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Research Scientist with the SETI Institute and Principal Investigator for the Stardust Sample Return Capsule Re-entry Observing Campaign Peter Jenniskens, right, works on his computer as Michael Koop with the San Jose Astronomical Association adjusts the Echelle Spectrograph camera on board the NASA DC-8 research aircraft as they prepare to document the re-entry of the Stardust capsule as it enters the Earth's atmosphere on Sunday, Jan. 15, 2006 over the skies of California. (KEYSTONE/AP Photo/Jose Carlos Fajardo, Pool)

SETI-Wissenschaftler an Bord eines Nasa-Flugzeugs. Bild: AP

SETI@Home – darum wird die Suche nach Ausserirdischen eingestellt

Die Nerds hinter dem Nerd-Projekt haben mehr als genug Material. Und das Volunteer Computing geht weiter, auch im Kampf gegen Coronaviren.



Am 31. März 2020 endet das wissenschaftliche Forschungsprojekt SETI@Home, an dem sich Millionen Internet-User während mehr als 20 Jahren beteiligt haben.

Seinen Ursprung hatte das für viele Nerds prägende Projekte in den 90ern, als das World Wide Web in den Kinderschuhen steckte und im Fernsehen «Akte X» lief.

Spiegel.de kommentiert:

«Die Nachricht löste gerade bei älteren Internetnutzern eine gewisse Wehmut aus. Denn SETI@Home war eines der ersten grossen Mitmachprojekte im Internet, ein Vorreiter in Sachen digitaler Bürgerwissenschaft. Und das zu einer Zeit, als in Haushalten die Modems piepsten und Google noch ein kleines Start-up mit einem lustig klingenden Namen war.»

quelle: spiegel.de

SETI@Home habe einerseits die popkulturell Interessierten abgeholt, die die Suche nach Ausserirdischen faszinierend fanden. «Aber eben auch die Nerds, die stolz ihre privaten Computer in den Dienst der Wissenschaft stellten und vielleicht hofften, damit tatsächlich Aliens zu finden.»

Bild

Legendärer Bildschirmschoner: Während sie im «Ruhemodus» sind, werten Desktop-Computer digitale Daten aus dem Weltraum aus. bild: wikimedia

SETI ist die Abkürzung für «Search for Extraterrestrial Intelligence». Dahinter steht das SETI-Institut, eine Non-Profit-Organisation, die sich mit der Suche nach intelligentem ausserirdischem Leben befasst. 1984 als gemeinnütziges privates Unternehmen gegründet, wird die Institution von einer Vielzahl Sponsoren unterstützt, darunter die Nasa. Seinen Sitz hat SETI wie Facebook in Mountain View, Kalifornien.

Warum wird die Suche nach ET eingestellt?

Nicht etwa, weil das Forschungsprojekt bislang keinen definitiven Beweis für ausserirdische Intelligenz liefern konnte. Sondern aus zwei weltlichen Gründen, wie die Verantwortlichen auf der Seti@Home-Website informieren:

SETI@Home verschwinde aber nicht von der Bildfläche, respektive aus dem Internet. Die weltweite Community könne sich weiter in den Diskussionsforen austauschen.

Die Verantwortlichen bezeichnen die Phase als «Hibernation», also Ruhephase, und wollen die vorhandenen Ressourcen weiter in den Dienst der Wissenschaft stellen. Wie etwa im Kampf gegen das Coronavirus. Dazu unten mehr.

Wie alles begann

Eine Gruppe amerikanischer Wissenschaftler, überwiegend Informatiker und Astronomen, hatte Mitte der 90er-Jahre die Idee: Mit dem Internet verbundene Computer von Privatpersonen konnten bei der Suche nach ausserirdischem Leben mithelfen. Denn tausende gewöhnliche PCs ergaben zusammen auch eine Art von Supercomputer. Der Ansatz nennt sich Distributed Computing, bzw. Volunteer Computing, denn die Beteiligung erfolgte natürlich absolut freiwillig.

Die geniale Idee aus den Anfängen des Internets wurde am Space Science Laboratory (SSL) im kalifornischen Berkeley umgesetzt und bald beteiligten sich Nerds rund um den Globus. Durch Medienberichterstattung wurde das Projekt zum Massenphänomen und tausende PC-User machten mit.

In this Oct. 9, 2007 photo, radio telescopes of the Allen Telescope Array are seen in Hat Creek, Calif. Astronomers at the SETI Institute in Northern California say a steep drop in state and federal funds has forced the shutdown of a key program to search for extraterrestrial life. Dozens of radio dishes that make up the Allen Telescope Array in the mountains of far Northern California have scanned deep space since 2007 for alien signals. (AP Photo/Ben Margot)

Das Allen Telescope Array in den Bergen im Norden Kaliforniens: Damit wurde der Weltraum nach ausserirdischen Signalen abgesucht. Bild: AP

So funktioniert's

Bei der Suche nach ausserirdischem Leben (Search for Extraterrestrial Life, kurz SETI) mithilfe von Radiosignalen fallen gewaltige Datenmengen an, die es mit Software zu analysieren gibt: Um das Rauschen von jenen Signalen zu trennen, die möglicherweise Informationen enthalten.

SETI@Home nimmt Weltall-Aufnahmen des Arecibo-Radioteleskops in Puerto Rico, teilt diese in einzelne Arbeitseinheiten auf und verteilt sie anschliessend per Internet an die Nutzerinnen. Auf deren Computern untersucht die Software, ob sich in der Einheit ein Signal befindet, das vom Grundrauschen abweicht. Ist die Analyse fertig, werden die Ergebnisse zurück an das Space Science Laboratory geschickt, und die Teilnehmer erhalten die nächste Einheit zur Bearbeitung.

quelle: spiegel.de

Seit 1999 erbrachten die am Projekt teilnehmenden PCs zusammen fast 2,3 Millionen Jahre Rechenzeit. Dies trug SETI@home einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde ein als grösste Computerberechnung der Geschichte.

Wie gehts weiter?

Die Bürgerwissenschaft im Netz mithilfe von Volunteer Computing geht laut Spiegel Online weiter. Die ursprünglich für SETI@Home verwendete Software, BOINC genannt, werde längst für andere Projekte verwendet. Wie zum Beispiel für MilkyWay@Home, das ein 3D-Modell der Milchstrasse erstellen will. Oder für LHC@Home, das die Prozesse im Teilchenbeschleuniger am Cern in Genf simuliert.

Und dann gibts noch Folding@Home, das sich mit Proteinen in der medizinischen Forschung beschäftigt: Das Projekt versucht aktuell Wissenschaftlern dabei zu helfen, die Struktur des Coronavirus Sars-CoV-2 zu untersuchen.

Wer also ein bisschen PC-Kapazität erübrigen kann, ist herzlich eingeladen, sich hier zu registrieren.

(dsc)

Quellen

20 offizielle, grottenschlechte NASA-Poster (oder bereits Kult?)

Weltraumwanderung für Normalsterbliche:

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    Alle Leser-Kommentare
  • Lowend 20.03.2020 13:48
    Highlight Highlight Danke für den Bericht! Habe Watson schon vor einigen Tagen darauf hingewiesen und weil Folding@Home hauptsächlich PC's mit starken Grafikkarten brauchen kann, sind alle Gamer eingeladen, ihre GPU-Kapazität mal dazu zu nutzen, echte Gegner wie das Coronavirus Sars-CoV-2 zu jagen, wenn sie mal nicht am spielen sind. 😉
  • Kelev Ra 20.03.2020 13:11
    Highlight Highlight Ich "falte" auch schon seit längerem.

    Was die Software betrifft, muss ich mich jedoch leider der Aussage von samsam88 anschliessen:

    Windows 10

    Folding@Home funktioniert grundsätzlich unter Windows 10. Allerdings hat der Viewer so seine Probleme. Dieser dient jedoch lediglich der Visualisierung und hat keinen Einfluss auf das falten selbst.

    Linux / Ubuntu:

    Auf neueren Distributionen lässt sich die Software aufgrund einer nicht auflösbaren Abhängigkeit nicht mehr installieren. Unter Ubuntu 16.04 LTS läuft die Software noch einwandfrei.

    Keep folding.
    • samsam88 21.03.2020 00:23
      Highlight Highlight Naja just 4 fun hier ein kleiner Versuch der unter Ubuntu 19.10 klappte und auch unter Debian gehen müsste.

      pakete python und python-gtk2 über paketverwaltung installieren.

      Mit "equivs-control python-gnome2" das Paket erstellen, das als Abhängigkeit fehlt. Der Inhalt des Paketes muss danach wie im Link beschrieben bearbeitet werden: https://pastebin.com/NPpj80im

      Name und Mail kann man anpassen, der Rest wie aus dem Link übernehmen. Dann kann folding@home normal installiert werden und funktioniert.

      Das Problem ist, das man damit evtl. neue Abhängigkeitsprobleme erschafft.
    • samsam88 21.03.2020 00:24
      Highlight Highlight Sinnvoll wäre es, wenn folding@home als Snap oder Flatpak Paket erschienen würde, dann läuft es auf jeder Distro ohne merkwürdige Anpassungen.
    • Kelev Ra 21.03.2020 13:48
      Highlight Highlight @samsam88

      Ich handhabe das derzeit so, dass ich auf den paar ausgelutschten ProLiant Servern (G6 / G7 mit Dual-Xenon Prozessoren) einfach Ubuntu 16.04 LTS auf ein Raid 0 installiere, da ich diese sowieso nicht mehr produktiv brauche.

      Was mich eigentlich mehr stört, ist die fehlende Möglichkeit die GPU's meines Gaming-Systems zu "deckeln" resp. die GPU-Leistung leicht drosseln zu können wie dies z.B. bei BOINC möglich ist. Dies hat zur Folge, dass ich mein Gaming-Rig nur im Keller mit Folding@Home beschäftigen kann zumal der entstehende Lärm durch die Lüfter enorm ist wenn die GPU's falten. http://
  • samsam88 20.03.2020 08:59
    Highlight Highlight Leider ist die dazu benötigte "Folding@home" Software schon länger nicht mehr mit den aktuellen Ubuntu / Debian Versionen kompatibel.

    Ich hab das früher gerne auf den Servern laufen lassen, die nur eine minimale Auslastung haben. Seit man die Sofware kaum noch installiert bekommt habe ich damit aufgehört.

So stehen Migros- und Coop-Kunden heute Schlange #flattenthecurve 💪

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Im Kampf gegen das Coronavirus haben Migros und Coop Massnahmen ergriffen. Am Einlass werden Kunden gezählt und Tickets ausgehändigt. Nur eine Person pro 10 Quadrameter Ladenfläche, lautet die Regel. In den Läden stehen Desinfektionsmittel bereit. Das Personal an der Kasse ist durch Plexiglasscheiben abgetrennt. Jene Bereiche, in denen keine Lebensmittel oder Gegenstände für den täglichen Bedarf verkauft werden, sind abgeriegelt.

Und die …

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