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Da hinten liegt einer auf der Fresse.  kafi freitag

FragFrauFreitag

Kafi, sollte Facebook nicht eher Fakebook heissen?

Liebe Frau Freitag. Ich muss immer wieder feststellen, dass Kollegen etwas in den sozialen Netzwerken posten, wobei sie das pure Gegenteil von dem sind. Wie kann man gegenüber sich selber so etwas rechtfertigen? Was bringt Leuten dazu sich selber zu belügen, obwohl man die Wahrheit bereits kennt? Liebe Grüsse Marius, 37



Lieber Marius

Das ist eine spannende Frage, die ich allerdings nur sehr theoretisch abhandeln kann, da ich nicht wirklich weiss, wovon Sie ganz genau reden. Von jemandem, der von sich schreibt, dass er ein happy Single ist und extrem viele Dates angeboten bekommt und ablehnt und stattdessen zu Hause einsam weint, weil kein Schwein nach einem fragt? Oder von einer Person, die auf Instagram Ferienfotos postet, die sie aus einem Reisekatalog abfotografiert hat? Es gibt diesbezüglich viele Dissonanzen und ganz viele Motive, sich anders zu präsentieren, als es den Tatsachen entspräche. Und ich bin mir, im Gegensatz zu Ihnen, nicht ganz sicher, ob sich die jeweiligen Menschen darüber immer im Klaren sind, dass Sie sich belügen. Manchmal denke ich eher, dass die Selbstreflexion dafür nicht wirklich reicht. Oder man sich gar nicht so fest mit sich selber auseinandersetzen will.

Ganz oft hat es aber auch mit Schamgefühlen zu tun. Die wenigsten Menschen können frisch und frei zugeben, dass sie einsam oder unglücklich sind. Da fällt es um einiges leichter, sich und anderen vorzugaukeln, alles wäre paletti.

Und last aber nicht least muss man sich auch fragen, wie sinnvoll es tatsächlich ist, wenn man sich auf sozialen Netzwerken vollkommen entblösst. Je nachdem, wie gross und unpersönlich der eigene «Freundeskreis» dort ist, will man vielleicht nicht alles hinaustragen, was einen beschäftigt. In diesem Falle hat es dann weniger mit sich selber belügen oder fehlender Reflexion zu tun als viel mehr mit der Tatsache, dass man auch nicht jedermann, der in der gleichen Strasse wohnt, erzählt, was einen wirklich beschäftigt, sondern auf ein «wie geht es ihnen?» mit einem «Danke, gut» antwortet. Jeder muss für sich selber einen passenden und stimmigen Umgang mit den sozialen Netzwerken finden. Die einen verstecken sich hinter einem fröhlichen Profilbild, die anderen hinter einem Fake-Profilnamen. Mein persönlicher Umgang damit ist, dass ich Menschen, die nicht mit Gesicht und Namen hinstehen, nicht anfreunde und nicht auf deren Kommentare eingehe. Von jemandem zu verlangen, dass er vor einer imaginären Freundesliste die Hose vollkommen runterlässt, finde ich mehr als vermessen. Allerdings ist es auch mehr als fragwürdig, sich SUPERhappy zu geben, wenn man eigentlich SUPERunglücklich ist. Und SUPERdoof ist es in der Regel auch noch, weil SUPERdurchschaubar. Aber meiner Meinung könnte man Facebook eh langsam auf Fakebook umbenennen ...

Mit herzlichem Gruss. Ihre Kafi

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Fragen an Frau Freitag? ​

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Kafi Freitag (41!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 12-jährigen Sohn in Zürich.

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 30.01.2017 07:13
    Highlight Highlight Hallo Kafi
    Du bist irgendwie eine total lebendige Nudel. Deine Antworten sind für mich immer ein Aufsteller, obwohl ich meistens überhaupt nicht mit dir einverstanden bin. Ich musste das einfach mal sagen.
  • Zeit_Genosse 29.01.2017 10:46
    Highlight Highlight Frau Freitag, da sind sie sehr gut auf diese vielschichtige Frage eingegangen. Das mit dem Fakebook gefällt mir, weil es an die Anfänge von Facebook erinnert, ging es doch ursprünglich um die optische Bewertung der Mitstudentinnen mit Kommentarmöglichkeiten. Irgendwie hat sich dann FB empanzipiert, kommt aber nicht vom Urprung weg, dass wir uns und unsere Leben dort gegenseitig mit Likes bewerten und so uns gezwungen sehen, uns besser und überhöht darzustellen, weil wir geliket oder eigentlich "nur" geliebt werden möchten.
  • Don Alejandro 27.01.2017 12:22
    Highlight Highlight Facebook wird es in fünf Jahren eh nicht mehr geben. Für die Generation Z ist FB schon längstens out.
  • OkeyKeny 25.01.2017 13:48
    Highlight Highlight Jetzt eine andere Frage: wer ist denn im Alltag 100% ehrlich und transparent? Wieso sollte es dann auf Fb anders sein?
  • füdli 24.01.2017 21:36
    Highlight Highlight es scheint mir dass es eben nur eine art und weise gibt, sich heutzutage auf facebook zu profilieren, aber das merkt man halt auch erst wenn man die posts der anderen liest.
  • El Schnee 22.01.2017 14:02
    Highlight Highlight Facebook macht nur sichtbar, was sozial-medial eh schon abging und abgeht. Menschen und ihr Maskenspiel ist ein uraltes Thema. Dass div. etablierte Medien Mühe haben mit der mit FB verbundenen Aufhebung der kommunikativen Einbahnstrasse, resp. Autobahn hat nicht nur mit Qualitätssicherung zu tun, sondern auch mit Kontrollverlust über Meinungsbildung und eigenen existenziellen Ängsten der von ihnen Abhängigen. Facebook hat tatsächlich sehr viele problematische Seiten, aber auch viel Potential. Es ist aber sozialer und demokratischer als sein Ruf und bildet 'Wahrheiten' auf eigene Art und Weise
  • Miikee 22.01.2017 09:18
    Highlight Highlight Facebook?
    Das ist doch dieses Archiv für Kontakte.
    Oder Radarmeldungen oder Eventsuche.

    Aber mehr auch nicht. Die Timeline ist mittlerweile nur noch Müll (Fake News, Bildli, Videos, Werbung usw.)
  • Spooky 22.01.2017 01:24
    Highlight Highlight "Was bringt Leute dazu sich selber zu belügen, obwohl man die Wahrheit bereits kennt?"

    Lieber Marius
    Die Wahrheit gibt es nicht.

    "Es gibt nur grössere oder kleinere Irrtümer." (Friedrich Nietzsche)

    (Sorry, Kafi, ich will dir ja eigentlich deine Brötchen nicht klauben, aber manchmal mische ich mich halt einfach ein. Weiss auch nicht genau, wieso. Aber mir ist es eigentlich Wurscht, wieso.)
    • kafi 22.01.2017 09:46
      Highlight Highlight Guter Input mit der Wahrheit!
      Danke dafür Spooky
    • Spooky 25.01.2017 01:10
      Highlight Highlight @deleted
      Irgendwie ein komischer Kommentar, ehrlich.
    • Spooky 29.01.2017 23:21
      Highlight Highlight @kafi
      Nichts zu danken, war mir und Nietzsche ein Vergnügen ;-)
  • sambeat 22.01.2017 00:38
    Highlight Highlight Seit fast einem Jahr lebe ich nun ohne FB. Ich vermisse nichts, aber auch gar nichts davon! Ich treffe meine Freunde weiterhin, bin glücklich in meinem Job... Und ich habe gottseidank auch nicht das unstillbare Verlangen, allen gefallen zu wollen.
    • 's all good, man! 22.01.2017 09:40
      Highlight Highlight Das freut mich für dich und deinen Kollegen gleich unten dran. Finde es schon witzig, dass jedes Mal, wenn es um Facebook/ Social Media geht, ganz bestimmt mindestens einer angetanzt kommt um zu erwähnen, wie gut es ihm dann ohne Facebook im Fall geht. Aber ihr redet am Thema vorbei. 😉
    • sambeat 22.01.2017 11:11
      Highlight Highlight Ich kann nicht tanzen 😉
    • pamayer 22.01.2017 16:38
      Highlight Highlight Ich es bitzeli...
  • N. Y. P. D. 21.01.2017 22:26
    Highlight Highlight Ich bin mit meinen Kollegen per WhatsApp verbunden. Zum abmachen, chatten wir kurz.
    Mit Facebook haben wir nichts am Hut. Selfiemüll interessiert uns nicht. Ferienphotos langweilen uns. Geburtstage vergessen wir. Freundschaftsanfragen sind nichts wert. Und Facebook ist von Fakenews verseucht.
    Also, wir fühlen uns pudelwohl ohne Facebook..
    • füdlichnübler 22.01.2017 11:30
      Highlight Highlight Du weisst aber schon das Whatsapp zu Facebook gehört?
    • N. Y. P. D. 22.01.2017 11:54
      Highlight Highlight Ja, weiss ich.
      Ich war schon bei WhatsApp, als sie noch eigenständig waren.
      Möglich, dass ich WhatsApp mal verlasse. Mal schauen, wie sich alles entwickelt..

FRAGFRAUFREITAG

Liebe Frau Freitag. Ich lese Ihren Blog unglaublich gerne – weil Ihre Antworten nicht nur ehrlich sind, sondern auch weise. Nun würde ich gerne etwas von dieser Kombination abbekommen! 

Liebe Ladina  Vielen Dank für Ihre lieben Worte! Nun bin ich noch mehr bemüht, Ihnen möglichst ehrlich und weise zu antworten ... Eine depressive Veranlagung ist unter anderem erblich bedingt und darum auch nicht unbedingt so vorübergehend, wie eine befristete Depression. Dennoch gibt es Wege, damit umzugehen. Ich habe selber mit Anfang 20 an einer Depression gelitten und weiss darum, dass sie das Leben sehr verändert. Und zwar nicht nur während der Erkrankung, sondern auch danach, …

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