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China bringt Mondgestein zur Erde: Raumkapsel in der Steppe gelandet

Als dritte Raumfahrtnation nach den USA und der Sowjetunion hat China erstmals Mondgestein zur Erde gebracht.



Nach der unbemannten Mondmission landete die Kapsel des Raumschiffes «Chang'e 5» in den frühen Nachtstunden des Donnerstags Ortszeit (Mittwoch MEZ) mit rund zwei Kilogramm Mondproben in der nordchinesischen Steppe, wie das Staatsfernsehen berichtete. Es ist das erste Mal seit 44 Jahren, dass wieder Mondgestein auf die Erde gebracht worden ist.

Die Illustration der China National Space Administration zeigt Chinas

Die Illustration der China National Space Administration zeigt Chinas "Chang'e-5"-Kapsel, wie sie heute Abend auf der Erde landen soll. Ihre Bergung ist wegen ihre geringen Grösse, der Dunkelheit und dem unpräzisen Landeort schwierig Bild: sda

Bergungstrupps mit Hubschraubern und Fahrzeugen, die mit starken Suchscheinwerfern ausgerüstet waren, starteten, um die Kapsel im Siziwang Banner in der Inneren Mongolei zu finden. Die Suche wurde durch die nächtliche Dunkelheit und harsches Winterwetter mit Schnee, Wind und Temperaturen von mehr als Minus 20 Grad erschwert. Die Kapsel ist auch nur ein Siebtel so gross wie bemannte chinesische Raumschiffe.

epa08858388 A handout photo made available by the China National Space Administration (CNSA) shows an image taken by the panoramic camera aboard the lander-ascender combination of Chang'e-5 spacecraft after landing on the moon on 02 December 2020. According to media reports, China's Chang'e-5 spacecraft successfully landed on the near side of the moon on 01 December 2020 and sent back images.  EPA/CHINA NATIONAL SPACE ADMINISTRAT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Ein Fotos vom Mond: Chang'e-5 am 2. Dezember 2020. Bild: keystone

Zugleich war das Landegebiet 16-mal grösser als sonst, weil die Kapsel die Methode des «hüpfenden Wiedereintritts» in die Erdatmosphäre verwendet hatte, um übermässige Hitze und Schäden zu vermeiden. Die langgezogene Flugbahn erinnert dabei an einen im flachen Winkel über eine Wasseroberfläche geworfenen, hüpfenden Stein. Dadurch ist der Landepunkt schwerer vorherzusagen. Die Landezone war mit 21 000 Quadratkilometer etwa so gross wie das deutsche Bundesland Hessen.

Die Mondmission galt als «eine der schwierigsten in Chinas Raumfahrtgeschichte», wie es offiziell hiess. «Chang'e 5» bestand aus einem Lander und einem Aufstiegsmodul sowie einem Orbiter und der Kapsel für die Rückkehr.

Als erster Raumfahrtnation gelang China bei dem Flug ein robotergesteuertes Docking-Manöver ohne Astronauten in der Umlaufbahn des Erdtrabanten, als das Aufstiegsmodul nach der Mondlandung wieder an den Orbiter ankoppelte und das Mondgestein verlud. Der Flug war auch eine wichtige Vorbereitung für eine bemannte Mondlandung, die China bis Ende des Jahrzehnts plant.

Forscher warten gespannt auf das Mondgestein, dass viel jünger ist als alle bisher gesammelten Proben der USA und der Sowjetunion. Die Untersuchung könnte neue Erkenntnisse über die vulkanische Aktivität und die Geschichte des Mondes liefern. Die Apollo-Missionen der USA hatten rund 380 Kilogramm Mondgestein mitgebracht. Die Sowjetunion sammelte mit unbemannten Missionen etwa 300 Gramm ein.

This image provided by China National Space Administration shows the ascender of Chang'e-5 spacecraft blasting off from the moon surface on Thursday, Dec. 3, 2020. A Chinese lunar probe lifted off from the moon on Thursday night with a cargo of lunar samples on the first stage of its return to Earth, the government space agency reported, on what is expected to be a breakthrough mission for the rising Asian space power. (China National Space Administration/Xinhua via AP)

Die Sonde hebt wieder ab: Chang'e-5 am 3. Dezember 2020. Bild: keystone

Der Lander von «Chang'e 5» hatte in einem nach dem deutschen Astronomen Karl Rümker (1788-1862) genannten Vulkangebiet aufgesetzt, das im «Ozean der Stürme» liegt. Diese Region im oberen, linken Teil der erdzugewandten Seite des Mondes ist erst 1.2 Milliarden Jahre alt. Dagegen wird das Alter des Mondgesteins, das die USA und die Sowjetunion in den 60er und 70er Jahren gesammelt hatten, auf 3.1 und 4.4 Milliarden Jahren geschätzt.

Wichtige Hürde genommen

Mit der Rückkehr von «Chang-e 5» hat China eine wichtige Hürde genommen und weiter zu den grossen Raumfahrtnationen aufgeschlossen. «China hinkt zwar insgesamt weiter hinter Europa und den USA her, aber kommt sehr schnell voran», sagte der australische Raumfahrtexperte Morris Jones der Deutschen Presse-Agentur. «Bald wird es seine eigene Raumstation haben.»

China verfolgt ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm mit Missionen zum Mond und Mars sowie dem Aufbau einer eigenen Raumstation in den kommenden Jahren. Derzeit laufen ferner zwei Projekte: Im Januar 2019 landete China als erste Raumfahrtnation mit «Chang'e 4» auf der relativ unerforschten erdabgewandten Seite des Mondes. Es wurde ein Rover ausgesetzt, der heute weiter die Oberfläche erforscht.

Auch ist die unbemannte Marssonde «Tianwen-1» (Fragen an den Himmel) gerade auf dem Weg zum «Roten Planeten». Seit dieser Woche ist das Raumschiff mehr als 100 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Im Februar soll es am Mars ankommen, um in den dann folgenden Wochen die Landung zu versuchen, die allerdings als viel riskanter gilt als Mondlandungen. Von 18 Landeversuchen auf dem Mars waren bisher nur 10 erfolgreich – allein neun durch die USA.

Chinas Mondflug erfolgte 51 Jahre nach der ersten bemannten Mondlandung der USA am 21. Juli 1969, bei der Neil Armstrong und Edwin «Buzz» Aldrin als erste Menschen die Oberfläche des Erdtrabanten betraten. Die USA haben sechs Mal Astronauten auf den Mond gebracht. Mit «Apollo 17» im Dezember 1972 stellten die Vereinigten Staaten ihre bemannten Mondlandungen ein.

Wissenschaftler warten auch auf Pflanzensamen, die «Chang'e 5» mit ins All genommen hatte. Darunter sind Reis, Orchideen, Alfalfa und Hafer, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Die Idee ist, die Samen der Schwerelosigkeit und kosmischer Strahlung auszusetzen, wodurch vielleicht Mutationen ausgelöst werden, die höhere Erträge oder bessere Qualität versprechen. Solche Veränderungen sind nach Angaben von Wissenschaftlern aber unmöglich vorherzusagen und zeigen sich erst nach der Rückkehr zur Erde und weiteren Züchtungen. (sda/dpa)

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