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epa08933024 Emergency ambulances pictured at an Accident and Emergency Department of a Dublin City Hospital,  in Dublin, Ireland, 12 January 2021. Ireland is currently witnessing a enormous surge of COVID-19 cases after the Christmas season.  EPA/STR

In den irischen Spitälern ist die Situation angespannt. Bild: keystone

Wie Irland sich zu spät gegen B.1.1.7 geschützt hat und was die Schweiz davon lernen kann

Nirgends steigen Fallzahlen so schnell an wie in Irland – deshalb hat der Bund heute entschieden, dass per sofort alle Rückkehrer in der Schweiz in Quarantäne müssen. Schuld ist unter anderem eine mutierte Version des Coronavirus.



Heute vor einem Monat zählte Irland insgesamt 76'185 positive Tests. In den nur gerade vier Wochen seither sind nochmals so viele hinzugekommen. 2300 Personen sind verstorben. Und die Tendenz stimmt gar nicht optimistisch: Nirgends auf der Welt steigen die Fallzahlen so schnell an wie auf der Insel.

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Warum steigen die Zahlen so stark, obwohl Irland die schärfsten Massnahmen ausgerufen hat (Stufe 5 von 5)? Nicht unschuldig daran ist die in Grossbritannien erstmals aufgetauchte Virenmutation B.1.1.7.

Was hat B.1.1.7 in Irland bisher angerichtet?

Kurz vor Weihnachten meldeten die irischen Behörden, dass die britische Virenmutation in Irland definitiv nachgewiesen worden sei. Eine Woche später entschloss sich die Regierung, für das gesamte Land Level 5 des Lockdown-Ampelsystems einzuführen. Es trat am 30. Dezember in Kraft. Auch der Reiseverkehr zwischen Grossbritannien und Irland wurde erst dann eingeschränkt.

In den sieben Tagen dazwischen hat sich das Coronavirus in Irland so schnell ausgebreitet wie nie zuvor. Auch in den ersten knapp zwei Wochen des neuen Jahres konnte es bisher trotz Lockdown nicht gebremst werden. Irland meldete über 6000 neue Fälle an einem Tag (bei 4,9 Mio. Einwohnern).

«Die Geschwindigkeit, mit der sich die neue Variante verbreitet, übertrifft unsere pessimistischsten Modelle.»

Micheál Martin, irischer Premierminister

Wie stark der Einfluss der Virenmutation B.1.1.7 auf den exponentiellen Anstieg der irischen Fallzahlen ist, lässt sich (noch) nicht genau sagen. Laut der irischen Gesundheitsbehörde steige der Anteil der gefundenen Proben-Sequenzen aber stetig an. Nachdem vorletzte Woche noch 9 Prozent aller Proben die B.1.1.7-Mutation enthielten, waren es letzte Woche schon 25 Prozent. In dieser Woche konnte man die britische Virenmutation in 45 Prozent aller 92 Proben nachweisen, also schon fast bei jeder zweiten Probe.

Wie will Irland die Situation in den Griff bekommen?

Irland arbeitet mit einem System mit fünf Stufen. Während bei Level 1 noch Zusammenkünfte mit bis zu 10 Personen aus drei Haushalten erlaubt sind, darf man bei Level 5 gar keine Besucher mehr empfangen.

In dieser «strengsten» Stufe befindet sich Irland seit dem 31. Dezember 2020. Auch alle Schulen blieben seit den Ferien geschlossen. Das Haus darf man nur für die Arbeit oder essentielle Besorgungen verlassen. Individueller Sport im Freien ist erlaubt, allerdings nur in einem Umkreis von fünf Kilometern.

Ursprünglich waren die Massnahmen bis zum 31. Januar angedacht, mit grosser Wahrscheinlichkeit werden sie jedoch verlängert.

Ausserdem hat auch Irland mit dem Impfen begonnen. Am 29. Dezember erhielt die erste Person die erste der beiden benötigten Impfdosen. Irland arbeitete bisher mit dem Pfizer/Biontech-Impfstoff, hat aber auch mehrere Hunderttausend Impfdosen bei Moderna bestellt.

Werden die Impfungen B.1.1.7 aufhalten könnten?

Laut dem heutigen Wissensstand bieten die aktuellen Impfstoffe auch Schutz gegen die Virenmutation B.1.1.7.

Allerdings wird der Faktor der Zeit hier noch relevanter – denn B.1.1.7 breitet sich nach ersten Erkenntnissen rund 70% schneller aus als das bisherige Coronavirus. Bis ein gesamtes Land geimpft ist, dauert es eine gewisse Zeit. So steigen beispielsweise in Israel, dem Land mit der aktuell schnellsten Impfstrategie, die Fallzahlen wieder deutlich an – schuld daran soll ebenfalls die britische Virenmutation sein.

Auch welche Auswirkungen die schnellere Ausbreitung auf die benötigte Impfquote in einer Gesellschaft hat, ist zurzeit unklar. Die britische Epidemiologin Dr. Deepti Gurdasani formulierte es so: «Wenn ich wählen könnte, würde ich eine tödlichere Variante einer schneller übertragbaren Variante vorziehen.»

Was kann die Schweiz von Irland lernen?

Und diese Erfahrungen aus Irland dürften auch für die Schweizer Entscheidungsträger interessant sein. Schon wenige Tage mehr Zeit können einen entscheidenden Einfluss auf die Ausbreitung des neuen Virus haben. So zeigte eine Studie des Imperial College bereits Ende 2020, dass die Virusvariante B.1.1.7 den R-Wert um 0,4 bis 0,7 ansteigen lässt.

Die Basler Epidemiologin und Virenforscherin Emma Hodcroft hat die verbreiteten Virenvarianten nach Land untersucht. Auch wenn die Ergebnisse laut der Autorin wegen zu unklarer Datenlage mit grosser Vorsicht zu interpretieren seien, zeigt sich relativ eindeutig, dass in Irland inzwischen der grösste Teil der Fälle auf die britische Mutation («S:N501» in Pink) zurückzuführen ist.

Deren Anteil ist in der Schweiz zurzeit verhältnismässig klein. Einen starken Anstieg, wie es beispielsweise in Belgien, Portugal oder Australien zu erkennen ist, gilt es zu verhindern.

Verbreitungen der Virenvarianten

Die Gesundheitsexperten des Bundes beobachten die Situation in Irland besorgt. So sagte Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung beim Bundesamt für Gesundheit, an der Pressekonferenz vom Dienstag: «Wenn wir die jetzige Variante mit den jetzigen Massnahmen gerade so in Schach halten können [...], werden mit der neuen Variante zusätzliche Massnahmen unumgänglich sein.»

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