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Twitter-Alternative: 17 Gründe, warum sich Mastodon auch für dich lohnt

Witzig, aber leider falsch: Das ist kein Mastodon, sondern ein Mammut.
Witzig, aber ist das wirklich ein Mastodon, oder ein Mammut? Sicher ist: Das boomende soziale Netzwerk besteht aus vielen voneinander unabhängigen Servern – einer Föderation.Screenshot: Twitter
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Ich habe Mastodon probiert – und es hat mein Online-Leben verändert

Ein Erfahrungsbericht aus dem europäischen Social-Media-«Untergrund» und ein Ratgeber für Unentschlossene.
27.11.2022, 05:5219.12.2022, 14:30

Was war ich blauäugig, um nicht zu sagen verblendet.

Twitter sei «die menschenfreundlichste Social-Media-Plattform», schrieb ich Ende 2020 und empfahl den watson-Usern, zu twittern statt Facebook und Co. zu nutzen.

#AgedLikedMilk 🙈

Und damit zurück in die Gegenwart.

Die gute Nachricht: Während Elon Musk dabei ist, Twitter in die ultimative Hass- und Polarisierungsmaschine zu verwandeln, gibt es neue Hoffnung. Besser noch: Wir haben eine europäische Alternative zu all den grossen US-Plattformen, die narzisstischen Milliardären gehören.

Im Internet findet gerade ein faszinierendes soziales Experiment statt. Du kannst dabei sein und nebenbei den schlimmsten Datenkraken ein Schnippchen schlagen.

Hier sind 17 Gründe, die für Mastodon sprechen ...

Du bist nicht den Launen superreicher Narzissten ausgeliefert ...

... ob sie Musk, Zuckerberg oder sonst wie heissen.

Bei Mastodon stehen normale Menschen mit ihren Bedürfnissen im Zentrum. Freie Menschen, wohlgemerkt!

Es ist ein soziales Netzwerk, funktioniert aber völlig anders als Facebook, Twitter und Co. Dahinter steckt kein einzelnes privates Unternehmen, das alle Daten in eigenen Rechenzentren zusammenzieht. Mastodon basiert auf einer Vielzahl von unabhängigen Servern (Instanzen), die sich über ein gemeinsames Protokoll («ActivityPub») austauschen.

Eugen Rochko, Mastodon-Gründer.
Er hat Mastodon 2016 lanciert.Bild: Mastodon

Die Software dazu stammt von einem idealistischen und bescheiden wirkenden Nerd aus Deutschland (mit russischen Wurzeln). Mit Gleichgesinnten hat sich Eugen Rochko in einer gemeinnützigen Gesellschaft (gGmbH) zusammengetan. Gemeinsam entwickeln sie das Open-Source-Projekt weiter und verbessern es mit der tatkräftigen Unterstützung einer stetig wachsenden (und weltweiten) Community.

Dieses Rüsseltier ist für viele Neuland

Niemand muss Angst vor einem Ueli-Maurer-Moment haben. Denn die Mastodon-Community ist trotz des seit Wochen anhaltenden Ansturms (auch Twexit genannt) hilfsbereit.

Bild
meme: mastodon

Gut zu wissen: Namensgeber ist das Urzeit-Rüsseltier und nicht – wie auch zu hören – die amerikanische Metal-Band. Falls du dich für die Grössenunterschiede zwischen Mammut und Mastodon interessierst, wirst du bei BCC fündig.

Wer sich mit #neuhier vorstellt und nett um Rat fragt, kann wohlwollendes Feedback und Hilfe erwarten.

Mastodon – die Twitter-Alternative.
Bei Mastodon wird ein Posting – in Anlehnung an das namensgebende Rüsseltier «Tröt» (Toot) genannt. Screenshot: Mastodon

Mastodon funktioniert NICHT wie Twitter!

Es gibt grosse Parallelen, und doch ist Mastodon grundlegend anders. Statt einer zentralisierten Plattform, kontrolliert von einem gewinnorientierten Konzern, gibt es ein dezentrales Netzwerk von Community-Servern. Diese werden von Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen betrieben.

Und vor allem: Es gibt keinen Empfehlungs-Algorithmus!

«Das Fehlen eines Algorithmus ist das Wichtigste, was verhindert, dass es zu einem toxischen Höllenloch wird. Wutausbrüche werden nicht belohnt und durchdachte Beiträge werden nicht ausgeblendet.»
🇳𝗮ꜟ𝖼𝘩quelle: mastodon

Der Ehrlichkeit halber ist an dieser Stelle anzufügen, dass im Umkehrschluss selbst den besten Postings droht, dass sie nach der Veröffentlichung (dem Tröten/Tooting) unbemerkt in der Versenkung (der Timeline) verschwinden.

Es sei denn, man verwendet die richtigen Hashtags – denn diese werden über die stark eingeschränkte Suchfunktion angezeigt – und/oder man erwähnt in einem eigenen Posting (Toot) andere Mastodon-User, die es dann mit einem «Reboost» weiterverbreiten können.

Hier sind verschiedene Social-Media-Bedürfnisse zu unterscheiden: Es gibt Leute, die suchen eine möglichst grosse Reichweite (so wie man es von Twitter kennt), aber es gibt auch viele Nutzerinnen und Nutzer, denen es in einer Nische wohl ist, wo sie sich ungestört mit Anderen austauschen können.

Keine Werbeanzeigen

Werbeanzeigen existieren hier nicht. Zudem dürfen auch die persönlichen Daten nicht verkauft werden.

Natürlich sollte sich deswegen niemand in falscher Sicherheit wiegen. Innerhalb der Föderation (das sind alle miteinander verbundenen Server, bzw. Dienste, wäre es durchaus möglich, dass ein «Bad Actor» heimlich Daten erfasst.

Man sollte sich jederzeit bewusst sein, dass man sich in einem quasi-öffentlichen virtuellen Raum bewegt.

Keine Tracker!

Web-Tracker sind in Webseiten integrierte Miniprogramme, die diverse Informationen über das Verhalten der User sammeln, damit es anonym ausgewertet werden kann.

Mastodon ist frei von Trackern.

Das bedeutet, du bist bei Mastodon im Gegensatz zu Facebook, Twitter und Co. nicht das Produkt.

Und der finanzielle Haken?

Der betrifft in erster Linie die Server-Betreiber. Sie werden ein Opfer des Erfolges, den Mastodon hat. Wenn ein Server (eine «Instanz») sehr viel User-Zulauf erhält, wachsen auch die Infrastrukturkosten. Mehr User bedeutet mehr Netzwerkbelastung und dies erfordert auch mehr Server-Speicherplatz. Und damit sind wir bei der Finanzierungsfrage.

Bis anhin werden die Kosten in der Regel durch Crowdfunding und Spenden getragen, es gibt aber auch bereits kommerzielle Anbieter: Man bezahlt ein paar Franken pro Monat an eine Instanz und die entsprechenden Server-Betreiber gewährleisten dafür einen reibungslosen Betrieb und stellen die wichtige Moderation (illegale Inhalte löschen, Sperren bei Regelverstössen etc.), sicher. Denn auch da steigt der personelle und zeitliche Aufwand mit immer mehr Usern massiv an.

Dies erklärt, warum einige Server-Betreiber ihre Mastodon-Instanzen lieber überschaubar halten. Ab einer gewissen User-Zahl schliessen sie die Regierungsmöglichkeit. Dann gehen die neuen Interessenten zu einer anderen Instanz.

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Die wichtigsten Begriffe zu Mastodon und dem Fediverse
quelle: keystone / gregory bull
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Du hast 500 Zeichen (oder mehr) pro Post

Die Standard-Länge eines Postings (Toot/Tröt) beträgt 500 Zeichen (also deutlich mehr als bei Twitter, wo eine Nachricht bis zu 280 Zeichen umfassen darf). Auch dadurch wird bei Mastodon eine angenehme Gesprächskultur gefördert, da besser auf die anderen Nutzerinnen und Nutzer eingegangen und Missverständnissen vorgebeugt werden kann.

«Dunks», nein danke!

Mastodon hat keine Zitier-Funktion. Im Gegensatz zu Twitter, wo man mit einem «Quote Tweet» (QT) auf die Schnelle jemanden angreifen und blossstellen kann. Solche «Dunks» sind in der Mastodon-Community verpönt und man überlässt das aggressive Gebaren gerne der «Vogel-Seite».

Es ist Drama pur (auf eine positive Weise 😉)

«Gibt es schon tragische Liebesgeschichten, bei denen ein Paar auseinandergerissen wurde, weil der Server der einen den Server des anderen deföderiert hat?

Oder Geschichten von jungen Liebenden, deren Familien verfeindete Server betreiben, und die sich nur heimlich mit ihren Zweitaccounts treffen können?

So wie @romeo@mastodon.montague.it und @julia@capulet.social, die sich nur als @romeo@verona.crypto und @julia@mstdn.tor treffen können, und die dann auffliegen, weil der Server verona.crypto gehackt wird?»
Anatol Stefanowitsch, Sprachwissenschaftlerquelle: mastodon

Mit «deföderiert» ist gemeint, dass die Verbindung zu einem anderen Mastodon-Server gekappt wird. Das kommt relativ selten vor, etwa dann, wenn von dieser «Instanz» eine nicht tolerierbare Menge an Hass-Postings ausgeht.

Null-Troll-Toleranz

Die Arschloch-Dichte ist bei Mastodon erfreulich, ja fast schon unheimlich tief.

Wer sich nicht an die relativ strengen Community-Regeln hält, kann gemeldet werden, wird daraufhin verwarnt und bei wiederholten oder schweren Verstössen verbannt.

«Es gibt keinen Konsens, es gibt keine einheitliche Vorstellung davon, was zu moderieren ist und was nicht. Einige Leute werden andere Erwartungen haben, was sie sehen wollen oder wie streng sie sein wollen, wer mit wem spricht. Das Fediverse bietet verschiedene Orte, an denen Sie soziale Medien so erleben können, wie Sie es möchten. Sie können einen supersicheren Raum mit sehr strenger Moderation haben; niemand hat von Ihnen verlangt, bei irgendetwas Kompromisse einzugehen.»
Eugen Rochko, Mastodon-Chefentwicklerquelle: wired

Zwar existieren auch sogenannte «Free-Speech»-Server, auf denen sich Neonazis und Faschismus-Befürworter herumtreiben. Diese werden aber von allen föderierten Instanzen (bzw. den Server-Betreibern) konsequent blockiert.

Es ist das, was DU daraus machst

Im Gegensatz zu Instagram, Twitter und Co. wird dir bei Mastodon nichts vorgekaut (wie wir oben gesehen haben).

Wenn du jemandem folgst, werden dessen Tröts (Toots) in chronologischer Reihenfolge in deinen Newsstream gespült, das Neuste zuoberst. Wenn du sehr vielen Leuten folgst, empfiehlt es sich (persönliche) Listen anzulegen.

Damit es möglichst viel Spannendes und Anregendes zu lesen, sehen oder zu hören gibt, ist Eigeninitiative gefragt. Das fängt bei der Wahl der zu den eigenen Interessen und Vorlieben passenden Instanz (Server) an und geht beim Suchen nach den passenden Online-Kontakten weiter.

Mag kompliziert klingen, ist aber relativ einfach. Ich verlinke dazu in den Quellen auf eine verständliche Anleitung.

Meine (derzeit) bevorzugte Mastodon-App heisst «Toot!» Auf dem iPad lassen sich damit selber angelegte Themen-Listen fürs schnelle Aufrufen anzeigen.
Meine (derzeit) bevorzugte Mastodon-App heisst «Toot!» Auf dem iPad lassen sich damit selber angelegte Themen-Listen fürs schnelle Aufrufen anzeigen.screenshot: watson

PS: Für die meisten Mastodon-Einsteigerinnen und -Einsteiger sollte es nicht das Ziel sein, möglichst schnell möglichst vielen anderen Usern zu folgen. Qualität vor Quantität!

Mastodon ist eine gute Sache in einer schlechten Phase (der Menschheit)

Lars Weisbrod, Autor und Journalist, formuliert eine Hoffnung, die angesichts der von Musk verschuldeten Twitter-Apokalypse viele Menschen bei Mastodon umtreibt:

«Dass so viele Menschen (halb koordiniert, halb organisch) von Twitter zu Mastodon wechseln, das ist für mich persönlich der erste echte politische Hoffnungsschimmer seit vielen Jahren. Endlich habe ich wieder das Gefühl: Wir sind nicht immer nur in der Defensive, wir können tatsächlich gemeinsam etwas Neues aufbauen, das besser und gerechter ist als das Alte.»
quelle: mastodon

Freie Software 😍

Mastodon basiert auf einem Protokoll namens ActivityPub, das allen Interessierten ermöglicht, die Open-Source-Software zu verwenden oder selber einen Server zu betreiben.

Das ist ein vom World Wide Web Consortium (W3C) verwaltetes Protokoll. Es bildet das technische Rückgrat für alle Online-Dienste, die zum Fediverse gehören.

Keine Angst! Als Nutzerin/Nutzer bekommst du davon nichts mit, sondern kannst dich einfach darauf verlassen, dass die kompatiblen Dienste funktionieren. Und genau hier «passiert die Magie», wie eine Bloggerin treffend schrieb.

Ganz wichtig! Maston ist «Work in Progress», die Server-Software, wie auch die dazu passenden Apps (es gibt bereits eine schöne Auswahl), funktionieren gut, sind aber alles andere als perfekt. Positiver Effekt des Twitter-Niedergangs: Es wandern immer mehr Cybersecurity-Expertinnen und -Experten zu Mastodon aus und widmen sich in der Folge vermehrt den dortigen Schwachstellen und Sicherheitslücken.

Rückmeldungen lassen darauf schliessen, dass es noch viel zu tun gibt. Und auch das Thema Datenschutz und die damit verbundenen gesetzlichen Vorschriften rücken immer mehr ins Zentrum. Ab einer gewissen User-Zahl gelten für Server-Betreiber in Europa strengere Regeln. Insbesondere die Frage der Moderation wird noch viel zu reden geben.

Sprachenvielfalt

«Das Mastodon-Webinterface gibt es in mehr als 90 Sprachen und weltweit mehr als 1000 Menschen tragen zu den Übersetzungen dieser Sprachen bei.»
Sebastian Pertschquelle: mastodon

Eine der vielen Stärken von Mastodon ist die Vielsprachigkeit. Niemand muss sich aber mit unerwünschten, respektive unverständlichen Postings herumschlagen, In den Einstellungen kann man alles individuell anpassen – eine weitere Stärke.

Mastodon ist im Prinzip unverkäuflich

Der Erfinder und Hauptentwickler, der deutsche Programmierer Eugen Rochko (Jahrgang 1993), brachte es gegenüber «Wired» auf den Punkt:

«Der Code ist kostenlose Open-Source-Software, und niemand kann die Lizenz ändern oder rückwirkend zurücknehmen, und alle verschiedenen Server gehören anderen Personen.»

Sollte ein Tech-Milliardär oder jemand anders die Mastodon gGmbH und die von Rochko und Kollegen betriebenen Server (mastodon.social und mastodon.online) kaufen, würde das Fediverse nicht beeinträchtigt. Das gilt auch für alle anderen Server.

Wichtiger Tipp: Während es bei der Wahl eines E-Mail-Dienstes aus Sicherheitsgründen sinnvoll sein kann, sich für einen grossen Provider zu entscheiden, darf es bei Mastodon durchaus auch ein kleinerer Server-Betreiber sein. Und es gibt die Möglichkeit, problemlos zu einer anderen Instanz zu wechseln.

Wenig Viralität, viele Booster

Boostern ist die Bezeichnung für die wichtigste Mastodon-Funktion, die es den Usern ermöglicht, einen Toot weiterzuverbreiten. Bei Twitter heisst das Retweeten.

Zur Erinnerung: Da Mastodon nicht auf einem Empfehlungs-Algorithmus basiert, bräuchte es schon ziemlich viele Boosts, damit sich ein Beitrag «viral» verbreitet. Der Tech-Journalist Clive Thompson attestierte dem dezentralen sozialen Netzwerk sogar ein «antivirales Design». Es sei speziell entwickelt worden, um eine gewisse «Reibung» zu erzeugen – «um die Dinge ein wenig zu verlangsamen».

So gibt es auch keine mit Facebook und Co. vergleichbare Like-Funktion. Zwar kann man Toots mit einem Stern-Symbol «favorisieren». Doch bekommt dies nur die Person zu Gesicht, die den Beitrag ursprünglich verfasst hat.

Wissenschaft statt Desinformation

«Warum gibt es keine Impfgegner auf Mastodon? –
Sie haben Angst vorm Booster.»

Es finden sich immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei Mastodon ein. Sie teilen bereitwillig ihre professionellen Einschätzungen und spannende Forschungsergebnisse, wie man es auch schon von Twitter kennt.

Bei Github findest du Links zu mehr als 40 kuratierten Listen mit Akademikerinnen und Akademikern, die auf Mastodon sind, geordnet nach Themenbereichen.

Was ist mit Prominenten? Ja, auch die gibt es in wachsender Zahl. Allerdings greifen einige Leute mit grosser Twitter-Followerzahl zum (bei treuen Mastodon-Usern verpönten) Mittel des «Crossposting». Das heisst, sie übertragen ihre Tweets automatisiert in die freie Social-Media-Welt.

So, ich muss langsam zu einem Ende kommen, dabei gäbe es noch so viele positive Punkte, wie etwa die eingebaute Notbremse, die verhindern kann, dass einzelne Server völlig überlasten und aus dem Ruder laufen. Nun denn, das spannendste Argument habe ich für den Schluss gespart ...

Du kannst Teil einer Revolution werden

Mastodon gibt es seit 2016. Doch nun erlebt das freie soziale Netzwerk einen unglaublichen Zustrom an neuen Nutzerinnen und Nutzern. Mittlerweile sind es über 7,5 Millionen. Fachleute fragen sich bereits, ob damit die kritische Masse überschritten und der Siegeszug nicht mehr zu stoppen ist.

Eine Userin* bringt es auf den Punkt:

«Dies ist der Moment, in dem sich alles ändern kann. Information und Kommunikation können die Welt verändern, so glaubten wir in den 90er-Jahren. Aber dann übernahmen die Tech-Bros die Macht, und dann die Kapitalmärkte, und wir haben danach nie mehr versucht, mit vereinten Kräften zurückzuschlagen, um etwas zu verändern.»
* Dummerweise habe ich die Quellenangabe «verrüsselt». Falls jemand den/die Verfasser/in kennt, bitte melden.

Und weil man bei Mastodon täglich mit vielen klugen Köpfen und nachdenkenden Menschen zu tun hat, kann ich gleich noch ein mutmachendes Zitat anfügen:

«Vielleicht sind wir ja gerade wirklich Zeuge von etwas Historischem: nämlich dem breiten Abwandern des demokratischen Teils der Gesellschaft von einer toxischen weltweiten #Plattform für #PublicAffairs hin in die freie, dezentrale Kommunikationswelt des #Fediverse. Dabei findet auch eine #Transformation in den Köpfen statt, die Hoffnung macht auf eine digitale #Zivilgesellschaft jenseits von #Algorithmen für #Pushing und #Viralisierung.»
Don Aristarcoquelle: mastodon

Falls du dich wegen der vielen Hashtags (oben) wunderst: Die werden von gewieften Usern verwendet, um Resonanz zu erzielen. Und sie rufen Erinnerung ans gute alte WWW wach.

Animiertes GIFGIF abspielen
Zuschauen oder dabei sein: Du hast die Wahl.

Das persönliche Fazit des watson-Redaktors

Mastodon ist eine unbedenkliche Einstiegsdroge mit vielen erwünschten Nebenwirkungen

«Muss» man da mitmachen? Keineswegs.

Die meisten von uns hängen sowieso schon viel zu viel vor kleinen oder grösseren Bildschirmen fest.

Politikerinnen und Politiker sind neben Journalistinnen und Journalisten wahrscheinlich diejenigen gesellschaftlichen Akteure, die am stärksten an Twitter hängen – wie auch die watson-User täglich mitbekommen. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Medienöffentlichkeit verschiebt. Weg von Musks Polarisierungsmaschine – hin zu Europas Alternative.

Für die private und sichere digitale Kommunikation ist Mastodon aber nicht zu empfehlen. Direktnachrichten werden unverschlüsselt übertragen, also lieber einen Messenger mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verwenden!

Und man muss wirklich kein Nerd sein, um hier heimisch zu werden und im Fediverse Spass zu haben.

Fedi was?! Mastodon ist auch deine (kostenlose) Eintrittskarte ins Fediverse. Das ist die Abkürzung für Federated Universe und meint alle freien, dezentral organisierten Dienste, die über das ActivityPub-Protokoll kommunizieren.

Überblicks-Grafik zum Fediverse.
grafik: Fediverse

Ein Beispiel: PeerTube, eine ähnliche Website wie YouTube, implementiert ebenfalls ActivityPub und dadurch können Mastodon-User auch PeerTube-Usern folgen und sehen in der Folge auch deren Postings im eigenen Newsfeed.

PS: Die bekannte Blogging-Plattform Tumblr hat im November 2022 angekündigt, ActivityPub zu implementieren. Tumblr hat rund 470 Millionen User. Nimm das, Elon!

PS2: Der oberste Datenschutz-Beauftragte der Schweiz (EDÖB) erklärt gegenüber watson, es gebe für ihn «gegenwärtig keinen Anlass, von seiner ohnehin zurückhaltenden Präsenz auf Twitter abzusehen».

Wird der EDÖB einen Mastodon-Account einrichten, oder gar eine Instanz betreiben? Kurze Antwort: Nein. «Selbstverständlich» verfolge er aber «alle relevanten Entwicklungen».

Die offizielle Schweiz hat leider auch bezüglich Mastodon und Fediverse einen grossen Rückstand – da geht noch was!

PS3: Falls du nicht weisst, wie die musikalischen Namensvetter des dezentralen sozialen Netzwerks (eine US-Metalband aus Atlanta) klingen, füge ich eine Kostprobe an:

Mastodon – «More Than I Could Chew»*

*Warum bloss muss ich an Elon denken?Video: YouTube/Mastodon

Oder doch lieber «Hive» ausprobieren?

Ein Meme, das auch bei Mastodon kursiert.
Ein Meme, das auch bei Mastodon kursiert.meme: mastodon

Nachdem du die Vorzüge eines dezentralen freien Online-Netzwerks im Vergleich zu proprietären Plattformen kennst, gibt es darauf nur eine richtige Antwort.

Ein Mastodon-User bringt es auf den Punkt:

«Tatsächlich hat nicht nur Mastodon, sondern auch die Social-Media-Plattform Hive vom Ausbluten der Vogelseite profitiert. Auch dort gibt es deutliche Wachstumsraten. Der Unterschied ist: Es ist wieder eine Plattform, die irgendeinem Start-up gehört, das sie irgendwann an irgendeinen reichen Schnösel verkauft, der dann sonstwas damit anstellt. #Plattformkapitalismus. Für eine Generation Handy-Daddler, die nur das kennt.»
Don Aristarcoquelle: mastodon

Und jetzt du!

Bild
meme: twitter

Bei welcher Mastodon-Instanz hast du dich registriert, was ist deine bevorzugte Mastodon-App und welche Erfahrungen hast du sonst noch gemacht? Oder was hält dich davon ab, die freie Social-Media-Alternative auszuprobieren?

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Warum heisst es, die Mastodon-Timeline durchscrollen und nicht ‹alles wegrüsseln›?
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176 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Beat 69,3
27.11.2022 07:53registriert Februar 2015
"was hält dich davon ab, die freie Social-Media auszuprobieren?"

Ich war bis vor 12 J. auf Facebook. Dieses Experiment dauerte 2 Jahre. Ich persönlich hatte nie einen Mehrwert erfahren.
Twitter war mir von Anfang an zu blöde.
Auf Watson konnte ich ja die dümmsten Tweets von geistig Minderbemittelten auch irgendwann nachlesen.
Ich habe Freunde, Arbeitskollegen u.Bekannte. Was ich zusagen habe geht mit E-Mail, Signal Chats und Watson Kommentarspalte. Vielleicht bin ich einfach zu alt. Meine Lebens/Geschichtserfahrung zeigt deutlich, eine gewisse Zurückhaltung und Anonymität ist nie schlecht.
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Enemy№1
27.11.2022 09:28registriert April 2016
Wie damals bei WhatsApp und Signal/Threema. Alle haben geheult, gestänkert und die Welt verflucht.... Geblieben sind sie jedoch fast alle.
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Paul Badman
27.11.2022 11:36registriert November 2015
Wieso gehen wir nicht einfach in die Kneipe und reden belangloses Zeug, streiten uns, zahlen die Runde und vertragen uns dann wieder? War doch ganz einfach.
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