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Schweizer Rechenzentrum-Chef will Kapazitäten ins Ausland verlegen

Wegen «Stromfresser KI»: Schweizer Rechenzentrum-Chef will Kapazitäten ins Ausland verlegen

11.02.2024, 07:2812.02.2024, 07:49

Rechenkapazitäten sollen laut dem Chef des Schweizer Hochleistungsrechenzentrums ins Ausland verlegt werden.

Die Schweiz müsse die lokalen Ressourcen auf innovative Pilotprojekte konzentrieren, sagte Thomas Schulthess, Chef des Nationalen Hochleistungsrechenzentrums (CSCS), im Interview mit der «SonntagsZeitung».

«Wir werden in der Schweiz niemals Rechencenter mit einer Leistung von mehreren 100 Megawatt betreiben wie die führenden Techfirmen wie Microsoft oder Google.»
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Der Direktor des Schweizerischen Zentrums für Wissenschaftliches Rechnen CSCS, Thomas Schulthess.Bild: keystone

Für die Auslagerung hiesiger Rechenkapazitäten bietet sich laut Schulthess Nordeuropa an:

«Finnland, Norwegen und Schweden haben fernab der Städte grosse Wasserkraftvorkommen, die bereits installiert sind und früher etwa Minen oder Papierfabriken mit Strom versorgten. Die Schweiz sollte helfen, die Strominfrastruktur im Norden Europas für wissenschaftliches Rechnen besser nutzbar zu machen.»

So sei zusammen mit Finnland bereits ein Konsortium namens «Lumi» (Large Unified Modern Infrastructure) ins Leben gerufen worden, das zehn Länder umfasse, so Schulthess. Unter dessen Führung sei in einer ehemaligen finnischen Papierfabrik ein Rechencenter errichtet worden.

Strombedarf steigt

«Der Standort passt perfekt und er ist kostengünstig. Die Fabrikhalle und die zugehörige Stromproduktions- und Kühlinfrastruktur standen bereits», so der CSCS-Chef.

«Solche Projekte sollte es mehr geben. Doch seit die Schweiz aus den Verhandlungen über das Rahmenabkommen mit der EU ausgestiegen ist, piesackt uns die von der EU kontrollierte Dachorganisation von Lumi, und wir können uns nicht mehr voll einbringen.»

Eine derartige Erweiterung der Schweizer Rechenkapazität sei nötig, weil der Strombedarf steige, so Schulthess:

«Nicht nur KI und Hochleistungsrechner brauchen grosse Mengen an Strom, sondern auch die Mobilität, die zunehmend von Verbrenner- auf Elektromotoren umstellen soll. Das heisst für uns als Gesellschaft: Wir müssen uns überlegen, wie wir die Probleme mit dem steigenden Strombedarf lösen können.»

(sda)

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16 Kommentare
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Ökonometriker
11.02.2024 08:21registriert Januar 2017
Was hier nicht erwähnt wurde: im hohen Norden brauchen die Rechenzentren weniger Strom, weil es kälter ist und weniger gekühlt werden muss. Schon daher macht es Sinn.
Wissenschaftliche Aufgaben sind dabei nicht so heikel, dass die Daten im Land bleiben müssen.

Die Schweiz sollte insb. die Zusammenarbeit mit Norwegen ausbauen, wenn die EU Länder nicht mitmachen wollen.
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