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Wende im Glasfaserstreit: Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten

Christoph Aeschlimann, directeur de Swisscom parle lors de la 18eme edition du "Forum des 100" sur la thematique "La Suisse et le monde" organise par Le Temps ce mardi 11 octobre 2 ...
Swisscom-Chef Christoph Aeschlimann hat gute Nachrichten für Leute, die auf den Anschluss ans Glasfasernetz warten.Bild: keystone

Swisscom knickt ein – die wichtigsten Fragen und Antworten zum Schweizer Glasfaserstreit

28.10.2022, 06:0228.10.2022, 08:39

Die Swisscom ändert die Netzbauweise der ultraschnellen Datenleitungen. Der Druck durch hunderttausende blockierte Anschlüsse, die wegen eines Rechtsstreits nicht in Betrieb genommen werden dürfen, ist zu gross geworden.

Um wie viele Anschlüsse geht es?

Derzeit haben sich knapp 400'000 Glasfaseranschlüsse angesammelt, die nicht aufgeschaltet werden können, weil die Eidgenössische Wettbewerbskommission (Weko) den Glasfaserausbau der Swisscom im Dezember 2020 gestoppt hatte.

Wo ist das Problem?

Die Kartellwächter des Bundes halten die von der Swisscom geänderte Netzarchitektur mit nur einer Zuleitung von der Telefonzentrale bis zum Strassenschacht (= P2MP genannt, «Point To Multipoint») für wettbewerbswidrig.

Die Weko pocht auf einen Ausbau mit einer Zuleitung für jeden Haushalt (= P2P-Verfahren, «Point To Point»). Nur so können Konkurrenten der Swisscom den Kunden eigene Internetangebote machen, die sich von jenen der Swisscom unterscheiden, und beispielsweise höhere Surfgeschwindigkeiten anbieten als der «Blaue Riese». Zudem erhält so jeder Haushalt eine Direktleitung in die Telefonzentrale und muss sich nicht die Zuleitung mit den Nachbarn teilen.

Allerdings ist diese Bauweise teurer als nur eine Zuleitung von der Telefonzentrale bis zum Strassenschacht vor den Häusern zu verlegen.

Die Swisscom hat aus Kostengründen auf die billigere Variante gewählt und trotz des Vetos der Wettbewerbshüter lange daran festgehalten.

Nun ist aber der Druck zu gross geworden.

Was ändert sich?

Das Verfahren der Weko dauere viel länger als ursprünglich gedacht, erklärte Swisscom-Chef Christoph Aeschlimann am Donnerstag vor den Medien: Und so habe man sich im Interesse der Kunden für die Kehrtwende entschieden. Denn es sei nicht im Sinne der Kundinnen und Kunden, dass die Swisscom jedes Quartal zehntausende oder hunderttausend Glasfaseranschlüsse baue, die nicht genutzt werden könnten.

Neu baut der Konzern wieder grösstenteils Direktleitungen von der Telefonzentrale bis zu den Haushalten. Und bei den bisher bereits gebauten knapp 400'000 Anschlüssen, die blockiert sind, werden die Zuleitungen teilweise nachtäglich erweitert. Damit können sie wieder in Betrieb genommen werden.

Dies wird naturgemäss teurer, weil mehr Leitungen verlegt und mehr Strassen aufgerissen werden müssen. Deshalb stutzt die Swisscom ihre Ausbauziele:.

«Wir werden circa 250'000 Anschlüsse weniger bauen als ursprünglich kommuniziert»
Swisscom-Chef Christoph Aeschlimann

Wie lange dauert das?

Insgesamt sollen bis Ende 2025 lediglich 1,25 bis 1,3 Millionen zusätzliche Glasfaseranschlüsse gebaut und eine Abdeckung von 50 bis 55 Prozent der Bevölkerung erreicht werden.

Bislang hatte der Telekom-Konzern rund 1,5 Millionen zusätzliche Haushalte und Geschäfte mit den schnellen Leitungen erschliessen und die Abdeckung so auf rund 60 Prozent steigern wollen. Bis 2030 soll dann eine Abdeckung von 70 bis 80 Prozent vergrössert werden.

Der Umbau der blockierten knapp 400'000 Glasfaseranschlüsse auf die neue Punkt-zu-Punkt-Bauweise werde eine längere Zeit dauern, sagte Aeschlimann. Bis Ende 2025 werde man davon nur etwas mehr als die Hälfte umgebaut haben. Der Rest erfolge bis 2030.

Ist der Glasfaserstreit also vom Tisch?

Nein.

Das Umschwenken bei der Bauweise bedeute nicht, dass das Hauptverfahren der Weko zum Glasfaserstreit obsolet sei, sagte Swisscom-Chef Aeschlimann: «Das läuft weiterhin. Wir sind weiterhin überzeugt, dass Multipunkt die richtige Bauweise ist. Denn 90 Prozent der Welt baut so. Das Verfahren wird weitergeführt. Wir sind weiterhin im Gespräch mit der Weko für eine Einigung.»

Auch die Weko sucht weiterhin eine einvernehmliche Regelung mit der Swisscom. «Eine Verfügung wäre der Plan B», sagte Weko-Direktor Patrik Ducrey.

Der Telekomanbieter Init7, der einer der Protagonisten im Glasfaserstreit mit der Swisscom ist, begrüsste die Kehrtwende des «Blauen Riesen». Allerdings fordert Init7 nun eine vollständige Umsetzung der geänderten Bauweise für Glasfasernetze.

P2P und P2MP
Der zentrale Unterschied zwischen P2P und P2MP sei die Nutzung der Glasfaser, erklärt der Schweizer Internet-Provider Init7 in einem Blogbeitrag (siehe Quellen).

In der P2P-Netzstruktur eines Glasfasernetzes (auch «aktive Zugangstechnologie» genannt) erhalte jeder Kunde und jede Kundin eine eigene Glasfaser. Die Glasfaserkabel führten von den Anschlusszentralen (Point of Presence, PoP) direkt zu den Glasfaser-Dosen in den Wohnungen.

In einer P2MP-Netzstruktur («passive Zugangstechnologie») werde die Glasfaser auf dem ersten Streckenabschnitt als geteiltes Medium für mehrere Kundinnen und Kunden genutzt. Erst an einem optischen Splitter im Verteilerkasten erfolge eine Aufteilung der Signale auf einzelne Kundenanschlüsse.

Quellen

(dsc/sda/awp)

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Das muss man über Glasfaser-Internet wissen

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Das muss man über Glasfaser-Internet wissen
quelle: keystone / anthony anex
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Hier wird ein Swisscom-Sendeturm gesprengt

Video: srf

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62 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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RonaldMcDonald
28.10.2022 06:31registriert November 2018
Danke Init7, danke Fredy Künzler für eure Hartnäckigkeit!😍 Es wird uns allen zu Gute kommen, dass wir freie Providerwahl und einen offenen Wettbewerb haben.
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Fox1Charlie
28.10.2022 06:34registriert April 2015
Die Swisscom macht etwas im Interesse der Kunden…
HAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHA!!!!!!!!!!!!
Der war gut!
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goschi
28.10.2022 07:31registriert Januar 2014
Schön hat in der Stadt Bern der städtische Energieversorger EWB den Glasfaserausbau übernommen und früh direkt jeden Haushalt versorgt, wir haben daher Wahlfreiheit beim Anbieter mit toller Leistung.
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