Die beiden aktuellen Parteivorsitzenden Saskia Esken und Klingbeil haben in einer Gremiensitzung zudem Tim Klüssendorf als designierten Generalsekretär vorgeschlagen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur (dpa) aus Parteikreisen. Über Bas' Nominierung hatten zuvor mehrere Medien berichtet.
Esken hatte nach tagelanger Hängepartie angekündigt, nicht mehr kandidieren zu wollen und so die personellen Weichenstellungen ausgelöst. Die neue Spitze soll auf dem Bundesparteitag Ende Juni gewählt werden. Es wird erwartet, dass Klingbeil, der inzwischen als Vizekanzler und Finanzminister in die schwarz-rote Bundesregierung mit der christdemokratischen CDU von Kanzler Friedrich Merz gewechselt ist, wieder antritt. Die SPD wird seit einigen Jahren von einer Doppelspitze geführt.
Die 57 Jahre alte Bas, die bereits zuvor SPD-Abgeordnete war, hatte sich in der vergangenen Legislaturperiode als Präsidentin des Parlaments - des Bundestags - weithin einen guten Ruf erworben. Sie hatte damit das zweithöchste Amt im Staate inne.
Begonnen hatte für Bas alles im heute zu Duisburg gehörenden Walsum im westdeutschen Nordrhein-Westfalen, wo sie als Tochter eines Busfahrers und einer Hausfrau geboren wurde. Später lernte sie das Schweissen, schloss mehrere Aus- und Fortbildungen sowie ein Abendstudium ab und arbeitete im Vorstand einer Krankenkasse. Zur SPD kam Bas durch ihre Arbeit als Betriebsrätin. 2009 ging sie als siegreiche Direktkandidatin ihres Duisburger Wahlkreises in den Bundestag.
Tim Klüssendorf, der neuer Generalsekretär werden soll, ist Sprecher der Parlamentarischen Linken in der SPD. Nach dpa-Informationen schlugen Esken und Klingbeil ihn in den Gremiensitzungen vor. Der jetzige Generalsekretär Matthias Miersch war am Mittwoch zum neuen Fraktionsvorsitzenden gewählt worden.
Klüssendorf ist ein politischer Senkrechtstarter. Der 33-Jährige aus der norddeutschen Stadt Lübeck zog 2021 zum ersten Mal in den Bundestag ein. 2025 verteidigte der Wirtschafts- und Steuerfachmann sein Direktmandat in Lübeck.
Zahlreiche SPD-Politiker zollten Esken Respekt für ihre Rückzugsentscheidung. Zugleich gibt es aber auch Kritik am parteiinternen Umgang mit ihr. «Der Versuch, sie zum Sündenbock für unser miserables Wahlergebnis zu machen, war kein Ruhmesblatt und entsprach weder im Inhalt noch im Stil der Debatte den Grundwerten der SPD», sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner dem «Handelsblatt».
Klingbeil dankte Esken für ihre Verdienste. «Wir haben die SPD zusammen durch Höhen und Tiefen geführt. Das hat uns gegen viele Widerstände zusammengeschweisst», so Klingbeil. Die SPD war bei der Bundestagswahl im Februar auf 16,4 Prozent abgestürzt und fuhr damit ein historisch schlechtes Ergebnis ein. Trotzdem griff Klingbeil noch am Wahlabend nach dem Fraktionsvorsitz und baute seine Machtbasis so weiter aus. (dab/sda/dpa)