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Anti-AfD-Protest in Deutschland: Das sind die «Omas gegen rechts»

Anti-AfD-Protest: Das sind die «Omas gegen rechts»

Weil sie häufig selbst den deutschen Faschismus noch miterlebt haben, werden sie nun besonders laut: Wer sind die «Omas gegen rechts»?
12.02.2024, 11:52
von Christina Sticht / t-online
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t-online

Ganz gleich, ob in Berlin, München oder Hannover: Seit dem Treffen radikaler Rechter in Potsdam finden überall in Deutschland Demonstrationen für die Demokratie statt – und fast immer sind auch ältere Frauen zu sehen. «Omas gegen rechts», steht in Grossbuchstaben auf ihren Schildern, Bannern, Buttons oder selbst auf gestrickten Mützen. Doch wer sind die Omas gegen rechts?

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Die Omas gegen Rechts in Bad Berleburg, Nordrhein-Westfalen.Bild: www.imago-images.de

Auf der Internetseite des Vereins «Omas gegen rechts Deutschland» heisst es: "Wir sind eine zivilgesellschaftliche, parteiunabhängige Initiative, die am 27. Januar 2018 gegründet wurde, inspiriert von den österreichischen Omas gegen rechts.

Wie viele Aktivisten unter dem Label «Omas gegen rechts» demonstrieren, ist unklar. «Seit drei Wochen haben sich die Mitgliederzahlen im Verein mehr als vervierfacht», sagt Anna Ohnweiler aus Nagold in Baden-Württemberg, eine der Gründerinnen der Bewegung in Deutschland. Viele Ortsgruppen seien unabhängig vom Verein. Ohnweiler schätzt die Zahl der demonstrierenden Omas auf mindestens 30'000. Aktuell gründen sich auch in kleineren Städten und Gemeinden immer neue Gruppen.

Nachkriegszeit noch präsent im Kopf

In Hannover ist Uta Saenger die Organisatorin der Omas gegen rechts. Für die 70-Jährige ist das Engagement gegen Nazis, Menschenfeindlichkeit und Antisemitismus derzeit ein Fulltime-Job.

«Ich sehe es als eine Verpflichtung für unsere Generation an, unsere Erfahrungen weiterzugeben und zu warnen», sagt die zierliche Frau mit der roten Baskenmütze, die sich als «Antifaschistin aus Anstand» bezeichnet. Zu der Bezeichnung habe sie ein Zitat von Filmstar Marlene Dietrich inspiriert, die nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in die USA ging und sich gegen das Nazi-Regime engagierte.

Die ältesten Omas in ihrer Gruppe seien fast 90 Jahre alt und hätten aus ihrer Kindheit noch Erinnerungen an Bombenangriffe oder Flucht, erzählt Saenger. Viele nach 1945 geborene Omas wuchsen ihr zufolge mit vom Krieg traumatisierten Eltern auf.

In der Nachkriegszeit sei die Pädagogik zudem von «braunen Gedanken» durchdrungen gewesen. «Das war damals so präsent, dass man es jetzt sofort spürt, sieht und weiss, wenn es wieder in diese Richtung geht», sagt die 70-Jährige.

Omas protestieren noch für weitere Themen

Das zivilgesellschaftliche Engagement, das Politiker neuerdings so vehement in Reden einfordern, praktiziert die von älteren Frauen dominierte Bewegung in Hannover und anderen Orten schon seit 2018. Die Omas protestierten zum Beispiel vor Wahlkampf-Ständen und vor Parteitagen der AfD. Zudem hielten sie Mahnwachen nach rassistischen Übergriffen ab. In sozialen Medien werden Rednerinnen von ihnen auch angefeindet. Man müsse furchtlos sein, sagt Saenger. Sie habe auch schon Anzeige wegen Hetze im Internet erstattet.

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Sind schon länger unterwegs: Die Omas gegen Rechts im Oktober 2022 in München.Bild: IMAGO / Wolfgang Maria Weber

«Die Omas gegen rechts sind in jedem Fall eine ganz besondere Frischekur für unsere Demokratie», sagt Lorenz Blumenthaler, Sprecher der Amadeu Antonio Stiftung. Inzwischen setzen sich nach Angaben der Stiftung mehr als hundert Ortsgruppen «konsequent gegen Rechtsextreme, Antisemitismus und Rassismus» ein. «Aber sie streiten auch für Klimagerechtigkeit oder während der Corona-Pandemie gegen Verschwörungserzählungen», sagt Blumenthaler.

Einige aktive Omas sind schon in der Zeit der Studentenbewegung Ende der 1960-er Jahre auf die Strasse gegangen oder haben sich in der Friedens- und in der Anti-Atomkraft-Bewegung engagiert. Andere waren noch nie auf einer Demonstration, bevor sie sich im Rentenalter der Initiative angeschlossen haben. Auf Demos und bei Kundgebungen können die Omas laut sein – mit selbst getexteten Liedern und Trillerpfeifen.

Engagement gegen Antisemitismus

Aber es gibt auch leise Aktionen, etwa die Solidaritätswache vor einer Synagoge in Hannover. Seit dem Angriff der terroristischen Hamas auf Israel am 7. Oktober stehen jeden Freitagabend Dutzende Omas vor der Synagoge, manche mit Rollatoren, und auch bei Schneeregen. «Für uns ist das hier gelebte Anteilnahme und Freundschaft», sagt Uta Saenger in einer kurzen Ansprache vor ihren Mitstreiterinnen.

Die Vorsitzende des Landesverbandes der Liberalen Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, Rebecca Seidler, sprach bei einer Kundgebung vor 35'000 Menschen in Hannover die Omas gegen rechts direkt an und bedankte sich «von Herzen für das Zeichen der Solidarität und gegen jede Form von Antisemitismus», jeden Freitag «bei Wind und Wetter».

Ehrung für Einsatz

Bereits 2020 sind die Omas gegen rechts mit dem vom Zentralrat der Juden gestifteten Paul-Spiegel-Preis für ihr Engagement geehrt worden. Wegen der Pandemie wurde die Auszeichnung erst 2022 übergeben. Die Aktionsformen der Omas seien vielfältig, sagte Mitgründerin Gerda Smorra aus Bremen damals in ihrer Dankesrede.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat am Sonntag 03.07.2022 in Berlin zwei Vereine mit dem Paul-Spiegel-Preis fuer Zivilcourage geehrt. Der Fussballverein Tennis Borussia Berlin wurde bei dem Fe ...
Gerda Smorra (Mitte) gehört zu den Gründerinnen der Omas gegen Rechts.Bild: www.imago-images.de

Sie seien nicht nur gegen rechts auf der Strasse, sondern auch in Schulen, Volkshochschulen, Altenheimen oder Jugendzentren im Einsatz. Smorra betonte: «Omas sind alt, aber dank ihrer Lebenserfahrung vielfältig – und laut!»

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