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Das ist Marianne und sie gerät immer tiefer in eine verstörende Videospielwelt.
Das ist Marianne und sie gerät immer tiefer in eine verstörende Videospielwelt.bild: zvg
Review

Warum du das Videospiel «The Medium» auf keinen Fall verpassen solltest

Das Psychospiel «The Medium» tummelt sich zwar schon länger auf dem Markt, wurde aber erst jetzt auf dem persönlichen Pile of Shame entdeckt und bietet eine der wahrlich krudesten Storys der Videospielgeschichte. Und keine Angst: Wir spoilern nicht!
24.10.2021, 17:1125.10.2021, 12:16

Der Abspann läuft und das Nachdenken beginnt. Was habe ich da gerade gespielt? Habe ich das alles auch richtig verstanden? Muss ich es etwa nochmals spielen, um vollkommene Klarheit zu erlangen? Fragen über Fragen. Doch eines ist sicher: «The Medium» ist verdammt intelligent geschrieben, äusserst verschachtelt und hat eine faszinierende Spielmechanik, auch wenn sie öfters an den Nerven rüttelt.

Das polnische Entwicklerteam Bloober Team, das schon mit «Blair Witch» horrormässig sehr gut abgeliefert hat, hat mit «The Medium» ein Spiel erschaffen, das unsere höchste Aufmerksamkeit verlangt und uns vor allem zwischen den Zeilen oder eher zwischen den Welten sehr viel herauslesen lässt. Wir befinden uns in Polen, irgendwann in den 90er-Jahren und dirigieren Marianne durch eine düstere Wohnung. Die Stimmung ist bedrückend. Kein Wunder, denn ihr Adoptivvater ist vor kurzem gestorben und es wartet die letzte Ehrung.

Horror in der Freizeitanlage

Marianne ist ein Medium und kann sich parallel im Diesseits und im Jenseits, oder wie wir diesen Ort auch immer genau benennen möchten, bewegen. Ihre Fähigkeit ist einzigartig. Oder etwa doch nicht? Denn ein mysteriöser Telefonanruf unterbricht nicht nur ihre Trauerzeit, sondern verkündet auch, dass es am anderen Ende der Leitung wohl ebenfalls einen Menschen gibt, der über diese übersinnlichen Fähigkeiten verfügt. Die Trauernde ist natürlich neugierig und macht sich auf, die Quelle ausfindig zu machen. In einer ehemaligen, ziemlich heruntergekommenen Freizeitanlage kommt sie dem Geheimnis sprich dem mysteriösen Anruf Schritt für Schritt auf die Spur und muss sich ebenfalls mit ihrer verkorksten Vergangenheit auseinandersetzen.

Nach einem geheimen Telefonanruf macht sich Marianne auf die Spurensuche und wird mit ihrer Vergangenheit konfrontiert.
Nach einem geheimen Telefonanruf macht sich Marianne auf die Spurensuche und wird mit ihrer Vergangenheit konfrontiert.bild: zvg

Je länger gespielt wird, je länger diese Anlage und angrenzende Ortschaften untersucht werden, desto verwirrender und mysteriöser wird die ganze Reise. Marianne trifft auf Menschen, die sie zu kennen scheinen und mehr über sie wissen als sie selber. Mit ihren Fähigkeiten schaltet sie Erinnerungsfetzen frei und nimmt am Leid von ehemaligen Gästen teil. Denn in dieser Anlage wurde nicht nur einfach die Freizeit zelebriert, nein, hinter der Kulisse fanden schlimme Dinge statt und unsere Protagonistin scheint auch noch in das ganze Drama irgendwie verwickelt zu sein.

Es geht um Experimente, Kriegsopfer, Beziehungsprobleme, entzweite Familien und Kindesmissbrauch. In dieser Freizeitanlage mussten viele Menschen jahrelang leiden, so dass es einem oft den Magen zuzieht. Während vieles nur angedeutet wird, kann mittels Dokumenten und einzelnen Gegenständen, die ebenfalls Erinnerungsfetzen besitzen, tiefer in die schrecklichen Ereignisse eingetaucht werden. Die Schicksale gehen einem nahe und man wünscht einzelnen Figuren nur das Schlimmste. Immer tiefer und tiefer gerät Marianne in einen Strudel aus menschlichen Abgründen und Verzweiflungstaten. Schrecklich, aber auch spannend weil die Spielmechanik einen guten Kniff besitzt, der zusätzliche Faszination aussät.

Zweigeteilte Spielwelt

Wie schon erwähnt kann Marianne parallel in der Realität und in einer Art Geisterwelt umherwandern, die an die Kunstwerke von Zdzislaw Beksinski oder H.R. Giger erinnern. In bestimmten Spielsituationen wird dabei der Bildschirm geteilt und die Figur wird gleichzeitig und synchron in beiden Welten gesteuert. Damit werden dann Rätsel gelöst, um im Spiel weiter voran zu kommen. Das kann eine simple Gegenstandssuche oder auch ein ziemlich komplexes Rätsel sein, wo intensiv um die Ecke gedacht werden muss.

Das alles ist zu Beginn etwas gar verwirrend, aber das parallele Denken geht erstaunlich schnell ins Blut über. Gekämpft wird übrigens eigentlich gar nicht. Es gibt Situationen, wo vor einer Gefahr weggerannt werden muss, um nicht das Zeitliche zu segnen. Aktiver Horror ist also nicht wirklich vorhanden, doch die unterschwellige Gefahr ist dafür omnipräsent und reicht völlig aus, um regelmässig den Puls nach oben zu hauen. Auch wenn sich Marianne in der anderen Welt gegen fliegende Viecher mit einem Lichtschutzschild verteidigen kann, ist die Verletzlichkeit der Heldin omnipräsent.

In bestimmten Momenten wird der Bildschirm geteilt und das Spiel läuft synchron in zwei Welten.
In bestimmten Momenten wird der Bildschirm geteilt und das Spiel läuft synchron in zwei Welten.bild: zvg

Panik für die Ohren

Die schon genügend gruselige und düstere Stimmung wird noch zusätzlich mit einem Soundtrack gesegnet, der euch noch mehr hineinzieht. Arkadiusz Reikowski und Akira Yamaoka, der bei den «Silent Hill»-Fans bereits den Status eines Musik-Gottes innehat, haben ganze Arbeit geleistet. Von unheimlich bis bizarr, von beschwingt bis zu innigem Paniksound, was aus den Boxen oder noch besser aus den Kopfhörern kommt, sorgt für Gänsehaut. Der Klangteppich sorgt für einen permanenten Druck, so dass man sehr froh ist, wenn die Musik vielleicht mal innehält und eine etwas wohligere Gangart präsentiert wird.

Die Geisterwelt überzeugt mit einem abgefahrenen Artdesign.
Die Geisterwelt überzeugt mit einem abgefahrenen Artdesign.bild: zvg

Jetzt erst mal nachdenken

Zugegeben, in manchen Situationen möchte man den Controller wegen der fummeligen Steuerung und der festen Kameraperspektive an die Wand werfen und diverse Sackgasse-Momente bringen einem an den Rand der Verzweiflung, aber die erzählte Geschichte, die immer wie tiefer gräbt und komplexer wird, zieht rein und lässt einem nicht mehr los. Nach den etwa acht Stunden Spielzeit fühlt man sich komplett leer und versucht alles Gesehene und Erlebte einzuordnen. Fies ist auch der Schlussakt, der euch ... aber nein, das müsst ihr schon selber erleben.

Eine unvergessliche Geschichte

Fazit: Ja, «The Medium» regt zum Nachdenken an. Während des Spiels gerät man immer tiefer in einen Sumpf aus Sünde, Verzweiflung und Seelenhorror, der niemanden kalt lässt, sofern man nicht nur von Schauplatz zu Schauplatz rennt, sondern sich auch mit der Geschichte intensiv beschäftigt und sich auch zwischen den Zeilen oder eben zwischen den Welten genauer umsieht und die Hintergründe der Figuren erkundet. Klar, spielmechanisch gibt es durchaus ein paar frustige Momente und das Genre wird hier trotz der regelmässigen Bildschirmteilung nicht komplett neu erfunden. Aber diese krude, verschachtelte Geschichte mit zahlreichen WTF-Momenten sollte man einfach erlebt haben.

«The Medium» ist erhältlich für Playstation 5, Xbox Series X/S und PC. Freigegeben ab 18 Jahren.

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