Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Analyse

Muss ich eine Niere verkaufen, wenn das iPhone kaputt geht?

Die Stiftung Warentest bezeichnet das iPhone X als das «zerbrechlichste iPhone aller Zeiten». Höchste Zeit, die Reparaturkosten unter die Lupe zu nehmen. Beim aktuellen Flaggschiff – und bei älteren Modellen.



Die Handy-Tester der Stiftung Warentest haben sich den neuen Star aus dem Hause Apple vorgeknüpft. Und kommen zu einem beunruhigenden Fazit:

«Apple-Fans sollten gut überlegen, ob sie wirklich ein iPhone X kaufen wollen oder nicht doch besser zum robusteren iPhone 8 oder 8 Plus greifen.»

Was ist passiert?

Wie alle Testkandidaten musste das iPhone X eine Fall­prüfung durchlaufen – und scheiterte laut aktueller Medienmitteilung: «Bei einem von drei Exemplaren war nach dem Test in der Fall­trommel die gläserne Rück­wand zertrümmert, bei den beiden anderen war das Display defekt und zeigte Streifen.»

Bild

Das iPhone X nach dem Falltest: Streifen im Display und zersplitterte Rückseite. bild: www.test.de/iphonex

Damit sei «das neue Luxusmodell das zer­brech­lichste iPhone aller Zeiten», konstatiert die renommierte deutsche Stiftung: Die Vorgänger- und Schwestermodelle des «X» hätten den Fall­test bestanden, rufen die Tester in Erinnerung. Und auch bei der Akkuleistung vermochte das «X» nicht zu begeistern.

Abschliessend schreiben die Tester:

«Zum iPhone-Jubiläum wollte Apple mit einem Handy der Superlative auftrumpfen. Das ist gelungen – leider auch mit Negativ­rekorden. Unser iPhone-X-Review zeigt: Es bietet aktuell die beste Smartphone-Kamera, doch es ist auch das zer­brech­lichste iPhone aller Zeiten und hat zumindest unter den aktuellen Apple-Modellen auch den schwächsten Akku. Ob das inno­vative Design mit nahezu randlosem Display und die neuartige Gesichts­erkennung dennoch den happigen Preis wert sind, darf bezweifelt werden.»

quelle: test.de/iphonex

So teuer sind iPhone-Reparaturen

Reparieren – oder gleich ein neues Gerät kaufen? Ende Oktober hat Apple eine aktualisierte Preisliste für iPhone-Reparaturen veröffentlicht. Und diese Liste hat es in sich.

Bild

Die Preise beinhalten eine Versandgebühr in Höhe von 16,63 Franken, die laut Apple-Website nur anfällt, wenn das Gerät verschickt werden müsse. screenshot: apple

Ein Schaden am neuen Premium-Modell iPhone X koste so viel wie ein ordentliches Smartphone bei der Konkurrenz, hält das deutsche Techportal golem.de ernüchtert fest.

Das dürfte damit zu erklären sein, dass havarierte iPhones, die zum Beispiel ein zersplittertes Gehäuse aufweisen, nicht repariert, sondern durch neue Exemplare ersetzt werden.

Wichtig: Es geht hier um selbstverschuldete Schäden, wie etwa durch Fallenlassen des Geräts, die nicht durch die Gewährleistungspflicht gedeckt sind. Das ist der Fachbegriff für die gesetzliche Garantie, die zum Tragen kommt, wenn bei einem neu gekauften Gerät innert zwei Jahren ein technischer Mangel auftritt. Dann muss der Verkäufer kostenlos reparieren, für Ersatz sorgen oder das Geld zurückerstatten. Die gesetzliche Garantie ist nicht zu verwechseln mit der Garantie, die der Hersteller den Kunden (freiwillig) und extra einräumt. Apple geht auf dieser Webseite auf die Unterschiede ein.

Beim iPhone 7 und neueren Modellen rücken Wasserschäden in den Hintergrund, weil sie wasserdicht sind (IP67 zertifiziert). Die meisten Reparaturen betreffen zersplitterte Displays.

Mit der neuen Preisliste sind auch einige Reparaturen der älteren Modelle teurer geworden. So kostet nun der Displaytausch der 7er-iPhones rund 30 Franken mehr. Anfang Jahr hatte Apple laut golem.de schon einmal die Reparaturpreise erhöht.

Der Blick zurück zeigt, dass die iPhone-Reparaturen im März dieses Jahres deutlich günstiger waren: So kostete die Bildschirmreparatur beim iPhone 7 Plus 175 Franken. Wenn man das 5,5-Zoll-Display heute ersetzt, sind es 205 Franken.

Bild

screenshot: web.archive.org

Apple will Zusatzversicherung verkaufen

Mit den hohen Preisen für den Reparatur-Service wolle Apple wohl seine Zusatzversicherung attraktiv machen, schreibt Golem. «AppleCare+» kostet zurzeit 249 Franken und umfasst maximal zwei Unfallschäden, zuzüglich Selbstbehalt, und zwar:

«Hardwareabdeckung für das iPhone, die Batterie und die mitgelieferten Ohrhörer und Zubehörteile, inklusive maximal zwei Unfallschäden, für die jeweils eine Zuzahlung von 29 CHF für Bildschirmschäden oder 99 CHF für alle anderen Schäden berechnet wird.»

quelle: apple.ch

Sprich: Wenn das iPhone X zu Boden stürzt und der Glasrücken zersplittert, bezahlt man 350 statt gut 600 Franken.

Es ist anzunehmen, dass angesichts des hohen Kaufpreises (1200 oder 1390 Franken) sowie der zerbrechlichen Vorder- und Rückseite vermehrt Käufer eine Versicherung abschliessen.

Das deutsche Techportal Golem hat in einem aktuellen Bericht Smartphone-Versicherungen unter die Lupe genommen. Und kommt zum Schluss, dass sie teuer und meist überflüssig seien. Wobei das iPhone X ein Spezialfall sei ...

«Da Apple die Preise für die Reparatur des iPhone X deutlich erhöht hat, könnte sich die Versicherung dort eventuell lohnen – auch wenn die Police selbst ebenfalls teurer geworden ist.»

Sicher ist, dass die Versicherungen nicht nur für die Anbieter ein gutes Geschäfts sind, sondern auch für Mobilfunk-Provider. «Immer häufiger werden die Versicherungen gerade bei teuren Smartphones im Verkaufsgespräch mitangeboten.» Denn für jeden erfolgreichen Abschluss gebe es eine Provision.

Was ist mit günstigen Reparatur-Diensten?

Unabhängige Handy-Reparatur-Shops bieten eine günstige Alternative zum Hersteller oder einem autorisierten Fachhändler. Grosser Nachteil: Die freien Anbieter haben keine Apple-Zertifizierung, was bedeutet, dass Apple bei einem Folgefehler nicht haftbar gemacht werden kann. Im Gegenteil: Wenn ein Reparateur statt Original-Teilen Billigkomponenten verbaut, kann dies neuen Ärger einbringen, wie Business Insider berichtete

Apple lege grossen Wert darauf, dass iPhones immer bei offiziellen Partnern oder bei Apple selbst repariert werden, denn dadurch verdiene das Unternehmen zusätzlich Geld.

Warum kosten die Reparaturen bei den neueren iPhones so viel?

Die Reparaturexperten von iFixit haben das iPhone X gleich nach dem Verkaufsstart in seine Einzelteile zerlegt. Gemäss dem Reparierbarkeits-Index erhält es 6 von 10 Punkten.

Was die Spezialisten beeindruckte, war, dass Apple immer mehr Technik auf weniger Platz unterbringt. Die zentralen Erkenntnisse aus dem «Teardown»:

Bild

Das miniaturisierte Logic Board sei «unglaublich platzsparend» konzipiert. Und darum praktisch unmöglich zu reparieren. bild: ifixit

Ältere Modelle sind einfacher zu reparieren

Folgende, zum Teil viel ältere Smartphones haben von iFixit eine höhere Gesamtnote erhalten, sind also leichter reparierbar:

Tests von über 300 Smartphones gibt's bei test.de (Produktfinder Handys). In Kürze will die Stiftung Warentest in der Test-Daten­bank auch die kompletten Prüf­ergeb­nisse zum iPhone X veröffentlichen.

Das könnte dich auch interessieren:

Laubbläser stösst gleich viel Schadstoffe aus wie 100 Autos

Video: srf

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

3 Hauptargumente der KVI-Gegner auf dem Prüfstand

Der Kampf um die Konzernverantwortungsinitiative (KVI) tobt unerbittlich. Dabei argumentieren die Gegner auch mit Vorwürfen, die sich bei genauerer Betrachtung als falsch herausstellen. Drei Argumente im Prüfstand.

Im Abstimmungskampf zur KVI gehen die Wogen hoch. Ja-Fahnen zieren jeden zweiten innerstädtischen Balkon, die Initianten machten diese Abstimmung zur teuersten aller Zeiten. Auf der anderen Seite werden die Initianten auf Facebook in einer Verleumdungskampagne als «linke Krawallanten» verunglimpft und Ueli Maurer wird «bei der Arroganz, die hinter dieser Initiative steckt, fast schlecht».

So hart die Bandagen in diesem Kampf sind, so knapp wird wohl auch das Ergebnis werden. Momentan liegen …

Artikel lesen
Link zum Artikel