Bacsinszky überzeugte in ihrem Startspiel bei den Australian Open gegen eine Top-10-Spielerin
Bild: AP/AP
Bacsinszky nach überstandener Krise: «Habe das Gefühl, dass mein Weg noch lange ist»
Anderthalb Jahre musste die 29-jährige Timea Bacsinszky auf einen Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier warten. Nach zahlreichen Verletzungen war die Romande in der Weltrangliste weit zurückgefallen. Nun gelang ihr mit einem 6:3, 6:0 gegen die favorisierte Russin Daria Kasatkina, immerhin die Weltnummer 10, der Befreiungsschlag. Nun trifft sie mit Natalja Wichljanzewa (WTA 134) auf eine weitere Russin. Nach ihrem Erfolg sprach Bacsinszky vor einer Gruppe von Journalisten über ihr Martyrium.
Timea Bacsinszky, woran haben Sie sich in den vergangenen Monaten geklammert, als Sie dauernd verloren und der Körper streikte?
Timea Bacsinszky: Ich habe mir einfach gesagt, dass es nur besser werden kann. Den Tiefpunkt hatte ich erreicht, als ich im vergangenen Herbst in Montreux gegen Ylenia In-Albon verloren habe. Dort dachte ich: Jetzt höre ich auf. Dass ich nicht mehr in dieser Situation sein will. Ich führte dann viele Gespräche: Mit meinem Verlobten, meinem Trainer Erfan, Benni, meinem Konditionstrainer, und mit der Psychotherapeutin. Das war der Wendepunkt.
Sie sind bereits drei Monate nach Ihrer Operation an der Hand zurückgekehrt, war das zu früh?
Ja, definitiv zu früh. Doch ich hatte auch Pech, dass ich die ersten neun Partien verlor. Es war ein Albtraum. Ich sagte: «Liebe Tennisgötter, gebt mir eine Gegnerin, die nicht in Form ist!»
Aber Sie haben nie aufgegeben.
Ich hatte immer den Traum, dass ich wieder Tennis auf diesem Niveau spielen kann. Ich bin sehr stolz auf mich selbst und dankbar. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, von so guten Leuten umgeben zu sein. Sie haben mir durch eine schwierige Zeit in meinem Leben geholfen. Es war für sie nicht immer einfach, mich in einer dermassen schlechten mentalen und körperlichen Verfassung zu sehen.
Wie war das für Ihren Verlobten?
Er hat mir den Antrag gemacht, er wusste also, auf was er sich einlässt (lacht). Im Ernst: Er war jeden Tag an meiner Seite. Er musste viel aushalten, wenn ich den ganzen Tag zu Hause war und schlechte Laune hatte. Ich danke aber auch meinen Schwestern und meiner Mutter. Dieser Sieg ist auch für sie
Worauf sind Sie besonders stolz?
Ich habe kein riesiges Selbstvertrauen, aber ich bin stolz darauf, wie ich meinen Weg gegangen bin. Denn ich stellte mir viele Fragen. Wenn du 29 bist, hast du viele Zweifel. Du weisst, dass es das letzte Drittel der Karriere ist. Ich fühlte mich, als laufe mir die Zeit davon. Als Sportler ist deine Zeit beschränkt. Deshalb fühlst du dich verwundbarer. Sogar Rockstars haben mehr Jahre (lacht).
Wie lange wollen Sie denn noch Tennis spielen?
Vielleicht bin ich durch meine Pause noch motivierter, weil ich durchatmen konnte. Wenn du dauernd unterwegs bist, ist das ermüdend. Vielleicht habe ich dadurch jetzt nicht mehr nur noch zwei, sondern sechs Jahre. Jedenfalls habe ich das Gefühl, dass mein Weg noch lange ist.
Hat es also auch geholfen, dass Sie Ihre Karriere einmal für mehrere Monate unterbrochen haben?
Ich kam zu früh zum Tennis, war zu früh zu gut. Sie kennen diese Geschichte. Ich brauchte eine Pause, in der ich darüber nachdenken konnte, was ich gerne tue. Vorher gab es immer Leute um mich herum, die mir gesagt haben, was ich zu tun habe. Aber mein Leben gehört mir und ich treffe die Entscheidungen. Die Pause war für mich ein Augenöffner. Ich habe danach mehr erreicht, als ich mir je erträumt hätte. Heute glaube ich: Jeder ist ohne Limit.
Bei Andy Murray hat der Körper entschieden, wann die Karriere endet. Was denken Sie darüber?
Es macht mich traurig und ich musste weinen, weil ich mich an Situationen erinnert habe, in denen ich mich ähnlich gefühlt habe. Das ist es, was ich am meisten fürchte: Nicht selber entscheiden zu können, wann und wie ich meine Karriere beende. Es ist mein grösser Wunsch, das selber entscheiden zu können. Aber wissen Sie, worüber ich mich am meisten geärgert habe?
Sagen Sie es uns.
Dass wir uns erst Komplimente machen und von tollen Erlebnissen erzählen, wenn jemand ein Problem hat. Wieso braucht es immer traurige Ereignisse, damit wir mehr Empathie zeigen? Es ist wie bei den Toten: Da werden die richtig guten Geschichten auch erst an der Beerdigung erzählt (lacht).
Alle Schweizer Tennis-Cracks, die es in die Top 10 schafften
Martina Hingis knackte am 7. Oktober 1996 – eine Woche nach ihrem 16. Geburtstag – die Top 10. Am 31. März 1997 wird sie zur jüngsten Weltnummer 1 und steht insgesamt 209 Wochen ganz oben. AP / RICHARD DREW
Manuela Maleeva-Fragnière war die erste Schweizerin in den Top 10. Die in Bulgarien geborene Rechtshänderin spielte nach ihrer Heirat ab Januar 1990 für die Schweiz. 1984 war das Jahr Maleevas, sie stürmte bis auf Rang 3 des Rankings und hielt sich danach bis 1992 unter den besten zehn Spielerinnen der Welt. KEYSTONE / WALTER BIERI
Martina Hingis knackte am 7. Oktober 1996 – eine Woche nach ihrem 16. Geburtstag – die Top 10. Am 31. März 1997 wird sie zur jüngsten Weltnummer 1 und steht insgesamt 209 Wochen ganz oben. AP / RICHARD DREW
Patty Schnyder erreichte mit 19 Jahren im August 1998 erstmals die Top 10. Sie hielt sich dort bis im April 1999 und kehrte 2005 zurück. Ihr höchstes Ranking datiert vom 14. November 2005 mit Platz 7. Insgesamt durfte sich die Baslerin 94 Wochen Top-10-Spielerin nennen. EPA/DPA / FABIAN MATZERATH
Manuela Maleeva-Fragnière war die erste Schweizerin in den Top 10. Die in Bulgarien geborene Rechtshänderin spielte nach ihrer Heirat ab Januar 1990 für die Schweiz. 1984 war das Jahr Maleevas, sie stürmte bis auf Rang 3 des Rankings und hielt sich danach bis 1992 unter den besten zehn Spielerinnen der Welt. KEYSTONE / WALTER BIERI
Timea Bacsinszky erreicht mit dem Finaleinzug in Peking im Oktober 2015 erstmals die Top 10. Am 16. Mai 2016 wird sie an Nummer 9 geführt, ihre bisherige Bestplatzierung. EPA/EPA / HOW HWEE YOUNG
Patty Schnyder erreichte mit 19 Jahren im August 1998 erstmals die Top 10. Sie hielt sich dort bis im April 1999 und kehrte 2005 zurück. Ihr höchstes Ranking datiert vom 14. November 2005 mit Platz 7. Insgesamt durfte sich die Baslerin 94 Wochen Top-10-Spielerin nennen. EPA/DPA / FABIAN MATZERATH
Timea Bacsinszky erreicht mit dem Finaleinzug in Peking im Oktober 2015 erstmals die Top 10. Am 16. Mai 2016 wird sie an Nummer 9 geführt, ihre bisherige Bestplatzierung. EPA/EPA / HOW HWEE YOUNG
Belinda Bencic zeigt es an: Am 15. Februar 2016 steht sie erstmals in den Top 10. Ihre beste Platzierung bisher ist Rang 4 (17. Februar 2020). AP/AP / Dmitri Lovetsky
Belinda Bencic zeigt es an: Am 15. Februar 2016 steht sie erstmals in den Top 10. Ihre beste Platzierung bisher ist Rang 4 (17. Februar 2020). AP/AP / Dmitri Lovetsky
Jakob Hlasek wurde am 21. November 1988 erstmals als Nummer 8 in den Top 10 geführt. 37 Wochen hielt er sich insgesamt – mit zwei kurzen Unterbrüchen – unter den besten 10 Spielern der Welt, letztmals am 6. November 1989. Die höchste Platzierung war Rang 7 am 17. April 1989. KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI
Jakob Hlasek wurde am 21. November 1988 erstmals als Nummer 8 in den Top 10 geführt. 37 Wochen hielt er sich insgesamt – mit zwei kurzen Unterbrüchen – unter den besten 10 Spielern der Welt, letztmals am 6. November 1989. Die höchste Platzierung war Rang 7 am 17. April 1989. KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI
Marc Rosset durfte sich am 10. Juli 1995 erstmals Top-10-Spieler nennen. Er pendelte in den nächsten Wochen zwischen Platz 9 (11. September) und Platz 13. Sieben Wochen insgesamt galt der Romand als einer der zehn besten Tennisspieler der Welt, letztmals am 16. Oktober 1995. AP / KEVIN LARKIN
Roger Federer wurde am 20. Mai 2002 als Weltnummer 8 erstmals in den Top 10 geführt. Seither hält er sich dort und stand insgesamt 301 Wochen auf Rang 1 – Rekord. AFP / LIU JIN
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Stan Wawrinka schnupperte ab dem 12. Mai 2008 während 19 Wochen erstmals Top-10-Luft. Seine beste Klassierung dabei war Rang 9. Gut fünf Jahre später kehrte er zurück und hält sich seither unter den besten 10 Spielern. Seine beste Rangierung – Rang 3 – erreichte er erstmals am 27. Januar 2014 nach seinem Titel beim Australian Open. AP / Victor R. Caivano
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