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Sie prangerte Diskriminierung bei Apple an und forderte andere auf, es ihr gleichzutun. Jetzt wurde sie entlassen.<br>
Sie prangerte Diskriminierung bei Apple an und forderte andere auf, es ihr gleichzutun. Jetzt wurde sie entlassen.
bild: ap/Janneke Parrish

Apple feuert aufmüpfige Anführerin der #AppleToo-Bewegung – das steckt dahinter

Es ist nicht der erste Entlassungsskandal bei Apple: Das Unternehmen hat einer Mitarbeiterin gekündigt, nachdem diese auf Diskriminierung, Rassismus und Sexismus im iPhone-Konzern hingewiesen hatte. Sie gehört zur «#AppleToo»-Bewegung.
18.10.2021, 10:5819.10.2021, 15:50
Ein Artikel von
t-online

Eine Mitarbeiterin von Apple, die auch andere Angestellte dazu aufgerufen hatte, öffentlich Vorfälle von Diskriminierung und Belästigung im Unternehmen zu teilen, ist entlassen worden. Janneke Parrish teilte mit, das Unternehmen habe ihr gekündigt, da sie angeblich Daten während einer laufenden internen Untersuchung von ihren Arbeitsgeräten gelöscht habe. Die interne Untersuchung bezog sich auf das Weiterleiten von Informationen aus einer Betriebsversammlung an die Medien. Diese Anschuldigung bestritt Parrish gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Parrish sagte, sie glaube, sie sei wegen ihres Aktivismus am Arbeitsplatz gefeuert worden.

«Für mich ist das eindeutig eine Vergeltungsmassnahme dafür, dass ich mich öffentlich über Missbrauch bei meinem Arbeitgeber geäussert habe, sowie Lohngleichheit und allgemein über unsere Arbeitsbedingungen», sagte sie. Apple gab an, das Unternehmen kommentiere Angelegenheiten spezifischer Angestellter nicht.

Parrish ist Anführerin von #AppleToo

Parrish gilt als eine der Anführerinnen von #AppleToo, einer Mitarbeiterbewegung, die als Reaktion auf angebliche Muster von Diskriminierung, Rassismus und Sexismus im Unternehmen organisiert wurde. Der Name ist offensichtlich eine Anlehnung an die #MeToo-Debatte, die im Zuge des Missbrauchsskandals um Filmproduzent Harvey Weinstein entfacht wurde.

Einige Apple-Mitarbeiter sollen Parrishs Entlassung als Konsequenz für ihren Aktivismus sehen, berichtete das amerikanische Technikportal «The Verge». «Ich war sehr laut, ich war sehr öffentlich. Ich habe mich nicht gescheut, meinen Namen und mein Gesicht mit #AppleToo in Verbindung zu bringen», sagte Parrish dem britischen «Guardian». Auf Twitter schrieb die ehemalige Mitarbeiterin: «Es hat Konsequenzen, wenn man seine Meinung sagt. Es hat Konsequenzen, wenn man das Richtige tut. (...) Bei #AppleToo geht es darum, Apple aufzufordern, es besser zu machen, systembedingte Diskriminierung, Missbrauch und ungleiche Bezahlung zu beenden.»

Die Kündigung von Parrish erfolgte dem «Guardian» zufolge wenige Tage nachdem Ashley Gjovik, eine ehemalige Apple-Mitarbeiterin, die im vergangenen Monat wegen angeblicher Weitergabe von Informationen entlassen wurde, bei der nationalen Arbeitsbehörde (NLRB) Beschwerde gegen das Unternehmen eingereicht hatte.

Gjovik, die über Belästigungsvorwürfe während ihrer Tätigkeit bei Apple berichtet hatte, behauptet demnach, dass die Mitarbeiterregeln des Unternehmens sowie die Versprechen von CEO Tim Cook, gegen Informanten vorzugehen, gegen das US-Recht verstossen.

«Sich zu äussern wird als grundlegend illoyal angesehen»

Im September sagte Parrish laut dem Bericht, das Unternehmen habe ihr mitgeteilt, dass gegen sie ermittelt werde, weil sie Informationen an die Medien weitergegeben habe. Parrish hatte sich monatelang für die Belange der Mitarbeiter bei Apple eingesetzt, aber keine Informationen weitergegeben, sagte sie.

Als Teil der Untersuchung habe Apple ihre Geräte beschlagnahmt. Das Unternehmen ermutige Mitarbeiter, Arbeitsgeräte als private Geräte zu nutzen, sagte Parrish. Bevor sie die Geräte aushändigte, habe sie Dateien gelöscht, die persönliche Informationen enthielten, wie etwa Bankdaten. Parrish habe dem «Guardian» zufolge nicht damit gerechnet, gefeuert zu werden – aber sie ging offenbar davon aus, dass ihre Arbeit für #AppleToo negative Auswirkungen auf ihre Karriere haben würde.

«Wir haben eine Kultur der Geheimhaltung und Loyalität gegenüber dem Unternehmen. Sich zu äussern wird als grundlegend illoyal angesehen», sagte sie in dem Bericht. «Ich wusste von dem Moment an, als ich mich zu Wort meldete, dass meine Karriere bei Apple mehr oder weniger beendet sein würde.»

Laut Bewegung mehr als 500 Beschwerden

Im August startete eine Gruppe von Mitarbeitern, darunter auch Parrish, die Kampagne #AppleToo, um die Erfahrungen aktueller und ehemaliger Mitarbeiter mit Ungerechtigkeit, Einschüchterung und Missbrauch zu sammeln und zu teilen, wie der «Guardian» berichtete. Die Initiative sei ins Leben gerufen worden, nachdem Beschäftigte versucht hatten, ihre Beschwerden intern mit der Unternehmensleitung zu besprechen, so die Organisatoren.

#AppleToo hat nach eigenen Angaben Berichte von mehr als 500 Arbeitnehmern gesammelt, die angeben, dass sie bei der Arbeit diskriminiert und sexuell belästigt wurden – Anschuldigungen, die sie der Unternehmensleitung mitgeteilt haben, auf die aber nicht eingegangen wurde.

Verwendete Quellen:

(oli/rtr/lw )

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quelle: ap/ap / damian dovarganes
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