Claude überholt ChatGPT: So wechselst du in wenigen Schritten die KI
Der KI-Assistent Claude hat in den USA und anderen Ländern die Spitze der App-Store-Charts erreicht und dabei ChatGPT hinter sich gelassen.
Auslöser war ein Streit über die Kooperation von OpenAI mit dem US-Verteidigungsministerium, der viele User zur Suche nach Alternativen bewog. Anthropic, das hinter Claude steckt, lehnte nach eigenen Angaben eine vergleichbare Vereinbarung mit dem US-Militär ab.
Was Claude bietet – und wo Unterschiede liegen
Wer einen Wechsel erwägt, sollte zunächst prüfen, welche Funktionen die drei grossen KI-Chatbots in ihren kostenlosen Versionen bieten. Text- und Audiochats sowie die Analyse von Fotos und die Erstellung von Programmiercode stehen bei ChatGPT, Claude und Googles Gemini gleichermassen zur Verfügung.
Es gibt jedoch Unterschiede: Bildgenerierung und Videoanalyse bieten ChatGPT und Gemini an, Claude hingegen nicht. Das grösste sogenannte Kontextfenster – also die Datenmenge, die ein KI-Modell in einem Durchgang verarbeiten kann – hat nach aktuellem Stand Gemini.
Tiefergehende Recherchefunktionen, in der Branche als «Deep Research» bezeichnet, stehen bei Gemini und Claude zur Verfügung, bei ChatGPT hingegen nur in kostenpflichtigen Tarifen. Die KI-Umgebungen von Anthropic und Gemini sollen ausserdem werbefrei bleiben.
Stärken im Vergleich
Wer die auf grossen Sprachmodellen (LLMs) basierenden KI-Chatbots in standardisierten Tests gegenüberstellt, erkennt je nach Aufgabe unterschiedliche Stärken. So gilt Claude in vielen Vergleichen als besonders stark beim Programmieren sowie beim Textverständnis und strukturierten Schreiben, Gemini überzeugt bei mathematischen und logischen Aufgaben, bei der Verarbeitung sehr langer Texte sowie bei aktuellen Wissensfragen.
ChatGPT hingegen schneidet bei kreativen Aufgaben und als vielseitiger Allrounder gut ab. Da die Anbieter ihre Modelle regelmässig aktualisieren, können sich diese Einschätzungen schnell verschieben.
Wie steigt man am besten um?
Der Wechsel per Memory-Import
Eine praktische Hilfe für den Umstieg hat Anthropic mit dem sogenannten Memory-Import geschaffen. KI-Assistenten speichern im Hintergrund Informationen über Vorlieben, Arbeitsweisen und persönliche Angaben – damit Antworten besser auf den jeweiligen User zugeschnitten werden können. Bislang bedeutete ein Anbieterwechsel, dass diese Kontextinformationen verloren gingen und der neue Sprachassistent von Grund auf neu eingestellt werden musste.
Der Memory-Import löst dieses Problem: Umsteigerinnen und Umsteiger können ihr gespeichertes Profil aus einem anderen KI-Dienst exportieren und direkt in Claude einlesen. Die Funktion stand zunächst nur zahlender Kundschaft offen. Inzwischen hat Anthropic sie auch für die kostenlose Variante freigegeben.
So funktioniert der Import
Der Vorgang läuft laut Anthropic in wenigen Schritten ab:
- Claude-Website öffnen und anmelden.
- Unten links auf den eigenen Profilnamen klicken und die «Einstellungen» aufrufen.
- Den Reiter «Fähigkeiten» auswählen.
- Bei der Option «Gedächtnis von anderen KI-Anbietern importieren» auf «Import starten» klicken.
- Den angezeigten Prompt kopieren und beim bisherigen KI-Dienst – etwa ChatGPT – eingeben.
- Die Ausgabe kopieren, in das geöffnete Fenster bei Claude einfügen und auf «Zum Gedächtnis hinzufügen» klicken.
- Nach kurzer Zeit ist der Import abgeschlossen.
Laut Anthropic kann es bis zu 24 Stunden dauern, bis das System den Import vollständig verarbeitet hat. Direkt nach Abschluss erscheint ein Button «Sieh dir an, was Claude über dich gelernt hat», der eine neue Unterhaltung mit einer entsprechenden Abfrage startet.
Wer das importierte Gedächtnis dauerhaft einsehen oder einzelne Einträge anpassen möchte, findet diese Funktion unter «Einstellungen» → «Fähigkeiten» → «Gedächtnis anzeigen und bearbeiten». Wer seine bei Claude gespeicherten Daten zu einem späteren Zeitpunkt wieder mitnehmen möchte, kann diese über dieselbe Einstellungsseite auch exportieren – der Wechsel zu einem anderen Anbieter bleibt damit jederzeit offen.
Oder doch eine europäische Lösung?
Die französische Entwicklerfirma Mistral AI gilt als eine der weltweit führenden Anbieterinnen von KI-Modellen und hat sich als europäischer Hauptkonkurrent zu Giganten wie OpenAI und Google etabliert. Die Leistungsfähigkeit der Mistral-Sprachmodelle variiert je nach Anwendungsfall, wird aber laut Berichten als hervorragend eingestuft, insbesondere wenn es um Effizienz, Programmierfähigkeiten und Datenschutz geht.
Aus europäischer User-Perspektive ist ausserdem bedeutsam, dass Mistral und andere in Europa trainierte KI-Modelle besser mit europäischen Sprachen arbeiten und näher an der hiesigen Kultur liegen als ChatGPT oder DeepSeek aus China.
Quellen
- claude.ai: Einstellungen
- techcrunch.com: ChatGPT uninstalls surged by 295% after DoD deal
- businessinsider.com: Thinking of switching chatbots? Here's which features you'd gain or lose (Paywall)
- Eigene Recherche
(dsc/t-online)

