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Australien: Fall um mutmassliche Pilzvergiftung sorgt weiter für Aufsehen

Ominöse Wand und die Pilzfrage – tödliches Essen in Australien sorgt weiter für Aufsehen

16.08.2023, 19:3917.08.2023, 12:33
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Nach einem Familienessen in Australien starben Ende Juli drei Leute vermutlich an einer Pilzvergiftung, während die Köchin überlebte. Der Fall sorgte international für Schlagzeilen – auch watson berichtete darüber. Die Polizei ermittelt noch immer, Erin Patterson, welche das Mahl zubereitete, steht nach wie vor unter Verdacht, auch wenn sie jegliche Absicht bestreitet. In den letzten Stunden kamen neue Details zum Fall ans Licht – eine Übersicht.

Fotos einer ominösen Wand machen die Runde

Schon seit einigen Tagen machten Meldungen über einen kuriosen Fund in einem früheren Haus der Familie Patterson die Runde – Meldungen von einer Wand mit makabren Zeichnungen. Am Mittwoch kamen diese Bilder nun an die Öffentlichkeit: Ein Maler, welcher die Zeichnungen laut eigenen Angaben übermalte, liess diese dem Online-Portal news.au zukommen. «Ich sah diese Wand und dachte: Wow, was ist denn hier los?», wird der Mann zitiert – er und seine Kollegen hätten daraufhin nur noch von der «Wand des Todes» gesprochen.

Tatsächlich sind die Zeichnungen, die auf den Fotos zu sehen sind, ungewöhnlich. Es scheint sich um Kinderzeichnungen zu handeln, welche mit roter, blauer und schwarzer Farbe an die Wand gemalt wurden. Die Motive sind durchaus ungewöhnlich – so verzieren etwa zwei grosse Grabsteine die Wand, auf einem steht «grandma R.I.P», auf dem anderen «ME R.I.P». Weiter stehen diverse Sätze wie etwa «You will die within a year» – «Du wirst innert eines Jahres sterben» – oder «Your dead from my sword», also in etwa «Dein Tod durch mein Schwert».

Der Maler sagt, er habe die Wand derart speziell gefunden, dass er sie fotografiert habe, bevor er die Kritzeleien überdeckt habe. «Es war gruselig», sagt er. Danach habe er die Bilder einigen Kollegen gezeigt und wieder vergessen, bis der Name der Pattersons wegen des Pilzfalls in den Medien erschien. «Eine ruhige Familie», nannte sie der Maler. Zudem gab er an, die Polizei hätte sich bereits bei ihm nach den Bildern erkundigt. Weitere Leute bestätigten die Echtheit der Fotos.

Australische Pilzzüchter wehren sich

Dass die Opfer an einem Verzehr von Grünem Knollenblätterpilz starben, gilt als sehr wahrscheinlich. Die Antwort auf eine zentrale Frage fehlt aber nach wie vor: Wie konnten die giftigen Pilze in Pattersons Gericht gelangen?

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Kein Pilz verursacht so viele tödliche Vergiftungen wie der Grüne Knollenblätterpilz.Bild: IMAGO/Wirestock

Die Köchin selbst gibt an, sie habe die Pilze gekauft: einerseits frische in einem Supermarkt, zudem getrocknete aus einem Asia-Shop. Sollten diese Angaben korrekt sein, würde dies bedeuten, dass einer der beiden Läden eine Verpackung mit hochgiftigen Pilzen verkauft hätte.

Die Australian Mushroom Growers Association (AMGA), also der Australische Verband der Pilzzüchter, wehrt sich vehement gegen eine solche Möglichkeit. Die AMGA lässt in einem Statement verlauten, es sei schlichtweg unmöglich, dass der Giftpilz aus einer Pilzzucht stamme:

«Der Grüne Knollenblätterpilz wächst nur in der Wildnis. Im Handel erhältliche Pilze wachsen aber in Räumlichkeiten mit strickten Hygiene-Protokollen und Standards bezüglich Sicherheit.»

Bisher gibt es im Bundesstaat Victoria, wo Patterson lebt, keine weiteren Berichte über mögliche Pilzvergiftungen. Auch einen Lebensmittelrückruf gab es nicht. Dies bestätigten auch die beiden grossen Supermarkt-Ketten Australiens, Woolworths und Coles, gegenüber der «Daily Mail».

Patterson wendet sich an die Medien

Die Köchin des fatalen Gerichts sprach am Mittwoch mit «The Australian» und wandte sich damit direkt an die Medien. Zuvor war schon ein Schreiben Pattersons an die Polizei an die Öffentlichkeit geraten – wie das passieren konnte, kann sich die 48-Jährige nicht erklären.

Erin Patterson wehrt sich gegen die Dauerpräsenz der Medien.
Erin Patterson wehrt sich gegen die Dauerpräsenz der Medien.Bild: watson/twitter/dailyupdated3

Patterson wehrt sich nach wie vor gegen sämtliche Anschuldigungen einer gezielten Vergiftung. Sie fühlt sich ungerecht behandelt: «Ich werde als eine böse Hexe dargestellt», sagt sie. Zudem werde sie ständig von Medienschaffenden belagert, welche sowohl vor ihrem Haus als auch vor demjenigen ihrer Schwester warten würden. «Sie machen es mir unmöglich, in dieser Stadt zu leben», klagt sie. «Das ist unfair.» Es sei für sie deshalb auch nicht möglich, Freunde einzuladen, welche sie in dieser schwierigen Zeit unterstützen könnten.

Die Hintergründe

Erin Patterson bekochte am 29. Juli die Eltern ihres Ex-Mannes sowie die Schwester ihrer Ex-Schwiegermutter und deren Mann. Dabei gab es Beef Wellington mit Pilzen. Kurz darauf starben drei der Gäste, der vierte liegt in ernstem, aber stabilem Zustand im Spital. Patterson gibt an, ebenfalls mit Vergiftungssymptomen im Spital gewesen zu sein. Das Spital bestätigte die Anwesenheit einer fünften Person mit solchen Symptomen.

Die Polizei ermittelt, Patterson gilt als Verdächtige. Bislang gibt es aber keine konkreten Hinweise auf eine vorsätzliche Tat. Es wurden auch keine strafrechtlichen Ermittlungen gegen Patterson eingeleitet.

(dab)

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24 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Pingupongo
16.08.2023 22:20registriert Dezember 2015
Was die Kinderzeichnungen nun damit zu tun haben sollen, erschliesst sich mir nicht. Habe im Kindergarten jeweils Ritterburgen mit Folterkellern und geköpften Menschen gezeichnet 🤷‍♀️ und auch Häuser mit Hunden und Regenbogen. Meine Mutter hat trotzdem niemanden vergiftet und ich bin heute auch ziemlich normal 🤪
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N. Y. P.
16.08.2023 21:27registriert August 2018
Die Untersuchungsbehörden gehen von einer Pilzvergiftung aus.

Die Giftpilze konnte sie aber nicht gekauft haben. Die sind irgendwie im Wald aus dem Boden gefallen, dann durch die Luft geflogen und irgendwie ins zubereitete Essen gelangt.

Die Unschuldsvermutung gilt nach wie vor..
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