Apple hat mit der Ankündigung am Montagabend, nun ebenfalls generative KI tief in seine Software zu integrieren, für beträchtliche Aufregung gesorgt. Nur schon die kontrollierte Verbindung zu ChatGPT löste einen Wutausbruch des Tech-Milliardärs Elon Musk aus, der bekanntlich mit OpenAI im Clinch liegt.
Wenn die ChatGPT-Macher Datenzugang auf Ebene des Betriebssystems bekämen, werde er in seinen Unternehmen wie Tesla oder der Raumfahrtfirma SpaceX iPhones verbieten, polterte Musk auf seiner Online-Plattform X. Dass Apple eigentlich etwas anderes ankündigte, schien bei ihm nicht angekommen zu sein.
Da er offenbar richtig in Rage war, liess Musk wenige Minuten später einen Tweet zur angeblich riesigen Bedrohung durch unkontrollierbare KI für die Menschheit folgen. In Tat und Wahrheit hetzte der in rechtsextreme Gefilde abgedriftete Multimilliardär einmal mehr seine mehr als 140 Millionen Follower bei X gegen politische Korrektheit und das verhasste OpenAI auf.
Bei Musk bestehe ein grundsätzliches Missverständnis hinsichtlich der Partnerschaft von Apple mit OpenAI, erklärt der US-Techblog Apple-Insider. Musk glaube fälschlicherweise, dass dies das Tor zur automatischen Freigabe aller iPhone-Userdaten für OpenAI sei.
Zur Erinnerung: ChatGPT verfügt auch in der neusten Version (4o) nicht über die Fähigkeit, Texteingaben inhaltlich zu verstehen. Die Antworten des Chatbots haben nichts mit echter künstlicher Intelligenz zu tun.
Tatsächlich ist OpenAI nur einer von mehreren Partnern, denen Apple im Laufe des Jahres 2024 die Kommunikation mit Apple Intelligence in iOS 18 und anderen Betriebssystemen ermöglichen wird.
Die Partnerschaft sieht private und sichere Abfragen an grosse Sprachmodelle (LLMs) von Drittanbietern vor, und dies aber mit vollständiger Kontrolle darüber, was wann gesendet wird, wie Apple erklärte.
Apple machte bei der Ankündigung der ChatGPT-Integration mit iOS 18 deutlich, dass jede Abfrage vom jeweiligen User genehmigt und nur in ausgewählten Anwendungsfällen verfügbar sein würde.
Apple-Insider kommentiert:
In seinem ersten Posting deutete Musk an, dass er Apple-Geräte aus seinen Unternehmen verbannen werde, falls Apple OpenAI auf Betriebssystemebene integriere. Besucher seiner Unternehmen müssten ihre Geräte in einem Faradayschen Käfig zurücklassen.
Dann warf er Apple tatsächlich vor, nicht genug über die Technologie zu wissen, um die Datensicherheit zu gewährleisten. Und in typischer Musk-Manier geriet er mit jedem Post tiefer in den Kaninchenbau.
Durch Medienberichte vor der WWDC war viel darüber spekuliert worden, dass Apple sich Hilfe vom ChatGPT-Entwickler OpenAI holt. Am Montag klang es jedoch eher danach, dass Apple-Kunden zwar direkten Zugang zu ChatGPT einrichten könnten – der Chatbot aber eine untergeordnete Rolle spielt. So werde Siri jedes Mal die User um Erlaubnis fragen, wenn eine Anfrage zu ChatGPT weitergeleitet werden soll.
Später in diesem Jahr, wenn Apple die ChatGPT-Funktionalität in iOS 18 aktiviert, werde dies optional und auf Abfragebasis passieren, wie erklärt wurde.
Das an ChatGPT gesendete Bild, der Text oder die Suchanfrage (Prompt) würden (für die User) gratis und ohne Kennung gesendet und umgehend verworfen, nachdem das Ergebnis erstellt und zurückgesendet wurde. Selbst wenn Apple und OpenAI lügen und sich verschwören sollten, um alle Daten zu sammeln, erhielten sie nur die Daten, die die User aktiv übermitteln.
Dies unterscheide sich nicht wesentlich von der Installation der ChatGPT-App auf dem iPhone.
Weiter kommentiert Apple-Insider:
Apple spielt im KI-Wettlauf einen Trumpf aus, den kein Rivale hat: Mit dem iPhone, seiner Smartwatch oder den Mac-Computern hat der Konzern eine einzigartige Präsenz im Leben seiner Kundinnen und Kunden.
Das gibt Apple die Chance, durch den Zugang zu verschiedensten Daten der User für sie persönlich nützliche Antworten zu geben. Um zu unterstreichen, wie besonders das ist, schlüsselt der Konzern die gängige Abkürzung AI (Artificial Intelligence – Künstliche Intelligenz) bei seiner KI als «Apple Intelligence» auf.
Ein Beispiel, das Software-Chef Craig Federighi bei der Entwicklerkonferenz WWDC am Montag nannte: Ein Arbeitstermin soll verschoben werden und er würde gern erfahren, ob er es dann immer noch zur Theater-Aufführung seiner Tochter schaffen würde. Um diese Frage zu beantworten, muss die Software unter anderem wissen, wo der verschobene Termin und die Aufführung sind – und anhand des Verkehrs die Fahrzeit berechnen.
Das sind alles Informationen, die über ein iPhone verstreut in verschiedenen Apps zu finden sein könnten: Kalender, Kurznachrichten, E-Mail, Karten. Das KI-Modell von Apple hätte systemübergreifend Zugriff darauf – und soll die Daten auch richtig einordnen können.
Dank hauseigener KI soll auch Apples Sprachassistentin Siri, die heute im Vergleich zu Chatbots wie ChatGPT veraltet wirkt, schliesslich hilfreicher werden. So werde man zum Beispiel per Sprachbefehl Fotos bearbeiten oder eine neue Adresse eines Freundes direkt aus der Chat-App zu den Kontaktdaten hinzufügen können.
Mithilfe von KI soll auch die Mail-App schon in der Kurz-Übersicht statt der ersten Zeilen eine Kurz-Zusammenfassung anzeigen. Da «Apple Intelligence» zudem den Inhalt von E-Mails und Nachrichten «verstehe», könne die Software auch abwägen, ob sie wichtig seien und mit Priorität angezeigt werden sollten.
Die wichtigste Voraussetzung für die neuen Funktionen ist aber, dass hunderte Millionen User Apple genug Vertrauen entgegenbringen, um sich auf den weitreichenden Zugang der KI-Modelle des Konzerns zu ihren Daten einzulassen. Apple-Chef Tim Cook betont schon seit Jahren den Fokus auf Privatsphäre und Verschlüsselung – und legte damit die Basis dafür.
Nach vielen Hacker-Attacken und Datenskandalen sind die Konsumentinnen und Konsumenten zu Recht misstrauischer geworden. So schlug Microsoft jüngst heftige Kritik entgegen, weil der Konzern eine KI-Suchfunktion ankündigte, für die alle paar Sekunden Bildschirmaufnahmen erstellt und ausgewertet werden. Aus Sicht von Cybersicherheits-Experten ein Albtraum.
Das ist tatsächlich die grosse Frage, die zumindest vorläufig noch unbeantwortet bleiben muss.
Nach der Apple-Keynote in Cupertino konnten die eingeladenen Medienvertreter «Apple Intelligence» nicht ausprobieren. Der US-Techjournalist Casey Newton schreibt in seinem Newsletter, Apples Führungskräfte seien nicht für Auskünfte zur Verfügung gestanden.
Stattdessen sei man in das Steve Jobs Theater «getrieben» worden, um der YouTuberin iJustine dabei zuzusehen, wie sie eine halbe Stunde lang sorgfältig geprüfte «Softballs» auf die Apple-Topmanager Craig Federighi und John Giannandrea geworfen habe. Sprich: Der Konzern ist sehr darauf bedacht, die öffentliche Wahrnehmung über das Vorgestellte zu kontrollieren, allzu kritische Fragen waren offenbar unerwünscht.
Dazu Casey Newton:
When you ask where the training data comes from pic.twitter.com/uTGU14Hm45
— Justine Moore (@venturetwins) June 11, 2024
Bekanntlich müssen grosse Sprachmodelle (LLMs), auf denen generative KI aufbaut, mit gewaltigen Datenmengen vorab trainiert werden.
Apple-Manager Giannandrea, zuständig für Machine Learning und KI-Strategie, sagte, das Unternehmen nutze eine Vielzahl von Quellen. Man beziehe öffentlich verfügbare Webdaten ein – wobei die Anbieter sich frei entscheiden könnten, dies abzulehnen. Ausserdem würden für das KI-Training lizenzierte Datensammlungen wie Stockfotos, Lehrbücher und mehr verwendet. Apple bezahlt demnach für die lizenzierten Daten.
Apple setzte bisher darauf, Künstliche Intelligenz in der Form einzelner Machine-Learning-Funktionen einzubringen, ohne gross die Aufmerksamkeit der User darauf zu lenken: zum Beispiel bei der Foto-Bearbeitung oder Wortvorschlägen beim Schreiben von Kurznachrichten. Schon auf bisherigen iPhones liefen rund 200 Modelle mit maschinellem Lernen, sagte Craig Federighi, beim US-Konzern Chef der Software-Entwicklung.
Apple hat immer wieder als Datenschutzargument angeführt, dass die KI auf den Geräten selbst statt in der Cloud laufe. Mit «Apple Intelligence» wird der Rechenaufwand nun aber oft so gross sein, dass Server aus dem Netz zur Hilfe hinzugezogen werden müssen.
Apple entwickelte dafür ein Verfahren mit kompletter Verschlüsselung und verspricht, dass nach der Verarbeitung keine Daten auf den Servern übrig blieben. Apples KI wird von Fall zu Fall entscheiden, ob eine Aufgabe auf dem Gerät oder in der Cloud ausgeführt wird.
Wie oft das passieren wird, blieb am Montag offen. Schliesslich zeichnet sich ab, dass die Reichweite der hauseigenen KI-Software zunächst beschränkt sein dürfte. Aber grundsätzlich kann sich Apple eine Zukunft vorstellen, in der die User auf viele verschiedene spezialisierte KI-Modelle zugreifen können.
Mal abgesehen von seinen transphoben, rassistischen und Verschwörungsmythen-verbreitenden Tweets.
Und so kleiner Reminder seiner "Erfolge":
Paypal: nicht vom ihm, eingestiegen und "gekauft".
Tesla: nicht von ihm, gekauft.
X (Twitter): kein Erfolg, ausserdem: gekauft.
Des Weiteren:
Hyperloop: schlechtere Metro.
OpenAI: Investor.
Was er wirklich kann, ist sich verkaufen. Gut, bisschen biased.