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Covid-Zertifikat So verschärfen Frankreich und Italien die Corona-Regeln

A security staff of the MAD (Moulin a Danse) night club scans the QR code of a COVID-19 certificate allowing entry in newly reopened nightclubs in Lausanne, Switzerland, late Friday, June 25, 2021. (K ...
In Frankreich und Italien wird das Covid-Zertifikat bald rege eingesetzt. Bild: keystone

So verschärfen Frankreich und Italien die Corona-Massnahmen

Frankreich und Italien ziehen die Schraube im Kampf gegen die Corona-Pandemie an: Wer ins Fitnessstudio, ins Kino oder ins Restaurant will, muss ein Covid-Zertifikat zeigen. Das gefällt nicht allen.
26.07.2021, 15:5127.07.2021, 14:56
Helene Obrist
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Frankreich

In Frankreich rang das Parlament in der Nacht auf Montag um strengere Corona-Regeln. Einige davon waren umstritten: So wurde gefordert, dass auch in Einkaufszentren das Vorweisen des «Pass Sanitaire» zur Pflicht werden soll. Diese Klausel wurde gestrichen. Ebenfalls chancenlos war die Forderung, dass Gesundheitspersonal, das sich nicht impfen will, gekündigt werden kann.

Eine Impfpflicht für Menschen im Gesundheitswesen wurde dennoch beschlossen. Wer sich nicht impfen lässt, kann zwar seinen Job behalten, erhält aber keinen Lohn mehr.

Frankreich hat die Corona-Massnahmen verschärft. Für viele Aktivitäten braucht es ein Covid-Zertifikat. Für das Gesundheitspersonal gilt eine Impfpflicht.
Frankreich hat die Corona-Massnahmen verschärft. Für viele Aktivitäten braucht es ein Covid-Zertifikat. Für das Gesundheitspersonal gilt eine Impfpflicht. bild: watson

Das Parlament beschloss auch, dass das Covid-Zertifikat häufiger zum Einsatz kommt: Bereits seit Mittwoch muss der Gesundheitspass, wie ihn die Französinnen nennen, bei Besuchen im Kino, Theater oder Museum vorgewiesen werden. Neu sollen auch Restaurantbesuche und Reisen in Fernzügen und im Flugzeug nur noch für Personen möglich sein, die geimpft, negativ getestet oder genesen sind.

Thousands of protesters gather at Place Trocadero near the Eiffel Tower attend a demonstration in Paris, France, Saturday July 24, 2021, against the COVID-19 pass which grants vaccinated individuals g ...
Tausende Demonstrierende versammelten sich am Samstag in Paris, um gegen die strengeren Corona-Massnahmen zu protestieren. Bild: keystone

Mindestens vier Grundrechte werden mit den neuen Regelungen eingeschränkt, schreibt die französische Tageszeitung Le Monde am Montag in einem Leitartikel. Das sei viel in einem Land der Menschenrechte.

Die Mehrheit der Bevölkerung steht aber hinter den Massnahmen. Gemäss einer Umfrage des Instituts Elabe für den Sender BFMTV vom 13. Juli sprachen sich 76 Prozent der Franzosen für eine Impfpflicht für das Gesundheitspersonal aus. Auch die Ausweitung des Gesundheitspasses stösst mehrheitlich auf Zustimmung.

Dennoch demonstrierten am Samstag mehr als 160'000 Menschen gegen die verschärften Regeln. In Paris skandierten die Demonstranten und Demonstrantinnen unter anderem «Freiheit, Freiheit» und riefen zum «Sturz» von Präsident Emmanuel Macron auf, den sie als «Tyrannen» bezeichneten.

Am Montag schrieb Macron auf Twitter, dass man die Pandemie nur gemeinsam besiegen könne, und weibelte weiterhin für die Corona-Impfung. Diese schreitet im eher impfkritischen Land tatsächlich voran: In den letzten zwei Wochen sind vier Millionen Menschen geimpft worden.

Italien

Für den Besuch im Fitnesscenter, Schwimmbad sowie im Innenbereich von Restaurants, Kinos und Museen braucht es in Italien ab dem 6. August ein Covid-Zertifikat.
Für den Besuch im Fitnesscenter, Schwimmbad sowie im Innenbereich von Restaurants, Kinos und Museen braucht es in Italien ab dem 6. August ein Covid-Zertifikat. bild: watson

Auch in Italien kommt der «Grüne Pass» bald häufiger zum Einsatz: Wegen der steigenden Infektionszahlen hat die Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi beschlossen, dass die Corona-Massnahmen verschärft werden. Wer ins Restaurant, Museum, Fitnessstudio oder ins Schwimmbad will, darf dies nur geimpft, getestet oder genesen tun.

Die erweiterte Nutzung des Grünen Passes sei kein willkürlicher Akt, sondern eine Bedingung für Öffnungen, begründete Draghi den Beschluss. Seitdem meldeten sich deutlich mehr Menschen für Impfungen an, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums bestätigte. Bis zum 24. Juli waren 47,9 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.

Gegen die strengeren Massnahmen gingen auch in Italien am Wochenende tausende Menschen auf die Strassen. In Rom versammelten sich etwa 3000 Gegnerinnen und Gegner des Grünen Passes.

People stage a protest against the "green pass" in Milan, Italy, Saturday, July 24, 2021. Italy's government approved a decree ordering the use of the so-called "green" passes ...
Menschen demonstrieren in Mailand gegen den vermehrten Einsatz des Grünen Passes. Bild: keystone

Schweiz

Obwohl auch in der Schweiz die Fallzahlen wieder ansteigen, ist derzeit nicht mit einer Verschärfung der Massnahmen zu rechnen. Trotzdem werden auch hierzulande ähnliche Regelungen diskutiert, wie sie in Frankreich und Italien bereits gelten.

Stiegen die Infektionszahlen weiterhin an, sei eine Ausweitung der Pflicht zum Zertifikat für Geimpfte, Genesene und Getestete zu prüfen, sagte etwa Lukas Engelberger, der Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz, der Zeitung Sonntagsblick. Betroffen vom Obligatorium wären laut seiner Aussage kleinere Anlässe, sportliche Aktivitäten, Sportanlässe, die Gastronomie oder Besuche in Spitälern und Pflegeheimen.

Mit Material der sda

Wo das Schweizer Covid-Zertifikat gültig ist
Anfang Juli anerkannte die EU das Schweizer Covid-Zertifikat. Das Schweizer Covid-Zertifikat ist mit der digitalen Schnittstelle der EU verbunden und kompatibel. Es soll vor allem helfen, das sichere Reisen während der Covid-19-Pandemie zu erleichtern. Wie das Zertifikat genau eingesetzt werden kann, entscheiden die einzelnen Staaten. Jedes Land bestimmt seine eigenen Einreiseregelungen und hat die Hoheit, sie je nach Entwicklung der epidemiologischen Lage anzupassen. Für Reisende mit dem Zertifikat ist es daher wichtig, sich stets über die aktuellen Einreisebestimmungen des Ziellandes zu informieren.
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BAG verteilt Torte zur Feier des Impffortschritts
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BAG verteilt Torte zur Feier des Impffortschritts
Sicht auf ein Plakat des BAG, am Montag, 19. Juli 2021, auf dem Bundesplatz in Bern. Das BAG informiert, dass die Impfkampagne voranschreite, zudem können sich Personen spontan gegen Covid-19 impfen lassen.
quelle: keystone / peter schneider
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148 Kommentare
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MCN1988
26.07.2021 16:02registriert Mai 2020
In Österreich muss man für Kino und Restaurant ebenfalls ein Zertifikat haben. Wir warem am Freitag im Cineplexx und das CH-Zertifikat hat perfekt funktioniert.

Restaurant, Fitness, Kino, Museum und Schwimmbad sind nicht überlebensnotwendig! Aber natürlich toll wenn man hingehen kann. Wer sich, aus welchem Grund auch immer, nicht impfen lassen kann/will, kann sich für das Vergnügen auch testen lassen. Wem das nicht passt, soll halt zu Hause bleiben. Diese Entscheidung ist jedem selbst überlassen 🤷🏻‍♀️
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Carbonara ohne Rahm
26.07.2021 15:04registriert Januar 2020
Das wird leider noch eskalieren wenn es so weiter geht.
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Swen Goldpreis
26.07.2021 15:30registriert April 2019
Kann mich mal jemand aufklären, ob ich da etwas missverstehe. Aber ich finde "Job behalten ohne Lohn" ist doch um einiges heftiger als "kündigen". Denn mit einer Kündigung bekommen die Leute wenigstens eine Arbeitslosenunterstützung.
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