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SETI-Wissenschaftler an Bord eines Nasa-Flugzeugs.
SETI-Wissenschaftler an Bord eines Nasa-Flugzeugs.
Bild: AP

SETI@Home – darum wird die Suche nach Ausserirdischen eingestellt

Die Nerds hinter dem Nerd-Projekt haben mehr als genug Material. Und das Volunteer Computing geht weiter, auch im Kampf gegen Coronaviren.
20.03.2020, 08:10

Am 31. März 2020 endet das wissenschaftliche Forschungsprojekt SETI@Home, an dem sich Millionen Internet-User während mehr als 20 Jahren beteiligt haben.

Seinen Ursprung hatte das für viele Nerds prägende Projekte in den 90ern, als das World Wide Web in den Kinderschuhen steckte und im Fernsehen «Akte X» lief.

Spiegel.de kommentiert:

«Die Nachricht löste gerade bei älteren Internetnutzern eine gewisse Wehmut aus. Denn SETI@Home war eines der ersten grossen Mitmachprojekte im Internet, ein Vorreiter in Sachen digitaler Bürgerwissenschaft. Und das zu einer Zeit, als in Haushalten die Modems piepsten und Google noch ein kleines Start-up mit einem lustig klingenden Namen war.»
quelle: spiegel.de

SETI@Home habe einerseits die popkulturell Interessierten abgeholt, die die Suche nach Ausserirdischen faszinierend fanden. «Aber eben auch die Nerds, die stolz ihre privaten Computer in den Dienst der Wissenschaft stellten und vielleicht hofften, damit tatsächlich Aliens zu finden.»

Legendärer Bildschirmschoner: Während sie im «Ruhemodus» sind, werten Desktop-Computer digitale Daten aus dem Weltraum aus.
Legendärer Bildschirmschoner: Während sie im «Ruhemodus» sind, werten Desktop-Computer digitale Daten aus dem Weltraum aus.
bild: wikimedia

SETI ist die Abkürzung für «Search for Extraterrestrial Intelligence». Dahinter steht das SETI-Institut, eine Non-Profit-Organisation, die sich mit der Suche nach intelligentem ausserirdischem Leben befasst. 1984 als gemeinnütziges privates Unternehmen gegründet, wird die Institution von einer Vielzahl Sponsoren unterstützt, darunter die Nasa. Seinen Sitz hat SETI wie Facebook in Mountain View, Kalifornien.

Warum wird die Suche nach ET eingestellt?

Nicht etwa, weil das Forschungsprojekt bislang keinen definitiven Beweis für ausserirdische Intelligenz liefern konnte. Sondern aus zwei weltlichen Gründen, wie die Verantwortlichen auf der Seti@Home-Website informieren:

  • «Wissenschaftlich gesehen sind wir an dem Punkt angelangt, an dem die Erträge abnehmen; im Grunde haben wir alle Daten analysiert, die wir für den Moment benötigen.»
  • Zudem müsse man sich darauf konzentrieren, die Analyse der Ergebnisse abzuschliessen und dies in einer wissenschaftlichen Publikation zu dokumentieren.

SETI@Home verschwinde aber nicht von der Bildfläche, respektive aus dem Internet. Die weltweite Community könne sich weiter in den Diskussionsforen austauschen.

Die Verantwortlichen bezeichnen die Phase als «Hibernation», also Ruhephase, und wollen die vorhandenen Ressourcen weiter in den Dienst der Wissenschaft stellen. Wie etwa im Kampf gegen das Coronavirus. Dazu unten mehr.

Wie alles begann

Eine Gruppe amerikanischer Wissenschaftler, überwiegend Informatiker und Astronomen, hatte Mitte der 90er-Jahre die Idee: Mit dem Internet verbundene Computer von Privatpersonen konnten bei der Suche nach ausserirdischem Leben mithelfen. Denn tausende gewöhnliche PCs ergaben zusammen auch eine Art von Supercomputer. Der Ansatz nennt sich Distributed Computing, bzw. Volunteer Computing, denn die Beteiligung erfolgte natürlich absolut freiwillig.

Die geniale Idee aus den Anfängen des Internets wurde am Space Science Laboratory (SSL) im kalifornischen Berkeley umgesetzt und bald beteiligten sich Nerds rund um den Globus. Durch Medienberichterstattung wurde das Projekt zum Massenphänomen und tausende PC-User machten mit.

Das Allen Telescope Array in den Bergen im Norden Kaliforniens: Damit wurde der Weltraum nach ausserirdischen Signalen abgesucht.
Das Allen Telescope Array in den Bergen im Norden Kaliforniens: Damit wurde der Weltraum nach ausserirdischen Signalen abgesucht.
Bild: AP

So funktioniert's

Bei der Suche nach ausserirdischem Leben (Search for Extraterrestrial Life, kurz SETI) mithilfe von Radiosignalen fallen gewaltige Datenmengen an, die es mit Software zu analysieren gibt: Um das Rauschen von jenen Signalen zu trennen, die möglicherweise Informationen enthalten.

SETI@Home nimmt Weltall-Aufnahmen des Arecibo-Radioteleskops in Puerto Rico, teilt diese in einzelne Arbeitseinheiten auf und verteilt sie anschliessend per Internet an die Nutzerinnen. Auf deren Computern untersucht die Software, ob sich in der Einheit ein Signal befindet, das vom Grundrauschen abweicht. Ist die Analyse fertig, werden die Ergebnisse zurück an das Space Science Laboratory geschickt, und die Teilnehmer erhalten die nächste Einheit zur Bearbeitung.
quelle: spiegel.de

Seit 1999 erbrachten die am Projekt teilnehmenden PCs zusammen fast 2,3 Millionen Jahre Rechenzeit. Dies trug SETI@home einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde ein als grösste Computerberechnung der Geschichte.

Wie gehts weiter?

Die Bürgerwissenschaft im Netz mithilfe von Volunteer Computing geht laut Spiegel Online weiter. Die ursprünglich für SETI@Home verwendete Software, BOINC genannt, werde längst für andere Projekte verwendet. Wie zum Beispiel für MilkyWay@Home, das ein 3D-Modell der Milchstrasse erstellen will. Oder für LHC@Home, das die Prozesse im Teilchenbeschleuniger am Cern in Genf simuliert.

Und dann gibts noch Folding@Home, das sich mit Proteinen in der medizinischen Forschung beschäftigt: Das Projekt versucht aktuell Wissenschaftlern dabei zu helfen, die Struktur des Coronavirus Sars-CoV-2 zu untersuchen.

Wer also ein bisschen PC-Kapazität erübrigen kann, ist herzlich eingeladen, sich hier zu registrieren.

(dsc)

Quellen

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