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In Belgien wird ernsthaft darüber nachgedacht, Kindermörder Dutroux freizulassen



FILE - In this Monday, March 20, 2000 file photo, Marc Dutroux, right, is led out the courthouse of Neufchateau, Belgium, 180 kilometers (130 miles) east of Brussels. Marc Dutroux, a pedophile and child-killer who became one of Belgium’s most notorious criminals, is asking a sentencing court on Monday, Feb. 4, 2013 to release him from prison and monitor him with an electronic ankle bracelet. Dutroux, who is now 56, is serving a life term for kidnapping, torturing and abusing six girls in 1995 and 1996, and murdering four of them. He has been in prison for 16 years. His former wife, Michelle Martin, 53, who let two girls starve to death in the cellar while her husband was in jail for theft was approved for early release in July. She now lives in a convent. The court is not expected to rule on Dutroux’s request for freedom until Feb 18. Prison officials and prosecutors have recommended against his release. (AP Photo/Yves Logghe, File)

Marc Dutroux. Bild: AP

Marc Dutroux. Mehr als diesen Namen braucht es nicht, um in Belgien heftige Reaktionen hervorzurufen. Sechs Mädchen entführte Dutroux in den 90er Jahren, folterte und vergewaltigte sie. Vier tötete er. Das Trauma sitzt tief.

Derzeit ist die Diskussion in Belgien wieder besonders heftig. Denn Dutroux' Anwalt Bruno Dayez hat ein Buch geschrieben: «Pourqoui libérer Marc Dutroux» (Deutsch: «Warum Marc Dutroux freigelassen werden sollte»).

Der Sexualstraftäter sitzt seit 1996 in Haft, 2004 war er zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Lebenslang? Dayez sagt, 25 Jahre Haft seien genug. Danach habe jeder ein Recht auf ein neues Leben in der Gesellschaft. Dieses Recht müsse auch für Dutroux gelten. Dessen Komplizin und Ex-Frau kam 2012 vorzeitig frei.

Der Fall des heute 61-jährigen Dutroux hat die belgische Gesellschaft wie kein anderer erschüttert. Die Grausamkeit des Kriminellen, laut Gerichtsurteil ein Psychopath, entsetzte die Menschen. Dayez' Buch ist daher eine Provokation – nicht nur für die Angehörigen der Opfer.

«Der Typ ist ein Psychopath.»

Ein Blogger etwa veröffentlichte auf Facebook ein Video, in dem er das Buch verbrennt und Dayez droht. Der Mann wurde zwischenzeitlich festgenommen und hat sich inzwischen entschuldigt. Das Nachrichtenmagazin «Le Vif/L'Express» hob den Fall Dutroux fast 22 Jahre nach der Festnahme wieder auf den Titel: «Sollte Dutroux freigelassen werden?»

Opferangehörige: Überflüssige Debatte

Die Haltung der Angehörigen seiner Opfer ist klar. Gino Russo veröffentlichte ein Video seiner Tochter Melissa, in dem sie mit anderen Kindern einen Tanz aufführt. Es sei wenige Tage vor ihrem Verschwinden im Juni 1995 aufgenommen worden, schreibt er auf Facebook. Ob Dutroux freigelassen werden sollte? Eine überflüssige Debatte, findet Russo. Melissa starb in Dutroux' Kellerverlies.

Ebenso wie Julia, die zum Zeitpunkt ihrer Entführung acht Jahre alt war. Ihr Vater Jean-Denis Lejeune sieht es wie Russo: «Der Typ ist ein Psychopath», sagte er dem Privatsender RTL Info. Aus seiner Sicht hat Dutroux keine Chance, wieder in die Gesellschaft eingegliedert zu werden. «Wir sollten da nicht mehr drüber reden, wir sollten ihn nie wieder sehen.»

«Es gibt überhaupt keine Aussicht auf Wiedereingliederung in die Gesellschaft.»

Dayez selbst spricht ruhig und besonnen. In dieser Debatte dürfe man sich nicht von Emotionen leiten lassen, sagte er im belgischen Fernsehen. Sein Buch sei ein Werk der Vernunft. Der Staat dürfe Kriminelle und Mörder nicht behandeln, wie diese ihre Opfer behandelt hätten. Ein Rechtsstaat verfahre nicht nach dem Prinzip «Auge um Auge».

Entgegengesetzte Einschätzungen

Völlig naiv sei er jedoch nicht. Er wisse, dass bei seinem Mandanten nur eine Freilassung unter Auflagen in Frage komme. Allerdings lehnte die Brüsseler Haftprüfungskammer Dutroux' Antrag, die restliche Haftstrafe im Hausarrest absitzen zu dürfen, schon 2013 ab. «Es gibt überhaupt keine Aussicht auf Wiedereingliederung in die Gesellschaft», sagte der Gerichtspräsident Luc Hennart damals.

Anwalt Dayez hat eine andere Sicht: «Ich treffe einen Mann, ich treffe weder ein Monster noch einen Zombie», sagte er über die Besuche im Gefängnis. Seiner Meinung nach hätte mit der Todesstrafe auch die lebenslange Haft abgeschafft werden müssen. Denn das Ende der Todesstrafe habe schliesslich die Resozialisierung der Täter zum Ziel gehabt. In belgischen Gefängnissen werde dafür allerdings nichts getan.

Doch selbst wenn die Gerichte irgendwann Dutroux' Entlassung zustimmen würden: Die belgische Regierung könnte immer noch einschreiten – und eine zusätzliche Sicherungsverwahrung von zehn Jahren verhängen. (sda/dpa)

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41 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Walter Sahli
05.03.2018 11:46registriert March 2014
Dass Dayez einen "Mann" trifft und kein Monster oder Zombie mag möglicherweise damit zusammenhängen, dass Dayez kein 8jähriges Mädchen ist...
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Gzuz187ers
05.03.2018 11:57registriert November 2017
Nunja, der Typ ist ja nicht pädophil, sondern ein empathieloses Monster und ich denke dies kann man auch nicht therapieren. Meiner Meinung sollte den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen.
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ShadowVolpe
05.03.2018 12:39registriert October 2016
Dieses ständige "Täter beschützen" geht mir gegen den Strich! Was ist mit den Mädchen, die ihr Leben verloren haben? Die haben keine zweite Chance! Er wusste genau was er tat und er tat es mehrmals! Keine Gnade für solche Monster.
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