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Beim Fahren mit Autopilot wird der maximal mögliche Kurvenradius eingeschränkt. Dies ist nur eine der Änderungen, die per Software-Update kommen.
Beim Fahren mit Autopilot wird der maximal mögliche Kurvenradius eingeschränkt. Dies ist nur eine der Änderungen, die per Software-Update kommen.bild: tesla.ch

Tesla schränkt Autopilot massiv ein – Besitzer laufen Sturm

Gewisse Fahrassistenz-Funktionen werden per Software-Update in Europa eingeschränkt. Das wollen manche User nicht hinnehmen.
19.12.2019, 14:2820.12.2019, 11:56

Was ist passiert?

Tesla schränkt per Software-Update die Autopilot-Funktion seiner Elektroautos ein. Betroffen sind nur gewisse Fahrzeug-Modelle und die technischen Einschränkungen erfolgen nur in Europa und nicht in Nordamerika.

Laut Tesla-Schweiz beziehen sich die Autopilot-Restriktionen nur auf alte Model S und Model X mit «Autopilot 1»-Hardware, «keinesfalls auf die FSD-Funktion».

Warum tut das Tesla?

Das US-Unternehmen tut dies nicht freiwillig.

Die Änderungen seien notwendig, «um den europäischen Vorschriften nachzukommen», heisst es in einer E-Mail, mit der betroffene Tesla-Besitzer in Europa über die Autopilot-Einschränkungen informiert werden. Tesla schreibt:

«Wir sind ernüchtert über die Anforderungen, die die Regulierungsbehörden festgelegt haben, wodurch die Wirksamkeit dieser Merkmale eingeschränkt wird, und werden uns weiterhin für die Wiederherstellung der vollen Funktionalität einsetzen.»
quelle: tff-forum.de

Wie wird der Autopilot eingeschränkt?

Laut Berichten gibt es mehrere Änderungen:

  • Lenkradbewegung: Wer beim Autopilot-Fahren die Hände vom Lenkrad nehme, werde neu alle 15 Sekunden vom System aufgefordert, das Steuer festzuhalten.
  • Automatische Spurwechsel seien jetzt nur noch auf geteilten Strassen mit mindestens zwei Fahrspuren pro Richtung möglich – also auf Autobahnen. Offiziell zulässig seien solche Spurwechsel bislang in anderen Situationen aber auch nicht gewesen, hält teslamag.de fest.
  • Erzwungene Verzögerungen: Lästiger aus Sicht der Tesla-Besitzer könnte laut Bericht sein, «dass Teslas mit Autopilot jetzt mindestens 1,5 Sekunden warten sollen, bevor sie nach dem Antippen des Blinkers einen Spurwechsel einleiten». Ausserdem werde neu bis zu fünf Sekunden gewartet, bevor das Auto einen solchen Wechsel abbreche.
  • Begrenzung Kurvenradius: Der maximal mögliche Lenkwinkel unter Autopilot-Steuerung werde verringert, was bedeute, «dass Kurven langsamer durchfahren werden können oder der Fahrer das Steuer übernehmen muss».
  • Parkplatz-Funktion: Neu eingeschränkt werde die Funktion «Summon», mit der US-Besitzer ihre Teslas auf Entfernungen von bis zu 60 Metern selbstständig fahren lassen können: «Europäer dürfen für die Summon-Nutzung nur maximal 6 Meter vom Fahrzeug entfernt sein.»

Wie reagieren die Kunden?

Die von Tesla angekündigten technischen Einschränkungen haben Wut und Unverständnis ausgelöst. Auf der Online-Plattform Avaaz läuft eine «Unterschriftensammlung», um gegen die Änderungen zu protestieren. Dort heisst es:

«Wir sind besorgt über die Zukunft der Mobilität und des autonomen Fahrens. Autonomie ist ein wesentliches Element, um einen sichereren Verkehr, weniger Todesfälle und mehr Komfort zu ermöglichen. Wir befürchten, dass aktuelle und zukünftige Regulierungen (...) diese Entwicklungen lähmen und den Zugang für Europäer einschränken werden, die von diesen Technologien profitieren könnten.»
screenshot: avaaz.org

An die zuständige europäische Behörde (UNECE) gerichtet, fordern die Initianten der Online-Petition:

«Wir erwarten, dass der Gesetzgeber diese neuen Technologien annimmt, statt zu regulieren, und die richtigen Rahmenbedingungen für diese neuen Entwicklungen schafft. Europa sollte mit gutem Beispiel vorangehen, wenn es darum geht, Automobil-Innovationen zu entwickeln und sie nicht zu unterdrücken.»

Korrektur: In einer früheren Artikel-Version wurde fälschlicherweise der Eindruck erweckt, die Online-Petition richte sich gegen Tesla. Sie richtet sich aber gegen die UNECE.

Welche Tesla-Modelle sind betroffen?

Betroffene Besitzer würden direkt informiert, heisst es.

Die Autopilot-Änderungen betreffen laut Berichten «einzelne Model S und Model X».

Das Model 3 sei nicht betroffen. Wohl weil die entsprechenden Einschränkungen bereits ab Werk aktiv sind?

Können Tesla-Besitzer die Änderungen verhindern?

Auf den ersten Blick schon.

Die Autopilot-Einschränkungen werden per Software-Update vorgenommen. Diese Aktualisierung muss laut Schilderungen in Tesla-Foren nicht zwingend durchgeführt werden. Wobei es dann auch auf andere Änderungen zu verzichten gilt. Im schlimmsten Fall auf wichtige Verbesserungen.

Was hältst du von den Autopilot-Einschränkungen?

Wie gehts weiter mit der Autopilot-Funktion?

Noch dieses Jahr werde Tesla ein komplett selbstfahrendes Auto auf die Strasse bringen, hatte Tesla-Chef Elon Musk im April 2019 versprochen. Und 2020 werde das Unternehmen eine Flotte an autonomen Roboter-Taxis in Betrieb nehmen. Tesla-Besitzer sollen ihr Fahrzeug über eine App im Ride-Sharing-Netzwerk zur Verfügung stellen können, wenn sie es entbehren können, bzw. nicht brauchen.

Wir werden bald erfahren, ob diese Ankündigungen Realität werden – zumindest auf Amerikas Strassen.

So fährt es sich derzeit mit Teslas Autopilot v10 auf amerikanischen Überlandstrassen:

Der Autopilot vor drei Monaten im US-Stossverkehr (Version v9, 2019.32)

Quellen:

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Selbstfahrende Autos – das musst du wissen

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quelle: ap/waymo / julia wang
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