkennung nicht für Samsung Pay verwendet werde, dies hätten Samsung-Vertreter bestätigt. Um mit dem Galaxy S8 einen Kaufvorgang zu bestätigen, müsse man den Fingerabdruck-Scanner betätigen oder einen Iris-Scan machen.

Samsung täte gut daran, negative Publicity rund um die Gesichtserkennungs-Technik zu vermeiden. In der Kritik steht bereits die Positionierung des Fingerabdruck-Scanners. Er liegt auf der Rückseite unmittelbar neben der Hauptkamera.

30. Mä">

Was wir zur Gesichtserkennung wissen müssen

Folgende Frage in Zusammenhang mit dem Galaxy S8 und S8 Plus sind nicht geklärt – und harte Fakten wird es wohl erst nach dem Verkaufsstart am 28. April geben:

  • Wie sicher ist «Entsperren mit dem Gesicht»?
  • Kann man das Gerät tatsächlich durch eine simple zweidimensionale Abbildung des Gesichts entsperren?
  • Wie muss das Foto beschaffen sein (Grösse, Winkel, Auflösung etc.), damit der Trick funktioniert?
  • Beseitigt Samsung die Sicherheitslücke mit einem Update, noch bevor das Galaxy S8 auf den Markt kommt?

screenshot: samsung

Kein neues Phänomen

Automatische Gesichtserkennung für Android-Smartphones gab es auch schon früher – mit dem gleichen Problem, dass sich die Sicherheitsfunktion durch ein Foto überlisten liess.

«Android-Veteranen werden sich erinnern, dass eine Funktion namens Face Unlock bereits mit Android 4.0 eingeführt wurde und ziemlich schnell als unsicher entlarvt wurde. Eine zwischenzeitlich in die Funktion hineingepatckte Blinzelkontrolle ergab auch keine Besserung und seitdem hat man nicht mehr viel davon gehört. Das Feature scheint heimlich, still und leise in der Versenkung verschwunden zu sein.»

quelle: blog.notebooksbilliger.de

watson hat Samsung um eine Stellungnahme gebeten. Von Samsung Schweiz kam ein schriftliches Statement:

«Bei dem im Video gezeigten Gerät handelt es sich um ein Testgerät mit noch nicht finaler Software. Somit wird das eingesetzte Gerät nicht in allen Fällen den realen Bedingungen gerecht.
Die Scanning-Technologie des Samsung Galaxy S8 sowie des Samsung Galaxy S8+ erkennt den Unterschied zwischen dem menschlichen und einem künstlichen Auge sowie auch dem Bild einer Iris.»

Der erste Absatz macht Sinn und lässt zumindest hoffen, dass der Trick mit dem Porträtbild bei der zum Verkaufsstart verfügbaren System-Software nicht mehr funktionieren wird.

Das Problem beim zweiten Absatz: Die Gesichtserkennung und der Iris-Scan sind zwei unterschiedliche biometrische Techniken, die beim Galaxy S8 unabhängig voneinander verfügbar sind. Der Iris-Scan gilt als sehr sicher – und darum wird man später auch Samsung Pay damit nutzen können. Die Gesichtserkennung hingegen ist schneller, bietet aber weniger Sicherheit ...

Samsung Knox sichert Daten

Zur Verteidigung des Herstellers kann man einwenden, dass Samsung andere zuverlässige Sicherheitsmechanismen anbietet. Man kann ein starkes Passwort festlegen – oder man verlässt sich auf den besagten Iris-Scanner, der beide Augen erfasst.

Wobei anzumerken ist, dass wohl die allermeisten User die bequemste Methode wählen dürften. Wer das Handy zig-mal pro Tag entsperrt, will keinen langen Code eingeben. Und der Iris-Scan kann dem Vernehmen nach mehrere Sekunden dauern...

Immerhin können Galaxy-S8-User ihre wertvollsten Daten auch in einem «sicheren Ordner» ablegen. Das ist ein speziell abgeschirmter Speicherplatz auf dem Smartphone, der durch die mobile Sicherheitslösung Samsung Knox geschützt wird.

(via Redmond Pie und 9to5Mac)

Das Galaxy S8 im Hands-on

Das bietet das Galaxy S8 von Samsung (mit Zubehör)

Samsung Galaxy S8: Das neue Oberklasse-Smartphone des koreanischen Konzerns hat jetzt ein zu den Rändern hin abgerundetes Display.
Einen physischen Homebutton gibt es beim S8 nicht mehr. Sein Wegfall schafft Platz für ein größeres Display.
Das Gehäuse des S8 ist noch stärker abgerundet, wodurch das Gerät gut in der Hand liegt.
Sehr auffallend ist, dass beim Galaxy S8 (r.) nicht nur das Gehäuse abgerundet ist, wie schon beim Galaxy S7 (l.), sondern auch das Display selbst.
Samsung will die beiden S8-Varianten in drei Farben anbieten. Von links nach rechts sind das Silber, «Orchideengrau» und Schwarz.
Mit dem Verkaufsstart soll auch ein Sortiment an Zubehör bereitstehen. Darunter unter anderem Schutzhüllen aus Alcantara.
Auch eine Schutzhülle mit integrierter Tastatur wird von Samsung wieder angeboten.
Im Ruhezustand können die Galaxy S8 die Uhrzeit und ein paar Informationen anzeigen. Diesen Trick beherrschen auch das S7 und S7 edge.
Eine Neuerung ist für Samsung die Einführung einer USB-C-Buchse anstelle des alten Micro-USB-Ports, der noch beim S7 (unten) eingebaut wurde.
Im direkten Vergleich wird deutlich, was die Design-Änderungen der Galaxy S8 bewirken. Links liegen S8 Plus und S8 mit 6,2- und 5,8-Zoll-Bildschirmen. Rechts zum Vergleich ein S7 edge mit dem kleineren 5,5 Zoll-Bildschirm.
Hier ist das Galaxy S8 Plus eingerahmt von einem iPhone 7 Plus (l.) und einem Galaxy S7 edge zu sehen.
Spielt man darauf Filme im Kino-Breitwandformat ab, zeigt sich der Vorteil des ungewöhnlichen Formats von 18,5:9 beim Bildschirm des Galaxy S8.
Der virtuelle Assistent Bixby, den Samsung mit dem S8 einführt, beherrscht vorerst nur Koreanisch, Chinesisch und Englisch. Hier wird gezeigt, wie er das Foto einer Weinflasche interpretiert, um Informationen zu dem Wein zu suchen.
Bixby kann auch genutzt werden, um ein Smart Home zu steuern.
Um Bixbys Smart-Home-Fähigkeiten nutzen zu können, bräuchte man allerdings einen Smartthings-Hub von Samsung und viele dazu kompatible Samsung-Geräte. Einen fernsteuerbaren Kühlschrank beispielsweise.
Von Beginn an wird Bixby allerdings nur zehn von Samsung selbst gelieferte Apps unterstützen. Erst später soll Entwicklern anderer Apps die für eigene Anpassungen nötige Software bereitgestellt werden.
In vielerlei Hinsicht erinnert Bixby auf dem Galaxy S8 an den Google Assistant. Er kann beispielsweise aktuelle Nachrichten aus dem Netz sammeln.
Alternativ zu Bixby lässt sich auf den Galaxy S8 aber auch der Google Assistant nutzen, schließlich ist auf den Geräten Android 7.0 installiert.
Mit den Galaxy S8 führt Samsung auch eine neue Version der VR-Brille Gear VR ein, die vor allem Designänderungen mit sich bringt und mit allen Galaxy S6, S7 und S8 genutzt werden kann.
Zur Gear VR gehören jetzt auch diese neuen Controller, die man in virtuellen Welten als Zeigeinstrument oder beispielsweise als Waffe nutzen kann.
Auch die Rundumkamera Gear 360 wurde für das S8 überarbeitet. Das neue Modell ist deutlich kleiner geworden, kann jetzt auch 360-Grad-Livevideos senden.
Mithilfe einer besonderen Dockingstation wird das S8 zu einem Android-PC, den man mit Bildschirm, Tastatur und Maus für Büroarbeiten nutzen kann.
Auch beispielsweise Microsofts Office-Apps laufen so auf dem großen Bildschirm. Über spezielle Apps wie Amazon Workspaces lässt sich auch Firmen-Software nutzen.

Das könnte dich auch interessieren:

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen