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So reagieren VW, Audi, BMW und Co. auf das anrollende Benzinauto-Verbot

epa09451025 The Hyundai IONIQ 5 Robotaxi on display at the first press preview day of the International Motor Show IAA in Munich, Germany, 06 September 2021. The 2021 International Motor Show Germany  ...
Die E-Mobilität ist nicht aufzuhalten. Das weiss die Autobranche nur zu gut.Bild: keystone

So reagieren VW, Audi, BMW und Co. auf das anrollende Benzinauto-Verbot

Das vom EU-Parlament faktisch beschlossene Verbot für Verbrennungsmotoren markiert endgültig die Zeitenwende hin zur Elektromobilität. Manche Autohersteller sind begeistert, andere reagieren zerknirscht.
13.06.2022, 20:0614.06.2022, 14:15

In Europa rollt, oder je nach Perspektive schleicht, das Verbot für Verbrenner-Autos heran. Das EU-Parlament will den Verkauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotor ab 2035 faktisch untersagen. Noch muss ein Kompromiss mit den EU-Staaten gefunden werden, doch das mit allergrösster Wahrscheinlichkeit kommende Verbrenner-Aus ist eigentlich schon jetzt reine Formsache. Denn die meisten grossen Autohersteller haben sich inzwischen dazu bekannt, vor 2035 komplett auf Elektroautos umzusteigen.

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Der chinesisch-schwedische Hersteller Volvo, der letztes Jahr verkündete, in Europa ab 2030 nur noch Elektroautos zu verkaufen, freut sich auf Twitter über die «grossartigen Neuigkeiten» und schreibt: «Das EU-Parlament hat einen entscheidenden Schritt in die richtige Richtung für eine Netto-Null-Zukunft getan.»

Rivale Ford macht ebenfalls 2030 mit Verbrennungsmotoren Schluss. Der zweitgrösste Autobauer der USA begrüsst die Entscheidung der EU ausdrücklich. Ford und Volvo gehörten zu den Mitunterzeichnern eines Appells an die EU, der im Vorfeld der Abstimmung ein vollständiges Verbrenner-Verbot forderte – also einschliesslich Hybrid-Fahrzeuge.

Auch Audi begrüsst die EU-Massnahmen zum Klimaschutz und schreibt auf Twitter: «Ab 2026 werden alle neuen Audi-Modelle vollelektrisch sein. Verbrennungsmotoren werden bis 2033 aus dem Verkehr gezogen – zwei Jahre früher, als es die EU-Gesetzgebung vorsieht. Wir setzen auf Elektrifizierung.»

Bei Volkswagen hält man das vom EU-Parlament angestrebte Verbot für einen durchsetzbaren Schritt. Damit sei ein «ambitioniertes, aber erreichbares Ziel» formuliert worden, heisst es aus Wolfsburg. Der Weg zur Elektromobilität sei nun «unumkehrbar». Volkswagen hat schon vor einem Jahr angekündigt, man werde in Europa «zwischen 2033 und 2035» aus dem Geschäft mit Verbrenner-Fahrzeugen aussteigen, respektive «in den USA und China etwas später».

Bei Mercedes kann man mit dem kommenden Verbrenner-Verbot für Neuwagen ebenfalls gut leben: «Im Prinzip begrüssen wir die Entscheidung», heisst es beim Luxus-Autobauer. «Bis 2030 sind wir bereit, überall dort vollelektrisch zu werden, wo es die Marktbedingungen zulassen», sagte Mercedes der Deutschen Presse-Agentur. «Der Beschluss nimmt die Politik in die Pflicht, für die erforderliche Infrastruktur zu sorgen. Entscheidend für den Erfolg des Klimaschutzes im Verkehr sind die Akzeptanz der neuen und nicht das Verbot traditioneller Technologien.» Mercedes hofft also, dass das Votum des EU-Parlaments Bewegung in den Ausbau der Ladeinfrastruktur bringt.

Mercedes und Ford hatten bereits im November 2021 auf der Weltklimakonferenz in Glasgow einen Verkaufsstopp für Verbrenner in den führenden Märkten ab 2035 gefordert. Entsprechend begrüssen sie nun das Verdikt des EU-Parlaments. Andere Hersteller, etwa BMW und Porsche, zeigen sich weniger erfreut.

BMW und Porsche wollen Alternativen zum E-Auto

BMW ist nebst Toyota und Hyundai einer der wenigen grossen Hersteller, der nicht mit letzter Konsequenz auf E-Autos umschwenken will. Vorstandschef Oliver Zipse ist laut elektroauto-news.net entsprechend wenig begeistert: «Angesichts der Volatilität und Unsicherheit, die wir Tag für Tag weltweit erleben, ist jede langfristige Regulierung, die über dieses Jahrzehnt hinausgeht, in diesem frühen Stadium verfrüht.» Stattdessen sei «eine transparente Überprüfung auf halbem Wege erforderlich, um Ziele für die Zeit nach 2030 zu definieren».

Eine Mehrheit der EU-Abgeordneten hat letzte Woche dafür gestimmt, dass Hersteller ab Mitte des nächsten Jahrzehnts nur noch Autos und Transporter auf den Markt bringen dürfen, die keine klimaschädlichen Treibhausgase ausstossen. Das auf Elektromobilität spezialisierte Online-Portal elektroauto-news.net schreibt hierzu: «Das heisst, dass auch das Hintertürchen über synthetische Kraftstoffe, selbst wenn sie klimaneutral produziert werden, geschlossen bleibt – denn auch beim Verbrennen von E-Fuels wird das schädliche Klimagas freigesetzt, ausserdem ist ihre Produktion sehr teuer und energieaufwendig.»

Porsche, Siemens Energy, ExxonMobil und andere Investoren errichten nördlich von Punta Arenas im chilenischen Patagonien eine Pilotanlage zur Herstellung von E-Fuel.
Porsche, Siemens Energy, ExxonMobil und andere Investoren errichten nördlich von Punta Arenas im chilenischen Patagonien eine Pilotanlage zur Herstellung von E-Fuel.bild: porsche

Das wahrscheinliche E-Fuel-Verbot in der EU trifft unter anderem Porsche. Der Sportwagenhersteller setzt zwar seit mehreren Jahren auf die Elektromobilität, will sich die Tür für synthetisches Benzin aber offen halten. Man sehe E-Fuels nach wie vor als sinnvolle Ergänzung zur CO2-neutralen Mobilität. «Wir setzen auf einen Dreiklang aus E-Modellen, Plug-in-Hybriden und Benzinern», zitiert das «Handelsblatt» den deutschen Autobauer. Porsche baut daher mit Siemens Energy, ExxonMobil und anderen Investoren eine Testanlage zur Produktion von synthetischen Kraftstoffen in Chile. Der legendäre 911er sollte dereinst mit E-Fuel betankt werden. Das könnte nun schwierig werden.

Klimaschützer und Autoverbände sind unzufrieden

Bevor das Verbrenner- und E-Fuel-Verbot 2035 in Kraft treten kann, muss sich das EU-Parlament noch mit den EU-Staaten einig werden. «Erwartet wird, dass die weiteren Gremien dem Beschluss der Parlamentarier folgen werden, das faktische Verbrenner-Aus nicht mehr geändert wird und die Regelung so wie nun beschlossen ab 2035 in Kraft tritt», schreibt elektroauto-news.net.

Im Autoland Deutschland ist die Ampel-Regierung – ähnlich wie die Auto-Branche selbst – gespalten: «Verkehrsminister Volker Wissing und Finanzminister Christian Lindner (beide FDP) lehnten ein Verbot ab. Vertreter der Grünen sowie der SPD dagegen stellten sich hinter den Beschluss des EU-Parlaments», schreibt t-online.de.

Dass am Ende auch Deutschland dem nun vorliegenden Kompromiss zustimmen wird, gilt als wahrscheinlich. Einerseits wollten deutsche Autoverbände das Verbrennerverbot hinauszögern und Benziner und Diesel-Autos mit E-Fuels retten. Die E-Fuel-Vertreter weibelten jahrelang für ein Hintertürchen für den Verbrennungsmotor – vermutlich vergeblich, wie sich nun zeigt. Die E-Fuel-Lobby kritisiert das Verbot daher harsch: Mit ihrem Beschluss habe das EU-Parlament eine «Entscheidung gegen die Bürger, gegen den Markt, gegen Innovationen und gegen moderne Technologien getroffen», heisst es beim deutschen Verband der Automobilindustrie (VDA).

Andererseits kommt die Deadline 2035 für die Klimaschutzbewegung Fridays for Future «zehn Jahre zu spät», um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Die Deutsche Umwelthilfe wiederum will das Verbrenner-Aus auf 2030 vorziehen. Denn: «Die eskalierende Klimakrise lässt uns nicht die Zeit, noch weitere 13 Jahre Millionen neue Verbrenner-Autos auf Europas Strassen zu spülen, die dann wiederum 15 Jahre oder noch länger auf klimaschädlichen Sprit angewiesen sind.»

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171 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Fruchtzwerg
13.06.2022 20:20registriert Oktober 2017
Wenn Klimaschützer UND Autoverbände beide unzufrieden sind, kann man von einem guten Kompromiss sprechen 😉
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Yunnan
13.06.2022 20:22registriert Oktober 2019
"denn auch beim Verbrennen von E-Fuels wird das schädliche Klimagas freigesetzt"

Sinnlose Aussage. Es wird genau so viel freigesetzt, wie vorher entzogen wurde. Sonst müsste man auch Holzheizungen verbieten. Unabhängig davon ist das Verbrenner-Aus sicher richtig.
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LubiM
13.06.2022 20:44registriert Mai 2014
Wenn die Autolobby vor 2035 aussteigt - freiwillig - wieso ist dann die Autolobbyistin unzufrieden? Ihre „Kunden“ wollen das ja?!?
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