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Wirtschaft

Amazon geht gegen erste Gewerkschaftsgründung in den USA vor

So geht Amazon gegen die erste Gewerkschafts-Gründung in den USA vor

Der US-Onlinehändler will die Gründung der ersten Gewerkschaftsvertretung im Konzern bekämpfen.
08.04.2022, 06:4208.04.2022, 07:31
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Laut offiziellen Dokumenten, die am Donnerstag bei der Bundesbehörde für Arbeitsrecht eingereicht wurden, bat Amazon um mehr Zeit, um begründete Einwände gegen die Abstimmung in einem Lager in New York Ende März vorzubringen. Das Unternehmen wirft Gewerkschaftern vor, Mitarbeiter vor der Abstimmung «bedroht» zu haben.

Die Mitarbeiter des Lagers in Staten Island hatten mehrheitlich für einen Beitritt zur Arbeitnehmergruppe Amazon Labor Union (ALU) gestimmt. Dies war eine schwere Schlappe für Amazon-Gründer Jeff Bezos, der seit der Gründung des Konzerns 1994 erfolgreich die Bildung einer Gewerkschaftsvertretung beim zweitgrössten Arbeitgeber der USA verhindert hatte.

FILE - Jeff Bezos, the founder and CEO of Amazon.com, speaks in the State Dining Room of the White House in Washington, May 5, 2016. Former president Barack Obama���s foundation announced Monday, Nov. ...
Amazon-Gründer Jeff Bezos ist Multimilliardär und ein erklärter Gegner von Gewerkschaften.Bild: keystone

Worum dreht sich der Streit?

Amazon wirft der ALU unfaire Praktiken vor. So hätten Gewerkschaftsvertreter die Mitarbeiter teils «eingeschüchtert» und sie noch in der Warteschlange bedrängt. Sie hätten zudem «Einwanderer bedroht», indem sie ihnen gesagt hätten, dass diese «ihre Sozialleistungen verlieren würden, wenn sie nicht für die Gewerkschaft stimmten».

«Das ist absurd», reagierte der Anwalt Eric Milner im Namen der Gewerkschaft. «Die Beschäftigten haben sich geäussert und ihre Stimmen wurden gehört.» Das Amazon-Management wolle nun den «Prozess verzögern, um das Unvermeidliche zu vermeiden: die Aushandlung eines Unternehmensvertrags».

Er warf dem Konzern vor, «Millionen» für Einschüchterungskampagnen ausgegeben zu haben. «Amazon hat Zwangsversammlungen abgehalten, Amazon hat sich bedrohlich verhalten, Amazon hat Beschäftigte illegal entlassen, weil sie versucht haben, sich gewerkschaftlich zu organisieren», zählte er auf.

Das Unternehmen hat bis Freitagabend Zeit, um seine Einwände vorzubringen, und bis zum 22. April, um seine Beweise vorzulegen.

Die Gewerkschaft RWDSU, die eine Abstimmung über eine Arbeitnehmervertretung in einem Lagerhaus im US-Bundesstaat Alabama durchgesetzt hatte, machte dem Konzern unterdessen ähnliche Vorwürfe.

Auch sie reichte bei der Arbeitsbehörde eine Reihe von Beschwerden gegen Amazon ein. Der Konzern habe versucht, die Beschäftigten zu Verwirren, sie mit Zwang und «Angst vor Vergeltung» beeinflusst.

Amazon kommentierte die Vorwürfe der Nachrichtenagentur AFP gegenüber nicht.

FILE - Amazon JFK8 distribution center union organizer Jason Anthony speaks to media on Friday, April 1, 2022, in the Brooklyn borough of New York. The top lawyer for the National Labor Relations Boar ...
Protest vor dem Amazon-Verteilungszentrum JFK8 im New Yorker Stadtteil Brooklyn.Bild: keystone

Im März hatte es unter den Beschäftigten des Lagers in der Stadt Bessemer eine Abstimmung per Briefwahl gegeben. Das Ergebnis ist allerdings noch offen: Während 993 Mitarbeiter gegen die Gewerkschaftsgründung stimmten, stimmten 875 dafür – es gibt aber noch 416 «umstrittene» Stimmzettel, über deren Zulässigkeit bei einer behördlichen Anhörung kommende Woche entschieden werden soll.

Eine Abstimmung vor einem Jahr war noch annulliert worden, nachdem die Behörden festgestellt hatten, dass Amazon gegen die Regeln verstossen hatte.

(dsc/sda/afp)

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13 Kommentare
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Amenokal
08.04.2022 08:32registriert Juli 2016
Sanktioniert/boykotiert diese Firma!
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HeidiW
08.04.2022 09:11registriert Juni 2018
Ich hab noch nie, und werde auch nie etwas bei dieser Firma bestellen.

Wenn die Arbeitsbedingen gut wären, würden die Arbeiter auch kein Bedürfniss zu haben eine Gewerkschaft zu gründen. Es sagt einiges über Bezon aus, dass er seit Gründung seines "Molochs" die Gründung einer Gewerkschaft verhindern will.

Wie wäre es eigentlich hier, wenn man die Privatvermögen solcher Abzocker einfrieren oder sogar einziehn würden um den Arbeiter einen gerechten Lohn zu zahlen?
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T13
08.04.2022 09:40registriert April 2018
"Das Unternehmen wirft Gewerkschaftern vor, Mitarbeiter vor der Abstimmung «bedroht» zu haben."
Wie das denn?
Wenn ihr gegen die Gewerkschaft stimmt werden wir uns "nicht" für eure Rechte einsetzen.
😂

Die Amis haben für diese Taktiken einen Begriff.
Union busting
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